Leben am Rande der Gesellschaft
Solange ein Streichholz brenntAlina Alev ist eine junge, ambitionierte Journalistin, die in dem Fernsehsender, für den sie arbeitet, in den letzten Jahren kaum die Möglichkeit hatte, ihr Können zu beweisen. Sie geht davon aus, bald ...
Alina Alev ist eine junge, ambitionierte Journalistin, die in dem Fernsehsender, für den sie arbeitet, in den letzten Jahren kaum die Möglichkeit hatte, ihr Können zu beweisen. Sie geht davon aus, bald ihre Kündigung zu erhalten, als sie stattdessen das Angebot bekommt, eine Reportage zum Thema „Wie entgleitet ein Leben?“ zu drehen. Dafür will sie einen Obdachlosen in seinem Alltag begleiten. Ihre Wahl trifft auf Bohm, einen 35jährigen, der auf der Straße lebt. Bohm will zunächst davon nichts wissen, erst als sein Hund schwer verletzt wird und dringend Behandlung braucht, lässt er sich darauf ein, denn der Sender wird im Gegenzug für die Tierarztkosten aufkommen.
Obwohl Alina und Bohm aus völlig unterschiedlichen Welten stammen, ist von Anfang an Sympathie zwischen den beiden da. Alina erlebt die Geringschätzigkeit, die Bohm tagtäglich entgegengebracht wird. Er nimmt weite Wege auf sich, um an ein kostenloses Mittagessen zu kommen und campiert in schmutzigen Hinterhöfen, immer in der Angst, entdeckt und verjagt zu werden. Diesen Einblick in das Leben von Obdachlosen fand ich interessant. Man fragt sich, wie es dazu kam, dass Bohm seit Jahren auf der Straße lebt, doch über seine Vergangenheit gibt er zunächst nichts preis.
Alina ist mit ihrem Leben auch nicht glücklich. Sie strampelt sich ab, doch ihre Reportagen finden im Sender wenig Anklang. Sie hat keinen Freundeskreis und die Kollegen im Sender sind oberflächlich und würden alles für die Quote tun.
In „Solange ein Streichholz brennt“ wird im Wechsel aus Alinas und Bohms Perspektive erzählt. Beide Personen fand ich zunächst sehr sympathisch und glaubhaft dargestellt. Lediglich im letzten Drittel, als man erfährt, was den Ausschlag für Bohms Ausbrechen aus seinem alten Leben gab, konnte mich die Geschichte nicht mehr überzeugen und meine Sympathie für Bohm nahm ab. Der Antiklimax am Ende des Romans hat mir ein wenig die Freude an dem Buch verdorben, daher vergebe ich nur 4 von 5 Sternen.