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Muehlenkind

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.01.2021

Der erste Fall für Jessica Niemi ist nicht nur spannend, sondern reicht weit zurück in ihre eigene Vergangenheit…

Hexenjäger
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Als die Ehefrau des erfolgreichen Autors Roger Koponen in ihrem luxuriösen Zuhause ermordet wird, nimmt die Helsinkier Kriminalbeamtin Jessica Niemi gemeinsam mit ihrem Team die Ermittlungen auf. Bald ...

Als die Ehefrau des erfolgreichen Autors Roger Koponen in ihrem luxuriösen Zuhause ermordet wird, nimmt die Helsinkier Kriminalbeamtin Jessica Niemi gemeinsam mit ihrem Team die Ermittlungen auf. Bald darauf wird eine zweite weibliche Leiche entdeckt – beide Opfer gleichen sich vom Typus und sind gleich gekleidet. Die Ermittlungen legen den Verdacht nahe, dass die Morde sich an den Verbrechen in Roger Koponens Bestseller-Trilogie orientieren. Der Autor selbst hatte sich die Folter- und Mordmethoden des mittelalterlichen Hexenhammers zum Leitfaden genommen.

Während sich das Ermittlungsteam mit den immer verworreneren Tatumständen und weiteren Morden konfrontiert sieht, kämpft Jessica Niemi ihren ganz persönlichen Kampf gegen die Dämonen ihrer Vergangenheit und auch Ermittlungsleiter Erne muss sich einer bitteren Wahrheit stellen.

„Hexenjäger“ ist der erste Band einer Thriller-Reihe um die Ermittlerin Jessica Niemi, deren Familienverhältnisse und Vergangenheit ebenso Geheimnisse bergen wie auch der Fall sich fast mystisch verworren und spannend darstellt. Die Charaktere des Ermittlerteams sind aber auch zutiefst menschlich mit dem vertrauten Hang zur skandinavischen Melancholie, wirken aber durchaus authentisch und in keiner Weise stereotyp. Die Spannung des Plots hält der Autor bis fast zum Schluss, einzig das Ende wirkt ein wenig konstruiert und „gewollt“ und bietet nicht unbedingt eine leicht zu akzeptierende Auflösung.
Gleichwohl ist dieser erste Fall eines neuen Ermittlungsteams durchaus interessant, spannend geschrieben und lädt zum Mitraten und Mitfiebern ein, die Einführung der Personen ist gelungen, erste Sympathien sind geweckt. Die Persönlichkeit der jungen Ermittlerin selbst bietet einiges Entwicklungspotential und die Wahrscheinlichkeit, dass man Jessica Niemis Team auch zukünftig bei der Vermittlerarbeit folgen möchte, ist hoch!

Als Sprecherin des Hörbuchs hat Sabine Arnhold professionelle und gleichzeitig fesselnde
Arbeit geleistet.
Absolute Hörempfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 08.01.2021

Eine bewegende Geschichte über das Leben, das Sterben… und das Leben…

All die ungelebten Leben
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Als bei Jane der Krebs zurückkehrt und ihr nur noch eine kurze Lebenszeit bleibt, entschließt sie sich, ihre beiden Schwestern, zu denen sie seit 20 Jahren keinen Kontakt mehr hat, zu einem Treffen einzuladen.

Im ...

Als bei Jane der Krebs zurückkehrt und ihr nur noch eine kurze Lebenszeit bleibt, entschließt sie sich, ihre beiden Schwestern, zu denen sie seit 20 Jahren keinen Kontakt mehr hat, zu einem Treffen einzuladen.

Im Ferienhaus ihrer Tante, die für Jane mehr Mutter ist, als ihre leibliche Mutter es je war, kommt es zu einer Aufarbeitung von Vergangenheit und schmerzlichen Wahrheiten. Masken fallen und alte Wunden brechen auf – und doch kommen sich die Schwestern in der Geborgenheit des Ferienhauses auf Rømø in einer Weise nahe, wie es nie zuvor möglich war.

Michaela Abresch spannt den erzählerischen Bogen ihres Romans von der emotionalen Vernachlässigung der im 2. Weltkrieg geborenen Generation (und den daraus resultierenden Folgen für deren Familien) über die Anstrengungen (und Nichtwürdigung) häuslicher Pflege, humanitärer Hilfe in den Krisengebieten dieser Welt bis hin zu so heiklen Themen wie Palliativmedizin und -begleitung oder selbstbestimmtem Sterben. Dass dies alles in gleichem Maße sachlich fundiert wie anrührend geschieht, ohne dabei auch nur im Geringsten sentimental oder gar kitschig zu werden und trotzdem eine geradezu sprichwörtliche Leichtigkeit behält, ist einer der großen Verdienste dieses Romans.
Hinzu kommt, dass die poetische und dabei klare und schlichte Sprache Michaela Abreschs Bilder malt, die lange im Kopf verweilen und „All die ungelebten Leben“ zu einem ganz besonderen Leseerlebnis werden lassen, das unweigerlich zur Selbstreflektion führt.

Eine von Herzen kommende Leseempfehlung für Michaela Abreschs wundervollen Roman ist ein unbedingtes Muss!

  • Cover
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Veröffentlicht am 08.01.2021

Nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes…

Als die Nacht begann
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Jan Tommen steckt mitten in Vorbereitungen zu seiner Hochzeit, als er zu einem ungewöhnlichen Mord gerufen wird. Eine junge Frau wurde mitten in Berlin auf offener Straße erschossen – offensichtlich von ...

Jan Tommen steckt mitten in Vorbereitungen zu seiner Hochzeit, als er zu einem ungewöhnlichen Mord gerufen wird. Eine junge Frau wurde mitten in Berlin auf offener Straße erschossen – offensichtlich von einem Scharfschützen über mehrere 100 m hinweg. Und so machen sich Jan Tommen und sein ungewöhnliches Team auf die Suche nach möglichen Hintergründen und Tatverdächtigen. Der Täter kommt ihnen jedoch zuvor – ein weiteres Opfer wird gefunden: der Tathergang gleicht dem Mord an der Studentin und stellt das Ermittlerteam vor Rätsel, denn zwischen den beiden Opfern lassen sich keine Verbindungen finden. Während die offiziellen und inoffiziellen Kriminalisten des Tommen-Teams fieberhaft kombinieren und jeder noch so kleinen, vermeintlichen Spur nachgehen, mehren sich die Fragen und die Zeit wird knapp… liegt doch die Vermutung nahe, dass es nicht bei zwei Mordopfern des Scharfschützen bleiben wird…

„Als die Nacht begann“ ist bereits der 7. Fall der Jan-Tommen-Reihe, kann aber gut auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Allerdings bleiben die Figuren des Ermittlerteams ein wenig blass, weil dem Erstleser die Figurenentwicklung und das Entstehen des eher ungewöhnlichen Teams verborgen bleibt. Die Figuren an sich entsprechen den derzeit gerne bemühten Stereotypen, was den Lesegenuss ein wenig trübt.
Solide und professionell geschrieben, lässt sich der vorliegende Jan-Tommen-Band schnell schmökern, ist aber mehr Krimi denn Thriller. Der Plot war, bis auf einen kleinen Twist, ziemlich vorhersehbar und insbesondere die Ermittlungsarbeit wie auch die Auflösung war dann letztendlich wenig realistisch.

Für mich fällt „Als die Nacht begann“ in die Rubrik „schnell gelesen, schnell vergessen“. Meine Wertung mit 4 Sternen resultiert aus nicht möglichen halben Sternen, und 3 Sterne werden dem soliden Krimi dann doch nicht gerecht…

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Veröffentlicht am 08.01.2021

Ein Regionalkrimi ohne jede Volkstümelei und Behäbigkeit… spannend und vielschichtig!

Die Tränen der Vögel
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Sven Seidelmann, Ornithologe und Mitarbeiter einer pharmazeutischen Forschungsfirma, wird ermordet aufgefunden. Tatmotiv und Täter bleiben vorerst im Dunkeln, ist doch die einzige Zeugin des Verbrechens ...

Sven Seidelmann, Ornithologe und Mitarbeiter einer pharmazeutischen Forschungsfirma, wird ermordet aufgefunden. Tatmotiv und Täter bleiben vorerst im Dunkeln, ist doch die einzige Zeugin des Verbrechens eine Nachtschwalbe und deren Beitrag zur Aufklärung ist vorerst nur ihr blutiger Schnabel…

Während Karola Bartsch gemeinsam mit ihrem Team die Ermittlungen aufnimmt, muss sich ihr Bruder, der ehemalige Drogenfahnder Karsten, mit ganz anderen Problemen nicht minder existenzieller Art herumschlagen: Drogen-Dealer wollen seine als Sozialprojekt konzipierte Strandbar „Strandfurt“ als neuen Umschlagplatz für ihre Geschäfte missbrauchen. Und damit nicht genug, gerät Karsten, der sich eigentlich aus jeglichen kriminellen Machenschaften heraushält, bald unfreiwillig in den Fokus der Ermittler um seine Schwester… und hat alle Hände voll zu tun, Licht ins Dunkel zu bringen…

„Die Tränen der Vögel“ ist der 2. Band einer in Frankfurt am Main (und Umgebung) spielenden Krimiserie mit dem Protagonisten-Geschwisterpaar Karola und Karsten Bartsch.

Die Stärke dieses Krimis liegt nicht nur im spannend konzipierten und mit einigen unerwarteten Twists versehenen Plot, sondern vor allem in seinen authentischen Charakteren, die vielschichtig und jenseits des im Moment üblichen Krimi-Mainstreams gezeichnet wurden. Durchaus menschlich und empathisch gehen die beiden Geschwister ihren Professionen, aber auch ihren Passionen nach – und müssen sich gleichzeitig immer wieder auch den Geistern ihrer Vergangenheit stellen. Das alles geschieht spannend und für einen Regionalkrimi so gar nicht behäbig, sondern im Gegenteil äußerst vielschichtig und auch literarisch durchaus ansprechend.
Und dass der Leser während des Rätselns um Tatmotiv und Täter und dem Bangen um die physische und psychische Gesundheit der Bartsch-Geschwister und den ihnen nahestehenden, oft ziemlich kauzigen Mitmenschen wie nebenbei vieles über die gefiederten Mitbewohner unseres gefährdeten Planeten erfährt, ist schlicht bezaubernd…

Nach der Lektüre dieses Frankfurt-Krimis mit dem etwas sperrigen, aber durchaus passenden Titel haben Karola und Karsten Bartsch in mir jedenfalls einen neuen begeisterten Leser gefunden…
Leseempfehlung? Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 26.12.2020

Schräge Vögel in überdrehtem Krimispaß…

Whiskey-Ballett
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Ein russischer Mafioso mit Passion für modernen Ausdruckstanz, eine weibliche Ermittlerin mit hingebungsvoller Zuneigung zu irischem Whiskey und ihrer Gartenlaube, eine Zollfahnderin, die mit missionarischem ...

Ein russischer Mafioso mit Passion für modernen Ausdruckstanz, eine weibliche Ermittlerin mit hingebungsvoller Zuneigung zu irischem Whiskey und ihrer Gartenlaube, eine Zollfahnderin, die mit missionarischem Eifer Abstinenz und veganes Leben predigt, ein spießiger Ko-Ermittler, der unauffälliger nicht sein könnte, ein Kripo-Chef, der mit null Durchblick an seinen Ermittlern verzweifelt … und doch ist keiner, was er zu sein scheint und dem Leser stehen jede Menge Überraschungen ins Haus.

Wenn auch im Stil erfrischend und spritzig und manches Mal eher an ein Drehbuch denn an einen Roman erinnernd, ist Whiskey Ballett dann auch mehr Krimisatire als spannender Krimi. Die überdrehten Charaktere und Dialoge überlagerten für mich den Plot und manchmal wäre weniger vielleicht mehr gewesen. Zwischen „Hochprozentigem zugeneigt“ und komatös betrunken vom Barhocker rutschend ist für mich eben doch ein kleiner, aber feiner Unterschied, der meinen Sinn für Humor nicht zu 100 % trifft. Wer aber in Sachen Situationskomik und abstrusen Charakteren „gerne eine Schippe mehr“ mag, ohne dabei auf originelle Formulierungen und eloquenten Stil (und so einiges an Whisk(e)y-Wissen) verzichten zu müssen, wird bei diesem Kriminalroman (der den Auftakt für eine zukünftige Serie bildet) durchaus auf seine Kosten kommen.
Lesenswert? Für den, der keinen 100%ig ernsthaften Krimi erwartet und Liebhaber abge- und überdrehten Humors ist, absolut!

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