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Veröffentlicht am 12.07.2017

Una mujer por una mujer. Eine Frau für eine Frau.

Paper Swan - Ich will dich nicht lieben
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Als Skye Sedgewick im stickigen Kofferraum eines fahrenden Autos aufwacht, rechnet sie mit ihrem sicheren Tod. Doch ihr Entführer lässt sie am Leben und verschleppt Skye stattdessen auf ein kleines Boot, ...

Als Skye Sedgewick im stickigen Kofferraum eines fahrenden Autos aufwacht, rechnet sie mit ihrem sicheren Tod. Doch ihr Entführer lässt sie am Leben und verschleppt Skye stattdessen auf ein kleines Boot, wo er sie mehrere Wochen gefangen hält.
Auf hoher See und ohne Ziel hat Skye bald alle Hoffnung verloren, dass man sie findet und befreit. Und mit jedem anbrechenden Tag sehnt sie sich mehr nach Erlösung. Sie kann an nichts anderes mehr denken, als an ihren bevorstehenden Tod – und an Esteban, den wichtigsten Menschen in ihrem Leben. Als Kinder waren sie einst unzertrennlich, bis Esteban von einem Tag auf den anderen einfach aus ihrem Leben verschwand.
Skyes sehnlichster Wunsch war es, ihn eines Tages wiederzusehen, doch diese Hoffnung stirbt mit jedem Blick in die eiskalten Augen ihres Entführers. Bis Skye erkennt, dass sie sich in diesen Augen schon einmal verloren und ihr Entführer sie nicht zufällig ausgewählt hat…

Der Roman ist in insgesamt fünf Teile aufgeteilt. Diese Teile bestehen aus einzelnen Unterkapiteln und werden aus insgesamt drei verschiedenen Blickwinkeln erzählt, wobei es hier einen Er-/Sie- Erzähler gibt.
Da hätten wir einmal die Sicht auf Skye, die sich in den Händen eines Entführers befindet. Außerdem gibt es einen Blick in die Vergangenheit, wo wir mehr von dem kleinen Jungen Esteban erfahren, der einst mit Skye befreundet war. Zuletzt gibt es dann noch einen Blick auf Damian, den Entführer von Skye.

Durch diese unterschiedlichen Blickwinkel bekommt man eine sehr gute Sicht auf die Handlungszusammenhänge und die Gefühlswelt der Protagonisten. Der Roman lässt einen dadurch tief in das Geschehen eintauchen und einfühlen. Man lernt die Charaktere verstehen und kann sehr gut mit ihnen mitfühlen.

Was die sprachliche Gestaltung betrifft, konnte mich dieser Roman von Leylah Attar durchaus überzeugen. Er hat mir einen relativ guten Einstieg ermöglicht, wobei einige Begriffe, wie u.a. „Kaleidoskop“, „Seidengeorgette“ und „kolportieren“ sich negativ auf den Lesefluss ausgewirkt haben. Derartige Wörter wirken manchmal schwerfällig.
Dennoch hat mir der (an einigen Stellen) schwermütige, fast sehnsuchtsvoll wirkende Stil sehr gut gefallen.

„[…] da sah ich zum ersten Mal seine Augen. Sie waren dunkel. Schwarz. Aber eine Art von Schwarz, wie ich es nie zuvor gesehen hatte. Schwarz stand für sich allein. Es kannte keine Abstufungen. Schwarz war absolut und undurchdringlich. Es absorbierte sämtliche Farben. Wenn man in die Schwärze hinabstürzte, verschluckte sie einen ganz. Dennoch war dies hier eine andere Art von Schwarz. Schwarzes Eis und glühende Kohle. Brunnenwasser und Wüstennacht.“ (pos. 373)

Dieser Schreibstil besitzt eine fast schon schwärmerische Art, wirkt dabei manchmal aber auch zu sehr gewollt. Mir persönlich gefallen derartige Umschreibungen und habe daher auch immer wieder Stellen im Text markiert. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass diese Stellen für den ein oder anderen Leser erdrückend erscheinen.
Zudem besteht hierdurch die Gefahr, dass sich die Story an derartigen Stellen verfängt. Doch hier kann ich beruhigen… nach einem solchen Absatz, findet die Autorin immer wieder in die Handlung zurück.

Zu Beginn findet man sich sofort in der besagten Entführungssituation wieder. Hier fiebert man natürlich mit und möchte wissen, was als nächstes passiert. Was hat der Entführer mit Skye vor? Warum hat er sich für sie entschieden? Wird sie ihm entkommen können? Hier war der Roman mit Spannung aufgeladen und ich (die kaum zu einem Thriller greift), war gefesselt von der Situation und den Zusammenhängen, die sich langsam entknoten.

Mit dem zweiten Teil, der einen Rückblick in die Vergangenheit beinhaltet, bin ich jedoch in ein kleines Loch gefallen, was den Spannungsbogen betrifft. Natürlich habe ich geahnt, dass eben dieser Teil zum Verständnis der Entführung beiträgt, doch ich wollte in diesem Moment wissen, was sich weiterhin in der Gegenwart ereignet.
Nach einigen Seiten hat mich jedoch der gegebene Handlungsstrang, der aus der Kindheit von Skye und Esteban erzählt, um den Finger gewickelt und mich die Entführung beinahe vergessen lassen.

Die Charaktere sind mir ans Herz gewachsen. Da hätten wir einmal Skye. Sie ist eine junge Frau aus einem reichen Elternhaus, die von ihrem Vater immer geliebt, beschützt und verwöhnt wurde. Zu Anfang erschien sie mir ziemlich verzogen und ja, manchmal auch unsympathisch. Aber sie findet sich selbst wieder, wirkt bodenständiger und wird wieder zu dem Mädchen von früher, welches mit Esteban durchs Haus läuft und sich über seine Origami – Tierchen freut. Nichts ahnend, in welchen dunklen Machenschaften ihr Vater verstrickt ist.
Esteban, der Sohn von Skyes „Nanny“ (MaMaLu genannt), bekommt dies jedoch schon bald schmerzhaft zu spüren und muss einen hohen Preis zahlen.
Die Wege der Kinder trennen sich. Missverständnisse führen zu Rachegedanken. Der hierdurch entstehende Strudel hat mich mitfiebern und mitleiden lassen. Der Handlungsverlauf und die Frage danach, wie die Vergangenheit sich auf die Gegenwart ausgewirkt hat, hat mich an die Geschichte gefesselt und die wurde für mich dadurch zu einem wirklichen Pageturner, trotz kleineren Einbrüchen.

„Soll ich dir sagen, was wir sind, Skye?“
„Wir sind der Sand, der noch nicht fortgespült wurde.“ (pos. 2921)

Darüber hinaus hat mir die Atmosphäre gefallen. Zum einem spielt die Geschichte teilweise in Mexiko. Hierdurch fallen auch immer wieder spanische Begriffe, die jedoch kein sprachliches Vorwissen voraussetzen. Dies verleiht dem Roman aber seinen besonderen Charme.
Zudem bekommt man einen Blick auf die Armut des Landes und die Mafia Strukturen. In einem solchen Maße, dass man nachvollziehen kann, wie schnell man sich in einem solchen Strudel wiederfindet, in dem Erpressung, Gewalt und taktisches Schweigen an der Tagesordnung sind.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass mich dieser Roman – der eine gefühlvolle Liebesgeschichte mit Thriller Elementen beinhaltet – gut unterhalten hat. Er blieb bis zuletzt spannend.
Die Liebesgeschichte besitzt eine Tiefe, die hier keineswegs auf das Stockholm-Syndrom [*Opfer fühlt sich zum Entführer hingezogen] abzielt.
Zwar war das ein oder andere vorhersehbar, doch die Handlung konnte mich in entscheidenden Momenten auch überraschen, berühren und mitfühlen lassen.
Meiner Meinung nach ist „Paper Swan“ ein gelungener Roman, mit einem ansprechenden Handlungsverlauf für spannende und auch romantische Lesestunden.

Veröffentlicht am 12.07.2017

Hallo Weltall, hier ist meine Visitenkarte

Das Gegenteil von Einsamkeit
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Wenige Tage nach ihrem Yale-Abschluss starb Marina Keegan mit nur 22 Jahren bei einem Autounfall. Sie war ein Ausnahmetalent, das der Welt brillante Texte voller Lebenslust hinterließ. Selbstbewusst und ...

Wenige Tage nach ihrem Yale-Abschluss starb Marina Keegan mit nur 22 Jahren bei einem Autounfall. Sie war ein Ausnahmetalent, das der Welt brillante Texte voller Lebenslust hinterließ. Selbstbewusst und authentisch schrieb sie über Themen, die sie wie auch viele andere junge Erwachsene beschäftigten: Liebe, Lust, Eifersucht, Selbstzweifel, Geborgenheit, Ablenkung, Familie und Zukunft.
Marina Keegans Stories und Essays feiern den Moment, begeistern durch ihre Hoffnung, sind rhythmisch und klangvoll, melancholisch und geistreich.

Dieses Buch ist ein buntes Sammelsurium an Stories und Essays, die sich in ihrer Thematik voneinander unterscheiden, aber auch eine Gemeinsamkeit haben: sie bringen einen zum nachdenken und genau das ist es, worauf Marina Keegans Texte abzielen.
Sie lassen uns innehalten, unruhig werden, Fragen stellen und inspirieren uns vielleicht sogar dazu die Welt nicht nur oberflächlich zu betrachten, sondern als einen Ort, wo Menschen lieben, zerbrechen und Träume haben.
Und am Ende? Läuft das Leben anders, als wie in unserer Vorstellung ausgemalt. Wichtig dabei ist, dass wir uns vergegenwärtigen, dass es nie zu spät ist etwas zu ändern.

„[…] wenn wir aufgeben und ausgehen, schleicht sich so ein Gefühl in unser kollektives Bewusstsein, dass es irgendwie zu spät ist. Dass uns andere irgendwie voraus sind. Vollkommener, spezialisierter sind. Mehr auf dem Weg, irgendwie die Welt zu retten, etwas zu schaffen, zu erfinden oder zu verbessern. Dass es schon zu spät ist, noch mal ganz von vorne anzufangen […]. Wir dürfen nicht vergessen, dass uns immer noch alles offensteht. Wir können es uns anders überlegen.“ (S. 29 f.)

Das paradoxe daran: mir ging genau dieser Gedanke durch den Kopf, als ich die ersten Seiten dieses Buches gelesen habe. Marina Keegan erschien mir als wäre sie mir voraus, sie die Vollkommene, die auf dem Weg ist die Welt alleine mit ihren Worten zu verbessern. Und ja, sie hat recht. Wir sehen andere Personen (ob in den Medien oder in unserem unmittelbaren Umfeld) und fragen uns, warum schaffen sie es so AKTIV zu sein?
Am Ende ist es doch ein ewiger, nie endender Kreislauf. Denn auch diese Personen haben jenen Gedankengang. Wir sollten unsere Zeit nicht damit vergeuden darüber nachzudenken „wie es sein könnte“ oder „was andere haben“. Wir sollten uns Ziele setzten und unseren Vorbildern folgen – etwas zu tun. Und nicht stehenbleiben und andere dabei beobachten, wie sie laufen und laufen und laufen, sondern selbst dort vorne sein. Und haben wir dass getan, dann können wir später auf unser Leben blicken und Stolz sein, als trübselig über unsere vergeudete Zeit zu trauern.

Aber kommen wir von der Grundessenz zum Aufbau des Buches. Es besteht aus drei Teilen…

Zu Anfang gibt es eine bündige Einleitung von Anne Fadiman, die einst Marina Keegans Dozentin in Yale war. Sie gewährt uns eine Einblick in ihre Erinnerungen an Marina, wie sie war, was sie wollte und was sie antrieb. Man darf Marina und ihren Charakter durch die Augen einer anderen Person kennenlernen und bekommt dadurch vielleicht auch einen andere Blick auf die nachstehenden Texte.

Es folgt ihre Abschlussrede von Yale, die den Titel „Das Gegenteil von Einsamkeit“ trägt und im Titel des Buches aufgegriffen wurde. Sie erinnert den ein oder anderen sicherlich an manch einen amerikanischen Film, wenn am Ende die obligatorische Rede gehalten wird und die Absolventenkappen durch die Luft fliegen…

„Bewegen wir etwas in der Welt.“ (S. 31)

Umso trauriger liest sich natürlich dieser Text, mit dem Blick auf das Schicksal der Rednerin, die kaum Zeit hatte, etwas in der Welt zu bewegen. Aber mit diesem Buch hat sie (wie von ihr gewünscht) ihre Fußabdrücke hinterlassen.

Es folgen insgesamt 9 Stories mit unterschiedlichen Themen:

Kalte Idylle. Diese Kurzgeschichte hat mir am Besten gefallen. Sie handelt von einer jungen Studentin, die über den Tod ihres Kommilitonen trauert. Sie haben sich gemocht, doch dass was zwischen ihnen war, wagten sie noch nicht zu bezeichnen. Hier geht es um Schmerz, Trauer, Wut und ein Tagebuch, welches die Wahrheit offenbart. Man leidet mit Claire und wird von dem eindringlichen melodischen Schreibstil vereinnahmt. Hier wird nichts romantisiert oder beschönigt.

Winterferien. Eine Studentin ist frisch und glücklich verliebt. Sie genießt die gemeinsame Zeit mit ihrem Freund, doch sieht gleichzeitig auch den Verfall ihrer Familie beobachtet, verdrängt und sieht dennoch in welches Unglück sich Liebe verrennen kann.

Vorlesen. Diese Stories hat mich kurzzeitig an „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink erinnert. Eine ältere Frau, die in ihrer Ehe unglücklich ist, liest einem blinden jungen Mann vor und entdeckt dabei ihre Lust und Leidenschaft wieder. Diese Kurzgeschichte hat mir weniger gut gefallen, vielleicht weil sie in einem starken Kontrast zu den zwei vorherigen Stories steht.

Die Naive. Ein Paar, welche sich aufgrund der Ferne auseinandergelebt hat. Stoisch, frustriertes Verhalten führt zu einer Abneigung und ein Spiel offenbart eine Lüge und den wahren Charakter der Person, die man dachte zu kennen. Auch diese Geschichte hat mir gut gefallen, auch wenn das Ende bei mir Fragen aufgeworfen hat.

Des Weiteren gibt es eine Kurzgeschichte, die allein aus E-Mails aufgebaut ist und ein aktuelles Thema aufgreift. Auch eine weihnachtliche Kurzgeschichte ist vorhanden.

Marina Keegan schafft es die Gefühle ihrer Charaktere auf den Leser zu übertragen und das ist wirklich eine Kunst. Schließlich sind die Geschichten immer nur wenige Seiten lang. Ich war beim lesen traurig, müde, frustriert, verwirrt und berührt.
Zwar hat mich nicht jede der Stories zu 100% überzeugen können, aber ich wurde gut unterhalten und wenn man die Einleitung im Hinterkopf behält, weiß man, dass die Autorin selbst sicherlich noch den ein oder anderen Satz verändert hätte…

Zuletzt folgen 8 Essays, die von …

der Liebe zum ersten Auto (super unterhaltsam und amüsant zu lesen!)
gestrandete Wale und unsere Empfindungen dabei
Glutenunverträglichkeit und daraus resultierenden Einschränkungen
unserer Erde, Planeten und der Raumfahrt
einem Kammerjäger den die Gesellschaft braucht, aber meidet
die vermehrten Anwerbung von Studenten in den Consulting- und Finanzsektor
dem Fremdsein in der Ferne
der Sehnsucht danach, seine Fußspuren zu hinterlassen

… handeln.

Man kann dieses Buch häppchenweise genießen oder (wie ich) an nur einem Tag verschlingen. Mir hat diese Sammlung von unterschiedlichen Texten gut gefallen und ich habe mich machmal in meinen „Kreatives Schreiben“-Kurs an der Uni zurückversetzt gefühlt.
Natürlich kann nicht jede Store überzeugen, denn die Autorin war noch jung, stand am Anfang ihrer literarischen Karriere. Doch ihre eindringliche Erzählerstimme und die dadurch entstehenden Bilder haben mich von Anfang an erreicht und das gesamte Buch hat mich auch zum nachdenken gebracht.

Veröffentlicht am 12.07.2017

Auf den ersten Blick...

Auf den ersten Blick
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„Auf den ersten Blick – Jede Große Liebe hat ihre Geschichte“ heißt dieses schöne Buch, welches sich durch seine wunderschöne Aufmachung in mein Herz geschlichen hat. Sollte euch diese Kurzgeschichten ...

„Auf den ersten Blick – Jede Große Liebe hat ihre Geschichte“ heißt dieses schöne Buch, welches sich durch seine wunderschöne Aufmachung in mein Herz geschlichen hat. Sollte euch diese Kurzgeschichten Sammlung in der Buchhandlung begegnen, dann schaut es euch an und verliebt euch ebenso „auf den ersten Blick“.
Es beinhaltet insgesamt zwölf Kurzgeschichten, von ganz unterschiedlichen Autoren, die allerdings alle im Genre des Jugendbuches zu finden sind.
Jede Geschichte ist anders, besticht durch ihren individuellen Schreibstil. Der Herausgeberin (Stephanie Perkins) ist mit diesem Buch eine bunte Mischung an realistischen, fantastischen, nachdenklichen, verspielten, lustigen und überraschenden Geschichten gelungen.

Mitternächte von Rainbow Rowell
Rainbow Rowell, die Autorin von u.a. „Eleanor & Park“ ist mit eine der bekanntesten Autorinnen in diesem Buch. In „Mitternächte“ geht es um Mag, die jedes Jahr auf neue ihrem besten Freund dabei zuschauen muss, wie er zu Silvester eine andere küsst.
Das besondere an dieser Geschichte ist, dass man als Leser immer nur einen Blick auf die jeweilige Silvesternacht bekommt. Ein Jahr ist vorbei, viel ist passiert und die Charaktere haben sich ebenso weiterentwickelt. Man nimmt diese Veränderung wahr und hier hat Rainbow Rowell mich neugierig gemacht und mich mit ihrer Kurzgeschichte verzaubert und gut unterhalten.

Die Dame und der Fuchs von Kelly Link
In dieser Geschichte von Kelly Link fällt Schnee und mit einer Prise Fantasie wird dadurch eine fantasievolle Weihnachtsgeschichte.
Miranda verbringt Weihnachten bei den Honeywells, eine Familie mit tiefen Wurzeln… Und während man sie als „armes kleines Lämmchen“ tituliert, trifft sie draußen im Garten auf einen Fremden. Was hat es mit dem Fuchs auf seinem Herrenrock auf sich?
Mich hat diese Geschichte zwischenzeitlich irritiert, womöglich weil mir das Genre doch ein wenig fremd ist…?

Engel im Schnee von Matt de la Peña
„Engel im Schnee“ zählt zu einer meiner liebsten Geschichten in diesem Buch. Ich konnte mich schnell in den Protagonisten einfühlen und die Geschichte selbst war romantisch, unterhaltsam und so einfach gestrickt, dass mir alles stimmig erschien.
Shy ist Student (mit einem Stipendium) und liebt seine Familie über alles. Leider lässt es ihm die finanzielle Situation nicht zu, dass er über die Weihnachtstage bei seiner Familie sein kann. Darüber hinaus passt er auf die Katze und das Apartment seines Chefs auf, um sich etwas Geld zu verdienen. Da sitzt er nun im zugeschneiten New York, mit leerem Kühlschrank und einer Katze die ihm Gesellschaft leistet… bis plötzlich Haley vor seiner Tür steht.

Willst du mich finden, dann folge dem Polarstern von Jenny Han
Jenny Han („To All the Boys I’ve Loved Before“) entführt uns mit ihrer Geschichte an den Nordpol. Im Dorf des Weihnachtsmannes sind die Elfen nicht nur mit dem verpacken von Geschenken für die Kinder in der ganzen Welt beschäftigt, sondern die Teenie-Elfen feiern einen Schnee-Ball. Darunter ein vom Weihnachtsmann „adoptiertes“ Menschenmädchen, welches sich unter den Elfen irgendwie fremd fühlt und darüber hinaus auch noch verliebt ist…

Es ist ein Weihnachtswunder, Charlie Brown von Stephanie Perkins
Marigold mag Weihnachtsbäume. Oder sagen wir: Sie mag insbesondere diesen Jungen, der am Weihnachtsbaum-Verkaufsstand arbeitet und ihr – ehe sie sich versieht – einen Baum aufdrückt. Aber wohin damit? Das Leben von ihr und ihrer Mutter wurde von dem einen auf den anderen Tag aus den Fugen gerissen. Nun herrscht ein wildes durcheinander und North bringt plötzlich Ordnung hinein.
Auch diese Geschichte zählt zu meinen Favoriten in diesem Buch. Nicht nur durch die sympathischen Charaktere, nein… auch der Schreibstil, die Idee und die Atmosphäre haben mich absolut überzeugt.

Aushilfs-Santa von David Levithan
Bei dieser Geschichte hat mich insbesondere der sprachliche Stil in seinen Bann gezogen. Die Gedankengänge des Protagonisten sind toll eingefangen und das der Autor sich hier an einer Liebesgeschichte zwischen einem homosexuellen Pärchen versucht, finde ich wirklich mal abwechslungsreich und trifft ebenso unseren heutigen Zeitgeist.
Als Connor den Protagonisten in dieser Geschichte darum bittet, im Santa-Kostüm zu erscheinen, damit dessen sechsjährige Schwester der Glaube an den Weihnachtsmann erhalten bleibt, kann er nicht anders als ihm den Gefallen zu tun…

Der Krampus-Lauf von Holly Black
Diese Geschichte hat mir am wenigsten gefallen. Hier war so viel Fantasie enthalten, dass ich mir persönlich die Geschichte zu fantastisch wurde. Wer aber das Fantasie Genre mag, der wird diese Geschichte sicherlich mögen.?
Ehe man sich versieht ist man plötzlich Gastgeberin einer „absolut krassen Silvesterparty“, um die beste Freundin dabei zu unterstützen sich an einem Idioten zu rächen. Der Abend mündet in eine beinahe Katastrophe, wären da nicht noch ganz fremde Gäste…

Was hast du verdammt noch mal getan, Sophie Roth? von Gayle Forman
Sophie Roth hat sich für eine ländlich gelegene Universität entschieden. Eine tolle Idee, wie sie zuvor dachte, doch irgendwie hört sie immer wieder „Du kommst so was von aus der Großstadt“ und fühlt sich alles andere als wohl.
Doch dann trifft sie am Weihnachtsabend auf Russell und plötzlich muss sie sich hinterfragen: Liegt es nicht doch an ihrer Einstellung, wie sie die Umgebung wahrnimmt? Eine Geschichte von Vorurteilen, die sich nicht bestätigen und damit einen Blick auf die Realität gewähren.

Biereimer und das Jesuskind von Myra Mcentire
Vaughan Hatcher ist quasi der „Michel aus Lönneberger“. Sein letzter Streich hätte beinahe dazu geführt, dass die Kirche abbrennt. Am Ende war es zum Glück „nur“ der Schuppen, aber das führt dazu, dass er beim Aufbau des Krippenspiels helfen muss. Und obwohl er nur versucht seine Sozialstunden abzuarbeiten, läuft plötzlich alles schief und nur Vaughan ist derjenige, der den Abend noch retten kann.
Eine vorhersehbare Geschichte, die aber dennoch einige Wenungen bereithält.?

Willkommen in Christmas, Kalifornien von Kiersten White
Christmas ist der Ort, an dem einfach das ganze Jahr Weihnachten gegenwärtig ist. Mit ein Grund für Maria endlich die Stadt zu verlassen. Egal wohin. Sie geht noch zur Schule und arbeitet danach in einem örtlichen Diner („Christmas Café“). Ben hingegen ist der neue Koch und gerade erst angekommen. Mit seinem Essen weckt er in den Menschen Erinnerungen an fast verlorene Zeiten.

„Ich glaube, wenn du herausfindest, mit welchem Essen du dich an glückliche Zeiten oder eine glücklichere Verson deiner selbst erinnern kannst, bringt dich das weiter. Es hilft dir, wieder zu dem zu werden, der du in deinen glücklichen Zeiten warst. Es kann alles verändern. […]“ (S. 326)

Eine süße Geschichte, mit einer tollen Message und liebevollen Charakteren. Vielleicht war das Ende zu perfekt gestrickt, aber für die Jahreszeit dennoch vollkommen richtig.

Der Stern von Bethlehem von Ally Carter
Zwei Mädchen begegnen sich am Flughafen. Die eine mit einem Ticket nach New York, aber mit der Sehnsucht einfach zu verschwinden, egal wohin. Die andere mit dem Wunsch nach New York zu fliegen und einem Ticket nach irgendwo. Was liegt da näher als ein Tausch? So kommt es, dass Liddy sich plötzlich auf dem Land und inmitten einer herzlichen Familie wiederfindet, ihr Herz verschenkt, aber ein Lügengerüst um sich aufbaut, welches schon bald nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, denn Liddy wird gesucht… Eine tolle Idee! Spannend und mit einem schönen weihnachtlichen Charakter.

Das Mädchen, das den Träumer weckte von Laini Taylor
Diese Geschichte spielt in ihrer eigenen Welt. Auf der Insel der Federn ist es der Brauch, dass die Männer an den vierundzwanzig Tage des Advents ihren Angebeteten Geschenke überbringen. Als Neve an einem Morgen eine Bibel auf ihrer Veranda entdeckt überkommt sie die Angst, denn das kann nur eines bedeuten und ehe sie sich versieht hat das Mädchen den Träumer erweckt…

In diesem Buch findet man wirklich die unterschiedlichsten Geschichten. Man weiß nicht, welche Erzählung als nächstes auf einen wartet und ich persönlich finde es gerade zur Weihnachtszeit schön, wenn man in einer solchen Vielfalt an Geschichten abtauchen kann. Natürlich kann man nicht jede der Erzählungen toll finden, aber sie sind dennoch alle unterhaltsam und ebenso erfrischend individuell erzählt.
Ich habe mich aber dennoch für 3,5 Sterne entschieden, weil mir immer wieder Fehler ins Auge gesprungen sind. Dadurch hatte ich einfach das Gefühl, dass man das Buch so schnell wie möglich in den Druck geben wollte, damit es noch vor Weihnachten in den Buchhandlungen erscheint.

Veröffentlicht am 12.07.2017

Umwoben von der Vergangenheit

Young Elites - Die Gemeinschaft der Dolche
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Vor einigen Jahren brach eine schreckliche Krankheit aus. Viele der Kinder, die die Krankheit überlebten, sind für ihr Leben gezeichnet und werden von der Gesellschaft verstoßen.
Auch das schwarze Haar ...

Vor einigen Jahren brach eine schreckliche Krankheit aus. Viele der Kinder, die die Krankheit überlebten, sind für ihr Leben gezeichnet und werden von der Gesellschaft verstoßen.
Auch das schwarze Haar von Adelina Amouteru, der Tochter eines reichen Kaufmanns, verfärbt sich in der Nacht plötzlich silbern. Und so ist auch sie gezeichnet.
Aber das Blutfieber hat ihr nicht nur eine strahlende Zukunft genommen, sondern auch übernatürliche Kräfte verliehen. Und Adelina ist nicht die Einzige.
Die Gemeinschaft der Dolche wird vom König gejagt und gefürchtet, denn mit ihren unerklärlichen Fähigkeiten sind sie imstande, ihn vom Thron zu stürzen. Doch dazu benötigen sie Adelinas Hilfe…

Mit Spannung habe ich auf die neue Reihe von Marie Lu („Legend“-Trilogie) gewartet und wurde nicht enttäuscht. Wenn man in „Young Elites – Die Gemeinschaft der Dolche“ etwas findet, dann ist das auf jeden Fall Spannung, verbunden mit einem ereignisreichen Handlungsverlauf, der einen in den richtigen Momenten fesselt, schockiert, aber auch gleichzeitig verärgert, da man durchaus in einigen Lesemomenten die Entscheidungen der Protagonistin kritisieren möchte.

Insbesondere die ersten hundert Seiten konnten mich begeistern. In einem mitreißendem Handlungsaufbau erfahren wir einiges von Adelina Amouteru, der Protagonistin dieses (Fantasie-) Jugendromans. Aber der Leser erhält nicht nur Informationen über ihre persönliche Vergangenheit, sondern ebenso einen Zugang zu der hier von Marie Lu neu konstruierten Welt.
Zusammen mit Adelina befindet man sich in den Seelanden, im Südosten von Kenettra. Visuell unterstützt wird dies durch eine im Buch enthaltende geografische Karte, die ich für die Verortung der Handlung durchaus hilfreich empfand.

Adelina Amouteru ist eine ungeschliffene Protagonistin, die sowohl äußerlich, als auch innerlich „gezeichnet“ ist. Sie und ihre Schwester erkrankten einst am Blutfieber, welches nur Kinder überlebten. Während ihre Schwester unbeschadet genesen konnte, verfärbte sich Adelinas Haar über Nacht. Ein Zeichen, welches für jeden sichtbar ist und durch welches sie von der Gesellschaft abwertend behandelt wird.
Ihre Schwester ist ihr der wohl wichtigste Mensch, doch ebenso ist Adelina von Neid und Eifersucht befallen, wenn sie diese im Umgang mit ihrem Vater betrachtet. Während sie auf Händen getragen wird, schlägt Adelina der tägliche Hass ihres Vaters entgegen.
Für das Verständnis von ihrem Charakter ist dieser Blick auf die Ereignisse der Vergangenheit gelungen und keineswegs langatmig, sondern Marie Lu hat diese Rückblicke interessant in den Handlungsverlauf eingeflochten.

Ebenso spannend gestaltet sich die Entdeckung der Strukturen in der Gemeinschaft der Dolche. Wie bereits erwähnt sind einige der Kinder, die das Blutfieber überlebten gezeichnet und werden als „Malfettos“ bezeichnet. Einige von ihnen besitzen darüber hinaus aber auch übernatürliche Fähigkeiten und haben sich zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen, die ein bestimmtes Ziel verfolgt.

„Die Dolche hatten nach dem Blutfieber weitaus tiefere Narben davongetragen als ich – furchterregende Kräfte, die nicht von dieser Welt waren. […] Es hieß, dass sie aus dem Nichts Feuer heraufbeschwören konnten. Den Wind beherrschen. Wilde Tiere zähmen. Unsichtbar werden. Mit einem einzigen Blick töten.“ (S. 16)

Allen voran Enzo und Raffaele. Beide ebenso interessante Charaktere, mit unterschiedlichen Geschichten, die ebenfalls genügend Zündstoff für den Handlungsverlauf liefern. Einige Kapitel sind sowohl aus Adelinas, als auch aus Enzos und Raffaeles Sicht geschrieben. Es taucht aber auch noch ein vierter Charakter auf: Teren Santoro. Er ist der Anführer der Inquisition des Königs, die aktiv gegen die Dolche vorgeht.
Diese verschiedenen Perspektiven ergänzen sich gegenseitig und liefern einen guten Rundblick auf die Handlung. Ebenso gerät der Leser hierdurch in eine verzwickte Lage. Man kann sich nicht sicher sein: Wer verfolgt hier gute Absichten und wer agiert böse? Wem kann Adelina vertrauen? Die Grenzen verschwimmen und Marie Lu spielt hier gelungen mit diesem Muster.

Der Schreibstil der Autorin hat mir erneut gut gefallen. Zu Anfang war er mir persönlich noch etwas verschnörkelt…

„Der Duft der Blumen erfüllt meine Gedanken mit seiner schweren Süße.“ (S.54)

doch derartige Stellen verlieren sich über die Seiten hinweg und erdrücken keinesfalls den Lesegenuss.

Ebenfalls beschreibt sie zu Beginn der Handlung die Welt in der sich Adelina bewegt wirklich gut. Aber diesen Punkt verliert Marie Lu irgendwann aus den Augen.
Die Handlung, um Adelina und die Dolche, steht dominant im Vordergrund (was natürlich nicht unbedingt schlecht ist), so dass die hier entworfene Welt nur noch als ein Schatten wahrgenommen wird. Dennoch hat mir die Atmosphäre und die Schauplätze – welche an ein Italien zur Zeit der Renaissance erinnern – gut gefallen. Aber die Autorin verschenkt hier ebenso Potenzial.

Eine besonders wichtige Rolle spielt in diesem Buch die Gefühlswelt der Protagonistin. Wie sieht es in ihrem Verstand aus? Um Adelina und ihre Handlungen nachzuvollziehen hat Marie Lu sich daher an einer personalen Ich-Erzählerstimme bedient.

„Mein Stolz beginnt sich zu regen, verdrängt meine Trauer, verschmilzt mit meiner Wut, meinem Hass und meiner Angst, meiner Leidenschaft und meiner Neugier. Die flüsternden Stimmen, die knapp außerhalb meiner Reichweite lauern, schlängeln sich an die Oberfläche und recken ihre langen, knochigen Finger gierig nach der Freiheit […].“ (S. 390)

Der Leser taucht hierdurch tief in ihre emotionale Welt ein und versucht dadurch ihre Handlungen nachzuvollziehen. Was nicht immer gelingt…
Zwischendurch flackern ebenso Beschreibungen von ihrem Vater auf und dieser Punkt hat mich persönlich irgendwann gestört. Zwar ist das einweben der Ereignisse aus der Vergangenheit durchaus gelungen, doch ein aus dem nichts aufflackernder Vater in ihrer Gedankenwelt hat mich zunehmend irritiert und an meiner Konzentration genagt. Irgendwann wurde es mir zu viel und ich war genervt von dieser Überlagerung.
Wer ist Freund? Wer ist der Feind? Welchen Charakteren kann man trauen?
Mit diesen Fragen spielt Marie Lu gekonnt und ebenso entdeckt man in der Protagonistin bösartige Züge und misstraut auch ihr. Einige ihrer Entscheidungen lassen sich diskutieren und wühlen den Leser durchaus auch auf. Dies trägt aber auch zu einem spannenden Handlungsverlauf bei, der gerade zu Beginn eine Hochphase erlebt, sich dann jedoch ein wenig verläuft. Die Handlung kommt dennoch nicht entgültig zum Stillstand, sondern auf den letzen Seiten wird man erneut gepackt und dabei kräftig durchgeschüttelt.
Doch weil ich mich mit einigen Punkten in dem Buch nicht anfreunden konnte und einige Schwachstellen entdeckt habe, bekommt „Young Elites – Die Gemeinschaft der Dolche“ von mir 3,5 Sterne.

Veröffentlicht am 12.07.2017

Bist du bereit?

AchtNacht
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Eine interessante und gleichsam schockierende Thematik findet in diesem Thriller seine Bühne.
Stell dir vor, es gäbe eine Art „Todeslotterie“. Jeder hat die Chance den Namen eines ihm verhassten Menschen ...

Eine interessante und gleichsam schockierende Thematik findet in diesem Thriller seine Bühne.
Stell dir vor, es gäbe eine Art „Todeslotterie“. Jeder hat die Chance den Namen eines ihm verhassten Menschen auf einer Internetseite in einen Lostopf zu werfen. Am 8.8. wird dann ein Name gezogen und der Auserwählte (AchtNächter) wird damit für eine gesamte AchtNacht vogelfrei erklärt. Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten und sollte es jemandem gelingen, winkt ein saftiges Kopfgeld von zehn Millionen Euro. Wie viele Menschen würden sich wohl einer solchen Jagd anschließen?

Vielleicht mag diese Thematik dem Ein oder Anderen bereits bekannt vorkommen. Sebastian Fitzek hat sich bei diesem Buch von der Verfilmung zu „The Purge“ (Die Säuberung“) inspirieren lassen. Ein schockierendes und gleichsam aufrüttelndes Szenario, in dem es darum geht, dass durch eine alljährlich stattfindende Nacht – in der alle Verbrechen legalisiert und Notfallsysteme deaktiviert werden – die Kriminalitätsrate gesenkt wird.
Dieses Thema bietet genügend Spannung, dies ist keine Frage. Aber Sebastian Fitzek hat mich mit seiner Umsetzung leider nicht vollkommen überzeugen können.

Dies mag zum einen sicherlich an dem Protagonisten dieses Thrillers liegen. Ben ist Musiker, Vater einer bereits zu einer jungen Frau herangewachsenen Tochter. Er sieht sich selbst als Versager und ist von tiefen Schuldgefühlen erfüllt, die der Leser durchaus nachvollziehen kann. Alles dreht sich um den einen Moment, in dem er die falsche Entscheidung getroffen hat. Dieser eine Moment hatte Auswirkung auf sein Leben, als auch auf die Zukunft seiner Tochter. Könnte man doch nur diesen einen Handlungsmoment rückgängig machen…
Ben schien mir jedoch machmal zu unscheinbar, zu sehr im Selbstmitleid versunken und blickt man auf den Verlauf der Handlung, so trifft er erneut falsche Entscheidungen, die mir als Leser manchmal die Spannung und viellicht auch die Glaubwürdigkeit genommen haben.

Doch wir sehen die hereinbrechenden Ereignisse auch mit den Augen von Arezu, die ihre eigene dunkle Vergangenheit besitzt und ebenso daran leidet. Schritt für Schritt kommt man dieser Dunkelheit auf die Spur und ebenso wird nach und nach offenbart, welche Rolle ihr Puzzlestück im Gesamtbild betrachtet spielt.

Den Aufbau von AchtNacht fand ich gelungen. Die Kapitel sind kurz und lassen sich schnell lesen, wobei sie immer den gleichen Aufbau besitzen und jeweils mit einem (Mini-)Cliffhanger schließen. Natürlich sollen diese für Spannung sorgen und zum weiterlesen verleiten. Ich fand es jedoch irgendwann ermüdend, denn jedes nachstehende Kapitel beginnt mit einer neuen „Anfahrt“, die mich als Leser Energie gekostet hat. Man könnte es wohl auch als Ungeduld meinerseits bezeichnen. Die meisten dieser Cliffhanger wurden dann ohne großes „Brimborium“ aufgelöst – ernüchternd.

Insgesamt betrachtet war die Jagd am Ende mehr eine aufregende Tour durch das nächtliche Berlin. Es fehlte mir an Wahnsinn, Verrücktheit und durchgeknallten Figuren, die aus dem Schatten treten und der Geschichte mehr Pep verliehen hätten. Man muss nur bedenken, dass die Namen zweier (ja soviel kann ich bereits verraten!) Personen gezogen werden. Sie werden zu Gejagten. Tausende Verrückte werden über die sozialen Medien über ihren Aufenthalt informiert. Doch wo sind sie in dieser Nacht?
Die AchtNacht wird mehr zu einem Erpressungsszenario mit zwei Jägern, die mit ihrer Videokamera das Fürchten lehren und ein paar betrunkenen Personen, die mit Müllbeuteln über ihren Köpfen hinterher marschieren.
Zusammenfassend ist Fitzek bei seiner Täterbeschreibung noch nett. Wo sind all die normalen Alltagspersonen, die plötzlich zu Mördern werden? Mir fehlte es an den verrückten Personen die plötzlich durchdrehen, keine Gesetze mehr wahrnehmen und die Idee einer derartigen Website als Schleichweg betrachten, illegal zu morden. Vielleicht suche ich aber auch in AchtNacht zu viele Aspekte aus „The Purge“?

Letztlich hat sich der Autor eben nur inspirieren lassen und dabei eine Möglichkeit gefunden, wie ein derartiges Szenario bereits in wenigen Stunden in unserer Gesellschaft bitterer Ernst werden könnte. Und auch während dem Lesen kam bei mir natürlich die Frage auf: „Aber ist dies wirklich möglich?“ und mir wurde ein durchaus glaubwürdiges „Ja.“ vermittelt.
Ein Mausklick und die Menschen drehen durch, dies wird uns schließlich bereits bei Facebook & Co. verdeutlicht. Fitzek zeigt einen realistischen Weg, wie die Möglichkeit besteht und Schattengestalten damit Profit machen wollen. Aber es ist auch ein Spiel mit dem Feuer.
Gelungen fand ich es ebenfalls, wie der Autor aktuelle Themen aufgreift, in dem er zeigt, wie viel Einfluss Hacker auf unser Leben haben oder wie uns soziale Medien beeinflussen können. Er zeigt vielleicht sogar einen Weg, wie sich Shitstorms oder Fake News in das Real Life verlagern lassen und eine wütende Masse zu Mördern wird. Sogar eine stille Kritik am Städtebau von Berlin konnte ich herauslesen.
Zusammenfassend betrachtet hat sich der Autor in seinem Buch einem spannenden Thema zugewandt und ebenfalls aktuelle Themen miteingebunden, so dass dem Leser eine solche AchtNacht durchaus realistisch und möglich erscheint. Dieser Punkt sorgt wohl für den größten Schockmoment.
Die Personen, als auch bestimmte Ereignisse im Handlungsverlauf konnten mich leider weniger begeistern und mir fehlte es an einer Prise Verrücktheit. Daher vergebe ich insgesamt 3 Papierblumen und kann dennoch bereits sagen, dass dieser Thriller sicherlich nicht mein letzter Fitzek war!