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Veröffentlicht am 12.12.2025

Must Read

Prinzessin der tausend Diebe – Betrayed
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Prinzessin der tausend Diebe – Betrayed von Thea Hong hat mich von der ersten Seite an völlig in seinen Bann gezogen. Schon bevor ich das Buch überhaupt aufgeschlagen hatte, war ich extrem gespannt darauf ...

Prinzessin der tausend Diebe – Betrayed von Thea Hong hat mich von der ersten Seite an völlig in seinen Bann gezogen. Schon bevor ich das Buch überhaupt aufgeschlagen hatte, war ich extrem gespannt darauf und das hat auch einen sehr persönlichen Grund: Ich war letztes Jahr in Seoul und habe mich dort Hals über Kopf in die koreanische Kultur verliebt. Diese Mischung aus Tradition, Spiritualität, moderner Leichtigkeit und einer so tief verwurzelten Ästhetik hat mich nachhaltig beeindruckt. Seitdem greife ich noch begeisterter zu Geschichten, die dieses Flair einfangen. Genau deshalb war meine Vorfreude auf das Buch riesig und sie wurde tatsächlich sogar übertroffen.

Thea Hong schafft es, ein koreanisch inspiriertes Setting zu kreieren, das mich beim Lesen direkt an viele Momente meiner Reise erinnert hat: die ruhigen Tempelhöfe, die leuchtenden Nachtmärkte, die alten Mythen, die selbst in der Großstadt spürbare Spiritualität. Auch wenn „Prinzessin der tausend Diebe“ natürlich eine Fantasygeschichte ist, hat sie für mich genau diese besondere Stimmung eingefangen und ich fühlte mich sofort wieder in dieses Land zurückversetzt, das ich so lieben gelernt habe.
Im Mittelpunkt steht Sora, eine junge Frau, die als Tochter eines mächtigen Clanoberhaupts ohne Magie geboren wurde und deshalb schon als Kind verstoßen wurde. Obwohl sie sich ein neues Leben aufgebaut hat, zwingt die schwere Krankheit ihrer Mutter sie zurück in eine Welt, aus der sie eigentlich geflohen war. Was mich an ihrer Geschichte so berührt hat, ist die Mischung aus Verletzlichkeit und Stärke, mit der sie ihren Weg geht. Sie ist keine perfekte Heldin, sondern jemand, der zweifelt, stolpert und manchmal unangenehme Wahrheiten aussprechen muss und gerade das macht sie so authentisch und nahbar. Ich habe unglaublich gerne mit ihr mitgefiebert und war beeindruckt, wie sehr sie über sich hinauswächst, ohne dabei ihre Persönlichkeit zu verlieren.

Soras unfreiwillige Rückkehr zum Clan gerät schnell zu etwas viel Größerem, als sie erwartet. Der Moment, in dem sie in die Zwischenwelt gezogen wird und dort dem Tigergott Ran begegnet, hat für mich den ganzen Roman zum Leuchten gebracht. Ran ist so ein wunderbarer Gegenpol zu ihr: humorvoll, neugierig, sanft, aber gleichzeitig mächtig und voller Geheimnisse. Was mir besonders gefallen hat, ist die Art, wie die beiden miteinander umgehen. Es entsteht keine erdrückende Liebesgeschichte, sondern eine warmherzige Verbindung voller Respekt, die sich ganz natürlich entwickelt. Ran unterstützt Sora, ohne sie zu bevormunden, er erkennt ihre Stärke und fördert sie, statt sie in den Schatten seiner göttlichen Macht zu stellen. Die beiden haben eine Dynamik, die mich dauernd lächeln ließ.

Was das Buch für mich aber wirklich besonders macht, ist das Setting. Die koreanischen Einflüsse sind nicht nur Dekoration, sondern durchdringen jede Seite: die Götterwelt, die Ahnenrituale, die Legenden, das Clanleben und die spirituellen Prüfungen. Alles wirkt stimmig und tief verwurzelt in der Kultur, ohne dabei je erdrückend oder belehrend zu werden. Die Zwischenwelt, in der ein großer Teil der Handlung spielt, ist atmosphärisch, geheimnisvoll und manchmal beunruhigend, aber immer faszinierend. Ich hatte während des Lesens ständig klare Bilder im Kopf, als würde ich durch die Orte hindurchlaufen und selbst Teil der Geschichte sein.

Die Prüfungen, denen Sora sich stellen muss, gehören zu den intensivsten Momenten des Buches. Sie sind abwechslungsreich, oft düster, manchmal brutal und vor allem emotional unglaublich dicht erzählt. Jede Prüfung zwingt Sora, sich nicht nur ihren Gegnern, sondern auch ihren eigenen Ängsten und Verletzungen zu stellen. Ich fand es beeindruckend, wie vielschichtig diese Szenen gestaltet waren: mal voller Action, mal voller Schmerz, mal voller Erkenntnis. Nichts wirkte wiederholt oder vorhersehbar, und manche Enthüllungen haben mich wirklich überrascht.

Ein großes Lob verdient auch der Schreibstil. Thea Hong schreibt klar und modern, aber gleichzeitig so bildhaft, dass sich die Szenen wie Filmsequenzen im Kopf entfalten. Die Sprache ist leicht und flüssig, sodass man mühelos durch die Seiten gleitet, ohne jemals das Gefühl zu haben, etwas verpasse an Tiefgang oder Atmosphäre. Gerade die Mischung aus emotionalen Momenten, lebendigen Beschreibungen und pointiertem Humor hat mich beim Lesen vollkommen begeistert. Es ist einer dieser Romane, bei denen man „nur ein Kapitel“ lesen möchte und plötzlich ist es mitten in der Nacht, weil man einfach nicht aufhören konnte.

Auch emotional hat mich die Geschichte sehr berührt. Besonders Soras Beziehung zu ihrer Mutter, die voller Liebe, Verlustangst und Hoffnung steckt, ist wunderschön dargestellt. Ebenso die Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit, ihrer Familie und den vielen Geheimnissen, die im Laufe der Handlung ans Licht kommen. Es gibt mehrere Stellen, die mir wirklich nahegingen, manchmal, weil sie schmerzhaft waren, manchmal, weil sie überraschend zärtlich oder versöhnlich ausfielen. Am Ende war ich vollkommen erfüllt, gleichzeitig aber auch absolut neugierig auf den zweiten Band.

Prinzessin der tausend Diebe ist für mich ein echtes Highlight: eine kraftvolle Fantasygeschichte mit Herz, Humor und einer Welt, die lange nachhallt. Ich kann jedem, der starke Heldinnen, asiatisches Worldbuilding und emotionale Spannung liebt, dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 21.11.2025

So sehr geliebt!

The Knight and the Moth
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Ich habe mich sehr auf The Knight and the Moth gefreut und ehrlich, Rachel Gillig hat mich komplett verzaubert. Schon nach den ersten Seiten war ich wieder mitten in dieser düsteren, magischen Welt, die ...

Ich habe mich sehr auf The Knight and the Moth gefreut und ehrlich, Rachel Gillig hat mich komplett verzaubert. Schon nach den ersten Seiten war ich wieder mitten in dieser düsteren, magischen Welt, die sie einfach so unglaublich gut zum Leben erwecken kann.

Seit neun Jahren lebt Sybil Delling mit ihren fünf Schwestern in der Kathedrale von Aisling. Dort dienen sie als Wahrsagerinnen – oder, wie sie selbst sagen würden: als Werkzeuge der Götter. Um ihre Visionen zu empfangen, muss Sybil regelmäßig in das heilige Wasser steigen und ertrinken, um im Tod die Zukunft zu sehen. Ihr Leben ist streng geregelt, voller Rituale und Regeln, bis eines Tages der Ritter Rodrick „Rory“ Myndacious nach Aisling kommt und alles durcheinanderwirbelt.

Sybil war für mich sofort eine unglaublich greifbare Protagonistin. Man spürt, wie hin- und hergerissen sie ist zwischen Pflicht und Freiheit, Glauben und Selbstbestimmung. Ihre Entwicklung hat mich richtig berührt, sie wächst über sich hinaus, findet zu sich selbst und kämpft für das, woran sie glaubt.

Rory ist das perfekte Gegenstück: ungläubig, ruppig, aber mit einem Herz, das größer ist, als er zugeben will. Ich mochte, wie ihre Beziehung sich langsam aufbaut, kein klassisches Insta-Love, sondern eine echte, greifbare Verbindung voller Spannung, Neckereien und Vertrauen.

Und dann gibt es da noch den Gargoyle Bartholomew, mein absoluter Lieblingscharakter! Er bringt mit seinem Humor und seiner direkten Art eine wunderbare Leichtigkeit in die sonst so düstere Geschichte. Seine Sprüche, seine Loyalität und sein goldener Kern machen ihn zu einem echten Highlight.

Was Rachel Gillig einfach unglaublich gut kann, ist Atmosphäre erschaffen. Diese Welt wirkt so lebendig, gleichzeitig geheimnisvoll, fast gotisch, voller Nebel, Schatten und leiser Magie. Ich hatte beim Lesen ständig Bilder im Kopf, als würde ich selbst durch die Gänge der Kathedrale laufen. Ihr Schreibstil ist poetisch, aber nicht schwer. Man merkt, wie viel Liebe in jedem Satz steckt. Besonders die Dialoge zwischen Sybil und Rory sind voller Witz, Tiefe und Emotion und ich habe beim Lesen gelacht, geschmunzelt, aber auch mitgelitten. Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, manchmal ruhig und gefühlvoll, dann wieder actionreich und unheimlich. Man merkt, dass Gillig nicht einfach eine Liebesgeschichte erzählt, sondern eine Geschichte über Schicksal, Glaube, Identität und Mut.

The Knight and the Moth hat mich komplett in seinen Bann gezogen. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil mich die Mischung aus düsterer Stimmung, emotionaler Tiefe und zarter Romantik einfach nicht losgelassen hat. Rachel Gillig hat eine Welt geschaffen, die so vielschichtig, magisch und melancholisch ist, dass man sie nach dem Lesen nicht sofort verlassen kann, sie bleibt hängen, wie ein Lied, das man nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

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Veröffentlicht am 18.09.2025

Gelungener Abschluss

Lessons in Falling
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Mit Lesson in Faking schließt Seina Mae ihre Hall Beck University-Reihe ab und ich muss sagen, dieser Band hat mich von allen dreien am meisten gepackt. Vielleicht liegt es daran, dass die Geschichte nicht ...

Mit Lesson in Faking schließt Seina Mae ihre Hall Beck University-Reihe ab und ich muss sagen, dieser Band hat mich von allen dreien am meisten gepackt. Vielleicht liegt es daran, dass die Geschichte nicht auf dem Campus, sondern auf der sommerlichen Oakport Island spielt. Das Setting wirkt wie ein frischer Wind: Sonne, Meer, das Leben in einem Ferienhaus, all das schafft eine warme, lockere Atmosphäre, die perfekt zu einer Liebesgeschichte passt.

Im Zentrum stehen Valeria und Caden, zwei Figuren, die in den vorherigen Teilen eher am Rande geblieben sind. Genau deshalb fühlte sich dieses Buch für mich fast wie ein eigenständiger Roman an. Ihre gemeinsame Vorgeschichte, eine einzige leidenschaftliche Nacht, die sie nun beide nicht vergessen können, sorgt sofort für Spannung. Dass sie ausgerechnet jetzt ein Zimmer teilen müssen, verstärkt die Anziehung und führt zu vielen intensiven Momenten.

Valeria mochte ich von Anfang an, auch wenn mich ihre ständigen Selbstzweifel und der Verweis auf den alten „Freundschafts-Pakt“ ihrer Clique manchmal genervt haben. Trotzdem fand ich es nachvollziehbar, dass sie immer wieder zwischen Loyalität und eigenen Gefühlen hin- und hergerissen ist. Caden dagegen war für mich die eigentliche Überraschung: ein Charakter, der nicht nur charmant und witzig, sondern auch verletzlich und sehr authentisch wirkt. Trotz seiner eigenen Päckchen strahlt er eine Wärme aus, die ihn für mich zu einem echten Herzenscharakter gemacht hat.

Die Dynamik zwischen den beiden ist der Kern der Geschichte, mal voller Prickeln, mal voller leiser Emotionen. Besonders schön fand ich, dass die Autorin nicht nur auf die romantische Spannung setzt, sondern auch viel Raum für persönliche Entwicklung lässt. Beide lernen, Grenzen zu hinterfragen, Verantwortung abzulegen, die nicht wirklich ihre ist, und für das einzustehen, was sie wirklich wollen.

Der Schreibstil von Seina Mae hat mir ausgesprochen gut gefallen: leicht, gefühlvoll und mit einer Bildhaftigkeit, die es mir einfach machte, komplett in die Geschichte einzutauchen. Gerade weil der Plot insgesamt eher ruhig verläuft, trägt die Art, wie erzählt wird, viel dazu bei, dass man als Leser dranbleibt.
Natürlich gab es auch Punkte, die für mich nicht ganz rund waren. Manche Konflikte wirkten überzogen oder hätten sich schneller lösen lassen, und ich hätte mir gewünscht, dass die Clique insgesamt noch ein bisschen mehr Raum bekommt. Dennoch überwiegt für mich das Positive deutlich.

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Veröffentlicht am 27.08.2025

Tolle Fortsetzung

Beyond Shattered Moons
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Nach dem gefühlvollen Auftakt der London-is-Lonely-Reihe war meine Neugier auf den zweiten Band riesig. Schon das Ende von Beneath Broken Skies hat viele Fragen offengelassen und die Emotionen der Figuren ...

Nach dem gefühlvollen Auftakt der London-is-Lonely-Reihe war meine Neugier auf den zweiten Band riesig. Schon das Ende von Beneath Broken Skies hat viele Fragen offengelassen und die Emotionen der Figuren aufgewühlt. Umso gespannter war ich, wie es weitergeht und Anna Savas hat mich auch dieses Mal nicht enttäuscht.

Beyond Shattered Moons setzt unmittelbar an die Ereignisse des ersten Teils an. Maddie, Adam und Wes stehen an einem Wendepunkt: während Wes mit Erinnerungslücken kämpft, kehrt Adam nach London zurück und weiß nicht recht, ob er bleiben oder wieder nach Edinburgh zurückgehen soll. Maddie befindet sich in einem emotionalen Ausnahmezustand, hin- und hergerissen zwischen ihrer Vergangenheit, ihren Gefühlen und dem Wunsch nach Stabilität. Im Mittelpunkt steht vor allem die Beziehung zwischen Maddie und Adam. Die beiden verbindet eine gemeinsame Vergangenheit voller Schmerz, Sehnsucht und unausgesprochener Worte. Rückblenden wechseln sich mit Szenen in der Gegenwart ab und zeichnen so ein vielschichtiges Bild ihrer Geschichte. Besonders eindrucksvoll ist dabei, wie beide lernen müssen, nicht nur einander, sondern auch sich selbst zu vergeben.

Anna Savas gelingt es erneut, ihre Charaktere authentisch und vielschichtig darzustellen. Maddie wirkt verletzlich und zugleich stark, eine Figur, mit der man unweigerlich mitfühlt. Adam, der im ersten Band noch eher am Rande stand, bekommt hier endlich seine eigene Stimme. Seine Zweifel, seine Liebe zu Büchern und die komplizierte Beziehung zu seinem Bruder Wes verleihen ihm eine große Tiefe.
Durch die wechselnden Perspektiven taucht man tief in die Gedanken- und Gefühlswelt beider Figuren ein. Ich habe mitgelitten, gehofft und mich manchmal gefragt, warum sie nicht einfach offen miteinander sprechen, aber genau diese Zerrissenheit macht ihre Entwicklung so realistisch und berührend.

Der Schreibstil ist wie gewohnt gefühlvoll, modern und atmosphärisch. Anna Savas schafft es, leise und dennoch kraftvolle Emotionen zu transportieren. Im Vergleich zum ersten Band ist die Handlung insgesamt ruhiger, fast nachdenklicher, doch gerade das verleiht ihr besondere Intensität. Statt lauter Konflikte steht hier das innere Wachstum der Figuren im Vordergrund.

Die Schauplätze von der Verlagswelt über die Bibliothek bis hin zu Maddies Wohnung sind detailliert und stimmungsvoll beschrieben. Sie wirken wie kleine Rückzugsorte, die man sich sofort bildlich vorstellen kann. Besonders schön fand ich, wie die gemeinsame Liebe zu Büchern immer wieder eine Rolle spielt und die Figuren miteinander verbindet.

Beyond Shattered Moons ist eine berührende und intensive Fortsetzung, die nicht auf dramatische Wendungen angewiesen ist, sondern auf die stille Kraft von Emotionen setzt. Es ist eine Geschichte über Zweifel, Selbstfindung, Vergebung und die Chance auf einen Neuanfang. Wer Beneath Broken Skies geliebt hat, wird diesen Band vielleicht sogar noch mehr schätzen, weil er verletzlicher, ehrlicher und noch näher an den Figuren ist. Für mich ist es eine wundervolle, tiefgehende Geschichte, die lange nachhallt und gleichzeitig große Vorfreude auf den dritten Band weckt, in dem Wes endlich seine eigene Geschichte bekommt.

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Veröffentlicht am 11.07.2025

Für alle, die Tiefe suchen und sich trauen, zwischen den Zeilen zu lesen.

Eternal Ending
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Ich habe Eternal Ending, den finalen Band der Evergreen Empire Trilogie, mit einem bittersüßen Gefühl gelesen. Es war wie ein langsames Loslassen einer Geschichte, die mich über drei Bände hinweg begleitet, ...

Ich habe Eternal Ending, den finalen Band der Evergreen Empire Trilogie, mit einem bittersüßen Gefühl gelesen. Es war wie ein langsames Loslassen einer Geschichte, die mich über drei Bände hinweg begleitet, berührt und immer wieder überrascht hat. Dieses Mal stehen Keaton und Kenna im Mittelpunkt, zwei Figuren, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten und doch mehr gemeinsam haben, als es zunächst scheint.

Keaton war für mich schon in den vorigen Teilen eine Figur, die viel Raum zum Nachdenken ließ. Er wirkte immer wie jemand, der zwischen den Zeilen lebt, nie ganz greifbar, aber gerade deshalb so spannend. Jetzt endlich erleben wir seine Sicht der Dinge, sein inneres Ringen zwischen Pflicht und Selbstbestimmung, zwischen Loyalität und Freiheit. Seine Verbindung zum Familienunternehmen, dem berühmten Parfüm-Imperium – ist nicht freiwillig, sondern an Bedingungen geknüpft. Und genau diese innere Zerrissenheit zieht sich wie ein leiser Strom durch seine Kapitel.

Kenna dagegen wirkt auf den ersten Blick wie das Klischee eines It-Girls, wunderschön, präsent, selbstbewusst. Doch je weiter man liest, desto klarer wird: Diese Oberfläche täuscht. Unter all dem Schein verbirgt sich eine junge Frau, die gelernt hat, ihre Verletzlichkeit hinter perfekten Posen zu verstecken. Eine, die ihre eigene Geschichte längst nicht mehr laut ausspricht. Ihre Gedankengänge, ihre feinen Beobachtungen und ihr Bedürfnis, sich endlich verstanden zu fühlen, haben mich tief berührt.

Die Art, wie sich Keaton und Kenna begegnen, zuerst im Rahmen einer Werbekampagne, später auf viel persönlicherer Ebene, ist keine klassische Lovestory. Es ist kein „Wir schauen uns an und alles ist klar“, sondern ein vorsichtiges Tasten. Ein Kennenlernen, das geprägt ist von Misstrauen, verletzten Erwartungen und vorsichtiger Neugier. Und genau diese langsame Annäherung ist es, die das Buch so besonders macht. Besonders stark fand ich die Entwicklung der beiden: wie sie sich gegenseitig Spiegel werden. Wie sie erkennen, dass sie sich nicht retten können, aber helfen einander selbst zu retten. Dass Nähe nicht bedeutet, sich selbst zu verlieren, sondern sich erst recht zu finden. Das war so zart, so ehrlich, dass es fast wehgetan hat.
Was Merit Niemeitz ausmacht, ist ihre Sprache. Sie schreibt nicht, sie fühlt in Buchstaben. Ihre Sätze sind nicht laut oder dramatisch, sondern fließen ruhig, melancholisch und tief. In Eternal Ending schafft sie es, selbst Nebensätze mit Bedeutung aufzuladen. Immer wieder bin ich an kleinen Formulierungen hängen geblieben, weil sie wie zufällig genau das ausdrücken, was ich nicht in Worte hätte fassen können. Es ist, als ob sie direkt in die Zwischenräume unserer Gedanken schreibt. Dorthin, wo es weh tut, aber auch heilt.
Das Buch nimmt sich Zeit. Viel Zeit. Gerade zu Beginn habe ich gemerkt, wie still und nachdenklich die Atmosphäre ist. Es passiert nicht ständig etwas Spektakuläres, aber dafür so vieles auf emotionaler Ebene. Manche werden das als „langsam“ empfinden, aber ich fand genau das passend. Eternal Ending lebt nicht von Action, sondern von emotionaler Tiefe. Erst später, als ein zentrales Geheimnis enthüllt wird, nimmt die Geschichte spürbar Fahrt auf – ein Moment, der vieles Vorherige in ein neues Licht rückt und noch lange nachwirkt.
So sehr ich das Buch insgesamt mochte, gab es auch ein paar Momente, die für mich nicht ganz rund waren. Die Enthüllung des Familiengeheimnisses war unerwartet. Nicht schlecht, aber sie hat mich zunächst aus dem Lesefluss geworfen, weil sie so plötzlich kam. Dennoch: Sie hat für beide Charaktere Sinn ergeben, besonders für Keaton, dessen Handlungen dadurch rückblickend verständlicher wurden.

Eternal Ending ist ein Roman über das Gesehenwerden. Darüber, wie schwer es ist, sich selbst zu erlauben, einfach man selbst zu sein. Es ist eine Geschichte über Verlust, Sehnsucht, Mut und die zarte Hoffnung, dass wir trotz allem heil werden können, wenn wir uns trauen, zu fühlen.
Keaton und Kenna sind zwei Menschen, die lernen mussten, sich aus der Erwartungshülle anderer zu befreien. Und sie tun das nicht perfekt, nicht gradlinig, aber auf eine Weise, die echt ist.
Ein Buch, das nicht schreit, sondern flüstert. Das nicht unterhält, sondern bewegt. Und ein würdiger Abschluss einer Reihe, die mich von Anfang an begleitet hat.

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