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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.09.2021

(Fast) unbemerkte Vielfalt

Das Museum der Pilze
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Es ist bereits das achte Buch der Reihe „Eintritt frei: Das Museum …“ und wir lieben auch dieses!!! Diese Buchreihe ist großartig, ich kann es anders nicht sagen. Diesmal erkunden wir die Pilze! Was könnte ...

Es ist bereits das achte Buch der Reihe „Eintritt frei: Das Museum …“ und wir lieben auch dieses!!! Diese Buchreihe ist großartig, ich kann es anders nicht sagen. Diesmal erkunden wir die Pilze! Was könnte passender sein im Herbst als sich diesem Gewächs der Wälder zu widmen und zu erforschen.
„Das Museum der Pilze“ ist ein großformatiges Bilderbuch, aber lasst euch davon nicht abschrecken. Kein Bilderbuch im Sinne des Kleinstkind-Format sondern ein Buch für 6-99 Jahre. Denn es ist in der Tat ein Museum zwischen zwei Buchdeckeln.
Es gibt viel zu schauen, da das Buch mit viel Liebe zum Detail illustriert wurde von Katie Scott.
Die Texte stammen alle von renommierten Fachleuten, auch wenn auf dem Cover „nur“ Dr. Ester Gaya, die dieses Buch federführend kuratiert hat.
Aber nun mal zum Inhalt! Was erwartet den Museumsbesucher im Geiste. Es werden Fragen geklärt was ein Pilz überhaupt ist, seine Evolution und wie pflanzt sich so ein Pilz eigentlich fort? Natürlich auch reichlich gattungsspezifische Informationen zu Hutpilzen, Becherpilzen Bauchpilze und viele mehr. Auch werden (wieder) die Lebensräume beleuchtet und die Beziehungen von Pilzen zu seinen spezifischen Umwelten. Klar, natürlich wird auch nicht ausgelassen was es mit den giftigen Pilzen auf sich hat!
Sehr spannend! Eine tolle Erweiterung unserer Familienbibliothek!

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Veröffentlicht am 22.09.2021

Leider schlecht übersetzt.

Hilfe, ich habe meiner superschlauen Schwester das Gehirn geklaut!
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Das Buch „Hilfe, ich habe meiner superschlauen Schwester das Gehirn geklaut!“ von Jo Simmons ist im Original auf Englisch erschienen und das merkt man gehörig. Denn die Übersetzung lässt leider leider ...

Das Buch „Hilfe, ich habe meiner superschlauen Schwester das Gehirn geklaut!“ von Jo Simmons ist im Original auf Englisch erschienen und das merkt man gehörig. Denn die Übersetzung lässt leider leider zu wünschen übrig. Warum muss der Junge Keith Stofferson heißen? Ein absoluter Zungenbrecher! Warum muss es Mom und Dad sein statt Mama und Papa? Dann kamen Wörter wie Oxygen vor und auch Wortspiele, die im Deutschen keinen Sinn machen, weil die Buchstaben anders ausgesprochen werden. Will sagen, dass hier das Lektorat und die Übersetzung mehr hätte anpassen müssen um der Zielgruppe gerecht zu werden. Daher hat es mich für die selbstständige Lektüre für Grundschüler nicht überzeugt! Vorlesen geht natürlich besser.
Worum geht es? Keith, ist zwar Erfinder, aber wird als Trottel in der Familie wahrgenommen und Min, seine Schwester, ist Hochbegabt und muss immer leisten. Dann braucht Keith Geld um auf die Erfindermesse zu fahren und macht bei Superhirn junior mit, einer TV Kinder-Quiz und gewinnt am Ende und bringt seiner Schwester damit bei, dass es mehr gibt im Leben als Gute Noten und ein Leistungstier zu sein. Sprich, die Idee des Buches ist gut, aber bitte liebe Lektoren, das geht für deutschsprachige Leseanfänger besser. Da muss kein Denglisch in der Grundschule her. Either full way or not at all!
Eine positive Randnotiz wäre, dass das Buch einen sehr passenden Comiczeichner hatte, der die Geschichte extrem witzig ins Bild gesetzt hat. Schon am Cover erkennbar.

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Veröffentlicht am 22.09.2021

Es schnürte mir die Kehle zu

Die Überlebenden
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Harter Tobak! Mich hat das Buch vor allem aus meiner Mutterbrille total umgehauen und mir die Tränen in die Augen getrieben. Das schaffen nur wenige Romane.
Der schwedische Autor Alex Schulmann hat mit ...

Harter Tobak! Mich hat das Buch vor allem aus meiner Mutterbrille total umgehauen und mir die Tränen in die Augen getrieben. Das schaffen nur wenige Romane.
Der schwedische Autor Alex Schulmann hat mit seinem Debüt ‚Die Überlebenden‘ einen ruhigen Roman mit Wucht geschrieben. Kein Anprangern, kein Bewerten. Der/Die Leser:in nimmt eine beobachtende Position ein und begleitet die drei Brüder auf dem Weg ihre Mutter zu beerdigen. Sie kehren zu dem abgeschiedenen Sommerferienhaus zurück, in dem sie Jahr ein und aus ihren Sommer als Familie verbrachten. Dieser Ort könnte ein idyllischer sein, hat ihnen aber keine unbeschwerte Kindheit bescherte. 3 Brüder, die sich sehr nahe waren und doch so fern.
Bedrückend macht der Blick in die Seele der Jungen. Diese ungebrochene Liebe zu den Eltern, die Aufmerksamkeit die ihnen verwehrt wird, die Sehnsucht nach Liebe. Es tut einem weh beim Lesen, obwohl nichts ausdekliniert wird. Und dann als Erwachsene realisieren sie was ihnen fehlte, was passierte und auch das nur angedeutet. Das macht diesen Roman so überwältigend.
Geschrieben ist der Roman aus der Sicht des mittleren Bruders, Bejamin, Er lässt uns an seinen Gedanken teilhaben und lässt uns hinein in seine Kernfamilie.
Eine Lektüre die aufwühlt und uns zeigt was für eine wichtige und essentielle Rolle Eltern für ihre Kinder spielen und wie rein die Liebe der eigenen Kinder ist.

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Veröffentlicht am 16.09.2021

Das Inselleben West-Berlins

Treue Seelen
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Wir schreiben das Jahr 1986. Die Republik ist weiterhin geteilt. In diesem Frühjahr machen sich Achim und seine Frau Barbara auf nach Berlin. Sie nehmen alle Vorteile mit, die man damals bekam, wenn man ...

Wir schreiben das Jahr 1986. Die Republik ist weiterhin geteilt. In diesem Frühjahr machen sich Achim und seine Frau Barbara auf nach Berlin. Sie nehmen alle Vorteile mit, die man damals bekam, wenn man nach West-Berlin zog: Beamtenstatus beim Bundesamt für Materialprüfung, Zulagen von 8% (!) und sie erhoffen sich ein wenig mehr Glamour als in Bonn/Bad Godesberg. Tja, aber dann sollte man vielleicht nicht nach Zehlendorf ziehen und bequem bleiben, sondern eher nach Kreuzberg….nur eines der differenziellen Aspekte des Romans!
Aber keine Sorge, es wird anderweitig spannend, denn da gibt es die aus Ostberlin stammende Marion in der Nachbarschaft, die Achim, dem Protagonisten, den Kopf verdreht und damit auch vieles unerwartete ins Rollen bringt, Achim landet sogar in Hohenschönhausen und über allem hängt die dicke Tschernobylwolke – je nach Osten und Westen anders interpretiert.
Till Raether hat mit ‚Treue Seelen‘ aus meiner Sicht einen sehr gelungenen Roman über das Leben auf der Insel West-Berlin geschrieben und auch den Osten aus der Westbrille beleuchtet (soweit ich das beurteilen kann, bin auch eine West-Berliner Kind). Wie ein Krimiplot im Berlin der 80er Jahre geht er hier mit seinem Protagonisten durch die Straßen.
Eingängig, gut und unterhaltsam geschrieben. Es ist für mich auch ein Roman der Perspektiven, sei es die Innenansicht aus Ostberlin oder Westberlin. Auch Marions Perspektive, die als Teenager aus dem Osten kam und dann wurde just die Mauer gebaut, ist eine andere Perspektive als die des Wessis Achim aus Bonn.
Wiedermal ein deutsch/deutscher Roman, aber er ergänzt vorhandene Lektüren gut und natürlich erfreut es einen das selbst erlebte noch einmal Revue passieren zu sehen, auch wenn es damals aus Kinderaugen war. Ich bin gespannt wie meine Eltern den Roman lesen/erleben werden!
Taugt für die „breite Masse“ und ist zugleich aber doch sehr speziell. Gelungen!

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Veröffentlicht am 13.09.2021

Zu viel Klischees aus Ballerfilmen der 80er

Der Libanese
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Wenn man weiß, dass Clemens Murath eigentlich Drehbuchautor ist und sonst sehr seichte 20 Uhr-Krimis schreibt für den Massenmarkt, dann wundert man sich ein wenig über diese 180 Gradwendung zum Hardboiled ...

Wenn man weiß, dass Clemens Murath eigentlich Drehbuchautor ist und sonst sehr seichte 20 Uhr-Krimis schreibt für den Massenmarkt, dann wundert man sich ein wenig über diese 180 Gradwendung zum Hardboiled Thriller, aber könnte sich auch freuen. So weit so gut.
In ‚ Der Libanese‘ dem Debüt in Romanform von Clemens Murath geht es zu wie in einem anachronistischen 80er Jahre Ballerfilm. Da ist der harte Polizist, viel Gewalt, Sex, Drogen und die Welt ist einfach schlecht und dreckig in allerlei Hinsichten. Seufzt. Mich haben diese Klischees mächtig genervt und auch wenn man mal ein Retrobuch dieser Kategorie lesen möchte, dann doch bitte echte 80er Jahre und nicht ein überfälliges Szenario in der Gegenwart - was mächtig out of date ist! Sprich, dann gleich James Ellroy oder Elmore Leonard. Das spricht übrigens auch für die Sprache, recht abgedroschen und wenig innovativ. Nur ab und an kommt gelungener makabrer Humor zu Tage, das hat dann doch an der ein und anderen Stelle Spaß gemacht!
Das Ganze spielt in Berlin und der LKA-Kommissar Frank Bosmann will die Clanbrüder Arslan und Tarik Aziz einbuchten, denn die haben alles in der Hauptstadt in der Hand mit dem sich gut Kohle machen lässt: wieder mal Drogen, Gambling und Prostituierte. Aber auch er kommt in Bedrängnis.
Ich hatte insgesamt mehr Raffinesse erhofft und war daher recht enttäuscht vom Buch. Es kann gut sein, dass Murath mit diesem doch sehr eindeutigen LKA-Ermittler mit seiner Art eine Fangemeinde aufbaut, ich gehöre (leider) nicht dazu.

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