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Veröffentlicht am 01.07.2019

selten so unterhaltsame wie spannende Familiengeschichte gelesen

Das Haus des Dämmerlichts
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Achtung: das Buch ist bereits unter dem Titel „Schattwald“ erschienen!!
Anne reist nach Innsbruck um die Beerdigung ihrer Großmutter Charlotte zu organisieren. Seit fast zwei Jahrzehnten hatten beide keinen ...

Achtung: das Buch ist bereits unter dem Titel „Schattwald“ erschienen!!
Anne reist nach Innsbruck um die Beerdigung ihrer Großmutter Charlotte zu organisieren. Seit fast zwei Jahrzehnten hatten beide keinen Kontakt mehr gehabt, obwohl Charlotte noch die einzige lebende Verwandte in der Familie war. Im Haus der Großmutter findet Anne 13 Schulhefte mit Tagebucheintragungen ihrer Oma aus dem Jahr 1943 – geschrieben während eines Aufenthaltes im Sanatorium für psychisch Gestörte. Während des Lesens dieser Tagebücher erfährt Anne Dinge über ihre Großmutter, die sie bisher noch nie erfahren hatte. Aber auch andere Mitmenschen habe Interesse am Inhalt dieser Tagebücher….

Ich habe mich beim Lesen dieser Familiengeschichte sehr gut unterhalten gefühlt. Stück für Stück >genau wie Anne< lernt der Leser das Geheimnis ihrer Großmutter kennen. Dieses stilistische Mittel des Wechsels zwischen Gegenwart und Rückblende empfand ich als sehr spannend und unterhaltsam. Die geschilderten Charaktere, überhaupt die ganze Geschichte sind sehr glaubhaft geschildert. Dabei ist es Barbara Dribbusch gelungen die Spannung zu halten. Ich kann behaupten, während des Lesens auch mit in Innsbruck dabei gewesen zu sein.
Genau wie Anne habe ich Theres Kurz, Maria Pramstaller und deren Neffen und natürlich dem Professor misstraut und weitergerätselt.
Als die Geschichte dann zu Ende war, war ich zwar schlauer, aber irgendwie auch traurig, weil ich gerne noch weitergelesen hätte. So viel Spaß beim Lesen hatte ich lange nicht!
Von mir gibt’s daher 5 wohlverdiente Lesesterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 19.06.2019

Tipp für alle Krimi-Fans: wunderbar spannend wie kurzweilig

Dunkler Hass
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Bodensee: Ein Serienkiller entführt junge Frauen, um sie anschließend grauenvoll zu verstümmeln. Marius Bannert, der leitende Ermittler, weiß sich keinen Rat mehr und bittet den Fallanalytiker Falk Hagedorn ...

Bodensee: Ein Serienkiller entführt junge Frauen, um sie anschließend grauenvoll zu verstümmeln. Marius Bannert, der leitende Ermittler, weiß sich keinen Rat mehr und bittet den Fallanalytiker Falk Hagedorn um Unterstützung. Was Bannert nicht weiß, Hagedorn ist nach einem dienstlichen Unfall an den Rollstuhl gefesselt, pensioniert und will mit der Polizei nichts mehr zu tun haben. Für mich ist Hagedorn in diesem Krimi die tragende und treibende Kraft bei der Auflösung der Serienmorde. So schroff er sich gegenüber seiner Umwelt auch gibt, so brillant ist sein Gespür, sein Gedächtnis und sein Tatendrang - trotz seines Handicaps. Ich fand diese Figur von Anfang an sympathisch und gemeinsam mit Bannert bilden sie ein wunderbares Führungsteam. Denn ohne die ihnen innerhalb der Polizeihierarchie gegebene Befehlsgewalt sind sie in der Lage ihre Mitarbeiter zu leiten, zu motivieren und deren Potential bei der Aufklärung optimal einzusetzen. Wie Bannert und Hagedorn dem selbstherrlichen, intriganten, bei der Aufklärung eigentlich nur hinderlichen Kriminaldirektor Burger die Stirn bieten, fand ich herrlich.
Die Rückblenden, die 37 Jahre zuvor begannen, dann immer weiter der Gegenwart entgegen gingen, und die so grausigen kindlichen Erfahrungen aufzeigen, haben mich anfangs verwirrt. Wie sollte dies mit den jetzigen Serienmorden zusammenhängen? Aber: das Rätsel löst sich mit dem Lesefortschritt auf und bleibt dabei weiter spannend. Denn wer diese schlimme Kindheit erlebt hat, wird erst ganz zum Schluss aufgelöst. Wobei ich mir noch kein endgültiges Urteil gebildet habe, ob ich den Serienkiller jetzt bedauern oder verurteilen soll.
Spannend ist dieser Krimi von Anfang bis Ende und nimmt dabei noch an Brisanz zu als Hagedorns Tochter auch noch in die Fänge des Serienkillers gerät. Als Hagedorn nicht mehr nur analytisch, sondern auch emotional an die Ergreifung des Killers herangeht.
Alles in allem ein spannendes Lesevergnügen, das volle 5 Lese-Sterne verdient und von mir eine 100%ige Leseempfehlung erhält. Dabei lässt das Buch dem Leser auch genügend Spielraum für eigene Wertungen. So beschäftigt mich noch immer die Frage warum ist dieser Mensch so geworden: Kindheitstrauma oder unerfüllte Lebenswünsche?

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charaktere
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Spannung
Veröffentlicht am 16.06.2019

Das Schicksal der jüdischen Familie Meyer geht weiter – wunderbar zu lesen

Zeit aus Glas
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Zeit aus Glas – der Titel passt unwahrscheinlich gut zum Inhalt und ist dabei so doppelsinnig.
Nach der Reichsprogromnacht am 09.11.1938 ist für die Familie Meyer nichts mehr so wie es mal war. Hatten ...

Zeit aus Glas – der Titel passt unwahrscheinlich gut zum Inhalt und ist dabei so doppelsinnig.
Nach der Reichsprogromnacht am 09.11.1938 ist für die Familie Meyer nichts mehr so wie es mal war. Hatten sie bereits vorher unter Einschränkungen zu leiden, ist nun ihr Haus in Krefeld, auf das sie immer so stolz waren, worin sie sich wohl und sicher gefühlt haben, durch randalierende NS-Anhänger so demoliert, dass es unbewohnbar ist. Alle Fensterscheiben, die Möbel und Gebrauchsgegenstände sind zerschlagen oder zerfetzt. Aber zum Glück ist kein Mitglied der Familie in deren Hände gefallen und verletzt worden. Die Familie ist auf Freunde und deren Hilfe angewiesen. Und auch hierbei müssen sie sehr vorsichtig sein – kaum jemanden außerhalb der jüdischen Gemeinde kann man mehr trauen. Spitzel lauern überall und die Wände haben Ohren…
Der Einstieg ist mir leichtgefallen. Kam es mir doch vor, als würde ich alte Freunde wieder treffen. Aber Freunde, die dringend Hilfe brauchen. Versuchen Ruths Eltern anfangs noch ihre eigenen Ängste und initiierte Vorsichts- und Sicherheitsmaßnahmen vor ihren beiden Kindern zu verbergen, um sie nicht zu beunruhigen, erreichen sie damit nur das Gegenteil. Ruth und Ilse merken es und ihre Ängste werden dadurch nur noch gesteigert. Martha, Ruths Mutter, ist der Situation nicht gewachsen, erleidet Nervenzusammenbrüche, verliert den Lebensmut. Mich hat diese Frau und vor allem Mutter stellenweise schrecklich aufgeregt. Hat sie doch alle Verantwortung den beiden Mädels, insbesondere Ruth als der Älteren, aufgebürdet. Dadurch hat sie in meinen Augen den beiden zusätzlich zu den Beschränkungen durch die Nazis ein Stück ihrer Kindheit und Jugend beraubt. Sie mussten vor ihrer Zeit erwachsen werden.
Ergreifend geschrieben, hat mir auch dieser 2. Teil wunderbare Lesestunden beschert. Ich bin noch immer von den glaubhaft beschriebenen Schicksalsschlägen, aber auch der bedingungslosen Hilfsbereitschaft der Familie Aretz beeindruckt. Von mir gibt’s wieder 5 Lese-Sterne und eine 100%ige Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 10.06.2019

unterhaltsam, aber Spannung fehlte mir etwas

Die heimliche Heilerin und der Erzbischof
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Madlen von Beyenburg, arbeitet gemeinsam mit ihrem Mann in Worms als Medici. Beide sind über die Stadtgrenzen von Worms wegen ihrer Fähigkeiten bekannte Heiler. Doch ihre Arbeitsbedingungen, ihr altes ...

Madlen von Beyenburg, arbeitet gemeinsam mit ihrem Mann in Worms als Medici. Beide sind über die Stadtgrenzen von Worms wegen ihrer Fähigkeiten bekannte Heiler. Doch ihre Arbeitsbedingungen, ihr altes Krankenhaus ist vor Jahren den Flammen zum Opfer gefallen und nun müssen sie unter engsten, der Behandlung und der Genesung der Patienten nicht zuträglichen Bedingungen arbeiten, sind alles andere als gut. Aber dann wird Madlen zum Erzbischof von Köln an dessen Krankenbett gerufen. Ein alter Vertrauter, in dem Madlen einen innigen Vertrauten und Freund sieht. Der Bischoff sieht sein Ende kommen und möchte seine irdischen Angelegenheiten geregelt wissen….
Gleich vorangestellt: auch wenn man die vorherigen Teile nicht gelesen hat, was bei mir der Fall war, kommt man sehr gut mit der Handlung im Buch zurecht.
Ellin Carsta ist es in meinen Augen sehr gut gelungen in den Dialogen die wohlbedachte, sanfte Wortwahl der damaligen Zeit in den Dialogen zum Ausdruck zu bringen. Lassen sie doch die wahren Gefühle und Wünsche nur erahnen. Direktheit kannte die damalige Zeit mit ihrem Standesdünkel und der Ergebenheit gegenüber der herrschenden Klasse, der Machtstellung des Klerus nicht. Das ist ihr sehr gut gelungen. Besonders gut hat mir die Stelle gefallen, als der Bischof im Gespräch mit Madlen sagt, dass Tote manchmal „Anwesende im Geiste sind“. Diesen Satz finde ich wundervoll. Schließlich beeinflusst ein Mensch an den wir uns nach seinem Tod erinnern auch oftmals noch unser Handeln.
Beim Lesen ist mir auch wieder deutlich geworden, wie anders doch die damalige Zeit war. Diese intensiven Gespräche, die Madlens Familie beim Abendessen oder sich sonst bietenden Gelegenheit geführt haben. Gibt es diese heute in unserer technisch durchsetzten, digitalisierten, vernetzten Zeit noch? Schade eigentlich. Insgesamt betrachtet hat es mir bei diesem historischen Roman aber an Dramatik und Spannung gefehlt. Es lief mir alles zu glatt und ging, fast wie im Märchen, immer gut aus. Alles in allem betrachtet vergebe ich für diesen historischen Roman 4 Lese-Sterne.

Veröffentlicht am 06.06.2019

anstrengend zu lesen, aber unterhaltsam

Das Gemälde der Tänzerin
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Helena verliert ihren Job und weiß nicht wie ihren und den Unterhalt ihrer beiden pubertierenden Kinder ohne geregeltes Einkommen bestreiten soll. Doch dann bietet sich die Gelegenheit in einem traditionsbewussten, ...

Helena verliert ihren Job und weiß nicht wie ihren und den Unterhalt ihrer beiden pubertierenden Kinder ohne geregeltes Einkommen bestreiten soll. Doch dann bietet sich die Gelegenheit in einem traditionsbewussten, familiengeführten, renommierten Hotel als Zimmermädchen anzufangen. Aber gerade diese Familie hatte vor 16 Jahren ihr Lebensglück und ihre Zukunftspläne scheitern lassen….
Bei diesem Buch ist die volle Aufmerksamkeit des Lesers gefordert. Beinhaltet es doch 3 Handlungs- und Zeitebenen miteinander, die schlussendlich am Ende ein Gesamtbild, nämlich die Geschichte um das Gemälde der Tänzerin im Regen ergeben. Um so dankbarer war ich der Autorin, dass sie gleich am Anfang eine Personenübersicht vorangestellt hat. Anfangs erschien mir der Übergang zwischen den Kapiteln etwas unspektakulär. Da fehlte es mir am Spannungsbogen, meine Neugier war nicht richtig geweckt. Das hat sich aber mit zunehmendem Lesefortschrift wesentlich gebessert. Im Buch lassen sich Parallelen erkennen: einmal das Gemälde mit der Tänzerin und dann die ehemalige Geliebte von Moritz Kronenberg, die ebenfalls Tänzerin war. Schlussendlich entwickelt die Autorin daraus eine durchaus spannende und damit unterhaltsame wie auch gefühlvoll geschilderte Geschichte. Eine Geschichte um Liebe, Besessenheit, Macht und Enttäuschungen.
Ich habe mich mit diesem Buch gut unterhalten gefühlt und vergebe deshalb 4 Lese-Sterne.