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Veröffentlicht am 06.02.2022

Spannung im Grenzgebiet

Der Holländer
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Geeske Dobbenga hat ihre letzte Fahrt als Opperwachtmeester auf dem Patrouillenboot im Grenzgebiet zwischen Niederlande und Deutschland. Auf einer Sandbank nahe der Flutlinie entdecken sie einen Ertrunkenen. ...

Geeske Dobbenga hat ihre letzte Fahrt als Opperwachtmeester auf dem Patrouillenboot im Grenzgebiet zwischen Niederlande und Deutschland. Auf einer Sandbank nahe der Flutlinie entdecken sie einen Ertrunkenen. Sie nehmen ihn im Leichensack mit, denn bald wird alles unter Wasser stehen. Die Auffindstelle liegt in einem Gebiet, dessen Zugehörigkeit zwischen Niederlande und Deutschland nicht geklärt ist. Bei dem Toten handelt es sich um den Deutschen Klaus Smyrna. Er war gemeinsam mit seinem Freund Peter Lattewitz unterwegs um vom ostfriesischen Festland zu Fuß durch das Watt nach Borkum zu gelangen. Doch nur Peter kommt in Borkum an. War es ein Unfall oder Mord? Da der Tote in einem umstrittenen Gebiet gefunden wurde, ist nicht klar, wer für die Ermittlungen zuständig ist. Bevor eine Entscheidung dazu fällt, übernimmt Liewe Cupido von der deutschen Bundespolizei inoffizielle Nachforschungen. Liewe ist in Deutschland geboren, aber auf der Insel Texel aufgewachsen und wird von allen der „Holländer“ genannt.

Das Cover ist ansprechend und deutet schon darauf hin, dass der Krimi an der Küste spielt. Auf der Innenseite des Schutzumschlages ist eine Karte der Nordseeküste gezeichnet, so dass man beim Lesen sehen kann, wo man sich gerade befindet.

Da ich in Norddeutschland wohne und gern an der Küste bin, habe ich schon oft Wattwanderungen gemacht, aber noch nie von Extrem-Wattwanderern gehört. Die Thematik im Zusammenhang mit einer Krimihandlung hat mir super gefallen. Der Erzählstil ist sehr flüssig, anspruchsvoll und ausdrucksstark. Die Protagonisten sind alle interessant skizziert, besonders angesprochen haben mich Liewe Cupido und Geeske Dobbenga. Es ist ein Krimi der leisen Töne, der trotzdem sehr spannend ist und ohne Blutvergießen auskommt. Die Geschichte ist in kurzen Kapiteln unterteilt, die mich dazu verleitet haben, immer noch ein Kapitel mehr zu lesen, als geplant. Ein empfehlenswerter Krimi, der mich gefesselt und bis zum Ende nicht wieder losgelassen hat.

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Veröffentlicht am 01.02.2022

Unterhaltsame Lesestunden

Die Dorfschullehrerin
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Wir schreiben das Jahr 1961. Im Zonenrandgebiet herrscht Lehrkräftemangel und die wenigsten Stellen konnten längerfristig besetzt werden. Hier im ländlichen Hessen tritt die junge Helene eine neue Stelle ...

Wir schreiben das Jahr 1961. Im Zonenrandgebiet herrscht Lehrkräftemangel und die wenigsten Stellen konnten längerfristig besetzt werden. Hier im ländlichen Hessen tritt die junge Helene eine neue Stelle als Lehrerin an. Erst wird sie sehr skeptisch von den Dorfbewohner und dem Kollegium auf genommen. Nur langsam wird sie mit ihrem neuen Erziehungsstil akzeptiert. In der Hebamme Isabella und dem Landarzt Tobias findet sie schnell zwei Vertraute. Helene stammt aus Berlin, doch was hat sie veranlasst hier nahe der Grenze eine Stelle anzunehmen?

Schon nach wenigen Seiten hat mich der Roman von Eva Völler gefangengenommen, am liebsten hätte ich das Buch in einem Rutsch gelesen. Alle Protagonisten wirken lebendig und vertraut, einige sind mir im Laufe der Geschichte ans Herz gewachsen. Durch die eingeschobenen Sätze im Rhöner Platt wirkte vieles sehr authentisch. Das Buch hat mir unterhaltsame Lesestunden bereitet und ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 01.02.2022

Familiengeschichte

Die langen Tage von Castellamare
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Das Buch ist eine Familiengeschichte, die sich über ein ganzes Jahrhundert erstreckt und das Leben der Familie Esposito auf einer kleinen italienischen Insel erzählt.

Amedeo Esposito ist ein Findelkind ...

Das Buch ist eine Familiengeschichte, die sich über ein ganzes Jahrhundert erstreckt und das Leben der Familie Esposito auf einer kleinen italienischen Insel erzählt.

Amedeo Esposito ist ein Findelkind und wächst in einem Waisenhaus in Florenz auf. Ihm wird die Möglichkeit geboten eine Ausbildung zum Arzt zu machen. Seine Bewerbungen laufen ins Leere, bis er das Angebot erhält, auf der kleinen Insel Castellamare zu praktizieren. Er fühlt sich dort sofort heimisch und kann sich seiner anderen Leidenschaft, dem Sammeln von Geschichten, widmen. Dann geschieht etwas Außergewöhnliches. Zwei Frauen liegen in den Wehen, Pina, die Frau des Arztes Amedeo und die Contessa Carmela. Der Arzt steckt in der Zwickmühle als er zu Carmela gerufen wird, da der Geburtsvorgang stockt. Für seine Frau ruft er die alte, fast blinde Hebamme und hofft früh genug zurück zu sein. Nach der schwierigen Geburt der Contessa beschuldigt diese ihn, der Vater des Neugeborenen zu sein. Diese Nachricht wird sich wie ein Lauffeuer auf der Insel verbreiten. Als der Arzt nach Hause zurück kommt, hat seine Frau Pina auch einen Jungen entbunden. Auf Anweisung des Conte darf Amedeo nicht mehr als Arzt praktizieren. Da er die Insel nicht verlassen will, renoviert er eine kleine Bar, das Haus am Rande der Nacht.

Die Autorin hat es geschafft, mich durch ihre wunderbare Erzählkunst eintauchen zu lassen in die Familiengeschichte der Espositos und das Leben auf einer kleinen Insel. Hautnah erlebt man Tratsch und Klatsch, Freundschaften, Fehden und Kriege. Aber auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Die handelnden Personen sind mir ans Herz gewachsen. Ich habe mit ihnen gelitten und mich für sie gefreut. Fast habe ich mich wie ein Familienmitglied gefühlt. Fasziniert hat mich auch die Entwicklung in dieser Zeit auf der abgelegenen Insel, die sich langsam dem Tourismus öffnete und durch politische sowie wirtschaftliche Weltereignissen sehr authentisch wirkte.
Ich konnte mit dem Buch wunderbare Lesestunden verbringen.

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Veröffentlicht am 29.01.2022

Das Leben zweier starker Frauen

Ab heute heiße ich Margo
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Der Roman erzählt die Geschichte von zwei starken Frauen und gleichzeitig erfährt der Leser viel über das Zeitgeschehen im 20. Jahrhundert. Er beginnt in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg, führt durch die ...

Der Roman erzählt die Geschichte von zwei starken Frauen und gleichzeitig erfährt der Leser viel über das Zeitgeschehen im 20. Jahrhundert. Er beginnt in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg, führt durch die Kriegszeit, den Wiederaufbau mit dem Wirtschaftswunder, der Teilung Deutschlands, dem Einsetzen des Kalten Krieges bis er einige Jahre nach der Wiedervereinigung endet.

Margarete Hegewald ist siebzehn und hat einen Entschluss gefasst, sie will die Schule verlassen, etwas Anspruchsvolles leisten und Verantwortung übernehmen. Da sie zum Haushalt etwas beisteuern kann, stimmt ihr Vater zu und so beginnt sie eine Lehre in der Buchhaltung von Photo-Werner. Hier trifft sie auf die Fotografin Helene Pinkus, die nur einige Jahre älter ist und bereits im Spanischen Bürgerkrieg viel riskiert hat. Margarete lernt Alard von Sedlitz kennen, verliebt sich in ihn und beschließt, dass sie ab sofort Margo heißt. Doch auch Helene kennt Alard schon seit dem Bürgerkrieg. Beide Frauen durchleben während des Krieges schreckliche Zeiten und verlieren sich aus den Augen. Nach dem Krieg herrscht in Westdeutschland Aufbruchstimmung und Margo lässt sich mit ihrem Mann in Osnabrück nieder. Dort arbeitet sie engagiert mit beim Aufbau einer Firma. Helene bleibt in Ostdeutschland und verkauft ihre Seele an das Ministerium für Staatssicherheit. Sie hilft mit beim Kampf für Frieden und Sozialismus. Beide Frauen verbindet ein Geheimnis, dass sie bis zu ihrem Lebensende nicht wieder loslässt.

Der Roman ist in drei Bereiche unterteilt und befasst sich mit dem dritten Reich, dann Deutschland West und Ost und wechselt dann zu der Zeit nach dem Mauerfall. In diesem Buch habe ich 70 Jahre deutsche Geschichte hautnah gespürt und konnte gleichzeitig die Lebensgeschichte zweier starker Frauen mit erleben. Die Personen sind wunderbar gezeichnet mit ihren Stärken, Schwächen und Träumen, aber auch mit der Schuld, die sie auf sich geladen haben. Ich habe dieses Buch mit Begeisterung gelesen und kann nun auch nachvollziehen, wenn Eltern oder Großeltern wenig über ihre Erlebnisse während des Krieges sprechen.

Ein empfehlenswertes Buch, welches mir wunderbare Lesestunden bereitet hat.

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Veröffentlicht am 29.01.2022

Das Wunder der Illusion

Der Trick
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Dies ist ein bemerkenswerter Debütroman von Emanuel Bergmann, der mich gleichermaßen verzaubert, berührt und gefesselt hat.

Mosche Goldenhirsch lebt in Prag und hat schon früh seine Mutter verloren. 1934 ...

Dies ist ein bemerkenswerter Debütroman von Emanuel Bergmann, der mich gleichermaßen verzaubert, berührt und gefesselt hat.

Mosche Goldenhirsch lebt in Prag und hat schon früh seine Mutter verloren. 1934 besucht er als fünfzehnjähriger einen Zauberzirkus mit dem berühmten Magier, dem Halbmondmann. Als ein Freiwilliger gesucht wird und Mosche auf die Bühne geht, um die reizende Assistentin zu küssen, ist es um ihn geschehen. Er läuft von zu Hause fort und schließt sich dem Zirkus an. Vom Halbmondmann lässt er sich in die Welt der Illusionen und der magischen Tricks einführen. Nach einem Brand im Zirkus flüchtet Mosche mit der Assistentin Julia Klein und tritt unter seinem neuen Namen „Der große Zabbatini“ im Berliner Wintergarten auf. Einige Zeit kann er seine jüdische Herkunft verschleiern, bis er verraten wird und nach Auschwitz kommt.

Im Jahr 2007 erfährt Max Cohn, dass seine Eltern sich scheiden lassen wollen. Dieses belastet ihn sehr. Als sein Vater auszieht, entdeckt er eine alte Schallplatte vom Großen Zabbatini. Auf der gibt es einen Zauberspruch zur ewigen Liebe und Max hofft, dass dieser Spruch seine Eltern wieder zusammenbringen kann. Doch als Max die Platte abspielt, hat sie gerade an dieser wichtigen Stelle einen Kratzer und er kann den Spruch nicht verstehen. So macht er sich auf die Suche nach dem Großen Zabbatini.

Die beiden Handlungsstränge werden abwechselnd erzählt. Ich bin mit Mosche Goldenhirsch auf eine Reise gegangen von der Geburt in Prag über Dresden nach Berlin, weiter nach Auschwitz und von dort in die USA, wo er allein in einem Seniorenheim auf seinen Tod wartete. Gleichzeitig habe ich Max bei der Suche nach dem Großen Zabbatini begleitet und war angetan von seiner Hoffnung und seinem Glauben an die Magie, die seine Eltern wieder zusammenbringen soll.
Emanuel Bergmann hat für mich einen wunderschönen Erzählstil. Es gibt in dem Buch schöne, aber auch sehr grausame Schilderungen, die sehr nahe an der Realität liegen. Vieles wird abgemildert, weil zwischen durch immer wieder ein leichter Humor aufblitzt. Zum Schluss schließt sich der Kreis mit einem für mich überraschendem Ende.
Ein empfehlenswertes Buch, dass mich bewegt und nachdenklich gestimmt hat, vom dem aber ein ganz besonderer Zauber ausgeht.

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