Profilbild von Readaholic

Readaholic

Lesejury Star
offline

Readaholic ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Readaholic über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.06.2020

Kleinstadtpastor

Bleib bei mir
0

Pastor Tyler Caskeys Leben schien perfekt: er hatte eine Stelle in einer amerikanischen Kleinstadt bekommen, in der ihn die Leute für seine passionierten Predigten und sein offenes Wesen schätzten, er ...

Pastor Tyler Caskeys Leben schien perfekt: er hatte eine Stelle in einer amerikanischen Kleinstadt bekommen, in der ihn die Leute für seine passionierten Predigten und sein offenes Wesen schätzten, er war verheiratet mit der bildhübschen Lauren, der Liebe seines Lebens, sie bekamen zwei Kinder, doch dann der Schock: Lauren wird krank und stirbt. Nichts ist mehr, wie es war. Das Haus ist zu groß, die rosa Wände, auf die Lauren bestanden hatte, erdrücken Tyler, und seine ältere Tochter Katherine hört auf zu sprechen und ist in der Schule auffällig.
Tyler, der immer für die Sorgen und Nöte anderer da war, weiß bald nicht mehr, wie es weitergehen soll. Zum Glück hat er eine Haushaltshilfe, die ihn im Alltag unterstützt, doch eines Tages verschwindet sie spurlos. Auch ihr Ehemann weiß nicht, was los ist. Dann beginnen Gerüchte in West Annett zu kursieren, Tyler habe eine Affaire mit seiner Haushälterin gehabt. Die Stimmung im Ort dreht sich gegen ihn und seine Verzweiflung wächst bis zu jenem verhängnisvollen Sonntag, an dem er nicht mehr weiter weiß.
Elizabeth Strout beschreibt, ähnlich wie Kent Haruf, die Menschen einer Kleinstadt mit all ihren Stärken und Schwächen. Sie beobachtet, aber wertet nicht. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, einzig die vielen Bibeltexte nahmen mir etwas zu viel Raum ein. Für Leser, die Kent Harufs Bücher schätzen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2020

Der neuroatypische Alemão

Schwarzer August
0

Leander Lost ist mittlerweile ein geschätztes Mitglied der Polícia Judicária in Fuseta. Anstatt nach dem einen Jahr, für das er ursprünglich als Austauschpolizist an die Algarve geschickt wurde, nach ...

Leander Lost ist mittlerweile ein geschätztes Mitglied der Polícia Judicária in Fuseta. Anstatt nach dem einen Jahr, für das er ursprünglich als Austauschpolizist an die Algarve geschickt wurde, nach Deutschland zurückzukehren, wurde in Fuseta eine Planstelle für ihn geschaffen. Auch auf der persönlichen Ebene läuft alles gut für ihn, denn er ist glücklich verliebt in Soraia, die Schwester seiner Kollegin Graciana, die sich dazu entschließt, mit Leander Lost zusammenzuziehen.
Mitten in diese Idylle hinein geschieht ein Bombenanschlag auf eine kleine Bankfiliale im Hinterland von Fuseta. Menschen werden keine verletzt, doch die Schließfächer und das darin gelagerte Schwarzgeld fliegen in die Luft. Bald gehen weitere Bombendrohungen ein und Miguel Duarte, der einen Lehrgang zur Entschärfung von Bomben belegt hat, kann sein Können unter Beweis stellen, wobei nicht alles so läuft, wie er gern hätte. Leander Losts Asperger hilft auch in diesem Fall bei der Aufklärung des Falls, erkennt er doch als Einziger, dass eine vom Bombenleger hinterlassene Nachricht ein Palindrom ist, ein Satz, der von vorne und hinten gelesen gleich lautet. Besser als seine Kollegen schafft er es, sich in die Beweggründe des Bombenlegers hineinzuversetzen.
Wie schon die Vorgängerbände lebt auch „Schwarzer August“ von der Mischung aus sympathischen Charakteren, allen voran Leander Lost, dem es unmöglich ist zu lügen, was oft zu komischen Situationen führt, der Beschreibung der portugiesischen Landschaft und Lebensart und dem – allerdings nicht allzu spannenden – Kriminalfall. Lost kommt dabei manchmal ein wenig naiv daher. Würde ein Mensch mit Aspergersyndrom wirklich fragen, ob ein goldenes Visum aus Blattgold besteht? Ich bezweifle es. Aber es tut der Unterhaltung keinen Abbruch, im Gegenteil.
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und es genossen, der angenehmen Stimme des Erzählers zu lauschen. Mit Leander Lost hat Gil Ribeiro alias Holger Karsten Schmidt einen außergewöhnlichen und sympathischen Ermittler geschaffen, der hoffentlich bald in einem fünften Fall an der Algarve ermittelt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2020

Mir ist die Lust auf Fleisch vergangen

Am zwölften Tag
0

Denglers Sohn Jakob ist mit Freunden nach Barcelona gefahren. Denken zumindest die Eltern. Doch die Jugendlichen sind telefonisch nicht erreichbar und melden sich nur per SMS. Denglers Ex-Frau bittet ...

Denglers Sohn Jakob ist mit Freunden nach Barcelona gefahren. Denken zumindest die Eltern. Doch die Jugendlichen sind telefonisch nicht erreichbar und melden sich nur per SMS. Denglers Ex-Frau bittet ihn, der Sache auf die Spur zu gehen. Er hält sie zunächst für überbesorgt und gibt zu bedenken, dass Jakob inzwischen volljährig ist und sich nicht mehr täglich melden muss, doch dann merkt auch er, dass etwas ganz und gar nicht stimmt.

In Wirklichkeit wollten die Jugendlichen keineswegs nach Barcelona fahren, sondern Missstände in der deutschen Fleischindustrie dokumentieren, doch sie fliegen auf und werden von einer kriminellen Bande gefangen gehalten. Gleichzeitig erfährt der Leser, um welche Missstände es geht. Diese Passagen sind dermaßen ekelerregend, dass ich nicht weiß, ob ich jemals wieder Putenfleisch essen kann. Es ist schwer, sich mit diesen Beschreibungen auseinanderzusetzen. Nicht nur die Tiere werden gequält, auch die billigen Arbeiter aus dem Osten leben ein menschenunwürdiges Leben und werden ausgebeutet.

Alles in allem ist "Am zwölften Tag" ein durchaus spannender und sicherlich gut recherchierter Krimi, der jedoch teilweise auch sehr klischeehaft daherkommt. Eine vergewaltigende und prügelnde Rockergang aus Berlin, ein skrupelloser Fleischproduzent, der über Leichen geht... Eines hat das Buch auf jeden Fall bewirkt: mir ist der Appetit auf Fleisch gründlich vergangen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.06.2020

Absurdes Ende

Sieben Lügen
0

Jane hat das große Glück, eine beste Freundin zu haben, mit der sie alles teilt. Marnie ist ihre Seelenverwandte, die beiden verbringen jede freie Minute miteinander, von der Schulzeit bis ins Erwachsenenalter. ...

Jane hat das große Glück, eine beste Freundin zu haben, mit der sie alles teilt. Marnie ist ihre Seelenverwandte, die beiden verbringen jede freie Minute miteinander, von der Schulzeit bis ins Erwachsenenalter. Als Erwachsene teilen sie sich zunächst eine Wohnung, doch dann lernt Jane ihren Mann kennen und heiratet. Leider ist ihr Glück nur von kurzer Dauer. Später lernt auch Marnie den Mann ihres Lebens kennen, doch auch sie erleidet einen Schicksalsschlag. Gut, dass ihre beste Freundin zur Stelle ist...

Ich hatte Probleme, in das Buch reinzufinden, doch dann hat mich die Story durchaus gefesselt. Allerdings, und das ist mein großer Kritikpunkt, ist das Ende so dermaßen absurd, dass es mir den Lesegenuss gründlich vergällt hat. Was für ein idiotisches Ende! Die Ich-Erzählerin spricht jemanden an, von dem man nicht weiß, wer es ist. Ich ging davon aus, dass sie ganz einfach den Leser adressiert, doch ich lag falsch. Erst ganz am Schluss erfährt man, wer gemeint ist. Was mich an diesem Ende so stört, kann ich leider nicht schreiben ohne zu spoilern.

Eine Story mit Potential, doch das Ende lässt sehr zu wünschen übrig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.06.2020

Abschied nehmen

Kostbare Tage
0

Der 77jährige Dad Lewis erfährt, dass er nur noch wenige Wochen zu leben hat. Seine Frau Mary kümmert sich rührend um ihn und auch die Tochter Lorraine kommt nach Hause, um ihrem Vater in den letzten Tagen ...

Der 77jährige Dad Lewis erfährt, dass er nur noch wenige Wochen zu leben hat. Seine Frau Mary kümmert sich rührend um ihn und auch die Tochter Lorraine kommt nach Hause, um ihrem Vater in den letzten Tagen zur Seite zu stehen.
Wie auch die früheren Bücher von Kent Haruf spielt „Kostbare Tage“ in dem fiktiven Örtchen Holt in Colorado. Die Menschen in Holt leben von der Landwirtschaft oder haben kleine Geschäfte, alles ist sehr ruhig und beschaulich, doch die Probleme der Menschen sind dieselben wie überall sonst.
Die Nachbarin der Familie Lewis hat ihre 8jährige Enkelin Alice zu sich genommen, nachdem deren Mutter an Krebs gestorben ist. Einige Frauen aus der Gemeinde, auch Mary und Lorraine, kümmern sich um Alice und versuchen ihr die Familie zu ersetzen. Der neue Gemeindepfarrer Lyle, der erst seit kurzem mit Frau und Sohn in Holt lebt, predigt von Vergebung und Verständnis, was in einer kleinen Stadt wie Holt kurz nach 9/11 auf Unverständnis stößt. Einen „Terroristenfreund“ wollen sie nicht in ihrer Mitte haben. Lyles Sohn, der sich von Anfang an dort nicht wohlgefühlt hat, wird von dem Mädchen, in das er sich verliebt hat, abserviert. Dass der Vater jetzt auch noch als Verräter gebrandmarkt wird und die Mutter allein zurück nach Denver geht, ist zuviel für den Jungen.
Manche der Personen sind dem Leser aus früheren Büchern bereits bekannt, beispielsweise erfahren wir, was aus den beiden Brüdern geworden ist, die ein schwangeres Mädchen bei sich aufgenommen hatten.
„Kostbare Tage“ erzählt in schmerzlichen Details vom langsamen Abschied eines sterbenden Menschen. In mir haben diese Schilderungen viele Emotionen wachgerufen und sicher geht es vielen Lesern so, die jemals einen Angehörigen bis zuletzt begleitet haben. Mich hat das Buch tief berührt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere