Die Strukturen familienbasierter Kriminalität
Die Clans aus al-RashidiyaMahmoud Jaraba ist ein palästinensisch-deutscher Politikwissenschaftler und Ethnograf, der unter anderem zu „familienbasierter Kriminalität” forscht. In diesem Buch möchte er sich dem Thema aus einer ungewohnten ...
Mahmoud Jaraba ist ein palästinensisch-deutscher Politikwissenschaftler und Ethnograf, der unter anderem zu „familienbasierter Kriminalität” forscht. In diesem Buch möchte er sich dem Thema aus einer ungewohnten Perspektive nähern: „von innen heraus“, wie er selbst schreibt. Dazu führt er Interviews mit Personen, die aus al-Rashidiya migriert sind, und schließt daraus auf allgemeingültige Muster. Dabei ist der Autor bemüht, darauf einzugehen, dass nicht die Menschen schlecht sind, sondern dass sie in Umständen leben, in denen eine kriminelle Karriere, wenn nicht die einzige, so doch zumindest eine pragmatische Strategie erscheint, und ein Ausbruch aus dem Familiensystem extrem schwer ist.
Der Autor erklärt sehr einleuchtend, dass die typischen Bilder von Clanstrukturen veraltet sind. man Oft hat beispielsweise das Bild eines mächtigen Patriarchen im Kopf, der alles kontrolliert. Inzwischen ist es durch Social Media und das Heranwachsen einer neuen Generation jedoch zu vielfältigen Brüchen gekommen und die Kontrolle alter Respektspersonen erodiert.
Aufschlussreich war für mich auch die Beleuchtung der Rolle von Frauen in einem stark patriarchalen Familienverband: Sie sind zwar unterworfen, aber dennoch einflussreich.
Der Autor warnt davor, mit veralteten Bildern an die Bekämpfung von Kriminalität heranzugehen. Er zeigt, wie fatal fehlgeschlagene Integration über Generationen hinweg wirkt, und bietet auch Lösungsstrategien an.
Das Buch bietet interessante Einblicke, ist aber zu wenig umfangreich, um das komplexe Thema in Gänze zu fassen. Dafür lässt es sich aber sehr gut lesen.
Gerne hätte ich die Statistiken im Anhang etwas stärker in den Text integriert gesehen. Im Anhang gehen sie etwas verloren.
Insgesamt gut geeignet als Anstoß für weitere und dringend notwendige Diskussionen und auch politische Handlungen.