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Veröffentlicht am 17.03.2019

Ein „verspäteter“ Brief und die Liebe zu Honig

Honigduft und Meeresbrise (Neuauflage)
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Anna verbringt gern Zeit bei ihrer Oma und deren Bienen in Lüdinghausen. Doch seit ihre beste Freundin Mona und drei Wochen später auch ihr Opa gestorben sind, begleitet sie hier auch immer ein bisschen ...

Anna verbringt gern Zeit bei ihrer Oma und deren Bienen in Lüdinghausen. Doch seit ihre beste Freundin Mona und drei Wochen später auch ihr Opa gestorben sind, begleitet sie hier auch immer ein bisschen Wehmut. Diesmal möchte sich Anna darüber klarwerden, wie es in ihrer Beziehung zu Jens weitergehen soll. Doch ihre Auszeit von Jens und Dortmund gestaltet sich völlig anders, als sie zunächst geplant hatte, denn plötzlich stehen der Briefträger Achim, der Pressesprecher der Post und Peggy, eine Jugendfreundin von Anne, die nun Journalistin ist, vor der Tür. Sie überreichen Oma und Enkelin einen Brief, der vor fast 80 Jahren an Johannas Mutter Martha geschickt wurde. Damals wurde der Postsack entwendet, um die Moral der Deutschen Soldaten zu schwächen. Der Inhalt wirft viele Fragen auf und so machen Großmutter und Enkelin sich auf nach Ahrenshoop, um das Familiengeheimnis endlich zu lüften …

Man könnte sagen, die Bücher von Anne Barns sind alle gleich. Das stimmt zwar, aber nicht im negativen Sinne. Im Stil bleibt sie sich immer treu und das gefällt mir. Der Plot ist aber jedes Mal neu und anders. Ihr fällt immer wieder etwas Überraschendes ein. So liest man jedes Buch gern, mit Begeisterung, wird überrascht, gefesselt und erlebt eine große Bandbreite an Gefühlen. Ja, die Liebe spielt immer eine Rolle, doch verfällt diese Autorin nicht in die abgeschmackten Klischees und übertreibt die Romantik auch nicht. Im Gegenteil, hier kann sich jede Frau auf großen Strecken selbst wiederentdecken. Das liest sich gut und sorgt für entspannte Lesestunden. Noch dazu die schöne Stimmung am Meer, da hat man seine kleine Auszeit und eine Art geistigen Kurzurlaub beim Lesen.

Auch hier gab es einige kleine bis größere Wendungen, die mich erstaunt haben. Habe ich doch das Buch konzentriert gelesen und bin doch auf den einen oder anderen kleinen Trick hereingefallen. Das mag ich sehr und es hat hier super gut geklappt. Die Figuren haben alle auch Macken und Fehler. Nicht zu stark und übertrieben, aber genau so, dass sie authentisch wirken. Ob es die Art der Trauerbewältigung ist, das Ende einer Beziehung, das Prickeln einer neuen Liebe, das Planen eines neuen Lebensabschnittes, berufliche Veränderungen, Umzüge, schwierige verwandtschaftliche Verhältnisse oder kriminelle Familienmitglieder – bei Anne Barns ist immer alles glaubhaft. Mir ist dies wichtig, auch und gerade bei Unterhaltungsliteratur.

Für mich persönlich ist es immer wieder schön, Rezepte am Ende des Buches zu finden. Sie haben einen Bezug zur Geschichte und passen daher natürlich toll dazu. Es ist, als hätte man das Rezeptbuch von Annas Urgroßmutter in den Händen. Und ja, auch die Sehnsucht nach einem Urlaub am Meer wird hier, wie immer, geweckt. „Irgendwie lebt es sich da langsamer.“ Und Entschleunigung ist doch genau das, was wir uns alle insgeheim wünschen. Ich habe mir viele „kluge Sätze“ markiert, die es wert sind, nicht vergessen zu werden und als kleine „Tagesweisheiten“ prima Begleiter sind.
Man muss nicht der große Fan von Liebesromanen sein, um sich hier fallen lassen zu können und die Lesestunden zu genießen. Man muss nur bereit sein, das Leben ein wenig leichter zu nehmen. Mich hat zudem persönlich angesprochen, wie Anna Freundschaft lebt. Die zu ihrer verstorbenen Freundin Mona und die zu ihrer wiedergefundenen Freundin Peggy. Das mag daran liegen, dass ich selbst auch zwei Freundinnen „wiedergefunden“ habe und das sehr genieße. Darüber zu lesen ist aber ebenfalls wunderbar.

Ein tolles Buch, eine super schöne Message und eine großartige Autorin! Von mir gibt es fünf blitzeblanke Sterne!

Veröffentlicht am 17.03.2019

Der Falter, der Sahne liebt

Das große kleine Buch: Schmetterlinge
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Die Reihe „Das große kleine Buch“ steckt voller Schätze. Zu fast jedem Thema gibt es hier ein Büchlein, das die wichtigsten Fragen dazu beantwortet. Ich bin ein großer Fan dieser Reihe, auch wenn mir nicht ...

Die Reihe „Das große kleine Buch“ steckt voller Schätze. Zu fast jedem Thema gibt es hier ein Büchlein, das die wichtigsten Fragen dazu beantwortet. Ich bin ein großer Fan dieser Reihe, auch wenn mir nicht jedes Buch super gut gefällt.

„Schmetterlinge“ hilft Dummies wie mir, die Namen der herrlichen Insekten irgendwann doch noch zu lernen und hilft, den Garten so zu gestalten, dass sie sich heimisch fühlen. Ganz viele Informationen stecken hier drin, so kompakt, dass man sie rasch auffassen kann. Neben den wichtigsten (in Österreich) heimischen Arten gibt es auch Wissenswertes über Körperbau und Lebenszyklus der Schmetterlinge.

Nach einer Übersicht der wichtigsten heimischen Arten folgen die tieferen Informationen. So kann man die schönen Falter recht gut identifizieren und wer mag, erfährt noch allerlei über sie. Die Texte sind zwar lehrreich, aber nicht trocken geschrieben. Man lernt auch, sich stark ähnelnde Arten zu unterscheiden. Da das Büchlein so schön handlich ist, kann man es prima mit auf Wanderungen nehmen.

Wunderschöne Fotos und mit viel Liebe gestaltete Grafiken/Zeichnungen runden das Buch perfekt ab. Von mir gibt das die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 16.03.2019

Für einen Krimi viel zu ruhig

Lago Mortale
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Es ist August, es ist brütend heiß, die Hornissen brummen und Simon Strasser, ehemaliger Polizeireporter, möchte sich nur abkühlen im Lago d’Orta. Dabei entdeckt er eine herrenlose Yacht, darauf eine Leiche. ...

Es ist August, es ist brütend heiß, die Hornissen brummen und Simon Strasser, ehemaliger Polizeireporter, möchte sich nur abkühlen im Lago d’Orta. Dabei entdeckt er eine herrenlose Yacht, darauf eine Leiche. Seine Neugier treibt ihn dazu, auf eigene Faust zu ermitteln …

Leider kommt mir persönlich zu sehr der Stil einer Journalistin und Reisebuchautorin durch. Man erkennt das tatsächlich deutlich an den überaus detailreichen und ausführlichen Beschreibungen. So wird die reizvolle Landschaft – aber auch viele Speisen und andere Details – sehr genau beschrieben, aber dadurch schaltet mein Kopfkino einfach ab und ich verliere die Konzentration. Das lullt mich ein und macht mich müde. Das ist schade, denn so läuft ein für mich zu großer Teil ins Leere und es kommt keine rechte Spannung auf.

Einige der Szenen sind für mich auch etwas sehr unlogisch. So ist es schon mal sehr bemerkenswert, dass Simon immer wieder die Grenze der Legalität überschreitet, dabei aber nie in die Bredouille gerät. Seine Schlüsse sind immer total cool. Da er selbst sehr ruhig und gelassen, fast wie ein Langweiler erscheint, beißt sich das für mich doch öfter mal.

Die Figuren sind wunderbar unterschiedlich, doch konnte ich zu keiner eine enge Bindung aufbauen. Alle sind sie bis zuletzt einfach Passanten für mich geblieben, die ich zufällig beobachte, während ich gemütlich im Café sitze, die Sonne Italiens genieße und den lieben Gott einen guten Mann sein lasse. Will sagen: Mir ist das alles zu unaufgeregt und relaxed gewesen für einen Krimi.

Das zentrale Thema (ich möchte nicht spoilern, deshalb benenne ich es nicht) ist zwar recht aktuell, aber mir kam es hier so gewollt und gestelzt, so extrem pauschalisiert und klischeehaft vor. Nun ist dieses Buch der Auftakt einer neuen Reihe und ich bin nicht wirklich davon überzeugt, dass ich die Abenteuer des Deutsch-Italieners Simon Strasser und seiner quasi-Tochter weiter verfolgen möchte. Geschah auf weite Strecken sehr wenig, wurde alles am Ende für meinen Geschmack zu fix aufgelöst und Nicolas Gesinnungswandel erstaunt mich ebenfalls.

Insgesamt war dieser Krimi für mich eine unaufgeregte Lektüre, von der nicht viel nachhallt. So kann ich leider nur drei Sterne geben.

Frank Stöckle hat es absolut gut eingelesen, konnte das Ruder dennoch nicht herumreißen. Ich habe ihm sehr gerne zugehört und empfand auch seine Art, die einzelnen Charaktere darzustellen, als sehr angenehm und absolut gelungen. An ihm liegt es also nicht!

Veröffentlicht am 11.03.2019

Viel staubige Aktenarbeit, aber nicht unspannend

Dark Call - Du wirst mich nicht finden
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Die forensische Psychiaterin Holly Wakefield hält normalerweise Vorlesungen. Doch dann wird sie als Profilerin eingesetzt und soll helfen, einen Serienmörder zu fassen. Als Neuling hat sie es mit den Kollegen ...

Die forensische Psychiaterin Holly Wakefield hält normalerweise Vorlesungen. Doch dann wird sie als Profilerin eingesetzt und soll helfen, einen Serienmörder zu fassen. Als Neuling hat sie es mit den Kollegen manchmal nicht leicht und wird gern belächelt. Doch Holly ist der Wahrheit auf der Spur und ahnt nicht, dass der Fall mehr mit ihr zu tun hat, als ihr lieb ist.

Leider verrät meiner Meinung nach der Klappentext schon ein bisschen zu viel vom Inhalt. Schwerer wiegt jedoch, dass unendlich viele Serientäter erwähnt und beschrieben werden, sodass man quasi als Leser bergeweise staubtrockene Akten wälzt. Hin und wieder reißt dann eine Wendung die Kuscheldecke auf, unter der man inzwischen sitzt, nur um dann sofort wieder gemächlich weiter zu dösen. Die Höhepunkte sind geschickt eingestreut, aber dann wird nicht darauf aufgebaut. Mich persönlich stört und nervt das ein bisschen.

Da sich Griffin mehr auf das psychologische Spielchen begibt, trieft das Buch nicht vor Blut. Es gibt auch grausige Momente, doch sind sie nicht inflationär gestreut. Das mag ich. Alles andere wirkt immer sehr billig.

Ein besonderer Punkt eröffnet sich dem Leser erst am Ende des Buches. Doch hier ist dann der Effekt riesig, dass man das hätte wissen müssen. Solche Momente liebe ich!

Der Stil ist sehr gemächlich, nicht reißerisch, schon fast ein Cosy Crime. Erst am Ende fährt Mark Griffin so richtig auf und der Show-Down ist wirklich großartig. Für mich allerdings reicht das leider nur für drei Sterne. Aber abwarten, was die weiteren Bände bringen werden. Es ist ja der Reihen-Auftakt.

Veröffentlicht am 08.03.2019

Frau Merkel und die Winkekatze

Glückskatz
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Kommissar Steinböck hat es diesmal mit einem Mord zu tun, der einer wahren Hinrichtung gleicht. Als wäre das nicht genug, erreicht ihn ein Paket aus Japan, in dem eine Winkekatze ist, die eine seltsame ...

Kommissar Steinböck hat es diesmal mit einem Mord zu tun, der einer wahren Hinrichtung gleicht. Als wäre das nicht genug, erreicht ihn ein Paket aus Japan, in dem eine Winkekatze ist, die eine seltsame Nachricht überbringt. Frau Merkel versucht unablässig, diese Figur loszuwerden und scheut auch nicht davor zurück, mit gekonnter Manipulation andere dazu einzuspannen. Als Steinböck dann auch noch die Liebe begegnet, wird es vollends kompliziert, aber mithilfe der wilden Reporterin Husup, den Domeniks, Emil Mayer Junior und Ilona Hasleitner kommt er nach und nach der Lösung auf die Spur …

Auch in diesem Band sind die Dialoge zwischen der Katze Frau Merkel und ihrem Mitbewohner Steinböck einfach köstlich. Voller Sticheleien, aber immer auf den Punkt, sagt sie ihm ihre Meinung über die Geschehnisse, vor allem aber über die Personen. Da bekommt jeder sein Fett weg!

Gekonnt sind aktuelle und brisante Themen in die eigentliche Geschichte eingewebt. Von Donald Trump über skrupellose Profitgier (sei es bei Medikamenten oder Müll/Rohstoffrecyling) bis zu Verstümmelung an Frauen – Kaspar Panizza hat hier genug explosives Material zur Sprache gebracht, dass auch einem Cosy-Crime so nebenher auch noch ein Buch voller Denkanstöße wurde. So mag ich das – Unterhaltung, Humor, aber auch nicht den Blick auf das Wesentliche verlieren und trotz allem Spaß auch auf den Ernst in der Welt hinweisen. Die Wendungen sind gelungen und sorgen für Spannung.

Die Figuren sind sich selbst treu, haben sich aber auf angemessene Weise weiterentwickelt. So hat man das Gefühl, alte Bekannte wiederzutreffen, ohne dass diese langweilig würden. Veränderungen und Entwicklungen gehören zum Leben dazu und sollten meiner Meinung nach auch in Krimiserien ihren Platz finden. Hier sind sie stimmig und nicht zu krass – so soll es sein!

Die bayerische Lockerheit kommt an manchen Stellen auf besondere Weise daher. So weiß Steinböck beispielsweise, wie er haarscharf am Rande der Legalität zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann. Dabei kommt auch das Thema Flüchtlinge zu seinem Recht – auf eine wunderbare Weise, an der sich die Politiker mal eine Scheibe abschneiden könnten.

Nein, nicht alles ist im wahren Leben so einfach, wie es der Autor unseren Kommissar Steinböck machen lässt, aber dennoch liest sich das wunderbar und gibt zu denken. Nichts wirkt zu albern, obwohl viel Humor im Buch steckt. Der Ausgleich durch die ernsten Hintergründe tut das seinige dazu. So ist das Buch rundum gelungen und für meinen Geschmack „perfekt gewürzt“.

Ich hatte viel Spaß beim Lesen und mochte kaum aufhören. Für so viel Kurzweil gebe ich sehr gerne die vollen fünf Sterne und bin gespannt, wann Steinböck und Frau Merkel uns wieder mit einem spannenden Fall unterhalten werden. Ich bin dann auf alle Fälle mit dabei!