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Veröffentlicht am 21.12.2025

Wenn die Stille des Nordens tödlich wird

Die Toten, die niemand vermisst
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Zwei Freundinnen wollen eine gute Zeit in Schweden bei einer Wanderung genießen. Eine der beiden stürzt einen Abhang hinunter. Als sie unten ankommt hält sie skeletierte Knochen in der ihrer Hand. Die ...

Zwei Freundinnen wollen eine gute Zeit in Schweden bei einer Wanderung genießen. Eine der beiden stürzt einen Abhang hinunter. Als sie unten ankommt hält sie skeletierte Knochen in der ihrer Hand. Die Polizei findet sechs Leichen, darunter zwei Kinder. Alle per Kopfschuss getötet und nebeneinader vergraben.
Stockholm wird um Verstärkung gebeten, und Kommissar Höglund reist mit großem Tross in die Provinz. Doch die Ermittlungen stehen unter keinem guten Stern. Den Kriminalpsychologen Sebastian Bergman plagen private Probleme, Spannungen belasten das ganze Team. Und auch der Fall entpuppt sich als kompliziert. Die Identität der Toten gibt Rätsel auf, niemand vermisst sie.

Als Höglund und Bergman endlich auf eine brauchbare Spur stoßen, schaltet sich der schwedische Geheimdienst ein...

Dies ist der dritte Fall der Krimi-Reihe - "Ein Fall für Sebastian Bergmann" - doch für mich war es das erste Buch dieser Reihe und von Hjorth & Rosenfeldt. Was mir jetzt Lust auf mehr macht.
Denn es war spannend, flüssig, temporeich und fesselnd.
Es gibt einige verschiedene Handlungsstränge, darunter auch viel über das Privatleben der einzelnen Polizisten. Was aber dem Buch und der Geschichte keinen Abbruch tut.
Sebastian Bergmann ist ein Egoist, Denkt und Handelt in erster Linie nur für sich selber und seinen eigenen Vorteil. Doch da gibt es Vanja, eine Person die ihm wohl wichtig ist, aber nicht wichtig genug um sie ihre eigenen Entscheidungen treffen zu lassen. Sondern sich in ihr Leben und ihre Zukunft einzumischen.
Zwei vor Jahren verschwundene Afghanen, die keiner wirklich sucht, außer einer Ehefrau der beiden Männer. Sie lässt einfach nicht locker und wendet sich schlussendlich an einen Fernsehsender.
Am Ende fügen sich alle Fäden zusammen die so im Laufe des Buches gesponnen wurden. Alles ergibt Sinn und zum Ende hin wird der Spannungsbogen nochmal angezogen.
Das Buch endet mit:
...Im Treppenhaus war es vollkommen dunkel. Hatte der Besucher dort draußen etwa das Licht nicht eingeschaltet?
Ellinor sah das stecknadelkleine Licht verschwinden, als sich ein Auge von innen vor den Spion schob. Sie setzte die Glock an die gewölbte Linse und drückte ab.

Ich mag es, wenn der Leser angelockt wird, sich gedanklich auf eine Reise des weiteren Bandes zu machen.
Ich bin auf jeden Fall angefixt und würde gerne noch mehr von diesem Schriftsteller Duo lesen.



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Veröffentlicht am 21.12.2025

„Weihnachten, Liebe, Wallaby … aber irgendwas fehlt.“

Weihnachten mit Tony
2

Weihnachten mit Tony – nimmt einen kurz vor Weihnachten mit ins verschneite Schottland. Es geht um eine schmerzhafte Jugendliebe, Familienkrisen und eine Tierschutzaktion.
Die Geschichte beginnt in einem ...

Weihnachten mit Tony – nimmt einen kurz vor Weihnachten mit ins verschneite Schottland. Es geht um eine schmerzhafte Jugendliebe, Familienkrisen und eine Tierschutzaktion.
Die Geschichte beginnt in einem Flugzeug.
Carrie ist vor einigen Jahren, nach der Trennung von Marc, nach Australien ausgewandert. Doch jetzt scheint ihr Vater ihre Unterstützung bei der Rettung der Rotnackenwallabys zu benötigen, aber da scheint noch was anderes mit ihrem Vater zu sein.
Sue Ann, ihre Schwester hat ihr nichts weiter mitgeteilt, außer das ihr Vater in letzter Zeit häufiger beim Arzt war. Zwischen den Geschwistern gibts es seit der Auswanderung leider viel zu wenig Kontakt, wodurch das Verhältnis angespannt ist.
Im Flugzeug trifft Carrie das Ehepaar Stacey und Morris Dormond, die für jede Menge turbulenzen sorgen. Ganz besonders Stacey sorgt für viel Aufregung und gezicke.
Kaum in ihrer Heimat angekommen, findet Carrie heraus, das dieses Ehepaar die Insel und somit die Heimat der Wallabys gekauft hat und ein Luxushotel dort errichten wollen. Doch dann muss Carrie feststellen, das kein geringer als Marc, ihre Ex-Jugendliebe, der Architekt der Dormonds ist und mit ihnen das Hotelprojekt verwirklichen möchte. Da Carrie selber oft sehr unüberlegt, überstürtzt und sehr naiv handelt, kommt es unweigerlich zu einigen Zwischenfällen.

Grundsätzlich viele gute Vorlagen, die meiner Meinung nach auch viel Potenzial für Emotionen, Spannung, Witz und Konflikte hätten und somit die Geschichte so richtig „knackig“ machen könnten. Doch leider hat sich dies für mich nicht Bewahrheitet. Ich wurde leider enttäuscht.
Das weihnachtliche Gefühl, den der Titel aufs erste vermittelt, blieb bis auf ein verschneites Schottland und einen sehr kurzen Ausflug auf den Weihnachtsmarkt, völlig im Hintergrund und für mich unerfüllt. Tony, eines der Wallabys, das Carrie wirklich ans Herz gewachsen ist, nimmt auch nur eine kleine Nebenrolle ein, obwohl man mit einer Hauptrolle rechnet.
Der Witz der einem in den ersten Kapiteln entgegen schlägt, blieb nach kurzem, leider völlig auf der Strecke. Emotionen sind bei mir mehr oder weniger nur durch das gezicke von dieser sehr unangenehmen Stacey und das „unreife“ Verhalten von Carrie in Aufruhr geraden, aber nicht weil mich die Geschichte Emotional angefasst hat. Schade. Ich hatte mir etwas mehr von dem Weihnachtsroman erhofft.

Es liest sich sehr leicht, es plätschert so dahin, aber ich würde dieses Buch weder weiterempfehlen, noch als Weihnachstroman bezeichnen.
Die ganze Handlung zum Thema Naturschutz und Aktivismus wird in dem Buch sehr gut beschrieben.
Ganz niedlich fand ich am Ende des Buches, die Schottischen Weihnachts Rezepte und das Nachwort bzw. Hintergrundwissen zu den wirklich auf der Insel lebenten Wallabys.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Isolation, Naturgewalten, Meer, Einsamkeit, Trauer und ein ungelöstes Verschwinden

Die Leuchtturmwärter
0

In der Silvesternacht 1972 verschwinden 3 Leuchtturmwärter auf mysteriöse Weise.
Ein Leuchtturm der mitten im Meer auf einem ziemlich kleinen Felsen steht.
Der Turm ist von innen verschlossen, der Tisch ...

In der Silvesternacht 1972 verschwinden 3 Leuchtturmwärter auf mysteriöse Weise.
Ein Leuchtturm der mitten im Meer auf einem ziemlich kleinen Felsen steht.
Der Turm ist von innen verschlossen, der Tisch gedeckt, die Uhren stehen, aber die Männer sind weg, und nur ihre drei Frauen bleiben auf dem Festland zurück, die mit diesem Rätsel ihr Leben lang kämpfen und schließlich einem Autor ihre Geschichte erzählen, die tief in Geheimnisse und Lügen eintaucht.
Die Idee zu diesem Buch beruht auf einer wahren Begebenheit. Im Dezember 1900 verschwanden die drei Leutturmwärter James Ducat, Thomas Marshall und Donald Mc Arthur spurlos vom Leuchtturm auf der Insel Eilean Mor in Schottland. Ein Fall, der bis heute ein ungelöstes Mysterium ist und zahlreiche Spekulationen, sowie künstlerische Interpretationen (wie diesen Roman von Emma Stonex) hervorgerufen hat.

20 Jahre nach dem Vorfall macht sich ein Journalist auf und sucht die drei zurückgebliebene Frauen auf. 20 Jahre in denen die Frauen allein waren, mit sich und ihren Fragen. Ihren Ängsten, ihrer Trauer, ihrer Hoffnung, ihren Konflikten. Eigentlich sollte man denken die Hinterbliebenen seinen sich gegenseitig eine Stütze. Aber, Nein. Jede von ihnen "kämpft" allein.
Im Rückblick erfährt man sehr viel über die Männer. Ihr Leben, ihre Ängste, Sorgen und Entbehrungen. Über das gemeinsame Leben und Arbeiten auf engsten Raum. Das nur funktionieren kann, wenn sich alle an Regeln und ihre Aufgaben halten. Dazu kommt noch die Natur. Eine Gewalt, die von uns Menschen einfach nicht beherrschbar ist und der wir gandenlos ausgesetzt sind.
Der Roman handelt viel von Einsamkeit, Schuld, Gewissen, Ängsten, Konflikten und Trauer. Es ist ein sehr intensiver Roman.
In dem die Autorin durch und mit ihrem Schreibstil den Leser auf eine Reise, von Spannung und den Bezug zu den Personen, mitnimmt.

Ich habe dieses Buch förmlich verschlungen und wirklich geliebt. Ich habe es an entsprechender Kulisse - mit direktem Blick aufs Meer, einer steifen Brise, salziger Luft und Möwen gekreische - "aufgesaugt".
Mich hat dieses Buch sehr bewegt und auch heute (sehr, sehr viele Monate) nachdem ich es gelesen habe, denke ich immer mal wieder daran. Es hat mich ein Stück erfürchtig gemacht und lässt mich dankbar für unseren heutigen "Luxus" sein. Die Charaktere, die Zeit und die Lebensweise der beschriebenen Personen, haben mich beeindruckt und mich, sowie meine Wertschätzung vielen Dingen gegenüber, bestärkt und mich (noch) mehr Bescheidenheit gelehrt.
Von mir eine ganz klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 02.12.2025

Ein *VERRAT* den niemand sah - Packend! Emotional,! Aufwühlend!

Safe Space
5

Sarah Bestgen, eine noch ziemlich unbekannte Autorin, hat mit ihrem zweiten Buch – Safe Space – einen originellen und spannenden Thriller geschrieben, der auch gut als Psychothriller durchgehen könnte.

Aus ...

Sarah Bestgen, eine noch ziemlich unbekannte Autorin, hat mit ihrem zweiten Buch – Safe Space – einen originellen und spannenden Thriller geschrieben, der auch gut als Psychothriller durchgehen könnte.

Aus dem Buch:
Manchmal ist ein VERRAT so unglaublich und unbarmherzig, das du ihn nicht erkennen willst – nicht einmal in dem Moment, in dem er DICH TÖTET.
Ich bin einer dieser Menschen, die ein solchen Verrat erfahren haben.
Ich bin einer dieser Menschen, die DOPPELT STERBEN.
Denn der TOD frisst nicht nur meine ZUKUNFT, wie Tode es nun einmal tun, sondern auch meine VERGANGENHEIT.
Er frisst mein Leben rückwirkend und jede Wahrheit, die je darin bestanden hat…


Anna Salomon, eine junge und sehr engaierte Psychologin, die ihr Studium, mit dem Schwerpunkt Recht und Forensik, als Jahrgangsbeste abgeschlossen hat, fängt ihre neue Anstellung in einem Hochsicherheitsgefängnis in der Nähe von Köln an. Dort soll sie die sozialtherapeutische Abteilung tatkräftig untersützen und eine Gruppe Schwerstverbrecher die die abscheulichsten Taten begangen haben, im besten Fall rehabilitieren. Doch Anna birgt ein Geheimnis – und behält ihre wahren Gründe, warum sie sich genau in dieser JVA beworben hat für sich. Auf der Suche nach Antworten und wie sie für sich hofft, auf Heilung, entwickelt sich alles anders. Jemand kennt ihr Geheimnis und schnell wird Anna vom Jäger zur gejagten.
Anna hat eine Schwester – Sina, die vermutlich getötet wurde. Man hat nie eine Leiche gefunden, aber die Blutmenge spricht ganz klar für ein Verbrechen. Es gibt keine Spur vom Täter und auch andere Personen die mit Sina in Kontakt standen, sind nicht auffindbar. Doch Anna glaubt, eine Person die ihre Schwester kannte in der JVA zu finden und so mehr über die Tat oder ihre verschwunde Schwester erfahren zu können.
Sina hat Tagebuch geführt und dadurch hat man einen Einblick in ihr Leben und das der Personen die Sina Nahe standen. Es ist von Anfang bis zum Ende sehr Emotional und geht einem unter die Haut. Man fühlt mit, man spürt die Demütigungen und Verletzlichkeit. Gegebenheiten aus einer Haftanstalt werden einem sehr anschaulich gemacht, ganz besonders das Katz und Maus-Spiel der Inhaftierten untereinander wie dem Personal gegenüber. Anna ist der Psyche, der Manipulation und der Provogation, zwischen ihr und den Häftlinge stark ausgesetzt. Wird sie dem und allen Anforderungen stand halten? Aber viel wichtiger – wird sie das finden wonach sie sucht? Ist sie sich darüber bewußt, was sie riskiert?

Die Geschichte spielt in unterschiedlichen Zeitzonen. Sina und das Tagebuch sind in der Vergangeheitsform gehalten und alles was Anna und ihre Arbeit betrifft in der Gegenwart. Es ergibt allles einen Sinn und ist gut verständlich und nachvollziehbar, bzw. die Autorin Sarah Bestgen vermittelt einem ständig, man wüßte genau bescheid und knüpft auch schnell zusammenhänge und Tatverdächtige
Mich hat der Schreibstil von Sarah Bestgen total in seinen Bann gezogen. Sie schreibt so Detailiert, Realistisch, Bildlich und Emotional, daß man das Gefühl hat, direkt dabei zu sein. Gefühle wie Wut, Angst, Trauer, Mitgefühl packen einen total. Die Schilderungen von Leon und den Misshandlungen durch seinen Vater, dass im Stich lassen durch seine Mutter, gingen mir total unter die Haut. Die Autorin spielt mit den Gedanken des Lesers und hält durchweg den Spannungsbogen in der Geschichte. Man denkt man weiß, wer der Täter, oder die Täter sind und welche Rolle alle Charaktäre spielen, wird aber immer wieder eines besseren belehrt.
Durch sehr gelungene Perspektivwechsel, dem Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, hält sie die Neugier und Anspannung auf einem konstant hohem Level. Ständig werden die Vermutungen, die man als Leser aufstellt, einfach weggewischt und durch neu aufkommende Fragen ersetzt. Erst auf den letzten Seiten lässt die Aurotin die Leserschaft hinter den Vorhang blicken und löst alle offene Fragen auf.
Ich habe dieses Buch in einer Leserunde mit 45 Teilnehmern gelesen und wir haben alle sehr intensiv und ausgelassen über dieses Buch diskutiert. Bei rund 40 Personen kam das Buch sehr gut an.
Ein oder zwei Szenen, wie die Ermittlungen, oder warum Leon als Erwachsener gemeinsame Sache mit seinem Vater macht, hätte ich gerne genauer aufgeklärt gehabt. Aber ich habe dieses Buch sehr gemocht und total gern gelesen. Ich habe es quasi – gesuchtet - es fiel mir echt schwer es aus der Hand zu legen.
Für mich war es das erste Buch von Sarah Bestgen.
Doch - nach wenigen Seiten war für mich klar, ich möchte unbedingt ihr erstes Buch - Happy End lesen und gerne noch viele folgende Bücher dieser Art.
Wer Thriller und Psycho gerne liest, ist hier genau richtig – ganz klare Leseempfehlung.
Vielen Dank für so ein gelungenes Buch.


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