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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.04.2025

Wenn Götterblut durch deine Adern fließt.

Blood of Hercules
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Alexis hatte seit ihrer Kindheit ein sehr schweres Leben. Ihre Pflegeeltern misshandelten sie, und das Einzige, was sie am Leben hielt, war ihre Liebe zur Mathematik - und ihr Pflegebruder. Doch eines ...

Alexis hatte seit ihrer Kindheit ein sehr schweres Leben. Ihre Pflegeeltern misshandelten sie, und das Einzige, was sie am Leben hielt, war ihre Liebe zur Mathematik - und ihr Pflegebruder. Doch eines Tages erfährt sie unerwartet, dass sie ein Mischblut ist: halb menschlich, halb göttlich. Von diesem Moment an nimmt ihre Geschichte eine völlig neue Wendung.
Zugegeben, der Einstieg in das Buch fiel mir zunächst schwer. Besonders die ersten Kapitel, in denen Alexis Misshandlungen erfährt, waren sehr bedrückend und machten es mir nicht leicht, in die Geschichte hineinzufinden. Ich war sogar kurz davor, das Buch abzubrechen, weil mir die Gewalt zu viel wurde. Zum Glück habe ich durchgehalten - denn ab dem Moment, in dem Alexis erfährt, dass sie ein Mischblut ist, wird die Handlung unglaublich spannend. Ich habe das Buch dann innerhalb von zwei Tagen regelrecht verschlungen.
Auch in den folgenden Kapiteln gibt es viel Gewalt und zahlreiche Herausforderungen, die Alexis überwinden muss. Doch dank ihres einzigartigen Humors und ihrer unbeugsamen Haltung hat es unglaublich viel Freude gemacht, sie auf ihrer Reise zu begleiten. Ich hatte selten ein Buch in der Hand, das mich so sehr mitgerissen hat, dass ich völlig die Zeit vergessen habe. Am Ende waren die rund 600 Seiten wie im Flug gelesen, und ich warte nun sehnsüchtig auf den zweiten Teil - der wird auf jeden Fall sofort bestellt und verschlungen.
Jasmine Mas hat Humor und Witz so geschickt in die Handlung eingeflochten, dass man sich schnell mit der Hauptfigur verbunden fühlt und mit ihr zusammen alle Prüfungen durchsteht. Auch die Nebenfiguren - Gladiatoren, Professoren und Mitstreitende - sind sehr gut und authentisch ausgearbeitet.
Warum das Buch den Titel "Blood of Hercules" trägt, wird übrigens erst am Ende des ersten Teils klar - und das fand ich besonders erfrischend. Erst wenn man das Buch zuschlägt, kommt einem der Gedanke: "Ah, deshalb!"
Ein besonderer Blickfang ist der Umschlag: Auch wenn der Schutzumschlag schlicht gestaltet ist, ist der eigentliche Hardcover-Einband äußerst gelungen und macht optisch richtig etwas her.
Alles in allem ist dies ein absolut empfehlenswertes Buch für alle, die Romantasy mit einer frischen und ungewöhnlichen Geschichte lieben. Allerdings möchte ich nochmals betonen, dass die Geschichte sehr viel Gewalt und düstere Szenen enthält - das sollte man wissen. Doch wenn man erst einmal in die Handlung eingetaucht ist, kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Ich bin sehr froh, dass ich auf dieses Buch gestoßen bin - und dankbar, diese Autorin und ihre faszinierende Geschichte entdeckt zu haben.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Sind wir unbelehrbar?

Das Ministerium der Zeit
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Die Geschichte ist wie ein Brief an die Leser*innen aufgebaut – auch wenn einem das zu Beginn nicht sofort bewusst wird. Es dauert eine Weile, bis man erkennt, dass es mehr ist als nur eine Erzählung. ...

Die Geschichte ist wie ein Brief an die Leser*innen aufgebaut – auch wenn einem das zu Beginn nicht sofort bewusst wird. Es dauert eine Weile, bis man erkennt, dass es mehr ist als nur eine Erzählung. Der Einstieg erfolgt beinahe beiläufig, ohne große Erklärungen, aber genau das macht den Reiz aus: Man wird unmittelbar hineingezogen in eine Geschichte, die auf den ersten Blick unterhaltsam und leichtfüßig wirkt, aber schon bald ihre tiefgründige Seite offenbart.
Man lernt zwei zentrale Figuren kennen: eine junge Frau aus unserer heutigen Zeit, verankert in einer Welt voller Widersprüche und Unsicherheiten – und einen jungen Mann aus der Vergangenheit, der plötzlich in unserer Gegenwart auftaucht. Doch wie erklärt man jemandem, der nicht aus unserer Zeit stammt, welche Irrwege die Menschheit beschritten hat? Wie bringt man ihm bei, dass bestimmte Worte heute nicht mehr benutzt werden dürfen, weil sie verletzen und rassistisch sind? Wie vermittelt man einem Zeitreisenden das komplexe Konzept der Emanzipation oder die Abgründe von Rassismus, die bis heute nachwirken? Was als humorvolle Geschichte beginnt, entfaltet sich nach und nach zu einem beklemmenden Drama, einer Flucht ums Überleben – und letztlich zu einem Spiegel unserer Gesellschaft. Die Handlung gewinnt an Tiefe und Dringlichkeit.
Ich selbst bin auch Tage nach dem Lesen noch hin- und hergerissen. Ist dieses Buch ein Meisterwerk? Oder einfach nur merkwürdig? Vielleicht beides. Es bleibt schwer greifbar, hinterlässt einen undefinierbaren Nachgeschmack – nicht unangenehm, aber eben undefinierbar. Und genau das macht es so bemerkenswert. Hier geht es nicht um fantastische Welten, wie man sie aus klassischer Science-Fiction kennt, und auch nicht um eine romantisierte Liebesgeschichte. Vielmehr rückt das Buch unbequeme Themen ins Zentrum: gesellschaftliche Isolation, die Schwierigkeit, sich anzupassen, strukturellen Rassismus, gescheiterte Emanzipation, die Abwesenheit echter Gleichberechtigung – und den erschreckend oft blinden Gehorsam gegenüber Systemen. Die Geschichte zwingt einen zum Innehalten. Sie stellt Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Und genau das ist ihre große Stärke: Sie regt zum Nachdenken an – nicht nur über die Vergangenheit oder die Zukunft, sondern über das Hier und Jetzt.
Wer sich auf diese außergewöhnliche Erzählung einlässt, sollte sich bewusst machen, dass sie nicht den üblichen Erwartungen entspricht. Dieses Buch ist unkonventionell, unbequem, überraschend. Es passt in keine Schublade, lässt sich kaum einordnen – und genau deshalb bleibt es im Gedächtnis.

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Veröffentlicht am 29.03.2025

Die Schrift verrät alles über eine Person

Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen
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Hatoko kehrt nach dem Tod ihrer Großmutter nach Kamakura zurück und eröffnet dort einen Schreibwarenladen. Doch eigentlich ist sie eine öffentliche Schreiberin und erledigt verschiedene Aufträge. Sie verfasst ...

Hatoko kehrt nach dem Tod ihrer Großmutter nach Kamakura zurück und eröffnet dort einen Schreibwarenladen. Doch eigentlich ist sie eine öffentliche Schreiberin und erledigt verschiedene Aufträge. Sie verfasst Briefe für andere Menschen und versucht, ihnen dabei zu helfen.
Diese ruhige und sanfte Geschichte ist ideal für dunkle, kalte Abende. Besonders hervorheben möchte ich einige Aspekte dieses Romans. Für jeden Auftraggeber wählt Hatoko eine bestimmte Sorte Papier und Stift aus. Sie versetzt sich in die Person hinein, versucht ihre Gefühle und Persönlichkeit nachzuempfinden und verfasst erst dann den Brief. Das tut sie mit großer Hingabe und Überzeugung. Selbst als sie erfährt, dass ihre Großmutter sie belogen hat und sie eigentlich gar nicht aus einer Dynastie öffentlicher Schreiber stammt, zweifelt sie keine Sekunde daran, dass Kalligrafie ihre Bestimmung ist.
Das Buch ist in vier Jahreszeiten unterteilt, und jede von ihnen wird mit viel Liebe zum Detail und großer Bildhaftigkeit beschrieben. So erleben wir gemeinsam mit Hatoko ihr erstes Jahr in Kamakura. Wir lernen ihre Nachbarn kennen und begleiten sie dabei, wie sie neue Freunde findet und ein völlig neues Leben aufbaut. Auch ihre Erinnerungen an die Großmutter und ihr Ringen mit der Vergangenheit teilt sie mit uns.
Diese Geschichte ist nicht actiongeladen oder temporeich, sondern plätschert wie ein sanfter Bach vor sich hin – genau das macht ihren besonderen Reiz aus. Wer ein Buch mit hohem Gemütlichkeitsfaktor sucht, ist hier genau richtig.

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Veröffentlicht am 23.03.2025

Moralische Seiten der Neubesiedlung

Lyneham
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Die Erde ist durch eine Technologiekatastrophe unbewohnbar geworden. Deshalb reist Henry mit seinem Vater und seinen beiden Geschwistern zu einem fernen Planeten, um dort eine neue Heimat zu finden. Außerdem ...

Die Erde ist durch eine Technologiekatastrophe unbewohnbar geworden. Deshalb reist Henry mit seinem Vater und seinen beiden Geschwistern zu einem fernen Planeten, um dort eine neue Heimat zu finden. Außerdem hofft er, endlich seine Mutter wiederzusehen, die bereits früher mit einem anderen Shuttle aufgebrochen ist.
Doch als er ankommt, erwartet ihn eine unbekannte und unwirtliche Welt – und von seiner Mutter fehlt jede Spur. Er versucht, sich so gut es geht anzupassen, doch als ihm das nicht gelingt, beginnt er zu rebellieren. Am Ende erfährt er viele Wahrheiten, und die wichtigste von allen ist, was seine Mutter für ihn und die anderen Neusiedler getan hat.
Als ich den Klappentext gelesen habe, dachte ich zunächst, es handele sich um eine typische Sci-Fi-Geschichte. Doch schon nach den ersten Kapiteln hatte ich das Gefühl, dass es hier um weit mehr geht als nur um die Entdeckung einer neuen Welt und den technologischen Fortschritt. Je weiter ich in die Geschichte eintauchte, desto häufiger stellte ich mir Fragen wie: Wie moralisch ist es, ein fremdes Ökosystem zu zerstören, nur um das Überleben der eigenen Spezies zu sichern? Ist es ethisch vertretbar, einigen Menschen das Leben zu ermöglichen und anderen zu verwehren? Wird ein Massenmörder zwangsläufig immer weiter morden, ohne Rücksicht auf Verluste?
Ist in unserem Leben wirklich alles prinzipiell?
Diese und viele weitere Fragen bilden für mich den Kern dieser Geschichte – und genau das hat mich so überrascht. Ich denke, dass auch viele andere Leser über diese Aspekte nachgedacht haben.
Auch das Ende der Geschichte war unerwartet und nicht vorhersehbar. Gerade deshalb hat mich dieses Buch vollkommen überzeugt. Es ist eine Geschichte, die ich definitiv weiterempfehlen werde.
Für alle Sci-Fi-Fans, die sich auch mit philosophischen Fragen auseinandersetzen möchten, ist dieses Buch auf jeden Fall die richtige Wahl!

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Magisches Ägypten

Geheimnisse des Nil, Band 1 - What the River Knows
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Inez wächst in Argentinien bei ihrer Tante und ihren Cousinen auf. Ihre Eltern sieht sie nur ein paar Monate im Jahr, wenn sie nicht in Ägypten sind. Ihr Leben ist geordnet und ihre Zukunft liegt klar ...

Inez wächst in Argentinien bei ihrer Tante und ihren Cousinen auf. Ihre Eltern sieht sie nur ein paar Monate im Jahr, wenn sie nicht in Ägypten sind. Ihr Leben ist geordnet und ihre Zukunft liegt klar vor ihr, bis sie eines Tages einen Brief erhält, in dem steht, dass ihre Eltern in der Wüste verschollen und für tot erklärt wurden. Daraufhin beschließt Inez, ihr altes Leben hinter sich zu lassen und die Umstände des Todes ihrer Eltern aufzuklären. Sie begibt sich auf eine gefährliche Reise und meistert viele Herausforderungen. Dabei verliebt sie sich in Ägypten und folgt den Spuren von Kleopatra. Liebe und Verrat verfolgen sie und lassen ihr keine andere Wahl, als immer tiefer nachzuforschen, um der Wahrheit näher zu kommen.
Die Geschichte hat mich fasziniert. Isabel Ibáñez hat die Magie und das alte Ägypten hervorragend miteinander verbunden. Als Leser taucht man zusammen mit Inez in die Geschichte von Kleopatra ein und lernt Ägypten von einer ganz anderen Seite kennen. Man fiebert mit den Protagonisten mit und bedauert ihre Verluste. Die Hauptfigur ist eine starke und unerschrockene Frau, die versucht, ihrem Herzen zu folgen und die Wahrheit aufzudecken.
Zugegeben, am Anfang plätschert die Geschichte ein wenig dahin, und als Leser denkt man, dass es wahrscheinlich auch weiterhin eine recht ruhige Geschichte bleiben wird. In der zweiten Hälfte allerdings überschlagen sich die Ereignisse, und man kann das Buch kaum noch weglegen.
Das Cover ist passend zur Geschichte ausgewählt und sehr schön gestaltet. Alle Elemente findet man auch in der Erzählung wieder.
Ich bin sehr gespannt auf den zweiten Teil. Wird Inez die ganze Wahrheit aufdecken können? Werden sie und ihre Reisegefährten alle am Leben bleiben? Um das herauszufinden, muss man wohl den zweiten Teil abwarten.

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