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Veröffentlicht am 16.06.2025

Eine wunderbare Geschichte aus der Welt der Königsmörder-Chroniken

Der Weg der Wünsche
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Patrick Rothfuss widmet nach „Die Musik der Stille“ einen weiteren Roman einem der Nebendarsteller seiner Köngismörder-Chronik. Dieses Mal erlebt man einen Tag im Leben des Fae Bast mit.

Der Roman ist ...

Patrick Rothfuss widmet nach „Die Musik der Stille“ einen weiteren Roman einem der Nebendarsteller seiner Köngismörder-Chronik. Dieses Mal erlebt man einen Tag im Leben des Fae Bast mit.

Der Roman ist ein erweiterte Fassung der Kurzgeschichte „Der Blitzbaum“, die bereits in der Anthologie „Der Bruder des Königs“ erschienen ist. Auch wenn man diese, wie ich, schon kennt, lohnt es sich, den Roman zu lesen, die Neubearbeitung ist sehr gelungen.

Basts Tag beginnt mit der Morgendämmerung und endet um Mitternacht. Dazwischen erlebt er viele interessante, spannende und manchmal auch lustige Geschehnisse, und macht eine Menge Tauschgeschäfte. Denn bei Bast können Kinder sich Rätsel, Antworten, oder auch einmal eine Lüge ertauschen, für die der Fae natürlich immer etwas verlangt, manchmal eine Bezahlung in Naturalien, manchmal eine Gefälligkeit, manchmal auch ein Geheimnis. Ein Tausch an diesem Tag bringt ihn in Verlegenheit, und man kann gespannt sein, wie er sich herauswindet. Neben verschiedenen Tauschtätigkeiten erlebt Bast aber noch einiges mehr.

Erzählt wird sehr bildhaft und oft auch humorvoll aus Basts Perspektive, und zwar wunderbar zu dieser passend, Patrick Rothfuss trifft hier genau den richtigen Ton dafür.

Die Geschichte ist in die jeweiligen Tageszeiten eingeteilt, und bringt zu jeder eine passende Illustration mit. Der Autor steuert zudem eine Vorbemerkung und ein Nachwort bei, wobei beide schon ein bisschen eigen sind, aber irgendwie auch zum Roman passen.

Ja, wir wünschen uns alle den nächsten Band der Königsmörder-Chronik, aber solange wir warten müssen, sind die Novellen über die Nebencharaktere eine schöne Ablenkung, ach, eigentlich viel mehr, denn Patrick Rothfuss zeigt hier anschaulich, wie gut er schreiben kann, und wie gerne man ihn liest. Ich denke, dass auch Leser:innen, die seine anderen Romane noch nicht kennen, Freude an diesem Roman haben können.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.06.2025

Hatte einen Wow-Effekt auf mich

Lyneham
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In einer nicht näher bezeichneten Zukunft müssen die Menschen die Erde verlassen, da sie unbewohnbar wurde, nur noch in wenigen Biomen warLeben möglich gewesen. Ziel ihrer Reise ist Perm, ein Mond, der ...

In einer nicht näher bezeichneten Zukunft müssen die Menschen die Erde verlassen, da sie unbewohnbar wurde, nur noch in wenigen Biomen warLeben möglich gewesen. Ziel ihrer Reise ist Perm, ein Mond, der sich nur begrenzt als habital erweist.

Erzählt wird aus zwei verschiedenen Perspektiven und in zwei Zeitebenen jeweils in Ich-Form. Der zwölfjährige Henry ist mit seinem Vater und zwei Geschwistern gerade im Anflug auf Perm, als es Probleme gibt, die zu einem Absturz führen. In kursiv erzählt eine Forscherin, die mit der sogenannten Impulsmission mit als Erste auf Perm gelandet ist, über ihre Bemühungen, Perm bewohnbar zu machen.

Nils Westerboer konnte mich schon mit „Athos 2643“ überzeugen, mit „Lyneham“ hat er bei mir sogar ein regelrechtes Wow-Gefühl ausgelöst. Der Roman ist vielleicht nicht immer leicht zu lesen, man muss sich schon ein bisschen darauf einlassen, auch auf die wissenschaftlichen Hintergründe, im Anhang gibt es übrigens ein Glossar, aber zu wissenschaftlich wird es meiner Meinung nach nicht, und ist auch leichter zu lesen als der oben schon erwähnte Roman.

Einen zwölfjährigen als Protagonisten in einem Science Fiction-Roman für Erwachsene zu wählen, ist schon ein bisschen mutig, aber aus Henrys kindlicher Sicht, und im Kontrast zu der anderen Perspektive, passt das ganz gut. Nicht immer konnte ich die Gedanken und Handlungen der Protagonist:innen gutheißen, aber verstehen, warum sie so handeln, schon.

Nils Westerboer hat die fremde Welt interessant, phantasievoll und bildreich gestaltet, zu Beginn gibt es zwei Karten, so dass man Wege nachvollziehen kann. Die Charaktere empfinde ich als gelungen, auch die nicht-menschlichen. Es gibt spannende Momente, ein paar Überraschungen und Aha-Effekte. An einem gewissen Punkt war ich kurz davor enttäuscht zu sein, die weitere Entwicklung passte dann doch gut, so dass ich auch mit dem Ende zufrieden war.

Der Roman hat mich nicht nur gut unterhalten, ich bekam auch Gründe zum Nachdenken geliefert, er hatte sogar schnell einen Wow-Effekt auf mich. Welt und Charaktere sind gelungen, gerne empfehle ich den Roman Science Fiction Fans und freue mich auf weitere Werke des Autors.

Veröffentlicht am 09.06.2025

Gelungenes Worldbuilding, weniger gelungene Charaktere und Erzählweise

Verlorene Städte (Die Lichter unter London 1)
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Vor einigen Jahrzehnten wurden unterhalb der Londoner U-Bahn geheimnisvolle Katakomben entdeckt. Die Mudlarks, ehemals Schatzsucher im Schlamm der Themse, machen es sich zur Aufgabe, diese zu erforschen. ...

Vor einigen Jahrzehnten wurden unterhalb der Londoner U-Bahn geheimnisvolle Katakomben entdeckt. Die Mudlarks, ehemals Schatzsucher im Schlamm der Themse, machen es sich zur Aufgabe, diese zu erforschen.

Ein nicht ganz durchdachter Deal bringt Maeve O‘Sullivan dazu, nicht nur die Führung in die Katakomben, sondern auch die sicheren Wege zu verlassen, und so findet sie sich nun alleine wieder, ohne zu wissen, wo sie ist, und wie sie wieder nach oben kommt. Als Studentin der Katakombenforschung weiß sie zudem, dass es nicht dort nicht ungefährlich ist, es gibt gefährliche Pflanzen und Wesen, und sie ist auch noch ohne Verpflegung unterwegs.

Der Roman, erster Band einer Dilogie, bringt Maeve und die Leser:innen in die obersten vier Teile dieser Unterwelt, insgesamt soll es sieben geben, so dass es auch für den zweiten Band noch einiges zu entdecken geben wird. Anna Herzel zeigt dabei viel Phantasie, die einzelnen Teile, Drops genannt, sind sehr unterschiedlich und werden anschaulich und phantasievoll beschrieben, man sieht sie direkt vor sich. Alle haben aber auch ihre eigenen Gefahren.

Alleine wäre Maeve sicher nicht weit gekommen, zum Glück trifft sie auf einige Menschen, die ihr weiterhelfen können. Da ist zum Beispiel Blaise, der schon viele Jahre in der Unterwelt lebt, auch einige Mudlarks kreuzen ihren Weg. Gerade mit letzteren wird sie nicht nur gute Erfahrungen machen.

Leider entwickelte sich der Roman für mich sehr ambivalent. Die sehr phantasievolle Welt, deren Fauna und Flora immer wieder Überraschungen birgt, gefällt mir gut. Bei den Charakteren sieht das ein bisschen anders aus. Gerade Maeve kommt mir leider gar nicht nahe, auch wenn sie die Geschichte selbst in Ich-Form erzählt. Ich kann sie nicht richtig greifen, auch, weil sie Dinge tut, die oft naiv, manchmal auch dumm sind. Immerhin ist ihr die Unterwelt nicht ganz unbekannt, sie studiert sie schließlich, auch wenn sie noch nicht selbst vor Ort war. Unbedarftes Handeln kann sie hier in größte Gefahr bringen, das sollte ihr klar sein, hätte ihr schon klar sein müssen, bevor sie sich überhaupt hierher begeben hat. Manchmal hat man das Gefühl keine erwachsene Person vor sich zu haben. Ohne ihre Begleiter:innen könnte sie nicht überleben.

Die Erzählweise erscheint mir oft etwas holperig, gerade da, wo sie wohl poetisch sein soll, kommt das bei mir nicht richtig an. Manche Worte finde ich nicht ganz passend, und auch die Logik scheint mir manchmal ein wenig auf der Strecke zu bleiben. Etwas gestört haben mich die dauernden Andeutungen, dass sowohl Blaise als auch Maeve in ihrer Vergangenheit Traumata erlebt haben, dies wurde mir zu langgezogen. Das sollte wohl Spannung erzeugen, hat bei mir aber eher das Gegenteil erzeugt, zumal ich früh ahnte, was passiert sein musste.

Gestört hat mich auch die sich entwickelnde Problematik um die Mudlarks, die es für eine spannende Story gar nicht in dieser sehr extremen Weise gebraucht hätte. Ich hatte hier ständig das Gefühl von aufgesetzt und überzogen.

Ansonsten ist die Geschichte immer wieder spannend, und am Ende war ich auf jeden Fall neugierig genug, um auch den zweiten Band lesen zu wollen.

Bei mir punktete der Roman vor allem durch die phantasievolle Welt, hier bin ich auch gespannt, auf die weiteren Drops. Leider konnte mich der Roman nicht in allem überzeugen, vor allem Maeve machte es mir schwer, sie zu mögen, und die Gegenspieler:innen erschienen mir unnötig

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Veröffentlicht am 07.06.2025

Intensiv und spannend

Nachtlügen
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Albe leben zwischen uns, optisch von uns Menschen nicht zu unterscheiden, doch aufgrund ihres besonderen Stoffwechsels müssen sie uns nachts heimsuchen, stehlen uns unsere Träume und hinterlassen uns Albträume.

Isra ...

Albe leben zwischen uns, optisch von uns Menschen nicht zu unterscheiden, doch aufgrund ihres besonderen Stoffwechsels müssen sie uns nachts heimsuchen, stehlen uns unsere Träume und hinterlassen uns Albträume.

Isra ist eine von ihnen. Obwohl sie aus einer hochgestellten Albe-Familie stammt, hat sie seit kurzem Probleme mit dem Amt für reversible energieausgleichende Maßnahmen, kurz REM, der Verwaltung der Albe, denn einer der ihr zugeteilten Träumer starb während ihres Albtraums. Als sie einen anderen ihrer Träumer tot auffindet, ahnt sie, dass ihr jemand Böses will.

Der Roman ist überraschend intensiv und auch sehr spannend. Isra ist keine einfache Person, doch man kann mit ihr fühlen, und drückt ihr die Daumen, ihre Charakterisierung ist der Autorin gut gelungen. Auch die anderen Charaktere, auf die man hier trifft, Albe und Menschen, sind gut gezeichnet, manche mag man schnell, andere nicht, manche überraschen auch. Man braucht tatsächlich gar nicht so viel Fantasie, um sich vorstellen zu können, dass es das alles wirklich geben könnte. Jede:r hatte immerhin schon einmal einen Albtraum.

Neben der fortlaufenden Geschichte gibt es zwischen den Kapitel sogenannte Intermezzi, diese machen die Welt noch authentischer, hier gibt es Auszüge aus Tagebüchern, Podcasts, Regelwerken, alle bezogen auf die Albe. Ich finde das sehr gelungen.

Mir hat der Roman wirklich gut gefallen, das Worldbuilding ist ebenso wie die Charaktere gelungen, die Geschichte spannend.

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Unerfüllter Kinderwunsch

Hello Baby
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In einer südkoreanischen Kinderwunschklinik treffen mehrere Frauen aufeinander, alle zwischen Mitte 30 und Mitte 40. Ihre Hintergründe sind verschieden, aber sie verbindet der Wunsch nach einem Baby, für ...

In einer südkoreanischen Kinderwunschklinik treffen mehrere Frauen aufeinander, alle zwischen Mitte 30 und Mitte 40. Ihre Hintergründe sind verschieden, aber sie verbindet der Wunsch nach einem Baby, für den sie vieles bereits sind zu tun, sie nehmen Schmerzen und immer wiederkehrende Enttäuschung auf sich, und schöpfen immer wieder Hoffnung, zumindest, so lange es geht.

In Südkorea scheint dies ein alltägliches Phänomen zu sein, obwohl oder vielleicht auch weil es das Land mit der geringsten Geburtenrate weltweit ist. Die Gründe dafür werden hier nur angerissen. Die Autorin gehört selbst zu den Betroffenen, was sie letztlich zu diesem Roman inspiriert hat.

Die Gründe, warum die hier vertretenen Frauen ohne Nachhilfe nicht Mutter sein können, sind vielfältig, manchen war ihre Karriere zunächst wichtiger, andere hatten erst spät einen Kinderwunsch, eine möchte gar vorsorgen, und nicht bei allen ist die Frau an der Kinderlosigkeit schuld. Viele haben zusätzlich das Problem, dass die Familie drängt. Die körperliche Last haben ausschließlich die Frauen zu tragen, sie müssen sich schmerzhaften Behandlungen unterziehen, sie müssen hautnah erleben, ob es geklappt hat oder nicht, nicht wenige Männer ziehen sich eher zurück und unterstützen nicht. Dass diese gesellschaftskritischen Aspekte nicht nur typisch für Südkorea sind, sondern im Grunde global auftreten, dürfte klar sein.

Man lernt die Frauen trotz der Kürze des Romans gut kennen, sie bekommen alle ein Kapitel, in dem man ihren Werdegang erfährt, so dass man schließlich auch mit ihnen mitfühlen kann. Interessanterweise ist darunter auch eine Frau, die gar nicht zur Gruppe der kinderlosen Frauen gehört, sondern im Gegenteil innerhalb kurzer Zeit drei Kinder bekommen hat. Doch auch sie hat es ihre Probleme, ein Kind zu haben heißt nicht, dass man dann wunschlos glücklich ist.

Der Twist gegen Ende schockiert, zeigt er doch, wohin Verzweiflung führen kann. Insgesamt bringt der Roman Nachdenkenswertes mit, lässt sich aber auch gut lesen.

Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch haben es aus verschiedenen Gründen nicht leicht, und tun oft alles, um ihren Wunsch doch noch erfüllt zu bekommen. Die Autorin nimmt mit in eine Kinderwunschklinik und zu einigen der Patientinnen, und bringt zum Nachdenken.