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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.06.2018

Ein Ort für jedes Gefühl!

LONELY PLANET Bildband The Place to be
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Reisen kann neben der Erholung auch andere Bedürfnisse stillen: Ehrfurcht, Gelassenheit, Leidenschaft, Glück, Erleuchtung, Alleinsein, Vergnügen, Inspiration, Nervenkitzel, Erfüllung, Abenteuer, Besinnung. ...

Reisen kann neben der Erholung auch andere Bedürfnisse stillen: Ehrfurcht, Gelassenheit, Leidenschaft, Glück, Erleuchtung, Alleinsein, Vergnügen, Inspiration, Nervenkitzel, Erfüllung, Abenteuer, Besinnung. Für jeden kann ein- und dasselbe Ziel eine andere Bedeutung haben. Deshalb sollte man die hier vorgenommene Einteilung nicht zu starr sehen.

Beim im Buch Blättern und darin Versinken merkt man es schon: die Bilder und Beschreibungen wirken! Sie wecken Sehnsüchte nach Orten, die eben eines oder mehrere dieser Schlagworte füllen können und bringen uns ganz automatisch auf Ideen, welche Orte und Plätze für uns selbst diese Bedeutungen haben können – ob nah oder fern!

Immer wieder greife ich gern zu diesem Buch, blättere darin herum, lese ganze Abschnitte hintereinander weg oder suche mir bestimmte Plätze auf dieser Welt darin über den Index aus. Hier liest man nicht unbedingt von A-Z, man mag das Buch sehr gern griffbereit daliegen haben und immer mal wieder darin abtauchen. Aber Vorsicht – die Sammlung an Reiseführern wird sich damit schnell exorbitant erhöhen, denn schnell entdeckt man mal wieder einen neuen Ort, an den man unbedingt möchte und über den man sich genauer informieren möchte.

In diesem Buch finden sich ganz viele sehr besondere Plätze, doch machen gerade die auch Lust auf einfachere Plätze – es muss nicht die chinesische Mauer sein, es kann auch der Ostseestrand sein. Wichtig ist was die Bilder und Beschreibungen im Leser und Betrachter auslösen können. Allein die Reise per Buch ist schon eine Art Medizin.

Das Buch ist sehr hochwertig gemacht. Es hat ein stolzes Gewicht, besteht aus hochwertigem Papier und ist übervoll mit traumhaft schönen Fotografien von Landschaften, Tieren, Menschen, Orten, Plätzen – es zeigt die Welt der Emotionen und regt, wie im Vorwort gewünscht, tatsächlich dazu an, genau diese nicht nur in der großen weiten Welt, sondern auch zu Hause zu finden.

Ich kann mich immer wieder in diesem Buch verlieren. Dafür gibt es die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 16.06.2018

Fellinger auf Spurensuche

Eiskalter Hund
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Fellinger wollte eigentlich Polizist werden, aber sein Knie hat ihm da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber als Lebensmittelkontrolleur ist man ja auch sowas wie ein Polizist, oder etwa nicht? ...

Fellinger wollte eigentlich Polizist werden, aber sein Knie hat ihm da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber als Lebensmittelkontrolleur ist man ja auch sowas wie ein Polizist, oder etwa nicht? Kein Wunder also, dass Fellinger zu ermitteln beginnt, als er durch einen anonymen Tipp beim Chinesen eine Kontrolle durchführt und da im Kühlhaus einen toten Hund am Haken hängen sieht. Schnell wird Fellinger klar, dass hier ein Verbrechen vorliegt, denn das Frauchen des Hundes ist nicht auffindbar und das ist nicht normal. Vom Bayerischen Wald in die Tschechei und wieder zurück, Felllinger gibt alles …

Mit der Figur des Fellingers ist Oliver Kern ein wunderbar schräger, gleichzeitig aber so lebensechter Typ gelungen, dass es eine große Freude ist, ihm bei seinen „Ermittlungen“ über die Schulter zu sehen. Seine Schlussfolgerungen sind einfach erfrischend, teils urkomisch, aber immer naheliegend. Fellingers Knie klemmt hin und wieder, er tut sich schwer damit, sich Namen zu merken, besonders dann, wenn ihm die Person nicht sympathisch ist und er ist Anfang 40 und Single. Wer den Eberhofer mag und sich am Kluftinger erfreut, wird den Fellinger lieben. Er ist urkomisch, ohne klamaukig zu sein. Mich erinnert er so ein klein wenig an Wilsberg. Den muss man ja auch einfach mögen und der bewegt sich ja auch immer hart am Rande der Legalität. Und wie Wilsberg hat auch Fellinger seine nicht sonderlich kooperative Connection zur örtlichen Polizei.

Das Lesevergnügen ist riesig gewesen bei diesem ersten Band und ich bin überzeugt, dass da noch Potenzial für viele weitere Fälle ist. Die bayerischen Ausdrücke halten sich in Grenzen, färben das ganze jedoch genug ein, dass man sich im Bayerischen Wald glaubt. Für alle Preißn gibt es eine kleine Übersetzungshilfe am Ende des Buches.

Die Story selbst ist gut ausgedacht und so aufgebaut, dass man alles nachvollziehen kann und es stimmig ist. Die Spannung ist teils nicht besonders groß, aber sie baut sich zum Showdown hin immer mehr auf. Die Zusammenhänge sind so logisch, wie auch witzig. Man muss immer wieder schmunzeln. Fellingers saloppe Art gefällt mir einfach. Sein Humor ist ein bisschen fies, geht in Richtung Sarkasmus, aber irgendwie ist er auch einfach im Recht damit.

Wer keinen bierernsten Krimi lesen mag, sondern auch mal gern lacht, der ist hier genau richtig. Berti Fellinger ist keine Kopie, sondern ein uriges Original. Macht dann auch fünf Sterne!

Veröffentlicht am 12.06.2018

Scherz oder Ansage?

Kluftinger (Ein Kluftinger-Krimi 10)
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Da muss der arme Kluftinger mit in die Kirche, obwohl er gar keine Lust dazu hat, und dann auch noch das: der stolze Neu-Opa steht vor seinem eigenen Grab! Ist das nun ein Scherz oder eine Ansage? Nach ...

Da muss der arme Kluftinger mit in die Kirche, obwohl er gar keine Lust dazu hat, und dann auch noch das: der stolze Neu-Opa steht vor seinem eigenen Grab! Ist das nun ein Scherz oder eine Ansage? Nach und nach ergeben sich Aspekte, die niemand erwartet hätte, am wenigsten Kluftinger selbst …

Bisher ging der Kluftinger-Hype komplett an mir vorbei. An diesem Band kam ich jetzt einfach nicht vorbei und ich muss sagen, ich hatte beim Hören sehr viel Spaß. Die Charaktere sind urig und nur so weit überzogen, dass es noch halbwegs glaubwürdig und nicht klamaukig wird. Die Familienbande, das Starktun, die Autostory, die Ermittlungen, die Sache mit dem Philosophen/Metzger/Hund … zig kleine Einzelkomponenten, die für sich und zusammengenommen einfach eine tolle Geschichte ergeben.

Dass das Hörbuch mit drei Sprechern eingelesen wurde, gefällt mir außerordentlich gut. Jeder hat seine Stärken zeigen dürfen und wurde super passend für die entsprechenden Figuren eingesetzt. Das hört sich genial flott und lockerflockig weg. Diese Idee sollten andere Autoren/Verlage unbedingt übernehmen. Bisher kenne ich das in dieser Form nicht.

Weniger gefällt mir, dass es so einige lose Fäden gibt, mehr oder weniger Cliffhanger. Die Story selbst kann man prima hören oder lesen, ohne die vorherigen Fälle zu kennen, doch merkt man gleich, dass in diesem Band Enden von anderen Bänden weitergesponnen wurden und hier auch wieder Fäden darauf warten, in einem weiteren Band fortgesponnen zu werden. Immerhin ist dies der 10. Band der Reihe und hier erfährt man von der Jugend Kluftingers. Reichlich spät, oder? Auch sein Vorname wird erstmals hier erwähnt! Name und Geschlecht vom Butzele? Ein Mysterium! Was ganz am Ende noch offen bleibt, verrate ich hier nicht – dann wäre ja alle Spannung im Eimer.

Ob ich nun zum neuen Klufti-Fan geworden bin? So genau kann ich das nicht sagen. Bis auf die oben genannten Punkte bin ich sehr gut unterhalten worden. Aber ich bin kein wirklicher Serienfan, besonders dann nicht, wenn sie sehr lang weitergeführt werden. Ich befürchte auch, dass ich mich bei mehreren solcher Krimis recht schnell langweilen würde, denn trotz allem gut gemachtem Humor sind dies Dinge, die sich schnell abnutzen.

Dennoch – dieser Band allein für sich bekommt von mir vier Sterne und die Autoren ein dickes Lob für die Art, wie sie die Figuren mit ihren Stimmen belebt haben.

Veröffentlicht am 12.06.2018

Selbstgemacht schmeckt doppelt gut!

Schnäpse und Liköre: Brennen, Ansetzen, Verschenken
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In der Reihe „Land & Werken“ finden sich viele unterschiedliche Titel – da ist für jeden etwas dabei! Manche der Hobbies und Themen interessieren mich weniger, aber es gibt immer wieder neue Titel und ...

In der Reihe „Land & Werken“ finden sich viele unterschiedliche Titel – da ist für jeden etwas dabei! Manche der Hobbies und Themen interessieren mich weniger, aber es gibt immer wieder neue Titel und bisher waren schon einige dabei, die ich mir gegönnt habe. Die Bücher sind allesamt super gut aufgebaut, alles wird verständlich in Wort und Bild erklärt und man kann immer wieder neue Anregungen finden.

Schon ein paar Jahre ist es bei uns im Freundeskreis ein beliebtes Hobby, leckere Liköre zu machen. Da gibt es wunderbare und auch verrückte Rezepte – aber allesamt sind super lecker. Alle freuen sich, wenn sie ein Fläschchen davon mitgebracht bekommen und alt wird kaum ein Inhalt: viel zu schnell weggetrunken!

Dieses Buch befasst sich auch mit dem Brennen und dafür gelten Gesetze. Auf die rechtlichen Aspekte wird deshalb ebenso eingegangen, wie auf die Geschichte des Alkohols und das Basiswissen rund um den Alkohol. Danach folgen Rezepte für Schnäpse, aufgesetzte Schnäpse, Liköre und Blitzliköre. Auch wie man klare Schnäpse veredelt erfährt man, ebenso werden Spezialitäten erwähnt. Der gute alte Rumtopf kommt hier sogar auch mal wieder zum Zuge!

Ganz klar, das Brennen ist etwas aufwendiger, die meisten Liköre und aufgesetzten Schnäpse sowie die Blitzliköre sind aber meiner Meinung nach für alle ohne große Probleme machbar. Vor allem macht es Spaß und es ist ein tolles Gefühl, selbst etwas hergestellt zu haben. Die Arbeitsschritte sind gut erklärt. Natürlich sind die Rezepte zum Teil nur an bestimmten Monaten machbar, beispielsweise kann man nicht das ganze Jahr Maiwipfel ernten und Löwenzahnblüten und Holunderblüten gibt es auch nur ein paar Wochen im Jahr. Doch im nächsten Jahr ist wieder Blüte- und Erntezeit dafür und es gibt genug andere Rezepte, um die Zeit bis dahin zu überbrücken.

Mir macht dieser Band sehr viel Freude. Ich sammle hübsche Fläschchen und diese werden dann mit den edlen Tropfen gefüllt, nett etikettiert und verschenkt. Von mir bekommt das Buch die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 09.06.2018

Im Wein liegt die Wahrheit – aber auch die Gefahr

Château Mort
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Luc Verlains erster Sommer im Aquitaine geht dem Ende zu, der Herbst naht und damit die Weinlese. Der traditionelle Marathon du Médoc führt durch die Weinberge und an den Winzern vorbei. Die Läufer ...

Luc Verlains erster Sommer im Aquitaine geht dem Ende zu, der Herbst naht und damit die Weinlese. Der traditionelle Marathon du Médoc führt durch die Weinberge und an den Winzern vorbei. Die Läufer sind verkleidet und verkosten auf ihrem Lauf auch Rotweine. Als zwei Läufer zusammenbrechen und einer davon sogar stirbt, wird Lucs Spürsinn geweckt. Warum führen alle Spuren zu seinem Freund Richard?

Luc Verlain ist ein netter, charmanter Charakter – aber dennoch erfüllt er das Klischee des lebenslustigen Franzosen. Dabei stellt er das so an, dass man ihm kaum böse sein kann. Ob aber Anouk, seine Kollegin, mit der er sehr gerne eine Beziehung aufbauen würde, auch so sieht, muss der interessierte Leser oder Hörer selbst herausfinden.

Der Stil dieses Krimis ist sehr charmant – das französische Flair, die Weinberge, die kulinarischen Verlockungen, Beschreibungen der Gegend und der Menschen, alles ist auf den Punkt gebracht und wirkt. Die persönlichen Beziehungen des Kommissars nehmen nicht zu viel Raum ein, obwohl man sehr viel erfährt. Doch das alles ist so gekonnt in den Fall eingewoben, dass eins das andere unterstützt und betont. Das gefällt mir sehr. Noch dazu liest Frank Arnold das Hörbuch wie gewohnt perfekt ein. Seine Stimme und seine Stimmmelodie passen hervorragend, er betont und vertont die Figuren so, dass man sie direkt vor Augen hat.

Die kleinen Intrigen, Machtspielchen, Verwicklungen und Entwicklungen hat Alexander Oetker so hervorragend konstruiert, dass man immer wieder schmunzeln muss und sich fragt, ob er diese Figuren nicht tatsächlich kennt und im Krimi nur ein wenig überzeichnet „verwendet“.

Dies ist ein Wohlfühlkrimi – aber so wohl man sich auch fühlt, die Spannung plätschert teilweise etwas flach dahin. Interessant ist jedes einzelne Kapitel, aber wirklich mitraten kann man nicht so richtig. Dazu fehlen kleine Hinweise. Dennoch – 497 Minuten ungekürzte Lesung und somit auch ungetrübter Hörgenuss, der mit vier Sterne wert ist.