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Nilchen

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Veröffentlicht am 10.06.2021

Wie ‚Mord mit Aussicht‘ bloß im Schwabeländle

Schwarzwälder Morde
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Willkommen im Schwarzwald, im beschaulichen Bad Wildbad! Hier wo die Welt noch in Ordnung ist passiert eigentlich nichts, außer dass sich mal der ein oder andere Rentner verirrt. Hierhin hat es Justin ...

Willkommen im Schwarzwald, im beschaulichen Bad Wildbad! Hier wo die Welt noch in Ordnung ist passiert eigentlich nichts, außer dass sich mal der ein oder andere Rentner verirrt. Hierhin hat es Justin Schmäzle verschlagen als Kommissar aus der Großstadt und nun hockt er mit seinem Postenchef Scholz in seiner Wache. Langeweile stellt sich ein, aber dann geschieht doch etwas! Es wird eine Moorleiche gefunden und eine alte Fehde kocht hoch im Ort! Schnaps ist auch involviert, den die örtliche berühmte Schnapsbrennerei wird auch unter die Lupe genommen.
Linda Graze hat mit dem zweiten Fall des Kommissars Justin Schmäzle einen herrlich amüsanten Mitrate-Krimi geschrieben. Wenig Blut und viel zu lachen ohne dass es zu arg Komödie wird. Mir haben die Passagen der hochschwäbischen wörtlichen Rede sehr gut gefallen. Gut getroffen, amüsant, auch wenn es natürlich klischeehaft ist. Meine schwäbische Verwandtschaft möge es mir nachsehen, dass ich hier doch die ein oder andere Parallele gesehen und vor allem gehört habe!
Es war bereits der 2. Fall und ich kannte den ersten nicht. Kam aber auch so gut in den Fall und in das Leben des Kommissars und des Dorfes, pardon, des Ortes hinein. Was bemerkenswert gut ist um die Diversität der deutschen Kommissarenlandschaft zu erweitern: Der Kommissar is POC (Person of Color) und somit, soweit ich mich erinnere, der einzige farbige Kommissar! Großartig aus meiner Sicht, dass es nicht wieder ein mittelalter, mittelweißer und problembeladener Mann ist. Hier ein sportlicher Schwarzer mit schlagfertiger Ärztin als Frau. Weiter so! Ich würde ich auch mal eine POC KomissarIN wünschen, aber gemach gemach, oins nach ‘em andere!
Der Fall an sich ist auch knifflig genug, natürlich hatte ich so meine Vermutungen, aber so recht kam ich bis zum Schluss nicht auf die Lösung.
Fazit: Des kann man fei scho lese! A bissl arg viel Schwobe, aber es muss ma mäge.

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Veröffentlicht am 08.06.2021

Das Zwischenweltliche

Wir Gotteskinder
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Afrikanische Literatur spielt leider noch keine allzu große Rolle hierzulande. Wenn dann doch kommen einem die wenigen in den Sinn, die man bisher doch stärker auch in den Medien wahrgenommen hat, wie ...

Afrikanische Literatur spielt leider noch keine allzu große Rolle hierzulande. Wenn dann doch kommen einem die wenigen in den Sinn, die man bisher doch stärker auch in den Medien wahrgenommen hat, wie die Klassiker von Chinua Achebe oder neueren Literatur von Chimamanda Ngozi Adichie, Taiye Selasi oder Ayesha Harruna Attah. Aber es kommen einige Romane dazu in diesem Bücherfrühling und einer davon ist „Wir Gotteskinder“ von der großartigen Nana Oforiatta Ayim!
Die Presse hat sich global förmlich überschlagen vor positiven Stimmen und da werde ich eher skeptisch, aber hier war auch ich euphorisch dieses Buch zu lesen, hat doch die Autorin bereits einen spannenden Lebenslauf, der sich auch stark in der Geschichte des Romans wiederfindet.
Der Roman erzählt die Geschichte von Maya Mensah, die in Deutschland aufwuchs. Ihre Eltern fanden Exil, da es in Ghana nicht mehr Sicher für die Familie war. Im Heimatland Teil einer angesehenen Familie, die zu einer Königsfamilie gehört, in Deutschland die belächelten Flüchtlinge.
Maya ergründet ihre Wurzeln und lernt die Welt kennen mit ihren Kategorisierungen, mit ihren Vorurteilen und ihren Ausgrenzungen. Sie lebt, wie viele zwischen den Welten, es ist eine Suche der eigenen (inneren) Heimat. Eine Bereicherung der Perspektiven. Es passiert aber auch noch eine Menge mehr, denn es folgen die Jahre der Entzweiung in der Familie, eine Rückkehr nach Accra. Aber immer bleibt Maya im Fokus mit ihrer Reflektion und Suche nach Halt und Verortung.
Und es bleibt auch die Frage im Raum ob Maya ein „Gotteskind“ ist oder eben nicht. Ein Gotteskind ist ein Kind das mit einem Fuß in der materiellen Welt steht und mit einem anderen in der spirituellen Welt. Ein Kind das scheinbar das große Ganze zu greifen vermag.
Selbst der Schreibstil wird zum Statement, wenn die junge Autorin sich wunderbarerweise an den lokalen Arten der Geschichtenerzählung orientiert. Die schriftliche Form ist Literatur, nun hat sie eine Fusion kreiert in dem sie den Rhythmus der mündlichen Übertragung von Geschichten begleitet von Trommeln einbaute. Es entsteht geschriebene Oratur. Diesem Rhythmus sollte man sich hingeben und der Roman kann seine volle Wirkung erzielen.
Fazit: Ein handlungsstarker Roman mit Tiefe von einer Person, die weiß was sie schreibt.

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Veröffentlicht am 07.06.2021

Emmy – ein tiefgreifendes Portrait einer Frau

Sturmvögel
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Manuela Golz ist im ersten Leben Psychotherapeutin und kennt die Untiefen der Seele. Dieses Wissen und ihre Beobachtungsgabe hat sie genutzt und schrieb diesen unfassbar guten Roman: Sturmvogel. Es ist ...

Manuela Golz ist im ersten Leben Psychotherapeutin und kennt die Untiefen der Seele. Dieses Wissen und ihre Beobachtungsgabe hat sie genutzt und schrieb diesen unfassbar guten Roman: Sturmvogel. Es ist zwar schon ihr zweiter Roman, aber ein besonderer, denn sie hat sich vom Leben ihrer Großmutter Emmy inspirieren lassen und so auch ihre Protagonistin genannt.
Emmy wird 1907 auf einer kleinen Nordseeinsel geboren hinein in eine nicht nur kühle Landschaft die mit Ebbe und Flut kämpft, auch den Gemütern sind die Naturgewalten anzumerken. Es folgt ein durch Zufälle markiertes und ein mit erschütternden Ereignissen gepflastertes Leben. Nicht nur landet sie als Dienstmädchen im mondänen Berlin der 20er Jahre, sie überlebt auch 2 Weltkriege, heiratet, bekommt Kinder. Ein durchgeschütteltes und gerütteltes Leben. Wir blicken dank Manuela Golz in ihre Seele ohne Aufdringlich zu werden. Wir begleiten Sie durch die Stürme ihres Lebens und schließen sie ins Herz ohne das es je kitschig wird.
Großartig ist nicht nur die psychologisch sehr abgerundete Darstellung Emmys und anderer auftauchender Figuren. Auch die kulturhistorische Verortung der Personen, ihrer Gedanken und ihrer Handlungen sind sehr gelungen.
Ich habe das Buch äußerst gerne gelesen und kann es wärmstens empfehlen!

Fazit: Würde meine Großmutter noch leben würd‘ ich mich gerne mit ihr an ihren Kachelofen setzen und sie fragen wie es ihr wirklich erging. Einen Rat den ich meinen Kindern mitgeben werde, mal schauen ob er fruchtet.

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Veröffentlicht am 27.05.2021

Werde selbst zum Kreaturenschöpfer!

Kreaturenkritzelbuch
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Dies ist wahrlich eine Zeichenschule für Kinder und Erwachsene die gerne grusselige, angsteinflößende, anstoßende oder sonstige Kreaturen malen. Es lässt sich alles finden vom Gnom, über das Einhorn, aber ...

Dies ist wahrlich eine Zeichenschule für Kinder und Erwachsene die gerne grusselige, angsteinflößende, anstoßende oder sonstige Kreaturen malen. Es lässt sich alles finden vom Gnom, über das Einhorn, aber auch Oger, dreiköpfige Hunde, Nixen und Klabautermänner sowie Dracula. Dies alles gilt es zu zeichnen. Aber auch Kreaturen die mir bisher unbekannt waren wie Sylphe (Luftgeist) oder Rottkapp (kleines fieses Wesen) sind enthalten und viele viele mehr. Aus meiner Sicht eine sehr umfangreiche Sammlung an Anschauungsobjekten die zum kreativen Zeichnen einladen.
Es ist ein recht dickes Buch mit 160 Seiten prall gefüllt mit Zeichenanleitungen. Es erinnert mich bei der Ansprache an den Leser an das „Kleines böses Buch“. Direkte interaktive Ansprache an den/die Zeichenschüler:in! Vor allem wird nicht nur erklärt WIE die einzelnen Kreaturen zu zeichnen sind, es gibt auch gleich jeweils ein Kasten in dem man sich ausprobieren kann. Ich empfehle allerdings die ersten Versuche auf einem Block zu machen und dann den 2 oder 3 Anlauf ins Buch zu „kritzeln“.
Das Buch richtet sich aus meiner Sicht frühstens an Grundschüler, da es zum einen zum Lesen animieren kann mit Pausen zum Zeichnen und weil die zeichnerische Leistung die hier trotz detaillierter Vorgaben erwartet werden, doch recht hoch sind, möchte man ein Ergebnis erzielen, dass dem des abgedruckten Vorbilds ansatzweise entspricht.
Es sind auch Zeichenübungen dabei wie blind nachzeichnen oder von Punkt zu Punkt oder bestimmte Flächen auszumalen. Wenn Frust auskommt, kann man auch beliebig weiterblättern. Ohnehin ist es kein Buch das von vorne nach hinten stringent durchzuarbeiten ist. Kreuz und quer nach Lust und Laune geht auch! Wobei es vorne tendenziell einfacher ist.
Thomas Hussung hat ein tolles Buch erschaffen bei dem nun auch Zeichenschüler:innen auf ihre Kosten kommen, die keine Waldtiere oder ähnlich kuscheliges malen wollen. Hier wird es schaurig!
Fazit: Eine super Sache für Lesemuffel in der Grundschule, die sich lieber kreativ grusselige Kreaturen zu Papier bringen wollen!

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Veröffentlicht am 26.05.2021

Ein Klassiker

Mr. Bats Meisterstück
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Christine Nöstlinger bleibt eine DER großen deutschsprachigen Kinderbuchautor:innen! „Mr. Bats Meisterstück oder die total verjüngte Oma“ war einer dieser kongenialen Streiche aus ihrer Feder. Bereits ...

Christine Nöstlinger bleibt eine DER großen deutschsprachigen Kinderbuchautor:innen! „Mr. Bats Meisterstück oder die total verjüngte Oma“ war einer dieser kongenialen Streiche aus ihrer Feder. Bereits 1971 das erste Mal erschienen hat es seitdem viele Kinderherzen erobert und uns Erwachsene bereichert. Es hat sich daher eingereiht in die Lieblingsbücher aus 75 Jahren im Oetinger Verlag.
Mit dünnen 126 Seiten ist die Geschichte leicht verdaulich, aber dicht erzählt und dadurch rasend spannend und keine Seite zu viel. Hier kommt keine Langeweile auf, denn Christine Nöstinger packt hier die ganze breite der Fantasie aus: eine Oma die wieder 6 Jahre alt wird, Zaubertränke und Zeitreisen. Herrlich erfrischend auch die heutzutage leicht altbacken anmutende Sprache, das Wienerische der Autorin klingt durch und mache Wörter scheinen gar komplett aus der Welt gefallen zu sein, wie der Wetterflecken. Also noch ein Grund mehr es wiederzuentdecken.
Fazit: Witzig, unterhaltsam, spannend! So muss Kinderliteratur sein: Strotzen vor Quatsch und doch im Kern einen Halt und viel Liebe spenden!

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