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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.05.2026

Inselidylle wird zum Albtraum

Bachelorette Party
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Vier beste Freundinnen treffen sich im Mai 2012 auf einer einsamen Schäreninsel, wie es seit Jahren ihre Tradition ist. Alle vier verschwinden spurlos und gelten für tot. Ein Junggesellinnenabschied wird ...

Vier beste Freundinnen treffen sich im Mai 2012 auf einer einsamen Schäreninsel, wie es seit Jahren ihre Tradition ist. Alle vier verschwinden spurlos und gelten für tot. Ein Junggesellinnenabschied wird im April 2022 in einem neugebauten Yoga Retreat auf derselben Insel gefeiert. Tessa, eine in Ungnade gefallene Podcasterin, wittert hier einen spektakulären Fall und forscht über das Schicksal der Frauengruppe von damals nach, zumal die Besitzerin der neuen Hotelanlage die Schwester einer der verschwundenen Frauen ist.

Mich hat der Thriller sehr gut unterhalten. Ich mochte das Setting auf der einsamen Schäreninsel Isle Blind und die zwei Gruppen von unterschiedlichen Frauen, die durch Freundschaft verbunden sind. Zudem liebe ich Geschichten, die auf unterschiedlichen Zeitebenen spielen und letztendlich ineinandergreifen.

Durch Tessas Investigationen entsteht eine Dynamik, die mich immer wieder zum Buch greifen ließ. Ich konnte es nur schwer aus der Hand legen. Gerade am Ende nimmt die Geschichte nochmal richtig an Fahrt auf. Die Geschehnisse wirken etwas zu konstruiert, was mir persönlich aber nicht die Lesefreude genommen hat. Für mich ist „Bachelorette Party“ von Camilla Sten ein unterhaltsamer und spannender Thriller, der 4 von 5 Junggesellinnen verdient.

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Veröffentlicht am 23.05.2026

Neuinterpretation eines Klassikers als Thriller

Beth is dead
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„Beth is Dead“ von Katie Bernet setzt die klassischen Charaktere der Schwestern Jo, Amy, Meg und Beth March aus „Little Women“ von Louisa May Alcott modern in Szene. Wie der Titel verrät, stirbt Beth zu ...

„Beth is Dead“ von Katie Bernet setzt die klassischen Charaktere der Schwestern Jo, Amy, Meg und Beth March aus „Little Women“ von Louisa May Alcott modern in Szene. Wie der Titel verrät, stirbt Beth zu Anfang des Buches. Stück für Stück wird ihr Schicksal aus den Perspektiven der vier Schwestern und auf zwei Zeitebenen – heute und vorher – enthüllt.

Mir gefallen die Perspektiven- und Zeitwechsel sehr gut, da sich je nach den unterschiedlichen Charakteren immer wieder ein leicht anderes Bild ergibt. Die Eigenschaften und Verhaltensweisen der Schwestern ähneln dabei sehr den Originalfiguren von Louisa May Alcott. Katie Bernet hat sie damit vom 19. ins 21. Jahrhundert geholt, was eine originelle Geschichtenidee ist. Das Ganze dann in einen Thriller zu packen war ein kleiner Geniestreich – ich wurde sehr gut unterhalten und habe gerne mitgerätselt.

Warum gebe ich dann nicht die volle Punktzahl? Das liegt daran, dass man auf den Täter tippen kann, wenn man den Originalroman und dessen Charaktere kennt. Natürlich hätte hier auch ein Twist kommen können, aber das war nicht der Fall. Dennoch kann ich das Buch jedem ans Herz legen, der gerne mitfiebert, wer der Täter ist und eine Neuinterpretation von beliebten Charakteren zu schätzen weiß. Außerdem ist das pinkfarbene Cover ein echter Hingucker. Von mir gibt es verdiente 4 von 5 Schwestern.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Ein Herzensbuch über das Briefeschreiben

Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand
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Normalerweise lese ich ein Buch relativ zügig durch, doch für „Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand“ habe ich mir viele Wochen Zeit gelassen. Der Roman der koreanischen Schriftstellerin Baek Seungyeon ...

Normalerweise lese ich ein Buch relativ zügig durch, doch für „Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand“ habe ich mir viele Wochen Zeit gelassen. Der Roman der koreanischen Schriftstellerin Baek Seungyeon ist so ein Genuss, dass ich jede Zeile langsam auf mich wirken ließ. Ich habe sehr viele Sätze markiert, weil sie mich berührten, beispielsweise was der Inhaber des Letter Shops Kang Seonho in einem Interview äußert: „ ‘Sich Zeit zu nehmen, um über sich selbst nachzudenken und sein eigenes Bild zu gestalten, das man anderen vermitteln möchte, genau das wollte ich fördern. Das ist die Idee hinter dem Letter Shop. Das ist das Wesen eines Briefes.‘ “ (S. 186)

Als Hyoyeongs Mutter nach einem Unfall Unterstützung benötigt, aber Hyoyeongs ältere Schwester Hyomin aus dem Familiengefüge verschwunden ist und daher dafür nicht in Frage kommt, kann Hyoyeong die Filmhochschule nicht beenden und arbeitet nicht wie ursprünglich erträumt als Regisseurin. Stattdessen findet sie einen Job in einem Briefladen. Im Laufe der Monate findet sie mehr und mehr Gefallen daran, was zu einem großen Teil auch an den Kunden liegt, von denen einige zu Freunden werden.

Mir gefällt die ruhige Atmosphäre des Buches. Die Geschichte entwickelt sich langsam – ähnlich wie ein Brief verfasst wird. Es ist schön, Hyoyeong dabei zu begleiten, wie sie sich nach dem Abbruch der Ausbildung ein neues Leben aufbaut und zuletzt auch zu ihrer Schwester zurückfindet. Dabei spielen Briefe eine große Rolle. Manche davon stammen von Kunden der echten Letter Shops in Yeonhui und Seongsu, die ihre Briefe 2024 für diese Aktion eingereicht hatten. Das verleiht dem Roman noch mehr Authentizität.

Der Buchschnitt ist ein sogenannter „Rough Cut“, dessen Unregelmäßigkeit sehr gut zum Thema passt – handgeschrieben, individuell. Das Cover ist eines der schönsten, die ich je gesehen habe und zeigt eine junge koreanische Frau, die an einem Tisch sitzend einen Brief im Letter Shop verfasst. Für mich hat während der Lektüre auch die Zeit hin und wieder stillgestanden – ich habe mich in diesem Buch einfach wohl gefühlt: „Die Atmosphäre, die sie umgab, formte ihre Gedanken und ihren Charakter auf subtile Weise.“ (S. 223) Das empfand ich beim Lesen genau so für mich selbst. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung für jeden, dem Briefe etwas bedeuten – wohlverdiente 5 von 5 Briefen.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Experimente in einer Klinik?

Einer flog über das Möwennest
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Ich liebe ja die Anspielungen an berühmte Filme oder Bücher, die Krischan Kochs Küsten-Krimi-Reihe das gewisse Extra verleihen. So unterhält auch der 14. Band „Einer flog über das Möwennest“ hervorragend ...

Ich liebe ja die Anspielungen an berühmte Filme oder Bücher, die Krischan Kochs Küsten-Krimi-Reihe das gewisse Extra verleihen. So unterhält auch der 14. Band „Einer flog über das Möwennest“ hervorragend mit den liebenswerten Charakteren rund um Dorfpolizist Thies Detlefsen und einem mysteriösen Urnenfund sowie Ungereimtheiten in einer Klinik.

Althippie Bounty und seine Freunde finden bei einem Badeausflug eine Urne in einem Möwennest. Wessen Asche ist darin und was hat es mit dem Diamanten in der Urne auf sich? Detlefsens Tochter Telje absolviert derweil ihr Medizinpraktikum in einer Klinik in Sankt Peter-Düne, in der so einiges nicht mit rechten Dingen zugeht.

Ich liebe einfach alles an diesem Buch, angefangen mit dem Cover, das einen erstaunten Thies vor dem Möwennest mit Küken und Urne zeigt. Für mich liegt die Stärke der Reihe vor allem in den wiederkehrenden Charakteren, die mir im Laufe der Zeit zu guten Freunden geworden sind. Ich freue mich jedes Mal in den Imbiss „De Hidde Kist“ zurückzukehren. Dort kommen dank dem neuen Rechtsmediziner Hung Nguyen ein paar vietnamesische Gerichte auf die Speisekarte, die am Ende des Buch aufgeführt sind und richtig Appetit machen.

Ich konnte den Krimi kaum aus der Hand legen und fieberte mit, was wohl als Nächstes passiert. Sehr viel schmunzeln musste ich dieses Mal dank dem „Baustellen-TV“, das Hertha Ahlbeck und ihr Kurschatten Kurt verfolgen. Ich lege jedem dieses Buch ans Herz, der gerne zu Cozy Crime greift und Wert auf liebenswert-skurrile Charaktere legt. Diesem nordfriesischen Charme kann man sich einfach nicht entziehen. Von mir bekommt „Einer flog über das Möwennest“ wohlverdiente 5 von 5 Übungen nach Pieper-Kracht.

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Wem kannst du trauen?

Das Signal
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Viola Decker verliert bei einem Unfall im einstürzenden Keller ihr linkes Bein. Nach dem Krankenhausaufenthalt ist sie ans Erdgeschoss ihres Hauses gebunden und zuerst auf Rollstuhl und Krücken angewiesen. ...

Viola Decker verliert bei einem Unfall im einstürzenden Keller ihr linkes Bein. Nach dem Krankenhausaufenthalt ist sie ans Erdgeschoss ihres Hauses gebunden und zuerst auf Rollstuhl und Krücken angewiesen. Ihr Ehemann Adam hat eine Pflegerin engagiert, zu der Viola allerdings keinen rechten Draht hat. Immer mehr keimt in Viola der Gedanke auf, ob ihr perfektionistisch veranlagter Gatte sie in ihrem jetzigen Zustand vielleicht loswerden möchte. Und warum kann sie sich nicht genau an die Umstände ihres Unfalls erinnern?

Ich habe diesen Psychothriller regelrecht verschlungen und konnte ihn kaum aus der Hand legen. Als Viola dank im Internet bestellter Minitracker u.a. ihren Mann bei den täglichen Routen auf einer App verfolgen kann, war ich ebenso neugierig wie sie. Führt Adam wirklich etwas im Schilde? Hat die Pflegerin Otilia einfach eine abweisende Natur oder hat sie vielleicht Anweisungen? Können Violas Freundinnen Romy und Marit ihr vielleicht helfen?

Ich habe schon länger keinen so hervorragenden Domestic Noir Thriller mit vielen Twists gelesen, die ich so nicht erwartet hätte. Alle Charaktere sind sorgfältig gezeichnet; alle Handlungen machen letztendlich Sinn. Ich wurde sehr gut unterhalten und kann dieses Buch mit Anleihen aus einem Techno-Thriller nur empfehlen. Hier ist die Kombination aus psychologischer Spannung, technischen Elementen und einem Kammerspiel wirklich sehr gelungen. Wie Viola fühlte ich mich regelrecht eingesperrt und versuchte mit ihr aus der Situation auszubrechen. „Das Signal“ von Ursula Poznanski erhält von mir verdiente 5 von 5 Minitracker.

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