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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.11.2017

Spannende Unterhaltung aus einer anderen Zeit

Das Haus an der Düne
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Hercule Poirot ist mit seinem Freund Hastings im Urlaub am Meer. Mit der Erholung ist es vorbei, als eine Kugel an Ihnen vorbeizischt und sie die junge Nick kennenlernen. Auf diese wurden bereits drei ...

Hercule Poirot ist mit seinem Freund Hastings im Urlaub am Meer. Mit der Erholung ist es vorbei, als eine Kugel an Ihnen vorbeizischt und sie die junge Nick kennenlernen. Auf diese wurden bereits drei Mordanschläge verübt. Poirot macht es sich zur Aufgabe, sie vor dem Mörder zu bewahren. Aber er ist nicht schell genug. Beim vierten Versuch stirbt Nicks Cousine Maggie. Und nun gilt es nicht nur, Nick vor dem Mörder zu bewahren, sondern auch aufzuklären, wer Maggie erschossen hat. Poirot lässt sich lange an der Nase herumführen, bevor er in gewohnter Brillanz den Fall löst...

Ich habe das Buch bereits zum zweiten Mal gelesen (in einer anderen Übersetzung jedoch) und dennoch konnte ich den Fall nicht ohne Poirot lösen. Agatha Christie hat sich mal wieder einen verworrenen Mordfall für ihren Meisterdetektiv ausgedacht und dennoch macht die Auflösung am Schluss Sinn. In brillanter Manier erschafft die Queen of Crime stimmige Figuren, die unsere Nachbarn sein könnten, und konstruiert um sie herum ein Mordkomplott, das seines Gleichen sucht. Dabei schafft sie Spannung ohne übertriebene Brutalität. Obwohl die Geschichten aus einer mittlerweile doch recht lang vergangenen Zeit stammen, lesen sie sich nachvollziehbar, wenn auch die Technik, die den Ermittlungsbehörden zur Verfügung steht antiquiert wirkt. Und die Sprache ist toll, ruft längst vergessene Ausdrücke in Erinnerung.

Das Buch "Das Haus an der Düne" wird nicht mein Lieblingskrimi von Agatha Christie, aber ich kann es absolut weiterempfehlen!

Veröffentlicht am 14.11.2017

Ein süffig-schmackhaftes Vergnügen -ohne Kater und Hüftspeck

Ein Weinberg zum Verlieben
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Rose verliert alles an einem Tag : ihren Job, ihren Freund und ihr Zuhause. Um sie aus ihrem Trauerkloßzustand raus zu holen, schickt sie ihr Bruder Henry auf ein Weingut in Australien. Dort tritt Rose ...

Rose verliert alles an einem Tag : ihren Job, ihren Freund und ihr Zuhause. Um sie aus ihrem Trauerkloßzustand raus zu holen, schickt sie ihr Bruder Henry auf ein Weingut in Australien. Dort tritt Rose eine Stelle als Haushälterin im Shingley Valley irgendwo im Nirgendwo an. Sie freundet sich mit dem Kindermädchen an und schließt die Kinder des Hauses ins Herzen.Und auch der ruppige Gutsbesitzer legt allmählich seine raue Schale ab. Nur dann taucht dessen Frau wieder auf...

Ich habe das Buch geschenkt bekommen. Ob ich es selbst gekauft hätte, weiß ich nicht. Der Titel ist ziemlich platt, das Cover hingegen hätte mich sicher angesprochen. Ich hab lange gezögert, anzufangen, da ich es für eine recht vorhersehbare Geschichte gehalten habe. War es letztendlich auch, aber dennoch recht erbaulich und mitreißend. Ich hab das Buch an 2 Abenden gelesen, konnte es kaum weglegen. Es tauchten immer wieder überraschende Hindernisse auf, die sich dann aber erstaunlich einfach wieder lösen, ein Roman ist halt nicht das echte Leben. Der zentrale Konflikt der Hauptfigur Rose löst sich schließlich quasi in Luft auf, aber ja, es ist Fiktion.
Die Figuren sind gut charakterisiert, man kann mit ihnen,vor allem aber mit Rose, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt ist, gut mitleiden und -hoffen,auch wenn sie an manchen Stellen sehr stereotyp bleiben.

Alles in allem ist "Ein Weinberg zum Verlieben" eine unterhaltsame Liebesgeschichte ohne viel Tiefgang, die sich gut zum Zwischendurchlesen eignet.

Veröffentlicht am 11.11.2017

Während Poirot schläft...

Tod in den Wolken
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... wird an Bord des Flugzeugs Prometheus auf dem Flug von Paris nach London eine Frau ermordet. Und Hercule Poirot bekommt nichts mit, weil er unter Luftkrankheit leidet. Kurzfristig wird er sogar für ...

... wird an Bord des Flugzeugs Prometheus auf dem Flug von Paris nach London eine Frau ermordet. Und Hercule Poirot bekommt nichts mit, weil er unter Luftkrankheit leidet. Kurzfristig wird er sogar für den Mörder gehalten! Da bleibt ihm natürlich nichts anderes übrig als den wahren Mörder zu finden. Keiner an Bord will die Tote gekannt haben, keiner versteht, wie man unbemerkt in einem Flugzeug einen Giftpfeil via Blasrohr schießen kann. Und niemand hat es gesehen. Zusammen mit seinem alten Bekannten Inspektor Japp und dessen französischem Kollegen ermittelt Poirot international...

In typischer Agatha Christie -Manier wird hier sehr detailliert von den Ereignissen und den Umständen der Personen berichtet und als Leser verliert man leicht den Überblick über die vielen Kleinigkeiten, die am Ende entscheidend sind, so dass man schließlich nur bewundernd in Poirots Eigenlob einstimmen kann.

Die Autorin setzt auf Raffinesse statt blutrünstige Effekte, so dass der Krimi spannend, jedoch ohne Angst vor Albträumen zu lesen ist und durchaus unterhält. Sehr interessant finde ich auch den Einblick in die Gesellschaft zu Agatha Christies Zeit mit einer teilweise befremdlichen Langsamkeit und dann doch wieder erstaunlichen Möglichkeiten. Auffallend fand ich hier die Bedeutung des Rauchens und der Tabakwaren. ..

Alles in allem ist Tod über den Wolken ein unterhaltsamer, aushaltbarer Krimi,den es sich zu lesen lohnt.

Veröffentlicht am 04.11.2017

Mord verjährt nicht

Das unvollendete Bildnis
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Carla Lemarchant bittet den Meisterdetektiv Hercule Poirot um Hilfe. Vor 16 Jahren wurde ihr Vater Amyas Crale, ein berühmter Maler, ermordet. Ihre Mutter wurde damals wegen Mordes verurteilt und starb ...

Carla Lemarchant bittet den Meisterdetektiv Hercule Poirot um Hilfe. Vor 16 Jahren wurde ihr Vater Amyas Crale, ein berühmter Maler, ermordet. Ihre Mutter wurde damals wegen Mordes verurteilt und starb im Gefängnis. Carla wuchs deshalb in Kanada bei Verwandten auf. Nun ist sie volljährig und möchte heiraten. Und erhält einen Brief von ihrer Mutter, in dem diese ihre Unschuld beteuert. Wer war der Mörder von Amyas Crale?! Hercule Poirot macht sich auf, es herauszufínden...

Die Geschichte setzt sich aus 3 Büchern zusammen. Im ersten sucht Poirot die 5 damals beteiligten und damit verdächtigen Personen auf und befragt sie, im zweiten legen die fünf, wie von ihm erbeten, schriftlich ihre Erinnerungen an die Umstände dar und im dritten Teil zieht Poirot die Schlussfolgerungen daraus und klärt den Mord auf.
Bei genauerer Betrachtung hätte eigentlich jeder der damals Beteiligten irgendeinen Grund, Amyas ermordet zu haben und eigentlich würde man es allen zutrauen. Agatha Christie versteht es in der ihr eigenen Art Charaktere zu erschaffen, die einerseits wie normale Menschen aus der damaligen englischen Gesellschaft wirken, dennoch aber würde man ihnen einen Mord zutrauen. Die Queen of Crime führt uns dadurch vor Augen, dass jede menschliche Seele auch Potential zum Abgrund hat, wie nah gut und böse zusammenliegen.
Ohne Brutalität und Knallereffekt schafft Agatha Christie es für Spannung zu sorgen und wie üblich bei ihren Krimis ist es quasi unmöglich, selbst den Mörder zu finden, die Auflösung Poirots ist genial, wenn auch absolut nachvollziehbar. Man muss auf die Details achten!
Ich kann "Das unvollendete Bildnis" absolut weiterempfehlen, allen, die gern Krimis mit Qualität und Spannung ohne den absoluten Nervenkitzel uns Schockeffekten mögen!

Veröffentlicht am 01.11.2017

Ein Plädoyer für`s Briefeschreiben

Der schönste Grund, Briefe zu schreiben
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"Wer braucht denn noch Briefträger in einer Welt, in der keine Briefe mehr geschrieben werden?" fragt die Briefträgerin Sara zu Beginn des Buches. Und das haben sich offenbar auch ihre Vorgesetzten gefragt, ...

"Wer braucht denn noch Briefträger in einer Welt, in der keine Briefe mehr geschrieben werden?" fragt die Briefträgerin Sara zu Beginn des Buches. Und das haben sich offenbar auch ihre Vorgesetzten gefragt, denn Sara soll von ihrem Heimatdorf Porvenir, in dem sie mit ihren 3 Kindern lebt, nach Madrid versetzt werden und die Postfiliale in Porvenir geschlossen werden. Saras Nachbarin, die 80-jährige Rosa, möchte das verhindern und startet eine Briefkette, damit wieder mehr Briefe geschrieben werden und Sara bleiben kann. Sara ahnt nichts von der Initiative und berichtet ihrem Chatfreund verwundert, über die neuerdings gehäuft zuzustellenden Briefe. Und während die Briefkette Schicksale und Leidenschaften der Dorfbewohner enthüllt, entflammt zwischen Sara und ihrem Chatfreund allmählich auch eine Leidenschaft...

Ich bin über das Buch sozusagen gestolpert, als ich auf der Suche nach neuer Lektüre in der Buchhandlung war. Der Titel ließ mich aufmerken, auch wenn ich ihn etwas holprig fand und ich im Nachhinein sagen muss, dass ich ihn unpassend finde. Als ich dann die Überschrift des Klappentextes auf der Rückseite las, "Niemals wird eine Träne eine E-Mail verwischen", war mein Interesse als Briefenthusiast endgültig geweckt. Und die Idee der Briefkette gefiel mir. Auch wenn mir nach dem Kauf auffiel, eigentlich habe ich gar keine richtige Idee, was mich bei dem Buch erwartet.

Das Buch wird aus wechslenden Perspektiven erzählt, zu Beginn immer aus der des aktuellen Briefeschreibers. Zunächst erfährt man immer was über den Empfänger des Briefes und wie er den Brief bekommt, dann folgt der nächtste Brief. Dabei bekommt man auf bewegende Art das Schicksal der Menschen im Ort geschildert und fühlt sich ihnen sehr nahe, so dass es dann sehr bedauerlich ist, zum nächsten überzugehen und die Menschen nicht weiter zu verfolgen. Zunächst wirkt es, als ginge es immer so weiter und das wurde mir fast ein bisschen langweilig. Dann jedoch treten die Briefeschreiber zunehmend in Beziehung und man erfährt, wie es weitergeht und wie sich alles fügt.
Die Charaktere sind sehr lebensecht und nachvollziehbar dargestellt und man kann sich als Leser gut mit ihnen identifizieren. Man kann sich gut vorstellen, dass es diese Personen wirklich gibt in diesem Dörfchen in Spaniens Bergen. Und es ist schön, ein Stück ihres Weges mit ihnen zu gehen. Die Handlung birgt keine großen Dramen, sondern vor allem Alltagsprobleme sowie schöne Momente "normaler" Leute. Dadurch fühlt man sich wie "dabei", nicht als bloßer Beobachter. Viele Kapitel beginnen mit einem Zitat oder Gedicht, teilweise findet man sie auch im Text. Das ist einerseits sehr bereichernd (schließlich verspricht der Klappentext ja auch einen Roman über den Zauber der Worte), andererseits war es mir manchmal ein bisschen zuviel und störte mich im Lesefluss. Aber das ist sicher Geschmacksfrage.

Alles in allem ist "Der schönste Grund, Briefe zu schreiben" eine sympatische Geschichte über Poesie, Freundschaft, Liebe und menschliche Schicksale, die ich gern gelesen habe und auch weiter empfehlen kann. Die Idee dahinter finde ich ganz originell. Und auf alle Fälle macht es unheimliche Lust, selbst gleich wieder Briefe zu schreiben. Ein absolutes Muss auf der Bücherliste ist es aber nicht.