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Veröffentlicht am 18.07.2017

Lost and Found

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge
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Zum Inhalt:

Charmant, außergewöhnlich und liebenswert. Machen Sie sich mit Mr. Peardew auf die Suche nach verlorenen Dingen.
Jeder Gegenstand, den Anthony Peardew auf der Straße findet, hat eine Geschichte. ...

Zum Inhalt:

Charmant, außergewöhnlich und liebenswert. Machen Sie sich mit Mr. Peardew auf die Suche nach verlorenen Dingen.
Jeder Gegenstand, den Anthony Peardew auf der Straße findet, hat eine Geschichte. Er sammelt und archiviert sie alle in seinem gediegenen viktorianischen Haus und plant, sie eines Tages an ihre ursprünglichen Besitzer zurückzugeben. Denn er selbst sieht sich nur als Hüter der verlorenen Dinge. Vor Jahren hat er selbst etwas verloren, das er seitdem auf seinen Streifzügen sucht: ein Schmuckstück. Es gehörte seiner großen Liebe, und das Medaillon verbindet sie noch immer mit ihm. Anthony muss diese besondere Aufgabe jedoch an seine Erbin Laura weitergeben, ohne ihr von dem großen Geheimnis erzählt zu haben, das seine Sammlung umgibt.



Über die Autorin:

Ruth Hogan ist selbst begeisterte Sammlerin von Fundstücken. Sie lebt mit Mann und drei Hunden in einem etwas chaotischen viktorianischen Haus in Bedford, England. Ein schwerer Autounfall und eine Krebserkrankung brachten sie zum Schreiben. Die schlaflosen Nächte hat sie am Schreibtisch verbracht, das Ergebnis ist ihr erster Roman über das Finden von Dingen und Geschichten.



Mein Fazit und meine Rezension:

Anthony Peardew ist Sammler und zwar ein Sammler aus Leidenschaft. Egal, welches Ding seinen Weg kreuzt, es wird aufgesammelt und mitgenommen. Zuhause katalogisiert er seinen Fund akribisch und stellt ihn an seinen - von nun an - bestimmten Platz. Nur möchte Mr. Peardew die Dinge mitnichten behalten! Er katalogisiert jedes Fundstück, damit er diese dem wahren Eigentümer zurück geben kann. Man könnte seine Sammelleidenschaft auch als Sammelwut und diese wiederum als zwanghaft bezeichnen ... aber bleiben wir doch lieber im romantischen Aspekt. So schafft es sogar eine alte Keksdose in seinen Besitz, deren Inhalt (Staub) wirklich alles sein kann - bis hin zur Asche eines ehemals geliebten Menschen. Auch Mr. Peardew selbst leidet darunter, ein geliebtes Erinnerungsstück verloren zu haben: das Medaillon seiner Verlobten, die viel zu früh von ihm gegangen ist. Leider schafft er es nicht mehr selbst die Suche nach dem Medaillon zu vollenden und übergibt sie seiner Assistentin Laura. Nur ahnt diese nicht, was sich hinter diesem Erbe und dem Medaillon tatsächlich verbirgt ...

Anthony Peardew ist leidenschaftlicher Sammler und Schriftsteller. Vor einigen Jahrzehnten hat er seiner Verlobten versprochen, ihr Medaillon in Ehren zu halten und darauf aufzupassen, doch dann passiert das schreckliche Unglück: sie verstirbt und er verliert das Medaillon. Gepackt vor Ehrgeiz, das verlorene Stück wieder zu finden, begibt er sich auf die Suche. Und Mr. Peardew findet so einiges - nur leider nicht sein Medaillon! An der Suche scheint er schier zu verzweifeln. Irgendwann machen ihm körperliche Gebrechen einen Strich durch die Rechnung und er gibt die ehrenvolle Aufgabe an seine Assistentin Laura weiter, die er ebenfalls als eine Art "Fundstück" aufgelesen hat. Auch als Leser ist man fasziniert von diesem Mann, seinen Geschichten und den Geschichten rund um seine Fundstücke. Mich hat insbesondere die Katalogisierung fasziniert und auch der Gedanke, der hinter seiner Sammelleidenschaft oder auch Sammelwut steckt: seiner verstorbenen Geliebten näher zu sein und sein Versprechen einzulösen.

Als die Geschichte sich dann Laura zuwendet merkt man, dass diese zu Beginn einige Probleme mit dem Sammelsurium des Mr. Peardew hat. Doch sie bekommt sehr schnell Hilfe in Form von der liebenswerten Nachbarin des Mr. Peardew, dem Mädchen Sunshine, welches am Down Syndrom leidet und sich ihre Welt selbst erklärt und des Gärtners Freddy. Mit dieser Wendung nimmt die Geschichte auch mehr an Fahrt auf. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, die Geschichte zu lesen und auch den Erlebnissen rund um Laura und vor allen Dingen Sunshine zu folgen. Nur muss ich sagen, dass erst mit dem Auftauchen von Sunshine selbst ein Stückchen weit mehr Liebe in den Text geflossen ist, als vorher. Das Mädchen hat seine eigene Art, die Dinge zu sehen und das Leben zu nehmen. Das macht es uns Lesern sehr einfach, es direkt zu Beginn in unser Herz zu schließen!

Im Grunde genommen geht es in dieser Geschichte nicht um verlorene gegenständliche Dinge, sondern auch um verlorene Emotionen. Anthony verliert seine große Liebe und möchte mit dem Auffinden des Medaillons einen Teil davon zurück haben, doch steht er sich selbst im Weg. Laura hat schon einiges Negatives erlebt und muss sich erst wieder dem Leben und vor allen Dingen dem Glück im Leben annähern. Da passen Sunshine und Freddy sehr gut ins Bild!

Ruth Hogan hat mit diesem Buch eine Geschichte geschaffen, die zwischen Magie und Realität hin- und herwechselt, dem Leser aber mit ihrem unvergleichlichen Erzählstil einige schöne Lesestunden beschert! Eine wunderschöne Geschichte, wenn man einfach mal abschalten und wieder etwas Glück tanken möchte!

Veröffentlicht am 28.06.2017

Ein Protagonist, der polarisiert, und eine Geschichte, die dich einfach nicht mehr loslässt!

Duke-Reihe / Ohne Warnung
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Zum Inhalt: 

In Keene, einer kleinen verschlafenen Stadt in New Hampshire, herrscht das herrlichste Sommerwetter, doch Duke verkriecht sich in seinem abgedunkelten Zimmer. Er kann sich kaum bewegen, ohne ...

Zum Inhalt: 

In Keene, einer kleinen verschlafenen Stadt in New Hampshire, herrscht das herrlichste Sommerwetter, doch Duke verkriecht sich in seinem abgedunkelten Zimmer. Er kann sich kaum bewegen, ohne dass Wellen von Schmerzen seinen Körper durchfluten. Die Abreibung, die er gestern in der Kiesgrube von seinen vermeintlichen „Freunden“ bekommen hatte, war heftig - zu heftig. In den Tagen der Heilung schwört er sich, nie wieder ein Opfer zu sein ! Nie wieder ein Verlierer! Mit viel Einfallsreichtum und Finesse findet Duke Mittel und Wege, die perfekten Verbrechen zu inszenieren. Immer wieder findet er sich in Situationen wieder, die seine „dunkle Seite“ in ihm zum Handeln zwingen. Nur die Liebe kann ihn wieder auf die richtige Bahn bringen. Wird er diese finden? Das Buch nimmt den Leser mit auf eine spannende Reise quer durch die USA und begleitet Duke bei seiner Metamorphose vom schüchternen Jungen zum technisch versierten Computergenie, der mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und einer gehörigen Prise Gesellschaftskritik zu einem Bösewicht heranwächst, den man einfach mögen muss. Er gerät in einen Strudel von Gewalt, Liebe, Verlust, Abenteuern und der Suche nach sich selbst. Duke sucht nicht die Gewalt, aber sie findet ihn...



Über den Autor:

Sebastian Cohen, Jahrgang 1970, bereiste bereits mehr als 45 Länder und lebte viele Jahre in Panama, Ecuador und Nicaragua.
Die Erlebnisse vieler Orte und Reisen prägten ihn und verhinderten, Zeit zu finden, um erwachsen zu werden. Nichts ist spannender als zu reisen.
Alles ist vergänglich, doch Erinnerungen bleiben für immer. Inspiriert von seinen Reisen entstand die Idee, einige Orte und Abenteuer mit dem Protagonisten Duke zu verbinden.



Mein Fazit und meine Rezension: 

Duke war schon in jungen Jahren in der Opferrolle gefangen, doch er kannte einen Ausweg, um dieser zu entkommen: er ignorierte die Halbstarken, hielt sich von gefährlichen Situationen fern und kapselte sich von seinem Umfeld ab. Eigentlich ein ausgeklügelter Plan, doch eines Tages kann er den sechs Jungs der coolsten Clique in der Schule nicht widerstehen und folgt ihnen zur Kiesgrube. Dort angekommen wartet eine Mutprobe auf ihn, die lebensgefährlich ist. Doch Duke ist nicht naiv und schon gar nicht dumm genug, um sein Leben zu riskieren. Seinen Rückzieher werten die sechs Jungs als Feigheit und verprügeln ihn nach Strich und Faden. Duke nimmt es hin, doch in eben diesem Moment legt sich in seinem Inneren ein Schalter um: ab heute wird er nicht mehr länger das Opfer sein, ab heute würde er zurück schlagen, sich zur Wehr setzen und das mit Hilfe einer ausgeklügelten und todsicheren Taktik. Schon bald passieren die ersten tödlichen Unfälle... Was aber kann Duke davon abhalten? Wer oder was kann ihn von seinen Rachegelüsten ablenken? Wird er jemals aufhören? 

Zu Beginn der Geschichte ist Duke ein in sich gekehrter Junge mit wenigen Freunden. Er verbringt die meiste Zeit alleine. Dazu zu gehören wäre ein Traum von ihm, doch ist es nicht leicht. Schon früh wird man als Leser auf den schüchternen Duke aufmerksam und hat sich auch ein klares Bild von ihm geschaffen. Doch wenn man sich den Klappentext genauer durchgelesen hat, ist man irritiert. Wie bitteschön soll aus so einem Jungen ein eiskalter und brutaler Mörder werden? Ein Genie, das Verbrechen plant, die ihm aber nicht nachgewiesen werden können? Ein perfektes Verbrechen. Das Schlüsselereignis - welches nicht nur Duke, sondern auch uns Leser zutiefst betrifft -  lässt jedoch nicht lange auf sich warten. Und mit einem Mal beginnt der Umbruch, der Wandel hin zu einem anderen Duke - und der Leser ist mitten drin! Selbst während dem Lesen liefen mir kalte Schauer über den Rücken. Duke kannte man aus wenigen Kapiteln als einen ruhigen und netten Jungen, doch mit einem Ereignis ändert sich alles. Die Stimmung, die der Autor projiziert, war auch für mich deutlich spürbar und mehr als einmal dachte ich daran, wie nah Genie und Wahnsinn beieinander liegen. 

Duke hat mich sehr zwiegespalten zurück gelassen. Einerseits verstehe ich, dass er sich rächen will, dass er nicht immer das Opfer sein und endlich aus dieser festgefahren Rolle heraus möchte. Ich verstehe auch, dass er sich nach Gerechtigkeit sehnt und genau diese ihm nun mal nicht widerfährt. Und ja, ich verstehe auch noch, dass er sich an seinen Peinigern rächen möchte - auch, wenn ich es nicht unbedingt gut heiße. Nur sind seine Methoden doch wirklich eiskalt und unberechenbar. In Duke haben sich jahrelang Wut, Unterdrückung und Angst aufgestaut. Er hat immer zurückgesteckt, sich im Hintergrund gehalten und von allen gefährlichen Situationen fern gehalten - irgendwann ging es nicht mehr und seine Toleranzschwelle war überschritten. Bis hier her und nicht weiter! Duke ist zur Nemesis geworden - eine vergeltende Gerechtigkeit. 

Nur, wie kann man jemanden stoppen, der auf Rache aus ist? Und was, wenn er die Rache zu Ende gebracht hat - war es das? Oder bleibt der Drang, anderen überlegen zu sein und deren Leben in seinen Händen zu halten? Schicksal zu spielen, wenn nicht sogar Gott zu sein?

Als Leser begleiten wir Duke nicht nur in seiner Kindheit, sondern ebenfalls aufs College. Kurz vorher wurde er von seiner großen Liebe verlassen und so lernt er schnell, dass er sich letzten Endes nur auf sich selbst verlassen kann. Doch das Leben lässt sich nun mal nicht genau planen und hält einige Überraschungen für ihn parat. Schon bald werden seine Pläne ein weiteres Mal von der Liebe durchkreuzt und auch ich als Leser habe aufgeatmet. Schafft Duke nun endlich den Absprung? 

Für mich war es ein wahres Auf und Ab der Gefühle. Meine Emotionen sind wahrlich Achterbahn gefahren - von den vielen Loopings mal ganz zu schweigen! Nach wie vor kann ich Duke als Protagonist nicht genau greifen. Er polarisiert einfach. Einerseits kann man ihn verstehen und möchte ihn sogar anfeuern, dass er sich nicht immer alles gefallen lässt, nur die Art und Weise, wie er es umsetzt, hat mir mehr als einmal eine Gänsehaut beschwert - von den vielen Bildern aufgrund der Detail genauen Beschreibung des Autors mal abgesehen! (Ich spreche hier nicht nur von Farbe und Konsistenz, sondern auch von Gerüchen)

Sebastian Cohen hat mich von Band 1 seiner Duke-Reihe überzeugt! Duke fasziniert mich, zieht mich auf grausame Art und Weise in seinen Bann und stößt mich mit seinen Taten ab und doch, ist da noch etwas anderes, was mich unbedingt weiter lesen lassen möchte. Ich kann Band 2 kaum erwarten!

Veröffentlicht am 28.06.2017

Eine gute Geschichte, nur leider ohne roten Faden

Der Sommer der schwarzen Schafe
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Zum Inhalt: 

DER HEISSESTE SOMMER ALLER ZEITEN. UND EINE ENGLISCHE KLEINSTADT DREHT DURCH ...

Eine ganz normale Straße in einer ganz normalen Vorstadt irgendwo in England. Als während eines ungewöhnlich ...

Zum Inhalt: 

DER HEISSESTE SOMMER ALLER ZEITEN. UND EINE ENGLISCHE KLEINSTADT DREHT DURCH ...

Eine ganz normale Straße in einer ganz normalen Vorstadt irgendwo in England. Als während eines ungewöhnlich heißen Sommers Mrs. Creasy verschwindet, wird hinter verschlossenen Türen und vorgehaltenen Händen getuschelt. Ist sie aus freien Stücken gegangen? Oder wurde Mrs. Creasy Opfer eines Verbrechens? Die beiden Mädchen Grace und Tilly beschließen, die Sache aufzuklären. Sie klopfen an Türen, stellen Fragen – und kommen dabei einem ganz anderen Geheimnis auf die Spur. Jeder hier scheint etwas verbergen zu wollen. Und als die Hitze immer drückender wird, drängt eine lange vergrabene Wahrheit ans Licht, die für alle Bewohner Konsequenzen haben wird ...



Über die Autorin: 

Joanna Cannon studierte an der Leicester Medical School und arbeitete als Ärztin, bevor sie Psychiaterin wurde. Mit ihrer Familie und ihren Hunden wohnt sie im englischen Peak District.

Mehr über die Autorin erfahrt ihr auf ihrer Homepage oder aber im Interview!



Mein Fazit und meine Rezension: 

Grace und Tilly leben in einer kleinen Vorstadt in England und dort geschieht nichts - rein gar nichts! Bis zu einem Tag in einem sehr ungewöhnlich heißen Sommer für England: da verschwindet auf einmal Mrs. Creasy spurlos von jetzt auf gleich! Keiner weiß, wo sie abgeblieben ist und niemand will gesehen haben, wie sie die Vorstadt mit einem Koffer verlassen hat. Ist ihr womöglich etwas passiert? Die Gerüchteküche macht auch hier nicht Halt und so sind schon nach kurzer Zeit die wildesten Szenarien in den Köpfen der Mitbewohner entstanden, die von einer Entführung bis hin zu einem heimtückischen Mord alles beinhalten. Nur macht sich scheinbar niemand auf die Suche nach der verschwundenen Dame ... also nehmen die beiden Mädchen Grace und Tilly es selbst in die Hand und begeben sich auf eine Recherchereise, die sie von Nachbar zu Nachbar führt und bei der sie nicht nur ein Geheimnis aufdecken... 

MANCHMAL IST ES BESSER, GEHEIMNISSE BLEIBEN WIRKLICH GEHEIM. 

Wer bei dieser Geschichte einen Kriminalroman erwartet, der wird enttäuscht sein. Hier geht es nicht um Mord, um Ermittler, die im Dunklen tappen und um eine Leiche, die einfach nicht auffindbar ist. Nein, in Joanna Cannons Roman stehen andere Dinge im Vordergrund und zwar die Menschen im Allgemeinen und all die vielen Geheimnisse, die sie versuchen zu verbergen - zumindest vor ihren neugierigen Nachbarn! 

Doch da haben die Bewohner der kleinen Vorstadt nicht mit Grace und Tilly gerechnet, denn diese beiden haben wahrhafte Spürnasen und sind sehr gelangweilt. Kein Wunder also, dass sie die Ermittlungen um das mysteriöse Verschwinden von Mrs. Creasy aufnehmen und auch nicht vor der Befragung aller Nachbarn im mittelbaren und unmittelbaren Umfeld des "Opfers" Halt machen. Dabei hat die Autorin nicht nur die kleinen Spürnasen, sondern auch die weiteren Protagonisten so gut herausgearbeitet, dass man sich als Leser tatsächlich jeden einzelnen von ihnen wunderbar vorstellen kann. Und irgendwie scheint wirklich jeder auffällig zu sein. Was ist nun aber tatsächlich mit der armen Mrs. Creasy passiert? 

Eine sehr gute Frage ... doch leider beginnt hier auch schon das kleine Drama, denn - so gut die Geschichte auch ausgedacht und mit ihren jungen Hauptprotagonisten auch aufgestellt ist - so sehr versteht es die Autorin auch, sich zu verzetteln und irgendwann den roten Faden vollkommen zu verlieren, den wir Leser einfach brauchen! Leider verliert sich hierüber auch die Spannung, sodass man ab circa Mitte des Buches wirklich angestrengt versuchen muss, das Buch nicht einfach zu zu klappen und wegzulegen. Obwohl das Cover ja auch sehenswert ist ;) 

In eben diesem Sommer stellen Gracy und Tilly nicht nur viele neugierige Fragen im Bezug auf das plötzliche Verschwinden von Mrs. Creasy, sie decken auch das ein oder andere Geheimnis der anderen Bewohner auf, die man lieber im Verborgenen gelassen hätte. 
Was wir Leser zum Ende des Buches auf jeden Fall wissen: in jeder noch so kleinen und idyllischen (und vielleicht auch langweiligen!) Kleinstadt, gibt es jede Menge schwarze Schafe! 

Alles in einem handelt es sich hierbei nicht um einen Kriminalroman, sondern eher um eine leichte Lektüre, die sehr in die Form der Satire abschweift und so schnell auch nicht wieder daraus auftaucht. Aufgrund des zähflüssigen Fortschritts im Laufe der Geschichte und auch dem ausgebliebenen Spannungsbogen - was sehr Schade war! - kann ich jedoch nicht so viele Punkte wie zunächst erhofft vergeben. Obwohl das Cover wirklich klasse ist! 

Veröffentlicht am 25.06.2017

Ein Sommerroman mit italienischem Flair

Zwei Kugeln Glück mit Sahne
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Zum Inhalt: 

Aurora bleibt keine Wahl: Sie muss das familieneigene Eiscafé verkaufen! Und so fährt sie in ihre alte Heimat, das idyllische Küstenstädtchen Maratea. Ihr Vater Gino und ihre Tante Olivia ...

Zum Inhalt: 

Aurora bleibt keine Wahl: Sie muss das familieneigene Eiscafé verkaufen! Und so fährt sie in ihre alte Heimat, das idyllische Küstenstädtchen Maratea. Ihr Vater Gino und ihre Tante Olivia scheinen unerwartet gefasst, sie haben nur eine Bitte - Aurora soll zuerst ein paar Tage in der Casa del Gelato arbeiten. Der listige Plan geht auf, Aurora entdeckt ihre Leidenschaft zur Eiscreme noch einmal neu. Nur leider kann man auch mit dem besten Eis der Welt keine Schulden bezahlen - oder etwa doch?



Über die Autorin: 

Roberta Gregorio ist durch und durch ein Kind des Südens. Bayern, wo sie ihre Kindheit und Schulzeit verbracht hat, und Kampanien, wo sie jetzt mit Mann und zwei Söhnen lebt, haben auf ihren Charakter abgefärbt. Sie liebt das Dolce far niente, mischt diese Einstellung aber oft mit deutscher Gewissenhaftigkeit. Ein Kontrast, der sich auch in ihrer Schreibe zeigt.
Die Liebe zum geschriebenen Wort hat sie während ihrer Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin entdeckt.
Heute träumt sie von einem eigenen kleinen Hotel, in dem sie am liebsten nur Buchschaffende aus aller Welt beherbergen würde.



Mein Fazit und meine Rezension: 

Aurora führt ein erfülltes Leben: sie ist verheiratet, hat einen Job, ein wunderschönes Haus, Kinder ... nein, leider stimmt das nicht so ganz, auch wenn das ihr Traum wäre. Bei Aurora ist es leider anders gekommen, der Traumprinz entpuppt sich als Ehemann ohne Kinderwunsch und mit vielen Träumereien, die sie in den Bankrott treiben. Und leider kümmert sich auch nur Aurora darum, dass beide nicht im Armenhaus landen, doch dazu muss sie das familieneigene Eiscafé verkaufen. Aurora fällt die Entscheidung zunächst leicht, immerhin lebt sie schon mehrere Jahre nicht mehr in ihrer Heimat und auch wenn sie ihre Familie liebt, mit dem Eiscafé verbindet sie viele traurige und deprimierende Erinnerungen. Nur so leicht will Auroras Familie ihr die Entscheidung nicht machen und überredet sie dazu, selbst einige Tage im Café zu arbeiten - immerhin kann man etwas nur gewinnbringend verkaufen, wenn man es selbst genauso gut kennt! Und in eben dieser Zeit entdeckt Aurora nicht nur ihre Liebe zum Eis und ihrer Heimat wieder, sondern stößt auf Familiengeheimnisse, die viel zu lange verborgen blieben ... wird sie sich doch noch umentscheiden? 

Aurora ist eine junge Frau, die in ihrem Leben auf vieles verzichten musste. Sie heiratete den Mann ihrer Träume, um dann herauszufinden, dass er keine Kinder möchte - immerhin hätten sie ja noch Zeit. Nur verrinnt die Zeit und Aurora möchte Kinder, aber will sie die wirklich in so eine lieblose Ehe bekommen? Glücklich ist sie schon lange nicht mehr, zu festgefahren ist die Situation zwischen den Eheleuten. Ihr Traummann bringt sie mit seinen genialen Geschäftsideen vom Regen in die Traufe und die kleine Familie schlittert in den Bankrott. Doch Aurora möchte kämpfen - nur in meinen Augen mit den falschen Mitteln: Aurora möchte das familieneigene Eiscafé verkaufen, um die Schulden ihres Mannes zu begleichen. Wieder einmal gibt sie all ihre Träume, Hoffnungen und Wünsche auf, um das, was ihr Gatte tut, wieder ins Reine zu bringen. Ja, sie ist Italienerin - nur fehlt mir hier wirklich das italienische Temperament! Mensch, Aurora! Mach doch mal deine Augen auf und unternimm endlich was! Komm raus aus dem Alltragstrott und mach dein Leben wieder lebenswert! Das hätte ich ihr am liebsten zugebrüllt und sie mal ordentlich geschüttelt, so hilflos habe ich mich als Leserin gefühlt. Ich kann weder ihre Entscheidungen, noch ihre Taten nachvollziehen. 

Irgendwann aber bemerken wir den Wechsel und Aurora wächst über sich hinaus, denn gegenüber ihrer Familie schafft sie es! Nur: ist das richtig? Bereits mit den ersten Dialogen erkennt man, dass in der Familie eine Tragödie geschehen ist, die immer noch in den Köpfen der Mitglieder nachhallt und was diese Tragödie ist, finden wir schnell heraus: Auroras Mutter ist bei einem Unfall tragisch ums Leben gekommen. Sie war das Herz des Eiscafés und hat mit Liebe und Hingabe neue Mischungen kreiert. 

Diese Aufgabe fällt nun Nando zu, einem jungen Italiener, der mit Herzblut verschiedene Zutaten mischt und somit neue und überraschende Eissorten kredenzt. Auch für den Leser ist es eine wahre Freude, den vielen Eissorten zu lauschen ... mehr als einmal überkam mich die Lust nach einem frischen Eis! ♥ Nando selbst ist vom ersten Moment an von Aurora verzaubert und so wundert es den Leser auch nicht, dass hier bald mehr als nur ein leichtes Prickeln zu spüren ist. Aber Aurora hat vor sein geliebtes Eiscafé zu verkaufen - wie soll er damit umgehen? 

Und dann gibt es da noch diese verfluchte Vergangenheit - Aurora findet geheimnisvolle bemalte Fliesen und entdeckt damit nicht nur ein wahres Kunstwerk, sondern deckt damit nach und nach die wahre Geschichte ihrer Mutter auf. In der Geschichte von Roberta Gregorio erleben wir nicht allein das Glück einer Liebe, die ein Leben lang hält, sondern decken auch Geheimnisse auf, die vielleicht sogar lieber verborgen geblieben wären. Wer von euch möchte bei diesen warmen Temperaturen zwei Kugeln Glück mit Sahne? 

Roberta Gregorio hat mit diesem Roman eine wahrhafte Sommerlektüre erschaffen, die nicht nur jedem Eisverkäufer in eurer Nähe einen hohen Umsatz bringen wird (glaubt mir, ihr MÜSST einfach ein Eis essen gehen!), sondern auch euch selbst eine kleine Auszeit vom Alltag bringt und euch ins sommerliche Italien entführt. 

Veröffentlicht am 25.06.2017

Kann Liebe wachsen, wo Hass gesät wird?

Ismaels Orangen
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Zum Inhalt:

KANN LIEBE WACHSEN, WO HASS GESÄT WIRD?

Jaffa, April 1948. Der siebenjährige Salim Al-Ismaeli, Sohn eines palästinensischen Orangenzüchters, freut sich darauf, die ersten Früchte des Orangenbaums ...

Zum Inhalt:

KANN LIEBE WACHSEN, WO HASS GESÄT WIRD?

Jaffa, April 1948. Der siebenjährige Salim Al-Ismaeli, Sohn eines palästinensischen Orangenzüchters, freut sich darauf, die ersten Früchte des Orangenbaums zu ernten, der zu seiner Geburt gepflanzt wurde. Doch der Krieg bricht aus und treibt die ganze Familie in die Flucht. Von nun an hat Salim nur noch einen Traum: Eines Tages zu seinem Baum zurückzukehren und im Land seiner Väter zu leben.

Zur selben Zeit wächst Judith als Tochter von Holocaust-Überlebenden in England auf – und sehnt sich danach, irgendwann ein normales und glückliches Leben führen zu dürfen. Als Salim und Judith sich im London der Sechzigerjahre begegnen und ineinander verlieben, nimmt das Schicksal seinen Lauf und stellt ihre Liebe auf eine harte Probe …



Über die Autorin:

Claire Hajaj, 1973 in London geboren, hat ihr bisheriges Leben zwischen zwei Kulturen, der jüdischen und der palästinensischen, verbracht und versucht, sie zu vereinbaren. In ihrer Kindheit lebte sie sowohl im Nahen Osten als auch im ländlichen England. Sie bereiste alle vier Kontinente und arbeitete für die UN in Kriegsgebieten wie Burma oder Bagdad. Sie schrieb Beiträge für den BBC World Service, außerdem veröffentlichte sie Artikel in Time Out und Literary Review. Ihren Master in Klassischer und Englischer Literatur hat sie in Oxford gemacht. Zur Zeit lebt sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Beirut.



Mein Fazit und meine Rezension:

Salim Al-Ismael ist sieben Jahre alt und lebt mit seiner Familie in Palästina. Doch die Zeiten ändern sich und im April 1948 ist es dann soweit: seine Familie muss mit dem Jungen aus dem geliebten Heimatland fliehen. Weg von den Orangenbäumen, von der Plantage, die für die Familie ihr ein und alles war und für Ismael den Lebensinhalt bedeutete. Die Juden vertreiben sie aus ihrem eigenen Land und so landet die Familie später in Nazareth.

Doch der junge Salim wächst auch dort heran und entwickelt sich zu einem stattlichen Mann, wohlweislich darauf bedacht, woher er stammt. Bei seinem Studium in London lernt er Judit - genannt Jude - kennen und lieben. Doch die Beiden habe es von Anfang an nicht leicht, denn Jude ist Jüdin und gehört zu dem verhassten Volk, das seine Familie einst aus dem geliebten Heimatland vertrieben hat. Schon bald muss sich das junge Paar ihren beiden Familien stellen und all den Konflikten zu trotz entscheiden: ist ihre Liebe stärker als die Vergangenheit?

Salims Kindheit ist von Spiel und Spaß geprägt, doch hatte es der Junge auch nicht leicht. Obwohl sein Vater ein Großgrundbesitzer war und einen stattlichen Orangenhain sein Eigentum nennen konnte, hatte er hart zu arbeiten und litt unter den ewigen Hänseleien seiner Klassenkameraden. Doch Salim liebt seine Bäume und fiebert mit Eifer dem Tag entgegen, an dem seine Bäume endlich Früchte tragen. Bereits als kleines Kind erfährt er, was in fernen Ländern geschieht und sieht, wie sich auch alles seinem Dorf nähert. Aus der Sicht des Kindes betrachtet, ist es wirklich zunächst unbegreiflich, doch auch er lernt schnell und sieht, dass er nur aufgrund der Flucht aus seiner Heimat noch am Leben ist. Auch in der neuen Stadt Nazareth hat seine Familie zu kämpfen und leidet unter den Repressalien der Juden. Die Juden. Das Volk, das für alles verantwortlich ist. Das Volk, dass die Familie Al-Ismael aus ihrer geliebten Heimat vertrieben hat, weg von den geliebten Orangen und hin in eine düstere Zukunft. Bei solch einer Vergangenheit ist es klar, dass der junge Salim auch von Seiten seiner Familie aus den Hass miterlebt, den diese den Juden entgegenbringen. Es hätte alles so gut sein können.

Doch das Schicksal will es anders. Denn Salim lernt im fernen London Judit kennen. Judit ist Jüdin und wird ebenfalls von so genannten Freundinnen gemobbt - Jude, wird sie genannt. Obwohl sie diese Anrede verletzt, behält sie sie bei, denn man gibt den anderen Menschen nur eine Angriffsfläche, wenn man seine Schwächen offenbart. Auch Judits Familie hat eine düstere Vergangenheit hinter sich. Sie haben einst in Russland gelebt und wurden von Stalin vertrieben, gelandet sind sie in London.

Man merkt deutlich: beide Charaktere haben eine negativ beeinflusste Vergangenheit hinter sich - obwohl "hinter sich" falsch gebraucht ist! Denn die Beiden werden täglich damit konfrontiert - sei es in ihren Familien oder aber von Freunden oder Fremden. Da scheint es wirklich Fügung zu sein, dass eben diese beiden jungen Menschen sich in einem fernen Land finden und sich verlieben. Deutlich spürbar ist der Konflikt zwischen ihren Familien und die Angst des jungen Paares, wird hier die Liebe siegen?

Ich habe mehrere Male mit dem jungen Paar gelitten und mich oft gefragt, ob man die Vergangenheit nicht irgendwann ruhen lassen kann. Natürlich ist es schlimm, was geschehen ist und es war eine Ungerechtigkeit. Es sind viele schlimme Dinge passiert, doch leider können wir die Vergangenheit nicht ändern. Wir können nur aus ihr lernen. Und das sehen auch Salim und Jude. Zunächst entwickelt sich eine wunderschöne Liebe und die Beiden sind glücklich miteinander, doch irgendwann droht der Nahost-Konflikt auch sie einzuholen und sie werden wieder zurück in die Vergangenheit versetzt: zurück in die Zeit, in der ihnen alles genommen wurde, in der man ihnen alles aberkannt hat, in der man ihnen ihre Würde geraubt hat. Wie viel kann Liebe also vertragen?

Claire Hajaj beschreibt in ihrem Roman deutlich den Konflikt zwischen Israel und Palästina und zwar über die beiden Hauptprotagonisten. Wer in diesem Roman eine reine Liebesgeschichte mit Happy End und "Friede, Freude, Eierkuchen" erwartet, der ist wahrlich falsch! Denn hier geht es um so viel mehr. Es geht um die Familie, die Vergangenheit, die Ehre, allen voran aber um die Freiheit - eine Freiheit, die geraubt wurde und die nicht mehr so leicht zurückzuholen ist. Dabei werden beide Seiten beleuchtet und die Autorin schafft es zugleich neutral über das Geschehen zu berichten, ohne sich auf die eine oder die andere Seite zu beziehen. Der Leser erfährt mit dieser Erzählweise eine Darstellung, die ihm nicht vorschreibt, was er zu denken hat, er kann sich selbst ein Bild darüber machen.

Auch die Protagonisten sind wirklich sehr gut gewählt! So erhält man einen Einblick in die Denkweise von beiden Seiten, versucht sie zu begreifen, mag sie vielleicht verstehen oder aber auch nicht. Die Autorin selbst ist die Tochter einer jüdischen Mutter und eines palästinensischen Vaters, weiß also, wovon sie schreibt und versteht beide Seite, da sie beide Seiten der Geschichte ebenfalls kennt. Sie erzählt uns somit nicht eine frei erfundene Geschichte, sondern gibt uns einen Einblick in ihr eigenes Leben, in ihre eigenen Ängste, Wünsche und Hoffnungen.

KANN LIEBE WACHSEN, WO HASS GESÄT WIRD?

Geht doch selbst dieser Frage nach und lest, was Claire Hajaj euch zu erzählen hat! Ich kann dieses Buch einfach nur weiter empfehlen!