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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.02.2026

Einblick in verschiedene Welten

Liefern
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Tomer Gardi gibt uns in seinem neuen Buch "Liefern" einen Einblick in verschiedene Welten: Tel Aviv, Dehli, Istanbul, Berlin, Buenos Aires und Kenia sind die Schauplätze. So unterschiedlich diese Orte ...

Tomer Gardi gibt uns in seinem neuen Buch "Liefern" einen Einblick in verschiedene Welten: Tel Aviv, Dehli, Istanbul, Berlin, Buenos Aires und Kenia sind die Schauplätze. So unterschiedlich diese Orte sind, sie verbindet ein gemeinsames (Titel-)Thema: das Leben von Lieferant:innen.
Diese sechs Kurzgeschichten sind sehr lose durch handelnde Personen miteinander verknüpft, funktionieren für mich aber am besten als eigenständige Erzählungen. Jedes Kapitel eröffnet eine eigene Welt mit eigenen sozialen und kulturellen Gegebenheiten. Trotz dieser Unterschiede ähneln sich die Nöte der Lieferant:innen über alle Geschichten hinweg und regen zum Nachdenken über unsere Gesellschaft an.
Ob jetzt das Schicksal mehrerer Lieferant:innen als roter Faden für das Buch reicht, kann man gerne diskutieren, ist vielleicht streng genommen zu wenig und man weiß nicht, worauf das alles hinauslaufen soll. Nimmt man jedoch jedes Kapitel als einen Ausschnitt unserer Welt an, als kleine Geschichte, so ist das Buch sehr gut lesbar und sehr kurzweilig. Ich habe das Buch wirklich gerne gelesen, für mich ein Buch, das man gerne zwischendurch zur Hand nehmen kann.

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Veröffentlicht am 05.02.2026

Ideenfeuerwerk

Schleifen
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Nachdem ich erst vor Kurzem Content von Elias Hirschl gelesen hatte, war meine Erwartung an sein neues Buch Schleifen entsprechend hoch – und der im Klappentext angekündigte Plot klang ohnehin vielversprechend. ...

Nachdem ich erst vor Kurzem Content von Elias Hirschl gelesen hatte, war meine Erwartung an sein neues Buch Schleifen entsprechend hoch – und der im Klappentext angekündigte Plot klang ohnehin vielversprechend. Und was soll ich sagen: Das Buch hat mich so gepackt, dass ich es beinahe in einem Sitz verschlungen habe.
Der rote Faden - oder besser die rote Möbiusschleife - des Romans sind die Figuren Otto Mandl und, noch stärker, Franziska Denk. Ihre Geschichte(n) verfolgen wir vom Wien der 1930er-Jahre bis ins Jahr 2026. Und eigentlich geht es im Text um Sprache und Mathematik und deren Verbindung. So finden sich im Buch sehr viele sprachliche Ideen, die jeweils für sich genommen schon jeweils für eigene Bücher reichen könnten.
Durch diese Fülle an Ideen und sprachlichen Feinheiten, die sich im Buch auch immer wieder selbst referenzieren, wird man von den Ideen selbst wie in einer Schleife immer wieder eingeholt und überholt. Die erzählten Biografien und Ereignisse sind eng mit unserer reale Welt und der tatsächlichen Geschichte verwoben, sodass die Grenze zwischen Fiktion und Realität verschwimmt - bis es zu absurd wird und man in die Fiktion zurückfällt. Wittgenstein, Gödel, Kafka sind eingebettet in diesem Kosmos aus sprachlichen Ideen. Am Ende ist alles schon so absurd, dass es einem als Leser normal erscheint, dass Außerirdische landen und mit Steckrüben kommunizieren.
Ich konnte das Buch nicht mehr weglegen, so sehr hat es mich gefesselt und unterhalten. Große Empfehlung.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Medea 2.0

Medea
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Es ist gerade modern, Geschichten aus der Mythologie neu zu schreiben und gerne aus einer anderen Perspektive zu erzählen - oft auch aus der Ich-Perspektive des Helden bzw. der Heldin. Hier erzählt Medea ...

Es ist gerade modern, Geschichten aus der Mythologie neu zu schreiben und gerne aus einer anderen Perspektive zu erzählen - oft auch aus der Ich-Perspektive des Helden bzw. der Heldin. Hier erzählt Medea und man kommt einen Einblick in ihr Innenleben.
Im Großen und Ganzen habe ich mir von diesem Roman mehr versprochen als er dann wirklich für mich hergibt. Die Beziehung zu Jason ist zentrales Thema des Buches. Hier hätte ich mir viel mehr inhaltliche Breite gewünscht, dieses ewige Thema hat mich mit der Zeit leider gelangweilt.
Ich vermisse Wesenszüge aus den Geschichten mit Medea, die man kennt, ist schon weit weg vom Original, was ich schade finde.
Die moderne Erzählweise hat sicher etwas für sich, ich bin aber wohl nicht das Zielpublikum, jedenfalls war es insgesamt kein Roman für mich. Eigentlich schade, griechische Mythologie fand ich immer schon interessant.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Ein Ermittler mit Fehlern

Minnesota
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Ein neuer Stand-alone-Krimi von Jo Nesbø – da musste ich zugreifen, obwohl ich Krimis sonst eher selten lese. Und was soll ich sagen: Das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt. Ich ...

Ein neuer Stand-alone-Krimi von Jo Nesbø – da musste ich zugreifen, obwohl ich Krimis sonst eher selten lese. Und was soll ich sagen: Das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt. Ich habe den Krimi regelrecht verschlungen.
Die kluge Erzählweise und der sehr zugängliche sprachliche Stil sorgen dafür, dass man nur so durch die Seiten fliegt. Das Buch liest sich leicht, ohne oberflächlich zu sein.
Der Protagonist Bob Oz ist nicht der perfekte Detective, aber wenn es drauf ankommt, beweist er, warum er der Richtige für diesen Job ist. Dass er dem Mörder so nahe war und es doch nicht erkannt hat, nimmt man ihm nicht krumm, das wäre wohl jedem von uns in der Situation passiert.
Jo Nesbø legt hier einen hervorragend konstruierten Krimi vor, der durchgehend spannend bleibt und nie langweilt. Die Lektüre war äußerst kurzweilig und hat definitiv Lust darauf gemacht, sich auch mit älteren Werken des Autors näher zu beschäftigen. Große Empfehlung von meiner Seite.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Siebenbürger Sachsen

Halber Stein
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Halber Stein ist der Debütroman von Iris Wolff, der nun als Taschenbuch neu aufgelegt wurde – und das völlig zu Recht.
Zwar wusste ich zuvor, dass es die Siebenbürger Sachsen gibt, doch erst durch dieses ...

Halber Stein ist der Debütroman von Iris Wolff, der nun als Taschenbuch neu aufgelegt wurde – und das völlig zu Recht.
Zwar wusste ich zuvor, dass es die Siebenbürger Sachsen gibt, doch erst durch dieses Buch habe ich mich intensiver mit dieser deutschsprachigen Minderheit in Rumänien beschäftigt und begonnen, mich für ihre Geschichte zu interessieren.

Der Roman erzählt von (Friede)Sine und ihrem Vater, die nach dem Tod von Sines Großmutter Agneta nach Michelsberg in Siebenbürgen zurückkehren, um Agnetas Begräbnis auszurichten. Das Buch lebt von den Erinnerungen, die immer wieder aufleben, wenn Sine eine bestimmte Beobachtung macht, einen bestimmten Ort aufsucht oder mit jemanden über Agneta spricht.

Trotz der eigentlich bedrückenden Thematik (Begräbnis, sterben die Siebenbürger Sachsen aus?) erzählt Iris Wolff mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit und einem warmen, einladenden Ton, sodass ich das Buch einfach nicht weglegen konnte. Vollste Empfehlung von meiner Seite!

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