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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.04.2017

Hatte etwas anderes erwartet

Die Geächteten
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Gesehen, gewünscht, gekauft, gemocht ?
Naja, nicht ganz. Ich denke, dass das Buch falsch vermarktet wird und man daher mit der falschen Einstellung und den falschen Erwartungen an dieses Buch rangeht. ...

Gesehen, gewünscht, gekauft, gemocht ?
Naja, nicht ganz. Ich denke, dass das Buch falsch vermarktet wird und man daher mit der falschen Einstellung und den falschen Erwartungen an dieses Buch rangeht. Besonders der Klapptext und das Grundgerüst der Handlung, sind irreführend, lassen sie doch eine "klassische" Dystopie vermuten:

Es gab eine/n großen Krieg/Katastrophe/Epidemie: Check

Daraus ergab sich ein neues System:
Check

Mädchen, dass "verbotene" Gedanken hat:
Check

besagtes Mädchen wird bestraft/gefangen/gesucht: Check

Mädchen flieht:
Check

Rebellengruppe:
Check

Dennoch ist dieses Buch nicht wirklich eine Dystopie, oder besser gesagt die dystopische Umwelt ist eher der Rahmen für einen sozialkritischen Thriller.
In er ersten Hälfte des Buches liegt der Fokus stark auf Hannahs Gefühlen und ihre Gedanken. Aufgewachsen in einer streng religiösen Familie, deren Wertevorstellungen in etwa denen des 18. Jahunderts entsprechen, ist sie mit ihrer neuen Situation, als verchromte sichtlich überfordert. Einerseits möchte sie an ihr bisheriges Leben festhalten, andrerseits sieht sie ein, dass als Verchromte nichts mehr so sein wird wie früher.
Handlungsmäßig passiert eigentlich die ersten 200 Seiten nicht viel. Man verfolgt Hannahs Gedankengänge und bekommt immer wieder Rückblenden, die Hannahs Leben vor der Verchromung beschreiben. Es wird deutlich wie stark eingeschrängt die Rechte der frauen sind und wie prägend die Religion ist.
An sich ist so was ja nicht schlecht, aber hier zieht es das Buch doch ganz schön in die Länge. Einige Szenen und Rückblenden hätte man durchaus weglassen können, teilweise waren Hannahs Gedanken so interessant wie drei Fussel auf dem Teppich. Größtenteils ist es der Konflik ihrer religösen Erziehung und den aufkommenden Freiheitswunsch, der die Seiten füllt. Leider mit häufigen Wiederholungen des eigendlichen Kerns.

An anderen Stellen waren Hannahs Gedanken und Handlungen für mich einfach nicht nachvollziehbar. Bestes Beispiel:
Hannah sieht auf einer Art Google Maps für den Aufenthalt von Verchromten, wie ihre Freundin von einem Man verfolgt und in ein Hausgedrängt wird. Was macht Hannah ?
Erstmal macht sie sich riesige Sorgen, doch dann, anstatt so schnell wie möglich zu diesem Haus zu gelangen, spaziert sie gemütlich los und geht zwischendurch noch etwas essen.

Im letzten Viertel wird es dann aber besser. Es kommt mehr Schwung in die Handlung und Hannah wird ebenfalls erträglicher.

Fazit:

Wenn man vom Klapptext her eine spannende Dystopie erwartet wir man unweigerlich enttäuscht. Die Dystopie dient hier nur als Rahmen für einen gesellschaftskritischen Roman. Da das nicht so mein Fall ist, konnte mich das Buch nicht überzeugen.

Veröffentlicht am 20.04.2017

Schwächer als der Vorgänger, aber immer noch klasse

Rache und Rosenblüte
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Nachdem ich den ersten Band letzte Woche verschlungen und geliebt habe musste bei dem doch recht offenen Ende sofort der zweite Band her (ärgerlicherweise kamen mri die Feiertage ind ie quere) Und auch ...

Nachdem ich den ersten Band letzte Woche verschlungen und geliebt habe musste bei dem doch recht offenen Ende sofort der zweite Band her (ärgerlicherweise kamen mri die Feiertage ind ie quere) Und auch wenn das hier meckern auf hohem Niveau ist, muss ich doch gestehen, dass mich der 2. Band nicht ganz so umgehauen hat,wie sein Vorgänger.

Aber von vorne: Nach 397 Seiten Zorn, Hass Sehnsucht und Liebe haben sich Chalid und Shahrzad endlich gefunden. Doch leider währt das Glück der beiden nicht lange, den der Fluch holt sie ein. Schweren Herzens beschließt Shahrzad Ray und damit Chalid zu verlassen. Doch Shahrzad wäre nicht Shahrzad wenn sie einfach kampflos aufgeben würde! Es muss eine Möglichkeit geben den Fluch zu brechen , doch was das Paar noch nicht weiß: An den Grenzen zu Chorasan braut sich eine weitere Bedrohung zusammen...

Hach, schon mit ihren ersten Sätzen hat mich die Autorin weder in die gnadenlose Hitze der Wüste und in eine berauschende orientalische Welt voller Farben und Gerüchen versetzt. Es brauchte nur ein paar Worte und ich stand wieder an der Seite von Shahrzad und Chalid, als wäre ich nie weg gewesen (gut in meinem Fall, war es ja wirklich keine lange Trennung)
Wie auch schon im ersten Band zeigt Renèe Ahdieh auch hier ihr Talent den Leser mit einer für Jugendbücher überraschend ausgefeilten Sprache sofort abzuholen und zu entführen. Weg vom Alltagsstress und rein in eine zauberhafte Welt.

Im Gegensatz zum Vorgänger bekommen wir in Rache und Rosenblüte mehr von Chorasan zu sehen (Das Land gabes früher übrigens wirklich mal und lag zwischen dem heutigen Iran und Afganistan) Allgemein fokussiert sich die Handlung nicht mehr ganz so stark auf Shahrzad und Chalid und bezieht stattdessen mehr Nebencharaktere und weitere Handlungsstränge ein.
Das hatte natürlich den Vorteil, dass man Charakter wie Irsa, Rahim oder Jahandar, die im Vorgänger noch eher nebensächlich waren besser kennen lernt und mehr über ihre jeweiligen Persönlichkeiten erfährt. Auch dass man nun die ein oder andere Perspektive mehr zu lesen hatte und die magischen Elemente verstärkt wurden, sowie die ein oder andereüberraschende Wendung bereicherten die Handlung.

Allerdings fehlte mir etwas die Raffinesse vom Vorgänger. In diesem Teil wird halt mehr getan, als geredet. Das dämpfte allerdings für mich den Faktor, den Zorn und Morgenröte so großartig gemacht hat. Shahrzad ist zwar noch so schlagfertig wie eh und je, hat aber kaum Gelegenheit die zu zeigen, da ihr Gesprächspartner entweder nicht darauf eingehen (Irsa) oder sie nur sinnlos bedroht (Salim) Ihr fehlen leider die verbal ebenbürtigen Gegner. Auch hätte ich mir ein paar mehr Szenen mit Shahrzad und Chalid allein gewünscht. Immerhin, an den Stellen, an denen sie mal zu zweit sind ist der Zauber ebenso da wie beim Vorgänger.

Fazit:

Der zweite und letzte Band dieser magischen Geschichte aus 1001 Nacht kann zwar seinem Vorgänger nicht ganz das Wasser reichen, schließt die Geschichte rund um Shahrzad und Chalid aber zufriedenstellend und immer noch auf hohem Niveau ab.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere