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Veröffentlicht am 29.01.2018

Klassiker ist nicht gleich Klassiker

Lieber Daddy-Long-Legs
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Ich wusste vorab, dass unter anderem Lena von Büchernest Blog sehr gespannt auf die deutsche Veröffentlichung von Lieber Daddy Long-Legs war. Und zugegeben, genau das hat mich so neugierig gemacht, weil ...

Ich wusste vorab, dass unter anderem Lena von Büchernest Blog sehr gespannt auf die deutsche Veröffentlichung von Lieber Daddy Long-Legs war. Und zugegeben, genau das hat mich so neugierig gemacht, weil sie nur des Lobes war. Als es dann endlich soweit war und das Buch im September 2017 erschien, hatte ich mir vielleicht einmal kurz den Klappentext durchgelesen (sagen wir vielmehr überflogen). Aus dem Grund hatte ich auch wenig Erwartungshaltung was die Handlung und deren Verlauf anging. Was jetzt im Nachhinein betrachtet wohl echt nicht verkehrt ist.

Denn eins muss man sich wohl beim Lesen von Lieber Daddy Long-Legs vor Augen halten: Das Buch wurde vor über 100 Jahren von der Autorin Jean Webster geschrieben. Das merkt man in der Art, im Verlauf und auch in der Ruhe, die die gesamte Geschichte ausstrahlt.

Das mag nicht jedem zusagen. Ich bin mir auch nicht mehr sicher, woher ich diesen Vergleich im Kopf habe, aber irgendwo meine ich mal gelesen zu haben, dass wenn man Jane Austen gerne liest, dieses Buch auch mögen würde. Was irgendwie nicht richtig stimmt, weil die Geschichte zwar den Zeitgeist erfasst, aber doch, meiner Meinung nach, wenig mit Austen gemein hat. Man muss ja nicht jeden Klassiker von weiblichen Autoren über einen Kamm scheren, oder?

Worum geht es aber in Lieber Daddy Long-Legs? Als Leser begleitet man die junge Judy auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Durch einen wohlwollenden Sponsor (Daddy Long-Legs) erhält sie die Möglichkeit zu studieren und erlebt dabei einige mehr oder weniger außergewöhnliche Sachen. Das Ganze wird ungewöhnlicherweise in Form von Briefen erzählt, die alle von Judy verfasst und an ihren Gönner geschickt werden. Eben genau das macht das gesamte Buch sehr ruhig. Allerdings weiß Jean Webster ihre Protagonistin stark und ihrer Zeit voraus darzustellen, was sehr erfrischend ist. Judy ist selbstständig, wissbegierig und alles andere als auf den Mund gefallen. Alles wird aus der Perspektive von Judy beschrieben, meist zeitversetzt, weil es natürlich Nacherzählungen aus dem Alltag sind und einen wirklichen Gegenpart, einen Dialog, findet man nicht vor.

Ich fand das ehrlich gesagt sehr schade. Ich hätte mir zumindest ein oder zwei Briefe seitens ihres Gönners gewünscht. Trotzdem hat das meiner Lust weiterzulesen oder die Geschichte in sich selbst zu genießen, keinen Abbruch getan. Denn immer wieder muss man Schmunzeln, genießt die Wortwahl und man spürt hervorragend, wie sich Judy von einem jungen Mädchen zu einer selbstsicheren Frau entwickelt. Vielleicht ist die Geschichte etwas vorhersehbar, vielleicht erscheint Judy auch stellenweise arg naiv und nicht ganz so selbstbestimmt. Aber das liegt wohl an dem bereits erwähnten Zeitgeist, der sich unverkennbar in der Geschichte präsent hält.


Fazit

Das Buch ist für einige nette Lesestunden geeignet, wenn man es sich ganz nostalgisch im Lesesessel mit einer Tasse Tee bei herbst-winterlichen Wetter gemütlich machen mag. Die Leichtigkeit und Lebensfreude sind ein wahrer Genuss beim Lesen. Großartig anspruchsvoll oder actionreich ist es dennoch nicht, weswegen man diese Art von Buch eben auch mögen muss.

Veröffentlicht am 29.01.2018

Geiles Cover, geiler Klappentext

Familie Grace, der Tod und ich
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and then … that. Ich wünschte, ich hätte die Möglichkeit gehabt, das Buch noch 2017 fertig zu lesen, denn dann hätte ich sagen können: Im letzten Jahr habe ich Familie Grace, der Tod und ich gelesen und ...

and then … that. Ich wünschte, ich hätte die Möglichkeit gehabt, das Buch noch 2017 fertig zu lesen, denn dann hätte ich sagen können: Im letzten Jahr habe ich Familie Grace, der Tod und ich gelesen und es war grausig.

Leider hatte ich das Pech es mit in das neue Jahr zu schleppen, weswegen es rein vom Hören her noch sehr präsent ist. Aber damit kann ich auch schon sagen, welches mein bisher schlechtestes Buch in diesem Jahr war. Nämlich Familie Grace, der Tod und ich von Laure Eve.

Ich will hier niemanden unnötig auf die Folter spannen, deswegen komme ich direkt zu den Dingen, die einfach in meinen Augen fürchterlich waren.

Niemand braucht Twilight 2.0 mit Hexen. Und das ist Familie Grace, der Tod und ich. Wir haben da die gute River, die neu in der Stadt ist, die sich komplett um die einzig wahre Sonne dreht. Nämlich die Grace-Familie (nun, kommt einen bekannt vor, oder?). Eine schillernde Prominenz umgibt diese Familie mit ihren drei Kindern, die genauso mysteriös, anziehend wie elitär sind wie eine gewisse Vampir-Familie. Mit dem Fakt, dass die eben nicht nach Blut dürsten (jedenfalls nicht direkt) und lieber mal die Elemente und Magie beschwören.

River schafft es natürlich als Einzige aus der ganzen Stadt, der ganzen Schule, einen Zugang zu dieser mysteriösen Familie zu bekommen. Und natürlich gibt es einen gefährlichen Fluch, den River abschrecken sollte. Was es nicht tut. Überraschung!

Lange Rede, kurzer Sinn: Der erste Teil des Buches ist unglaublich lahm. Ich hab nicht umsonst den ganzen Dezember gebraucht, um immer mal wieder wenige Seiten weiterzukommen. Dieses Buch klingt toll, ist aber weder originell, noch spannend noch außerordentlich in Wort und Stil, dass es mich nur in irgendeiner Weise magisch (hihi, Wortwitz) angezogen und motiviert hätte weiterzulesen. Es ist wirr, es ist belanglos in der Handlung, ausschweifend und uninteressant. Rund 200 Seiten lang habe ich Rumgeschmachte (denn River ist in den attraktiven einzigen Sohn der Familie verknallt – tell me something new!), Geschleime und Effekthascherei ertragen, um dann dankenswerterweise auf den rund letzten 10 % des Buches ENDLICH so etwas wie einen roten Faden und einen Hauch von Spannung zu finden.

Im zweiten Teil des Buches war das alles dann viel düsterer, spannender und ja, auch besser geschrieben, dennoch ging mir River als Protagonistin fürchterlich auf den Keks. Trotz Erfahrungen und gewisse Probleme, scheint River ziemlich lernresistent und diese merkwürdige Familie, über die man eigentlich kaum was erfährt wird auf ein Podest gehoben, welches sich meinem Verständnis einfach entzieht. Damit verbaut die Autorin der Geschichte ordentlich Entwicklungspotential und macht es mir als Leserin schwer ein konstantes Interesse an der Protagonistin sowie an der Geschichte selbst zu entwickeln. Sowas macht keinen Spaß und ist für mich gleichbedeutend mit Zeitverschwendung.


Fazit

Ich war tatsächlich ungemein froh, als ich Familie Grace, der Tod und ich endlich beendet habe. Für solche Bücher habe ich einfach keinen Nerv. Man muss nicht das Rad neu erfinden, aber etwas origineller in den Beziehungskonstrukten und dem ganzen Setting hätte es doch sein dürfen. Und dann erst gegen Ende wirklich etwas klarer werden, einen Hauch Individualität und einen roten Faden für die Handlung einbringen? Sorry, aber das ist wirklich zu spät und macht mir dann echt keine Lust mehr einen etwaigen Folgeband zu lesen.

Veröffentlicht am 29.01.2018

Ein so unglaublich wichtiges Buch

Good Night Stories for Rebel Girls
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Es könnte natürlich sein, dass ich in den nächsten fünf bis zehn einfach keine einzige Tochter gebäre und dann einfach dieses tolle Buch dementsprechend nicht vorlesen und weitergeben kann, aber dennoch ...

Es könnte natürlich sein, dass ich in den nächsten fünf bis zehn einfach keine einzige Tochter gebäre und dann einfach dieses tolle Buch dementsprechend nicht vorlesen und weitergeben kann, aber dennoch empfinde ich das Buch als eins der Besten, die im vergangenen Jahr 2017 erschienen sind.

Warum?

Well, it’s simple as fuck. Ich brauch eigentlich nicht groß ausholen, um wohl den meisten klarzumachen, dass es eben eine Rolle spielt, wie man Kindern etwas vorlebt. Vor allem, dass man jungen Mädchen vorlebt, dass sie sich den geschlechtlichen Stereotypen nicht hingeben brauchen, sondern auch auf die Kacke hauen dürfen. Verrückte, geniale, außerordentliche Dinge tun und sagen dürfen, es manchmal Mut erfordert, dass man auf Widrigkeiten stößt und trotzdem alle Neune im Leben – irgendwann – abräumt. Jeder Traum ist verdammt wertvoll, jede Vision verdient es gesehen, gehört und ausgelebt zu werden. Und genau das vermittelt Good Night Stories for Rebel Girls.

100 Geschichten, 100 Frauen finden sich in diesem so unglaublich kreativ und bunt gestalteten Buch, deren Geschichten so alltäglich, besonders, inspirierend sowie rührend sind. Es wäre eine unglaublich traurig, wenn dieses Buch nicht zu einem Kinderbuch-Klassiker werden würde.

Ein leichter, flüssig lesender Schreibstil macht jede einzelne Geschichte zu einem besonderen Moment. Auf jeder Doppelseite wird eine Geschichte erzählt, wobei diese immer recht kurz und knapp gehalten sind. Was der Botschaft an sich dennoch keinen Abbruch tut.

Egal, ob jung oder alt, in Good Night Stories for Rebel Girls von Elena Favilli und Francesca Cavallo liest, blättert und stöbert man gerne. Die jungen Leser werden sich sicher die wunderschönen Illustrationen angucken, die älteren werden nach der einen oder anderen Geschichte sicher zu Google greifen. So ging es jedenfalls mir.


Brauche ich dieses Buch?

Ja, ich bin der Meinung, das Buch sollte in jedem Haushalt stehen. Auch in denen, wo derzeit nur Söhne großgezogen werden. Denn wie irrtümlich wäre die Idee des Feminismus, wenn es darum ginge das männliche Geschlecht aus diesem Buch auszuschließen, nur weil die Geschichten von starken Mädchen und Frauen handeln? Jungen können auch von diesen Geschichten lernen und sich inspirieren und motivieren lassen, das ist ja das Wunderbare!


Fazit

Für die kommenden und jungen Generationen ist Good Night Stories for Rebel Girls ein Must-Read. Doch auch die erwachsenen Leser können sich hier die eine oder andere Lebensweisheit abgreifen. Es ist ein super Buch, welches ich hoffentlich noch ganz vielen Menschen ans Herz legen darf.

Veröffentlicht am 16.11.2017

Dan Brown braucht neue Ideen für den Handlungsverlauf

Origin
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Ich wünschte ja, ich hätte von der Leber weg ein bisschen mehr zu dem Buch zu sagen. Allerdings ist das nicht der Fall. Vielmehr ist da eine gewisse Leere, wenn ich das Buch im groben und ganzen im Kopf ...

Ich wünschte ja, ich hätte von der Leber weg ein bisschen mehr zu dem Buch zu sagen. Allerdings ist das nicht der Fall. Vielmehr ist da eine gewisse Leere, wenn ich das Buch im groben und ganzen im Kopf Revue passieren lasse. Was ist tatsächlich im Kopf geblieben? Denn zugegeben, von den „Dan Brown“-Büchern war ich immer sehr begeistert. Ganz vorne mit dabei sind eben einfach Sakrileg und Illuminati, die mich in der Spannung der Story und in der Entwicklung von Robert Langdon unglaublich gefesselt haben. Mit „Das verlorene Symbol“ wurde Dan Brown schon ein weites Stück moderner und gefühlt gesellschaftskritischer. Und auch bei Origin habe ich das Gefühl, dass der Autor sich seiner Reichweite mittlerweile sehr bewusst ist und auch etwas bewegen mag?

Auf jeden Fall ist mir der eine oder andere gesellschaftskritische Ton bezüglich Religion oder der Entwicklung der Menschen in Zusammenhang mit künstlichen Intelligenzen nicht entgangen. Persönlich finde ich solche Gedankengänge sehr interessant und gerade deswegen sollte mich Origin augenscheinlich sehr unterhalten haben. Oder nicht?

Unterhalten hat es mich. Das ist richtig. Aber nur solange es eben darum ging, das Geheimnis, welches Robert Langdon in der diesmaligen Kombo mit Ambra Vidal, der Verlobten des spanischen Kronprinzen, zu ergründen.

Es mag daran liegen, dass Dan Brown sich gerne den alten (bisher erfolgreichen) Mustern bedient, haben sie schließlich in der Vergangenheit funktioniert und unzählige Menschen dazu bewegt all seine Bücher zu lesen, doch „Origin“ hat mich nicht wirklich gepackt. Damit meine ich in Bezug auf eine gewisse Anspannung, ein Mitfiebern und eine unbändige Neugier auf des Rätsels Lösung. Das Rätsel selbst hat Dan Brown wieder wunderbar in die Geschichte eingestreut und auch präsent gehalten, durch eine emotionale Geschichte, um den Entdecker der spektakulären Neuigkeiten. Doch das reicht nicht aus, um von der Blässe der Charaktere abzulenken.

Die persönliche Bindung zu Robert Langdon hat, für mich, bisher noch nie so geschwächelt. Klar, man kennt Robert, wenn man die vorherigen Bände um ihn gelesen hat. Trotzdem hat man als Leser immer noch ein wenig mehr zu dieser Person bekommen. Diesmal hatte ich den Eindruck, dass Robert Langdon langsam – entschuldigt bitte – lächerlich wird. Die Art, wie er Fälle angeht und wie das drumrum aufgebaut wird, lutscht sich aus. Wenn man sich das Muster ansieht, dass er in seinem Leben so oft in brenzlige Situationen gerät (wohlgemerkt als Professor einer Universität, nicht als Undercover-Ermittler der Mafia oder CIA) und immer einen weiblichen „Side-Kick“ abbestellt bekommt, die ihm stets irgendwie verfällt, frage ich mich, wie das noch sein kann. Ob dem Autor da die Ideen ausgehen, er bequem wird oder auf Nummer sicher gehen mag? Alle drei Punkte wären mehr als tragisch.

Die Reihe um Robert Langdon wird vorhersehbar. Das mag man als Gelegenheitsleser ganz gerne lesen, weil es vertraute Muster sind, die einen als Leser in ein weiches, gemachtes Bett setzen. Anspruch, gar Originalität und eine dringend nötige Weiterentwicklung der Figur Robert Langdon, inklusive einem Makeover vom Handlungsverlauf, sind hier fehlende Puzzlestücke, die das Bild und die Wirkung von „Origin“ für mich verzerren und das Buch zu einem 08 15-Roman machen. Einen Thriller mag ich das Buch gar nicht nennen, denn erst gegen Ende kommt eine prickelnde Würze hinein, die ich mir schon viel eher gewünscht hätte.


Fazit
Ich hatte mir mehr erhofft – na gut, was heißt mehr? Ich hatte wenigstens auf genauso viel Spaß, Spannung und Action gehofft, wie in den Büchern, um Robert Langdon, davor. Das blieb hier nahezu aus. Das Buch bietet einige wenige Spannungsspitzen, die aber so schnell kommen, wie sie auch gehen. Dan Brown vermisst es, meiner Meinung nach, immer mal wieder eine Schippe draufzuschlagen und mich damit von den Socken zu hauen. Daher ist „Origin“ ein Buch was „nur“ ein gewisses Mittelmaß erreicht.

Veröffentlicht am 27.06.2017

So anders, so neu, so fantastisch

Magonia
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So etwas habe ich noch nie gelesen.

Das ist der Anfang dieser Rezension und sollte eigentlich alles aussagen, oder? Aber es ist tatsächlich so. Etwas wie Magonia von Maria D. Headley hatte ich bis dato ...

So etwas habe ich noch nie gelesen.

Das ist der Anfang dieser Rezension und sollte eigentlich alles aussagen, oder? Aber es ist tatsächlich so. Etwas wie Magonia von Maria D. Headley hatte ich bis dato nicht gelesen und welch eine Welt muss das vorher gewesen sein? Denn dieses Buch ist Fantasie und Traumwelt pur.

Dieses Buch verkörpert jeden Traum, eine besondere Magie, die hoch oben in den Wolken schwebt. Die Faszination für den Himmel, die Möglichkeiten dort oben, sind so fantastisch und faszinierend. Hat man nicht als Kind auf Wiesen gelegen, ewig in den Himmel gestarrt und den Wolken Formen und Tiere zugeordnet? In ihnen ein besonderes Himmelreich gesehen? Es erinnerte mich vom Gefühl her an Peter Pan. Diese kindliche Fantasie mit dem Fliegen daraus.

Die Autorin Maria D. Headley hält diese naive, aber unglaubliche fantastische Welt fest und hebt sie auf einen neuen Level. Jedenfalls war das für mich so. Und es hat mich begeistert, ja, fast schon umgehauen. Denn ich habe mich tatsächlich an diese sprühende Fantasie und Hoffnung von einst, als kleines Kind, erinnert gefühlt. Dass das noch ein Buch schafft, hat mich arg überrascht und allein deswegen hätte dieses Buch schon einen besonderen Platz in meinem Regal verdient.

Doch das wäre wohl auch nicht möglich, wenn die Autorin nicht diesen besonderen, sehr leichten und doch detailverliebten Schreibstil hätte, der aber auch bis aufs letzte Worte sitzt, so dass diese besondere Atmosphäre stimmt. Ich lese Bücher nicht in einem Rutsch.

Allerdings haben es mir die Charaktere in diesem Buch eben auch sehr einfach gemacht. Aza hat allein schon diesen fantastischen Namen und ihr Schicksal ist unglaublich tragisch. Was die Autorin übrigens auch unglaublich emotional beschrieben hat. Im ersten Drittel des Buches kullerten deswegen schon die Tränen. Man empfindet natürlich eine unglaubliche Empathie Aza gegenüber. Und ihr bester Freund Jason ergänzt sie auf süße und verrückte Art und Weise. An ihm habe ich regelrecht einen Narren gefressen, weil er so ein Streber ist, dabei ein unfassbar großes Herz hat und eine unendliche Liebe gegenüber Aza empfindet. Wer auf große und epische Liebesgeschichten steht wird seitens Jason auf eine wunderbare Art bedient. Seine Liebe ist pur, ohne dabei kitschig zu sein oder zu werden. Das geht – und Magonia ist ein gutes Beispiel dafür.

Und so wunderbar ich das Buch auch fand, gab es ein paar Sachen, die ich eben auch zu kritisieren habe. Da wäre zum Beispiel einfach, dass Aza zwar sympathisch war, aber irgendwie naiv. Als sie auf dem Schiff in den Wolken landet, ergibt sie sich für meinen Geschmack ziemlich schnell ihrem Schicksal. Anfangs kann man das noch so sehen, dass sie einfach nicht glauben kann, was da passiert ist und dass die Realität ist, aber danach, wenn sie den Alltag in Magonia begeht, fand ich das alles ziemlich schnell ad acta gelegt. Sie lebt in einer verdammten Welt in den Wolken, ist von ihrer Familie getrennt, von Jason und dass sie gefühlt niemals versucht Kontakt aufzunehmen, mehr zu hinterfragen oder abzuhauen, erschien mir einfach nicht richtig an den Stellen. Das habe ich schon irgendwie erwartet und das fehlte mir. Aber auch unabhängig von Aza gab es ein paar Eckpunkte, die ich nicht ganz so rund fand, z. B. das Jason einfach so an den Arsch der Welt reisen kann, ohne dass es ansatzweise schwierig war oder gewisse Experimente ihrer Mutter unbemerkt durchgewunken wurden…

Schlussendlich bin ich aber sehr zufrieden mit der Geschichte, weil sie so anders und fast schon innovativ wirkte. Großes Kopfkino ist hier vorprogrammiert und das finde ich einfach nur großartig.


Fazit

Fantasy per excellence! Magonia bietet ein richtig geiles und vor allem traumhaftes Setting. Ich habe so etwas in der Art noch nicht gelesen und bin absolut begeistert. Die Geschichte ist nicht frei von kleinen Makeln, aber es ist ein genialer Auftakt und ich träume schon von der deutschen Übersetzung zu Aerie, dem zweiten Band.