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Nadines_Buecher

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.10.2020

Facettenreiche Protagonistin

Capitana
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Die Capitana ist Drogen-Queen in L.A., aber auch Mutter, Tochter, Schwester, Geliebte und Chefin. Wie auch im ersten Band um Lola Vasquez polarisiert die Protagonistin mehrfach durch die Art und Weise, ...

Die Capitana ist Drogen-Queen in L.A., aber auch Mutter, Tochter, Schwester, Geliebte und Chefin. Wie auch im ersten Band um Lola Vasquez polarisiert die Protagonistin mehrfach durch die Art und Weise, wie sie ihre Rollen ausfüllt. Für ihre Adoptivtochter und ihre Soldaten ist sie die Löwenmutter, ihre Nachbarschaft unterstützt sie gerne, allerdings am liebsten anonym. Damit sind ihr ihre Wahlverwandtschaften oft näher als die eigene Familie, hier erscheint sie bisweilen gnadenlos wenn es um das größere Ganze geht. Als Geschäftspartnerin ist sie knallhart, auch wenn das "eine Hand wäscht die andere" sie auch in dieser Story wieder an Grenzen führt und Allianzen neu ausgelotet werden müssen. Natürlich taucht ein weiteres Drogenkartell auf, das Lola ihre Stellung in L.A. streitig machen will, natürlich geraten Lola, ihre Familie und ihre Soldaten in tödliche Gefahr, natürlich kommt der ein oder andere Hauptcharakter ums Leben. Doch ist es auch hier wieder interessant, wer die Fäden in der Hand hält, wo und warum sie gerade dort zusammenlaufen. Wieder ein spannender Thriller, diesmal auch mit weniger unrealistischem Ende als in "Lola". Wird es eine weitere Story geben, oder reichen etwa zwei Kartell-Kriege aus?

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.09.2020

Wie Holmes und Watson - allerdings gegenwärtiger

Mord in Highgate
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Die Art der Lösung von Kriminalfällen ist nicht neu, schließlich ist sie am großen Erzähler Arthur Conan Doyle und seinen Protagonisten Sherlock Holmes und Dr. Watson orientiert. Die Zusammensetzung des ...

Die Art der Lösung von Kriminalfällen ist nicht neu, schließlich ist sie am großen Erzähler Arthur Conan Doyle und seinen Protagonisten Sherlock Holmes und Dr. Watson orientiert. Die Zusammensetzung des ermittelnden Duos ist ebenfalls nicht neu, denn auch die Kombination aus Polizist oder hier Ex-Polizist und nun privater Ermittler plus Schriftsteller hat es auch bereits gegeben. Auch ein moderner, gegenwärtiger Sherlock Holmes wurde bereits in einer erfolgreichen britischen Fernsehserie umgesetzt. Dennoch vereint der Autor Anthony Horowitz in seinen Sherlock aufgreifenden Kriminalfällen, in denen er selbst als Protagonist auftritt, all dies auf bisher ungekannte und durchaus originielle Weise. Wie sollte es auch anders sein, hat Detektiv Hawthorne die Nase gerne vorn und manchmal sogar auch oben. Der Autor, der so gerne einmal einen Fall selbständig lösen möchte, wird jedoch auf seinen Job verwiesen: zusehen, zuhören und aufschreiben. Hinzu kommt ein nervtötendes und bedrohliches Polizisten-Duo, von dem sich Hawthorne plötzlich bedroht sieht. Auch wenn von vornherein klar ist, wer den Fall gänzlich lösen wird, so ist die Story jede Seite und jedes in der Gegenwart geschilderte Erlebnis des Gespanns wert. Schön britisch, kauzig, spannend, mit höchst interessanten Charakteren - Höhlengänger, überspannte Autorinnen, genervte Literaturagentinnen, neureiche Bauunternehmer, überforderte Witwen, penible Rechtsanwälte und untreue Ehemänner - und herrlichen Gedankenspielen. Schon allein die Wahl der Kapitelüberschriften könnte treffender nicht sein. Ein herrlicher Krimi-Spaß zum mitraten. Das Cover des Buchs zwar, wie von Hawthorne gewünscht, blutrot, aber nicht wirklich blutig. Der Name des Autors zieht, so dass man sich vom Klappentext fesseln lässt und gerne zu diesem Abenteuer greift.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.09.2020

Thriller-Paket unterwegs auf mehreren Ebenen

Abgetaucht
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Als Fan von David Baldaccis Thrillern, die meist hartgesottene Protagonisten haben, begeistert mich, dass er hier nun eine Protagonistin gewählt hat. Atlee Pines ist FBI-Agentin in beschaulicher Gegend ...

Als Fan von David Baldaccis Thrillern, die meist hartgesottene Protagonisten haben, begeistert mich, dass er hier nun eine Protagonistin gewählt hat. Atlee Pines ist FBI-Agentin in beschaulicher Gegend in Arizona, doch sie ist nicht weniger taff als ihre Macho-Kollegen aus anderen Serien des Autors. Gefällt mir. Die Story von "Abgetaucht" ebenfalls "mehrlagig", d.h. mehrere Kriminalfälle werden erzählt. Es beginnt bereits temporeich, denn die Agentin rettet ein kleines Mädchen vor einem Pädophilen, verliert dabei jedoch gefährlich die Fassung. Warum, das entspinnt sich allmählich anhand Atlees Familiengeschichte. Zentraler Punkt die Kleinstadt, in der die Pines lebten und die Nacht, in der Atlees Zwillingsschwester Mercy entführt und sie selbst fast totgeschlagen wurde. Kaum beurlaubt und in Andersonville angekommen, um die eigenen Dämonen endlich zu beruhigen, wird eine Tote mit antikem Brautschleier aufgefunden. Hat dieser Mord mit dem Auftauchen der Agentin zu tun? Will man Atlee etwas sagen, oder liegen die Dinge ganz anders, als diese glaubt? Unheimlich spannend zu verfolgen, bekommt von mir trotz Cliffhanger das Prädikat "Pageturner". Einzig das Einbringen der Mafia hätte nicht sein müssen, neben all den thematischen und psychologischen Abgründen die enthalten sind, wirkt dies fast zu platt. Die Übersetzung ist angenehm geschrieben, die kurzen Kapitel halten das Tempo der Anfangssequenz. Das Cover - eine Frau im roten Mantel rennt vom Betrachter weg, der Hintergrund in grau-weiß gehalten, der Titel in kontrastierendem Blau gesetzt - mit dem groß gesetzten Titel des Autors lassen die zum Buch greifenden erahnen, was sie erwartet: Unterhaltung mit Thrill, runde Charaktere, gute Stories.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.08.2020

Bericht einer Agentin: Lose Enden als Ermahnung in der heutigen Zeit

American Spy
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Der angekündigte Thriller über die Aktivitäten einer FBI-Agentin während des Kalten Krieges entpuppt sich als Bericht einer Frau, die nach dem vereitelten Einsatz eines Auftragskillers aus den USA in die ...

Der angekündigte Thriller über die Aktivitäten einer FBI-Agentin während des Kalten Krieges entpuppt sich als Bericht einer Frau, die nach dem vereitelten Einsatz eines Auftragskillers aus den USA in die Heimat ihrer Mutter flieht, um ihre Zwillinge im Kleinkindalter zu schützen. Für die beiden - William und Thomas - ist ihr Bericht gedacht. Sie sollen von ihrer Mutter selbst die Geschichte ihrer Herkunft hören und verstehen, aus welchen Beweggründen heraus Marie wie handelte. Denn das fehlte Marie offenbar in ihrer Kindheit; sie musste selbst herausfinden, dass ihre Mutter Agathe eine Spionin war und ihre Tarnidentität und damit ihre Familie in Queens hinter sich ließ, um nach Martinique zurückzukehren. Auch die Umstände des Todes von Maries älterer Schwester Helene, die zum Militär ging und besessen davon war Agentin zu werden, muss sich Marie nach und nach zusammenpuzzeln. Schließlich fällt dieses Kapitel anders aus als gedacht. Symptomatisch für diese Story: Man erfährt tatsächlich nicht alles, wenig wird zu Ende erzählt, weil allein bei der Perspektive von Marie geblieben wird. Neben den Auswirkungen des Kalten Krieges in den USA und Afrika, hier insbesondere Burkina Faso, der kommunistischen Ideologie, präsidialen Entscheidungen der 1980er Jahre, Postkolonialismus, dem Selbstverständnis der USA und ihren paramilitärischer Gruppen als Weltpolizei mit wirtschaftlichen Interessen werden auch Themen wie Diskriminierung wegen Hautfarbe und Geschlecht, Manipulation sowie Selbstfindung, Heimat und Identität, aber auch Familie, Freundschaft und Liebe aufgegriffen. Damit passt das Buch eindeutig in unsere Zeit, da es aufzeigt, auf welch fatalem Weg nicht nur die USA gerade wieder sind. Die Geschichte ist wenig gefällig, vielleicht machen die Ecken und Kanten und das nicht-zu-Ende-Erzählte sie jedoch aus. Das Cover bunt und grell, eine schwarze Frau gehüllt in eine amerikanische Flagge, darüber der schlichte Titel. Was auf der Leseliste von Barack Obama steht, ist ein reinschauen wert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.07.2020

Vom Zusammenhalten des Innen und des Außen

Mord in Sunset Hall
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Wenn die Senioren-WG von Sunset Hall eines nicht ist, dann ist es gewöhnlich. Agnes, Hausbesitzerin und Mitbegründerin der WG für Personen mit besonderem Lebenslauf, hasst ihre Medikamente ebenso wie ihre ...

Wenn die Senioren-WG von Sunset Hall eines nicht ist, dann ist es gewöhnlich. Agnes, Hausbesitzerin und Mitbegründerin der WG für Personen mit besonderem Lebenslauf, hasst ihre Medikamente ebenso wie ihre Hüftschmerzen und scheint ständig auf der Suche nach ihren dritten Zähnen. Wenn nicht gerade ein Tinnitus sie außer Gefecht setzt oder sie gefährliche Aktionen mit Besteckbestandteilen bestreitet, suchen sie in letzter Zeit die Geister der Vergangenheit auf. Insbesondere, als neben ihrer Freundin und WG-Parternin Lilith auch noch Mildred, eine wenn auch schwierige so doch Kindheitsfreundin, und eine dorfbekannte, unbeliebte Tratschtante tot aufgefunden werden. Die blinde Bernadette, Winston im Rollstuhl, die gelenkige Edwina, der Marschall und Neuzugang Charlie sind sich einig, dass Mörder gefunden und ihrer gerechten Strafe zugeführt werden müssen. Doch wie, wenn das Gedächtnis nicht mehr mitmacht? War es am Ende eine oder einer von ihnen? Gibt es eine Verbindung zur Vergangenheit? Was haben sowohl Mildreds Zwilling Isobel als auch Agnes' Zwilling Alice damit zu tun? Auch wenn sich so manch gefährliche Situation ergibt, in denen auch hin und wieder Medikamente eine Rolle spielen, halten die Senioren fest zusammen und tragen beharrlich wie Schildkröte Hettie, die sich doch eigentlich nur für ihre Winterstarre im Garten verbuddeln möchte, die Puzzleteile zusammen. Gegen das Vergessen und für selbstbestimmtes Leben im Alter. Herrlich geschrieben, mit einem ordentlichen Schuss Humor und Absurdität. So wie wir die Autorin lieben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere