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Veröffentlicht am 02.12.2024

Lange Zeit viel zu langatmig erzählt

Die Uhrmacher der Königin
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Wie viele andere Schwarzwälder Bauernfamilien verdient sich auch die Familie Faller ein Zubrot durch den Bau von Holzuhren. Ernst, der jüngste, 1824 geborene Sohn, hat ein besonderes Talent für den Uhrenbau, ...

Wie viele andere Schwarzwälder Bauernfamilien verdient sich auch die Familie Faller ein Zubrot durch den Bau von Holzuhren. Ernst, der jüngste, 1824 geborene Sohn, hat ein besonderes Talent für den Uhrenbau, und so wandert er eines Tages mit seinem Bruder Johannes ins „Uhrenland“, nach London aus.

Sophia Carpenter fällt auf einen Betrüger herein, der sie mit hohen Schulden zurücklässt, die sie glücklicherweise abarbeiten kann. Auch sie macht sich eines Tages nach London auf, wo sie nicht nur die Gebrüder Faller trifft, sondern auch die junge Queen Victoria, sowie die Gebrüder Winterhalter, bekannte Maler, die ebenfalls aus dem Schwarzwald stammen, und von der Königin an den Hof eingeladen wurden.

Leider nimmt der Klappentext schon viel zu viel vorweg, am besten wäre, man liest ihn erst gar nicht und lässt sich überraschen. Auch sonst lässt mich der Roman zwiegespalten zurück. Das Thema ist interessant, und wie der Autor das Leben seiner fiktiven Charaktere mit dem historischer Persönlichkeiten verwebt, ist gelungen. Wer historische Persönlichkeit ist, kann man übrigens dem Personenverzeichnis entnehmen, das dem Roman vorangestellt ist. Mir hat auch gut gefallen, dass man tatsächlich viel über den Uhrenbau erfährt, und dass die einzelne Teile des Romans nach Uhrteilen wie Antrieb oder Unruh benannt sind, und die Namen auch ganz gut zum jeweiligen Geschehen passen.

Leider ist der Roman lange Zeit sehr langatmig, da wird ausführlich Ernsts und Johannes Kindheit und Jugend erzählt, und erst ab etwa der Mitte hat es der Roman dann geschafft, mich etwas mehr zu packen. Gestört hat mich auch, dass er zu Beginn fast wirkte, als sei er für Kinder geschrieben, sehr einfach, und eben aus Sicht von Kindern.

Die Charaktere sind recht gut gezeichnet, erzählt wird vorwiegend aus der Sicht Johannes‘ beziehungsweise Sophias. Dadurch wird das Leben der Uhrmacher nicht nur im Schwarzwald sondern auch in London, so wie auch das Umfeld der Königin lebendig.

Über das Ende kann man sicher streiten, aber mich machte es unzufrieden, obwohl ich normalerweise keine Probleme habe mit unerwarteten Enden beziehungsweise Enden, die meine Erwartungen nicht erfüllen. Diese hallt nach, aber eher negativ.

Ralf H. Dorweiler konnte mich mit anderen Werken schnell packen, hier ist ihm das nicht gelungen, der Roman ist mir in weiten Teilen zu langatmig erzählt. Interessant ist die Thematik des Uhrenbaus, die gut ausgearbeitet wurde. Auch die Einbindung historischer Persönlichkeiten hat mir gefallen. So hinterlässt mich der Roman zwiegespalten. Dennoch gibt es sicher viele Genrefans, dem er gefallen könnte.

Veröffentlicht am 27.11.2024

Band 3 der Reihe basiert wieder auf historischen Gegebenheiten

Gegen die guten Sitten
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1875: Alessa Arlington studiert weiterhin in New York Medizin. Auch Orville Baker ist in nun dort gelandet, als Chief Detektive der New Yorker Polizei. Die beiden treffen sich wieder, als Alessa während ...

1875: Alessa Arlington studiert weiterhin in New York Medizin. Auch Orville Baker ist in nun dort gelandet, als Chief Detektive der New Yorker Polizei. Die beiden treffen sich wieder, als Alessa während eines Praktikums in der Gerichtsmedizin einen Toten obduziert, bei dem zunächst Suizid angenommen wurde. Wie sich herausstellt ist der Tote ein bekanntes, aber nicht von allen geliebtes Mitglied der Gesellschaft. Zu viele mussten schon unter ihm leiden, so dass auch der Kreis der Verdächtigen recht groß ist. Auch Alessa gehört dazu.

Der dritte Band der Reihe spielt also wieder in den USA. Dass auch Baker hier anzutreffen ist, hat mich zunächst sehr erstaunt, damit hatte ich nicht gerechnet. Auch Henry Cochrane, den man aus Band 2 der Reihe kennt, ist wieder dabei und ermittelt zusammen mit Baker.

Der Roman basiert unter anderem auf einem realen Skandal, und hat wieder einige historische Persönlichkeiten mit an Bord, wobei Philea Baker manches Leben mehr oder weniger für ihren Roman passend gemacht hat, im Nachwort gibt sie darüber Aufschluss, außerdem finden sich zu den historischen Persönlichkeiten Fotos im Anhang.

Gut gefallen hat mir das Ende, das sogar noch das Pseudonym der Autorin klärt. Ich denke, dass die Reihe mit diesem Band enden wird, lasse mich aber auch gerne eines Besseren belehren.

Auch im dritten Band der Reihe verknüpft Philea Baker wieder historisches Geschehen und historische Persönlichkeiten mit fiktiven Protagonist:innen und einem fiktiven Kriminalfall. Wie immer ist das interessant zu lesen und animiert dazu, selbst weiter zu recherchieren. Gerne empfehle ich die gesamte Reihe an Genrefans, man sollte sie aber möglichst in der richtigen Reihenfolge lesen.

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Veröffentlicht am 24.11.2024

Neue Miss Marple Geschichten

Miss Marple
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Tatsächlich ist es schon länger her, dass ich einen Agatha Christie-Roman gelesen habe, aber die mit Miss Marple waren mir immer die liebsten, und viele habe ich noch ganz gut im Kopf. Wenn ich an Miss ...

Tatsächlich ist es schon länger her, dass ich einen Agatha Christie-Roman gelesen habe, aber die mit Miss Marple waren mir immer die liebsten, und viele habe ich noch ganz gut im Kopf. Wenn ich an Miss Marple denke, sehe ich übrigens immer Joan Hickson vor mir, die sie meiner Ansicht nach perfekt verkörpert hat. Sie war es auch, die mich geistig begleitet hat, während ich die zwölf Geschichten dieser Sammlung gelesen habe, in denen verschiedene Autorinnen Miss Marple und ihr kriminalistisches Geschick wieder zum Leben erweckt haben.

Die Geschichten sind sehr unterschiedlicher Art, und spielen nicht alle in Großbritannien, Miss Marple besucht zum Bespiel auch die USA und macht eine Kreuzfahrt nach Hongkong. Man trifft einige Personen wieder, die man aus den Romanen kennt, allen voran Miss Marples Neffen Raymond West. Man lernt aber auch neue kennen, unter anderem sogar eine Urgroßnichte, die in einem Fall eine wesentliche Rolle spielt. Bereits die erste Geschichte zieht einen wieder in Miss Marples Universum und fügt sich gut ein in die Geschichten um sie.

Leider haben mir nicht alle Geschichten gleich gut gefallen, aber das ist eigentlich normal für solch eine Sammlung. Hin und wieder konnte ich nicht die Miss Marple erkennen, die ich aus den Romanen kenne und mag. So fehlte mir zum Beispiel das Jane Marple-Feeling in einer der USA-Geschichten.

Manche der Geschichten werden in Ich-Form erzählt, allerdings nicht aus Miss Marples Perspektive. Ich mag diese Art des Erzählstils, zumal Jane Marple natürlich trotzdem das ihre zur Aufklärung beigetragen hat. Einige Geschichen empfand ich als recht originell, andere als eher vorhersehbar, was aber nicht immer schlecht ist.

Überraschenderweise kannte ich nur ein paar der Autorinnen, manche Geschichte machte mich aber neugierig, mir bisher unbekannte kennenzulernen, zum Beispiel die, in der Jane Marple nicht alleine ermittelt, sondern eine andere versierte Ermittlerin zu Seite gestellt bekommt.

Zwölf neue Miss Marple-Geschichten von ebenso vielen Autorinnen erzählt finden sich in dieser Sammlung. Im wesentlichen wurde ich gut unterhalten, habe Jane Marple in vielen wieder erkannt und fand auch die meisten Geschichten lesenswert. Wer mehr von Miss Marple lesen möchte, kann hier nichts falsch machen.

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Veröffentlicht am 23.11.2024

Komplexer Fantasyroman, der mir sehr gut gefallen hat

Wächter des Wyrdwood
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Die Göttersprecherin Saradis erkennt besondere Fähigkeiten in dem aus einer clanlosen Familie stammenden Jungen Cahan und nimmt ihn mit. Jahre später treffen wir Cahan wieder, er lebt nun auf dem Land ...

Die Göttersprecherin Saradis erkennt besondere Fähigkeiten in dem aus einer clanlosen Familie stammenden Jungen Cahan und nimmt ihn mit. Jahre später treffen wir Cahan wieder, er lebt nun auf dem Land seiner Familie. Nachdem ihm, dem immer noch Clanlosen, übel mitgespielt wurde, benötigt er dringend Geld, weswegen er einige Aufträge übernimmt. Auf seinen Reisen muss er sich nicht nur seiner Vergangenheit stellen, sondern auch dem, was in ihm steckt.

Der Roman stellt eine gewisse Herausforderung dar, der ich mich aber gerne gestellt habe, denn ich mag es, wenn Fantasy-Welten erst nach und nach greifbar werden. RJ Baker hat eine komplexe Welt erschaffen, mit ihren eigenen Gesetzen, Hierarchien, Religionen und Begriffen. Für letztere gibt es kein Glossar, aber im Laufe der Handlung kann man das meiste entschlüsseln. Natürlich verlangt das eine gewisse Aufmerksamkeit, die sollte man dem Roman aber sowieso schenken.

Cahan ist ein gelungener und interessanter Charakter, mit dem man gut mitfühlen kann, seine Perspektive ist aber nicht die einzige. Eine weitere nimmt eine Frau ein, die in der gesellschaftlichen Hierarchie eine sehr gehobene Rolle spielt. Auch sie ist ein interessanter Charakter, Sympathie entwickelt man für sie, zumindest bisher, aber weniger. Neben diesen beiden gibt es weitere Charaktere, die den Roman bereichern. Ein wesentlicher Bestandteil des Romans ist außerdem die Welt, die mit einzigartigen Kreaturen bevölkert ist, und vor allem der Wald, der noch einmal ein Stück mehr besonders ist.

Im Original besteht die Reihe aus drei Bänden, die im Deutschen aber jeweils aufgeteilt werden, so dass dieser Band der erste Teil des ersten Bandes der Trilogie ist. Ich kann aber sagen, dass er passend geteilt wurde und dadurch auch kein schlimmer Cliffhanger entstanden ist. Hätte ich nicht gewusst, dass eine Teilung gemacht wurde, hätte ich das Ende des Bandes für ein normales Ende eines ersten Bandes gehalten.

Ich fand den Roman von Anfang an interessant zu lesen, Spannung kam zunächst durch all die Fragen auf, die in meinem Kopf entstanden. Später steigt der Spannungsbogen der Geschichte immer mehr an.

„Wächter des Wyrdwood“ ist ein komplexer erster Band, der aufmerksames Lesen verlangt, sich dafür aber mit einer interessanten Geschichte bedankt. Besonders der Protagonist hat es mir angetan, und ich freue mich darauf, ihn im nächsten Band wiederzutreffen. Wer komplexe epische Fantasy mag, die erst nach und nach ihre Welt offenbart, sollte zugreifen.

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Veröffentlicht am 18.11.2024

Ein rundes Ende

City in Ruins
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Wir treffen Danny Ryan 1997 in Las Vegas wieder, er ist Mitglied der Tara Group, die mehrere Hotels besitzt, die zum Teil auf seinen Visionen basieren, lebt mit seinem Sohn im Haus seiner Mutter, hat eine ...

Wir treffen Danny Ryan 1997 in Las Vegas wieder, er ist Mitglied der Tara Group, die mehrere Hotels besitzt, die zum Teil auf seinen Visionen basieren, lebt mit seinem Sohn im Haus seiner Mutter, hat eine neue Freundin, die aber unter dem Radar fliegen möchte, und ist mit seinem Leben zufrieden. Doch dann, wie könnte es anders sein, nähern sich wieder dunkle Wolken.

Der dritte und letzte Band schließt die Trilogie ordentlich ab, was mich erleichtert, aber auch traurig gemacht hat. Danny, obwohl aus einer Mafiafamilie stammend und selbst einiges auf dem Kerbholz habend, ist mir im Laufe der drei Bände sehr ans Herz gewachsen. Von Anfang an fühlt man mit, drückt ihm die Daumen, hofft mit ihm, seine Schicksalsschläge lassen einen nicht kalt. In diesem Band bemüht er sich sehr, sauber zu bleiben, seiner Firma ein gutes Image zu verpassen, aber, wie das Sprichwort sagt, man kann nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt, und so muss auch hier Danny, wieder einmal, Dinge tun, die er eigentlich nicht tun möchte.

Don Winslow schafft es auch hier wieder, seine Charaktere mit Grautönen zu zeichnen, abgesehen von ein paar wenigen, die einfach nur böse sind. Nicht nur Danny steht dabei im Mittelpunkt, es werden auch andere Storylines abgeschlossen, so dass man viele bereits bekannte Charaktere wiedertrifft. Am Ende sind alle Fäden verwoben. Erzählt wird dabei nicht nur aus Dannys Perspektive, in mancher Storyline spielt er gar keine Rolle, wie der um einen Mordprozess, tangiert hatten die Hintergründe sein Leben aber natürlich schon.

Der Autor erzählt wieder sehr süffig, man wird schnell gepackt und hat das Gefühl mit dabei zu sein. Auch gefühlsmäßig, am liebsten hätte ich mich hin und wieder eingemischt.

Der Abschlussband der Trilogie rundet diese gelungen ab, und hat mich erneut von Anfang an gepackt. Sehr gerne empfehle ich auch diesen Band, man sollte aber unbedingt die Vorgängerbände vorher gelesen haben.

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