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Veröffentlicht am 01.11.2017

Ein Plädoyer für`s Briefeschreiben

Der schönste Grund, Briefe zu schreiben
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"Wer braucht denn noch Briefträger in einer Welt, in der keine Briefe mehr geschrieben werden?" fragt die Briefträgerin Sara zu Beginn des Buches. Und das haben sich offenbar auch ihre Vorgesetzten gefragt, ...

"Wer braucht denn noch Briefträger in einer Welt, in der keine Briefe mehr geschrieben werden?" fragt die Briefträgerin Sara zu Beginn des Buches. Und das haben sich offenbar auch ihre Vorgesetzten gefragt, denn Sara soll von ihrem Heimatdorf Porvenir, in dem sie mit ihren 3 Kindern lebt, nach Madrid versetzt werden und die Postfiliale in Porvenir geschlossen werden. Saras Nachbarin, die 80-jährige Rosa, möchte das verhindern und startet eine Briefkette, damit wieder mehr Briefe geschrieben werden und Sara bleiben kann. Sara ahnt nichts von der Initiative und berichtet ihrem Chatfreund verwundert, über die neuerdings gehäuft zuzustellenden Briefe. Und während die Briefkette Schicksale und Leidenschaften der Dorfbewohner enthüllt, entflammt zwischen Sara und ihrem Chatfreund allmählich auch eine Leidenschaft...

Ich bin über das Buch sozusagen gestolpert, als ich auf der Suche nach neuer Lektüre in der Buchhandlung war. Der Titel ließ mich aufmerken, auch wenn ich ihn etwas holprig fand und ich im Nachhinein sagen muss, dass ich ihn unpassend finde. Als ich dann die Überschrift des Klappentextes auf der Rückseite las, "Niemals wird eine Träne eine E-Mail verwischen", war mein Interesse als Briefenthusiast endgültig geweckt. Und die Idee der Briefkette gefiel mir. Auch wenn mir nach dem Kauf auffiel, eigentlich habe ich gar keine richtige Idee, was mich bei dem Buch erwartet.

Das Buch wird aus wechslenden Perspektiven erzählt, zu Beginn immer aus der des aktuellen Briefeschreibers. Zunächst erfährt man immer was über den Empfänger des Briefes und wie er den Brief bekommt, dann folgt der nächtste Brief. Dabei bekommt man auf bewegende Art das Schicksal der Menschen im Ort geschildert und fühlt sich ihnen sehr nahe, so dass es dann sehr bedauerlich ist, zum nächsten überzugehen und die Menschen nicht weiter zu verfolgen. Zunächst wirkt es, als ginge es immer so weiter und das wurde mir fast ein bisschen langweilig. Dann jedoch treten die Briefeschreiber zunehmend in Beziehung und man erfährt, wie es weitergeht und wie sich alles fügt.
Die Charaktere sind sehr lebensecht und nachvollziehbar dargestellt und man kann sich als Leser gut mit ihnen identifizieren. Man kann sich gut vorstellen, dass es diese Personen wirklich gibt in diesem Dörfchen in Spaniens Bergen. Und es ist schön, ein Stück ihres Weges mit ihnen zu gehen. Die Handlung birgt keine großen Dramen, sondern vor allem Alltagsprobleme sowie schöne Momente "normaler" Leute. Dadurch fühlt man sich wie "dabei", nicht als bloßer Beobachter. Viele Kapitel beginnen mit einem Zitat oder Gedicht, teilweise findet man sie auch im Text. Das ist einerseits sehr bereichernd (schließlich verspricht der Klappentext ja auch einen Roman über den Zauber der Worte), andererseits war es mir manchmal ein bisschen zuviel und störte mich im Lesefluss. Aber das ist sicher Geschmacksfrage.

Alles in allem ist "Der schönste Grund, Briefe zu schreiben" eine sympatische Geschichte über Poesie, Freundschaft, Liebe und menschliche Schicksale, die ich gern gelesen habe und auch weiter empfehlen kann. Die Idee dahinter finde ich ganz originell. Und auf alle Fälle macht es unheimliche Lust, selbst gleich wieder Briefe zu schreiben. Ein absolutes Muss auf der Bücherliste ist es aber nicht.

Veröffentlicht am 23.10.2017

Absolut mitreißend und überzeugend- Achtung Suchtgefahr!

Berühre mich. Nicht.
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"Berühre mich.Nicht" ist der erste New Adult-Roman der Autorin Laura Kneidl. Es erzählt die Geschichte von Sage, die ihrem Elternhaus, insbesondere ihrem Stiefvater, entflieht und ein Psychologiestudium ...

"Berühre mich.Nicht" ist der erste New Adult-Roman der Autorin Laura Kneidl. Es erzählt die Geschichte von Sage, die ihrem Elternhaus, insbesondere ihrem Stiefvater, entflieht und ein Psychologiestudium in Melview beginnt. Die Voraussetzungen, unter denen sie startet, sind denkbar schlecht, sie hat kein Geld, keine Wohnung und keine Unterstützung. Und sie leidet unter schrecklichen Panikattacken und Angst vor Männern. Zu Semesterbeginn lernt sie April kennen, mit der sie sich anfreundet und die sie unterstützt. Sie findet einen Job in einer Bibliothek, wo zu ihrem Entsetzen auch Luca arbeitet. Was ihr anfangs große Angst macht, entwickelt sich langsam zu einer vorsichtigen Liebesgeschichte, der jedoch immer wieder Sages Panikattacken im Weg stehen.

Laura Kneidl schafft eine wunderbare Atmosphäre im Buch und absolut überzeugende Hauptfiguren, mit denen man gut mitgehen und -fühlen kann. Dabei sind die Höhen und Tiefen der Emotionen mitreißend und absolut realistisch dargestellt. Der Schreibstil ist flüssig, die Geschichte herzerwärmend. Der Titel des Buches ist brillant gewählt! Der Roman hat absolten Suchtfaktor, ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen und warte nun voller Ungeduld auf Teil 2.

Ich fand es toll, Sage, und schließlich auch Luca, auf ihrem Weg zu begleiten. Beide, vor allem aber Sage macht im Lauf der Geschichte eine beeindruckende Entwicklung. Trotz ihrer Erlebnisse in der Vergangenheit und zahlreicher Schwierigkeiten und Rückschläge lässt sie sich nicht unterkriegen und kämpft, um ihre Dämonen zu besiegen. Dafür kann man sie nur bewundern!

Alles in allem kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen, ich fand es rundum gelungen. So begeistert hat mich schon lange kein Buch mehr!

  • Cover
  • Dramaturgie
  • Figuren
  • Gefühl
  • Geschichte
Veröffentlicht am 22.10.2017

Spannung pur

Und dann gab's keines mehr
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10 Personen werden unter unterschiedlichen Vorwänden auf eine einsame Insel eingeladen. Alle haben einen dunklen Fleck in ihrer Vergangenheit. Keiner weiß genau, wer sie einlädt. Aber alle haben einen ...

10 Personen werden unter unterschiedlichen Vorwänden auf eine einsame Insel eingeladen. Alle haben einen dunklen Fleck in ihrer Vergangenheit. Keiner weiß genau, wer sie einlädt. Aber alle haben einen Grund, der Einladung nachzukommen. Zunächst ist kein Gastgeber anwesend, am Klavier steht jedoch das Gedicht "zehn kleine Negerlein". Am Abend der Ankunft meldet sich der Gastgeber mit einer Tonaufnahme bei seinen Gästen. Und dann stirbt einer nach dem anderen unter mysteriösen Umständen, wie es in dem Gedicht steht...

Ursprünglich hieß das Buch wohl "10 kleine Negerlein", wurde dann jedoch aus Gründen der Political Correctness umbenannt in "Und dann gab's keines mehr..." Hintergrund ist das Kinderlied "10 kleine Negerlein".

Ich war im Urlaub und mir ging der Lesestoff aus, und so machte ich mich ans Stöbern in einer Buchhandlung, dabei stieß ich auf dieses Buch. Und habe es binnen kürzester Zeit gelesen. Agatha Christie versteht es, Spannung aufzubauen, ohne dass man sich zu sehr gruseln muss, wobei hier die Spannung meiner Ansicht nach mehr als in anderen Büchern war. Ich habe verzweifelt versucht, dahinter zu kommen, wer der Mörder ist, aber, typisch Agatha Christie, lag ich stets daneben. Einer der von mir Verdächtigten nach dem Anderen starb. Und bis zum Schluss konnte ich das Rätsel nicht lösen. Dennoch ist das Buch anders als andere der Krimi-Queen, auch das Ende, aber ich will hier nicht zu viel verraten. Ich kann nur soviel sagen: lest das Buch, ich kann es nur wärmstens empfehlen!
Und die Verfilmung kann dem Buch nicht das Wasser reichen, zumal hier das Ende geändert wurde...

Veröffentlicht am 18.10.2017

So nah und doch so fern

Die Landkarte der Liebe
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"Die Landkarte der Liebe " von Lucy Clarke ist deren erster Roman. Sie schreibt über 2 Schwestern, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten. Mia, die jüngere der Beiden, geht mit ...

"Die Landkarte der Liebe " von Lucy Clarke ist deren erster Roman. Sie schreibt über 2 Schwestern, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten. Mia, die jüngere der Beiden, geht mit einem Freund auf Weltreise, während Katie, die Ältere in London ihrem Job nachgeht und sich auf ihre Hochzeit vorbereitet. Ein Anruf in der Nacht verändert alles: Mia ist tot! In Bali von einer Klippe gestürzt. Alles was Katie bleibt, ist Mias Tagebuch. Anhand dessen macht sich Katie auf den Weg, Mia und ihren Tod zu verstehen und reist die Stationen von Mias Reise nach.

Die Geschichte ist wechselnd aus Katies und Mias (ein Jahr zuvor) Sicht geschrieben, wodurch man die Wahrnehmung beider Schwestern nachempfinden kann. Gleichzeitig entwickelt sich dabei die Geschichte aber immer weiter und man erhält als Leser neue Informationen. Das finde ich sehr geschickt gelöst und gut zu lesen, weil man sich als Leser nicht mühsam an einen Zeit-und Raumsprung gewöhnen muss (obwohl es den ja gibt), sondern man kann flüssig weiterlesen und -denken. So konnte ich das Buch auch recht schell lesen.

Die Geschichte an sich fand ich zwar nicht so fesselnd und manchmal etwas konstruiert, aber die Charaktere sind sehr überzeugend und sympathisch. Insgesamt bedienen sie zwar etwas Klischees, aber in erträglichem Maß,vielleicht auch weil die Geschichte immer wieder außergewöhnlich ist. Beide Schwestern haben ihre Ecken und Kanten,aber auch ihre liebenswerten Seiten. Katie, die strebsame, korrekte ältere Schwester, die manchmal etwas überbehütend Mia gegenüber ist und Mia, die sorglose und flippige,die nichts auf die Reihe bringt. Und dennoch sind sie sich tief verbunden
Auch die Nebencharaktere sind gut dargestellt, und wer möchte nicht einen Freund wie Finn haben? !

Ich fand die Geschichte unterhaltsam und rührend, an manchen Stellen sehr traurig, manchmal nah am Kitsch, aber immer so, dass sie die Kurve noch gekriegt hat. Die Höhen und Tiefen der Geschwisterbeziehung sind toll und überzeugend dargestellt. Das Ende war zwar nicht ganz so, wie ich es mir gewünscht hätte, aber auch das war stimmig. Durch den Hintergrund der Reise um die Welt kamen bei mir auch Fernweh und Lust auf Abenteuer auf, was ich durchaus bereichernd fand. Insgesamt kann ich das Buch weiterempfehlen!

Veröffentlicht am 20.09.2017

Die Relativität der Realität

Veronika beschließt zu sterben
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"Veronika beschließt zu sterben" von Paulo Coelho erzählt die Geschichte einer jungen Selbstmöderin, die zu ihrem großen Unglück überlebt und erst in der Psychiatrie, den Tod vor Augen, entdeckt, was wichtig ...

"Veronika beschließt zu sterben" von Paulo Coelho erzählt die Geschichte einer jungen Selbstmöderin, die zu ihrem großen Unglück überlebt und erst in der Psychiatrie, den Tod vor Augen, entdeckt, was wichtig ist im Leben , und wie schön das Leben sein kann, wenn man mal etwas riskiert.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, neben Veronikas bekommen wir auch die Geschichten anderer Insassen der Psychiatrie "Villette" sowie des Psychiaters Dr. Igor erzählt von einem "allwissenden" Erzähler, der uns auch die Gedanken und das Innenleben der jeweiligen Hauptperson darstellt.

Dabei geht es um die Bitterkeit, die sich in die Leben der Menschen einschleicht, bis sie nicht mehr können, man sieht aber auch wie schmal der Grat zwischen "normal" und "verrückt" ist bzw. dass es oft auch eine Frage der Perspektive ist. Immer wieder stellt sich die Frage, was ist Realität und was ist nun verrückt, was normal. Dadurch bekommt die Geschichte etwas durchaus auch gesellschaftkritisches.

Die Geschichte spielt in Slowenien, das frisch unabhängig ist nach dem jugoslawischen Bürgerkrieg. Paulo Coelhos Heimat Brasilien spielt nur eine kleine Rolle im Buch.

Mir gefiel der Titel des Buches, ich war sehr neugierig, wie Veronika entdeckt, dass das Leben schön ist. Ich hab dann etwas gebraucht, um in das Buch reinzufinden und es dann flüssig lesen zu können. Ich hatte vorher noch nichts von dem Autor gelesen, aber viel Positives gehört. Der Schreibstil hat mir gefallen, er war überwiegend recht einfach, jedoch manche fast philosophisch anmutende Passage musste ich erst mal genauer durchdenken.
Die Perspektivwechsel kamen zu Beginn für mich immer erst mal etwas abrupt und so kam ich irgendwie immer aus dem Haupthandlungsstrang raus, weshalb mir insgesamt die Lektüre des Buchs etwas holprig vorkam.
Das Buch war auf jeden Fall anders als die, die ich sonst so lese, es hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Es ist voll interessanter Überlegungen zum Leben und intelligenter Ideen zum Thema Normalität ud Realität, aber absolut mitgerissen hat es mich nicht. Auch fiel mir die Identifikation mit der Hauptperson sehr schwer.

Als Fazit würde ich sagen, ein lesenswertes Buch, aber kein absolutes Muss.