Dystopisch, brutal und nix für Weicheier – leider erklärt sich auch nicht der Hyp darum!
AlchemisedDer Schreibstil ist eher was in Richtung Durchhaltevermögen bei über 1200 Seiten, dass man über diese Spanne nicht immer mit Spannung rechnen kann auch klar, selbst für mich als Vielleser gab es Strecken ...
Der Schreibstil ist eher was in Richtung Durchhaltevermögen bei über 1200 Seiten, dass man über diese Spanne nicht immer mit Spannung rechnen kann auch klar, selbst für mich als Vielleser gab es Strecken die mich nicht begeistern konnten und durch die ich mich eher gequält habe.
Ich glaube eine Inhaltangabe könnt ihr überall lesen und braucht ihr nicht nochmal.
Das Setting, dunkel, düster, kalt, blutig, erbarmungslos, zwei Seiten (Herrschende und der Widerstand) die alle Mittel (absolut alle) einsetzen, um zu gewinnen. Wobei nicht nur körperlich angesetzt wird sondern auch psychisch. Die Themen - Machtmissbrauch, Geschlechterpolitik, Fanatismus, Isolation – sind Programm.
Das Magiesystem und damit auch die Politik baut auf innerer Logik auf, es existiert organische wie anorganische Alchemie basierend auf naturwissenschaftlichen Prinzipien, die Verknüpfung mit physikalischen Gesetzen mit metaphysischen Konsequenzen – nahezu wasserdicht – ein Entkommen schier unmöglich. Die politische Dimension der Welt folgt einem Machtkampf zwischen Adel und Klerus, wobei der Krieg um Paladia zum moralischen Brennglas wird. Die Schrecken des Konflikts werden ungeschönt geschildert – von körperlicher Grausamkeit bis zu psychologischer Zersetzung. Der Orden der ewigen Flamme steht dabei sinnbildlich für religiösen Fanatismus, ideologische Verblendung und den schmalen Grat zwischen Opferbereitschaft und Selbstvernichtung.
Dort treffen wir auf Helena Merino, angeblich letzte Überlebende des Widerstands und Heilerin. Sie ist hartnäckig und hofft immer darauf jemand retten zu können – auch wenn die Lage schier aussichtlos wirkt. Sie ist der Ideologie des Ordens der ewigen Flamme und Luc Holdfest naiv gefolgt. Der Aufenthalt und die Gefangenschaft lässt sie einiges in Frage stellen, aber was bringt ihr diese Entwicklung? Ein Prozess, der sie emotional zerreißt.
Auf der anderen Seite Kaine Ferron, der erbarmungslose High Reeve, von Kindesbeinen zur Tötungsmaschine ausgebildet. Und mit seiner Gabe ist er eine mächtige Waffe in den Händen, denen er dient. Kaine Ferron, verkörpert die Kälte einer Welt, in der Empathie absoluter Luxus ist. Und trotzdem wandelt er sich vom berechnenden Kerkermeister zu einem innerlichen zerrissenen Menschen. Bleibt dabei glaubwürdig und erschüttert damit unsere Glaubenswelt.
Helena Merino gerät durch einen Zufall (?) in die Hände von Kaine Ferron, er sperrt sie auf seinem eisernen und düsteren Anwesen ein und versucht mit alchemistischer Gewalt in ihren Kopf einzudringen. Denn Helena erinnert sich nicht an die letzten Jahre des Krieges. War sie nur eine einfache Heilerin in den Reihen der Ewigen Flamme? Helena ringt um ihr Überleben – und beginnt zu ahnen, dass Kaine und sie weit mehr verbinden zu scheint, als ihre Feinde je erfahren dürfen.
Alchemised ist kein Wohlfühlroman, sondern ein Roman, der zeigt wie dicht Macht, Glaube, Politik und menschliche Zerbrechlichkeit (körperlich und geistig) beieinander liegen. Leider verliert sowohl die Handlung als auch der Lesefluss durch übermäßige Längen an Dynamik und Spannung. Hier wäre weniger echt mehr gewesen und hätte den Roman unter Umständen wirklich zu einem Highlight gemacht. Die Beziehung zwischen Helena und Kain konnte ich nicht nachvollziehen – irgendwie nicht echt.
Wer eine Fantasy Roman mit Romantik erwartet – lieber Finger weg! Wer aber gerne in die Dunkelheit und Morbidität des menschlichen Geistes eintaucht – wird hier gut bedient. Kein Unterhaltungsroman im herkömmlichen Sinn und dem Genre, keine leichte Kost, nix für Weicheier, brutal, vielschichtig und ein Stückweit originell – dies scheint den Hyp zu begründen.
Mich konnte der Roman leider nicht überzeugen und von daher gibt es nur 3 Sterne, denn Hyp wie gesagt kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.