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Pantoffeltier

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.07.2026

Der Preis des Erfolgs

Maja & Natascha
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Die Zwillinge Maja und Natascha leben im Leningrad der 1950er-Jahre. Sie gehen beide zu einer renomierten Balletschule und träumen davon nach Amerika zu gehen.

Die beiden sind sehr unterschiedlich. Natascha ...

Die Zwillinge Maja und Natascha leben im Leningrad der 1950er-Jahre. Sie gehen beide zu einer renomierten Balletschule und träumen davon nach Amerika zu gehen.

Die beiden sind sehr unterschiedlich. Natascha ist hübscher und talentierter und bald fühlt sich Maja außenvor. Damit kommt es zu dramatischen Konflikten.
Mir hat die Beschreibung des historischen Hintergrundes sehr gut gefallen. Nicht nur die Ballettwelt, sondern vor allem der Einblick in das Leben im sowjetischen Russland. Die Geschichte ist zeitweise ausufernd erzählt und auch manchmal etwas sehr emotional.
Ich mochte aber sehr, wie sich die Figuren entwickeln und dass die Charaktere Graustufe haben statt nur schwarz-weiß ausgearbeitet zu sein.

Insgesamt ein schöner historischer Schmöker mit gut ausgearbeiteten Charakteren und eine zu Herzen gehende Familiengeschichte.

Veröffentlicht am 01.06.2026

Potential verschenkt

Ein unheimlich guter Mensch
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Bei diesem Buch tue ich mich mit der Bewertung wirklich schwer.
Lillian ist anders als die anderen. Sie ist eine ganz besondere Person, die besonders viel Wertschätzung verdient hat. Das findet zumindest ...

Bei diesem Buch tue ich mich mit der Bewertung wirklich schwer.
Lillian ist anders als die anderen. Sie ist eine ganz besondere Person, die besonders viel Wertschätzung verdient hat. Das findet zumindest sie selbst. Aber Henry, mit dem sie unbedingt eine feste Beziehung haben will, sieht das leider nicht so. Also muss Lillian zu drastischen Maßnahmen greifen.
Am Anfang ist Lillian, gerade in ihrem Verhalten als Kind, eine Außenseiterin, die eine andere Wahrnehmung hat als andere und gesellschaftliche Regeln nicht versteht. Im weiteren Verlauf der Geschichte ist sie jedoch nur noch eine egoistische Person, bei der Fremd- und Selbstwahrnehmung auseinanderklaffen.
Mit der Zeit fand ich Lillian einfach nur noch nervig und anstrengend. Das fand ich sehr schade, denn es gibt durchaus Möglichkeiten, Antiheldinnen als nachvollziehbare Figuren zu schreiben, auch wenn sie obsessiv und sogar gewalttätig agieren (z. B. Villanelle in der ersten Staffel von „Killing Eve“ oder Cersei in „Das Lied von Eis und Feuer“). Die Handlung war mir zu wenig psychologisch tief, um Lillian Verständnis entgegenzubringen, und zu wenig absurd und eskalativ, um es als Gesellschaftskritik oder Satire lesen zu können.
Gleichzeitig ist es reizvoll, dass eine Person, die sehr unsozial und eigennützig agiert, nicht romantisiert dargestellt wird. Sehr schade finde ich, dass auch die Nebenfiguren blass und teilweise unterbelichtet bleiben. Gerade die Ambivalenz von Nora und die Rolle der Mutter fand ich spannend. Aber beide bekommen gegenüber der haarsträubend naiven Jamie einen viel zu kleinen Raum. Die Auflösung am Ende war sehr plakativ und meiner Meinung nach etwas faul. Ich hätte gerne einen tieferen Erkenntnisprozess der Figuren gelesen oder mehr Subtilität.
Das Buch wird sicherlich seine Fans finden, mein Fall war es leider nicht.

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Veröffentlicht am 19.05.2026

Ein Plädoyer dafür miteinander zu sprechen

Pause
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Nach einem Zusammenbruch wird Hanna von ihren Eltern aus der Notaufnahme abgeholt. Das war eigentlich nur als kurzfristige Lösung gedacht, aber Hanna muss sich mit der Zeit eingestehen, dass sie eine Pause ...

Nach einem Zusammenbruch wird Hanna von ihren Eltern aus der Notaufnahme abgeholt. Das war eigentlich nur als kurzfristige Lösung gedacht, aber Hanna muss sich mit der Zeit eingestehen, dass sie eine Pause von ihrem Leben mit ihrem Freund in Berlin braucht. Und so ist Hanna mit Mitte 30 wieder in ihrem Elternhaus und wieder mit ihrem alten Ich konfrontiert.

Man erfährt nur bruchstückhaft, was Hanna wirklich passiert ist. Das fand ich persönlich gut, denn ihr Versuch, mit dem Geschehenen umzugehen, ist in vielen Punkten universell. Da muss man nicht weiter draufhalten und als Lesende*r bewerten, ob ein Zusammenbruch gerechtfertigt ist, küchenpsychologisch bewerten oder Ähnliches.
Sehr eindrücklich wird dargestellt, wie belastend das Schweigen für alle Beteiligten ist. Man weicht sich gegenseitig aus, hat Schuldgefühle, ist unsicher und hat Ängste, und immer wieder kochen die unterdrückten Emotionen über. Dabei ist Hannas Familie an sich liebevoll, nur eben nicht geschickt im Umgang mit Traumata.
Mir hat gefallen, dass es keinen Zusammenbruch gibt, dem eine langsame Besserung folgt, sondern dass es mal gute und mal schlechte Momente gibt. Es gibt bewegende Gespräche, nervige Streitereien, aber auch viel Alltag, kleine Lichtblicke und Begegnungen mit verständnisvollen Menschen, die viel mehr weiterhelfen als ein Retreat auf Ibiza. Genau so, wie das Leben eben ist.
Die Autorin liest das Hörbuch selbst, was mir sehr gut gefallen hat. Sie moduliert viel mit ihrer Stimme. Sprachlich fand ich es nicht so überzeugend. Als Buch würde es mir sicherlich nicht so gut gefallen. Aber als Hörbuch wirkt es sehr authentisch und echt.
Insofern ist es eine absolute Hörempfehlung für ein Hörbuch, das davon erzählt, wie wichtig es ist, hinzusehen, miteinander zu sprechen und sich Pausen zu gönnen.

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Veröffentlicht am 06.04.2026

typisches Coming-of-Age-Buch

Little Hollywood
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Leo hat gerade ihr Abitur gemacht und möchte eigentlich gern nach Köln zum Studieren. Doch ihr gewalttätiger Vater sucht nach Kontakt mit ihr und da ihre Mutter depressive Schübe hat, kümmert sie sich ...

Leo hat gerade ihr Abitur gemacht und möchte eigentlich gern nach Köln zum Studieren. Doch ihr gewalttätiger Vater sucht nach Kontakt mit ihr und da ihre Mutter depressive Schübe hat, kümmert sie sich zeitweise um ihren kleinen Bruder.

Ihr Hobby sind Filme, die sie in der örtlichen Videothek ausleiht. Dort arbeitet Jo, mit dem sich eine vorsichtige Romanze anbahnt.

Wir begleiten Leo über die Sommerwochen, in denen sie langsam ihren Weg findet. Die Atmosphäre kommt ganz gut rüber. Es gibt Partys und Schwimmausflüge und einen geheimnisvollen love interest. Alles was man eben so in einem sommerlichen Coming-of-Age-Buch erwartet.

Ich bin auch in den 90ern groß geworden und kannte die Referenzen, die gemacht werden, aber komplett gefühlt habe ich es nicht. Die Figuren waren mir nicht interessant genug, gerade über die Nebenfiguren hätte ich gern mehr erfahren und mehr authentische Szenen gehabt.

Ich habe mich sehr an „22 Bahnen“ erinnert gefühlt und fand es nicht ganz so gut, gerade auf der emotionalen Ebene. Fairerweise muss man dazusagen, dass einfach in beiden Büchern dysfunktionale Familien und typische Coming of Age-Themen behandelt werden. Abgeschrieben also sicherlich nicht.

Insgesamt nett, man kann als sich jüngere Person selbst wiederfinden und als ältere Person in Nostalgie schwelgen. Ein schönes Sommerbuch.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Die Strukturen familienbasierter Kriminalität

Die Clans aus al-Rashidiya
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Mahmoud Jaraba ist ein palästinensisch-deutscher Politikwissenschaftler und Ethnograf, der unter anderem zu „familienbasierter Kriminalität” forscht. In diesem Buch möchte er sich dem Thema aus einer ungewohnten ...

Mahmoud Jaraba ist ein palästinensisch-deutscher Politikwissenschaftler und Ethnograf, der unter anderem zu „familienbasierter Kriminalität” forscht. In diesem Buch möchte er sich dem Thema aus einer ungewohnten Perspektive nähern: „von innen heraus“, wie er selbst schreibt. Dazu führt er Interviews mit Personen, die aus al-Rashidiya migriert sind, und schließt daraus auf allgemeingültige Muster. Dabei ist der Autor bemüht, darauf einzugehen, dass nicht die Menschen schlecht sind, sondern dass sie in Umständen leben, in denen eine kriminelle Karriere, wenn nicht die einzige, so doch zumindest eine pragmatische Strategie erscheint, und ein Ausbruch aus dem Familiensystem extrem schwer ist.

Der Autor erklärt sehr einleuchtend, dass die typischen Bilder von Clanstrukturen veraltet sind. man Oft hat beispielsweise das Bild eines mächtigen Patriarchen im Kopf, der alles kontrolliert. Inzwischen ist es durch Social Media und das Heranwachsen einer neuen Generation jedoch zu vielfältigen Brüchen gekommen und die Kontrolle alter Respektspersonen erodiert.
Aufschlussreich war für mich auch die Beleuchtung der Rolle von Frauen in einem stark patriarchalen Familienverband: Sie sind zwar unterworfen, aber dennoch einflussreich.
Der Autor warnt davor, mit veralteten Bildern an die Bekämpfung von Kriminalität heranzugehen. Er zeigt, wie fatal fehlgeschlagene Integration über Generationen hinweg wirkt, und bietet auch Lösungsstrategien an.
Das Buch bietet interessante Einblicke, ist aber zu wenig umfangreich, um das komplexe Thema in Gänze zu fassen. Dafür lässt es sich aber sehr gut lesen.
Gerne hätte ich die Statistiken im Anhang etwas stärker in den Text integriert gesehen. Im Anhang gehen sie etwas verloren.
Insgesamt gut geeignet als Anstoß für weitere und dringend notwendige Diskussionen und auch politische Handlungen.