Eine kluge, unterhaltsame und tiefgründige Doppelbiografie
Warren Buffett und Bill GatesMit seinem Buch Warren and Bill: Gates – Die einflussreichste Freundschaft der Welt wirft Anthony McCarten einen faszinierenden Blick auf zwei der einflussreichsten Männer unserer Zeit – und auf die ungewöhnliche ...
Mit seinem Buch Warren and Bill: Gates – Die einflussreichste Freundschaft der Welt wirft Anthony McCarten einen faszinierenden Blick auf zwei der einflussreichsten Männer unserer Zeit – und auf die ungewöhnliche Freundschaft, die sie miteinander verbindet. Was zunächst wie ein klassisches Wirtschaftsporträt klingt, entpuppt sich als feinfühlig erzähltes Buch über Nähe, Einfluss, Werte und Verantwortung.
Zwei Männer, zwei Welten – eine Vision
Bill Gates, der technikbegeisterte, durchgetaktete Microsoft-Mitgründer, trifft auf Warren Buffett, den bodenständigen Investment-Guru aus Omaha. Zwei Persönlichkeiten, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten – und dennoch entsteht zwischen ihnen in den 1990er-Jahren eine der bemerkenswertesten Freundschaften des 21. Jahrhunderts. McCarten beschreibt eindrücklich, wie Gates’ anfängliche Skepsis gegenüber Buffett schnell in Bewunderung umschlägt – ein Gespräch reicht, und eine lebenslange Verbindung beginnt.
Spannend ist dabei die Alltäglichkeit ihrer Beziehung: sie spielen Bridge (auch online), essen Fast Food, scherzen über ihre Eigenheiten. Und doch ist es gerade diese Vertrautheit, aus der ein beispielloser Einfluss auf Wirtschaft, Philanthropie und globale Gesundheitsfragen erwächst.
Der größte Deal der Welt – ohne Geld
Das zentrale Projekt ihrer Freundschaft ist die Zusammenarbeit in der Bill & Melinda Gates Foundation. Buffett bringt rund 85 % seines Vermögens in die Stiftung ein – eine beispiellose Geste des Vertrauens und der Überzeugung. Gemeinsam arbeiten sie daran, globale Herausforderungen wie Malaria, Armut und mangelnde Bildung zu bekämpfen. McCarten zeigt hier eindrucksvoll, dass ihr “größter Deal” keiner an der Börse war, sondern einer für die Menschheit.
Persönlich und politisch
Besonders berührend sind jene Passagen, in denen McCarten von den privaten Momenten berichtet. Etwa wenn Gates sich in seinem streng durchgetakteten Alltag eine „Pause“ gönnt und mit dem Privatjet zu Buffett fliegt, um Abstand von Meetings, Medien und Melinda zu gewinnen. Oder wenn Gates rückblickend erkennt: „Ich hätte viel früher lernen sollen, dass man nicht jede Minute verplanen muss, um erfolgreich zu sein.“
Auch die Reibungspunkte spart McCarten nicht aus: Nach Gates’ Scheidung von Melinda French Gates 2021 tritt Buffett aus der Stiftung aus. Die Freundschaft habe sich abgekühlt, heißt es. Doch McCarten behandelt diese Entwicklung mit Respekt und stellt Fragen, die über das Persönliche hinausgehen: Wie viel Macht dürfen Einzelne haben? Ist es gesund, wenn private Akteure globale Agenden setzen?
Ein vielschichtiges Porträt
McCartens Stärke liegt darin, Fakten, Anekdoten und kritische Reflexion miteinander zu verweben. Er schreibt klug, ohne zu dozieren, charmant, ohne zu verklären. Die beiden Männer werden nicht als Helden stilisiert, sondern als Menschen mit Ambitionen, Fehlern, Stärken – und als Vorbilder für eine neue Art von Verantwortung.
Fazit
Warren and Bill: Gates – Die einflussreichste Freundschaft der Welt ist ein ebenso unterhaltsames wie aufschlussreiches Buch über eine Freundschaft, die aus einer zufälligen Begegnung entstand und globale Wirkung entfaltete. McCarten gelingt ein Porträt, das weit über Wirtschaft hinausgeht – ein Buch über Vertrauen, Wandel, Macht und Menschlichkeit.
Unbedingt lesenswert – für alle, die sich für Biografien, Zeitgeschichte und das Zusammenspiel von persönlicher Beziehung und globaler Verantwortung interessieren.