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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.11.2018

facettenreich, wunderbar unterhaltsam

Der Gesang des Nordlichts
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Nach Jahren wünscht sich Gerhard nichts anderes als mit seiner Familie, den Kindern, Schwieger- und Enkelkindern einige gemeinsame Tage in seinem geerbten Häuschen in Schweden zu verbringen. So richtig ...

Nach Jahren wünscht sich Gerhard nichts anderes als mit seiner Familie, den Kindern, Schwieger- und Enkelkindern einige gemeinsame Tage in seinem geerbten Häuschen in Schweden zu verbringen. So richtig Lust darauf Gerhards Geburtstag und das sich gleich anschließende Weihnachtsfest in dieser Einöde zu verbringen hat keiner in der Familie...
Heike Fröhling ist mit diesem Familienroman wieder ein wunderbar atmosphärisch und klug aufgebautes Buch gelungen. Die unterschiedlichen Charaktere um Gerhard sind glaubhaft, einprägend und anrührend beschrieben. Mich hat Gerhard unwahrscheinlich an meinen Vater (84 Jahre) erinnert. Es hat mir verdeutlicht, wie wenig man doch oft von seinen Eltern/Großeltern aus deren Jugend weiß. Darum kann man dieser Familie auch nur gratulieren, dass sie mit diesen gemeinsamen Tagen die Change genutzt haben dies aufzuholen. Sicher merkt man, wie nachdenklich mich dieses Buch gemacht hat. Das schafft nicht jeder Autor!
Bewundernswert fand ich an Gerhard, dass er sich nie ungefragt in die Generationskonflikte und Streitigkeiten einmischt. Dazu gehört viel Charakterstärke. Im Buch stellt die Autorin Gerhards Jugenderlebnisse erst Stück für Stück vor. So hat sich meine Sympathie zu dieser Romanfigur auch Stück für Stück weiterentwickelt und gefestigt. Das Buch zu lesen empfand ich als sehr abwechslungsreich und kurzweilig. Die Rückblenden in die Jahre 1945 ff haben mich immer wieder neugierig auf die Fortsetzung der Geschichte gemacht. Ich musste einfach weiterlesen. Es sind nicht zuletzt die Feinheiten, die dieses Buch so lesenswert machen. Ich denke da z.B. an die Assoziation mit der Farbe BLAU. Die finde ich sehr gut gelungen – einmal die fehlende Farbe, dann die blauen Nordlichter und das längst vergessene blaue Abendkleid.
In meinen Augen ist das Buch ein gelungener, atmosphärisch wunderbar dargestellter Familienroman, der auch noch den Zauber des Nordens mit einfängt, der die Konflikte in der Familie glaubhaft realistisch darstellt und bei dem schlussendlich ein Familiengeheimnis nach Jahrzehnten gelüftet wird. Ich habe mich wunderbar kurzweilig unterhalten gefühlt und gebe daher auch 5 Lese-Sterne und spreche eine uneingeschränkte Leseempfehlung aus.

Veröffentlicht am 23.11.2018

Ein Buch, das tief bewegt

Raubkind
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Dorothee Schmitz-Köster zeigt in diesem Buch eine weitgehend unbekannte Seite der Nazi-Machenschaften auf - den Raub >ja dieser Begriff trifft es wohl am besten< von polnischen Kindern. Sie sollten germanisiert ...

Dorothee Schmitz-Köster zeigt in diesem Buch eine weitgehend unbekannte Seite der Nazi-Machenschaften auf - den Raub >ja dieser Begriff trifft es wohl am besten< von polnischen Kindern. Sie sollten germanisiert werden. Dabei erzählt sie keine Geschichte, sondern beschreibt, einer Dokumentation gleichkommend, die Schwierige Recherche anhand des Schicksals von Klaus B.. Richtigerweise der Geschichte von Czeslaw B. Von sich selbst spricht die Autorin in der dritten Person - die Journalistin. Im Buch wird die Zerrissenheit von Klaus B., seine Zweifel ob er die Wahrheit über seine Entführung, seine Monate in den Heimen wirklich wissen will, ob er die Fakten gesundheitlich verkraften kann wunderbar einfühlsam beschrieben. Beim Lesen erkennt man auch die Empathie der Autorin mit diesen Opfern sehr deutlich zum Ausdruck. Wie behutsam sie immer wieder ihre Ergebnisse vermittelt, ohne ihn zu überfordern oder wegen eigener Interessen zu bedrängen. Ja in meinen Augen sind diese Kinder Opfer. Opfer, die bis heute weder Anerkennung noch eine Entschädigung erhalten haben.
Mich hat beeindruckt wie beharrlich die Journalistin ihre Suche immer weitergeführt hat. Das kam einem gewaltigen Pussle-Spiel gleich. Minimale Erfolge wechselten sich mit Zweifeln, neuen Fragen, neuen Ungereimtheiten ab. Das finde ich bewundernswert. Es war spürbar wie viel Herzblut sie in diese Recherchen und auch in dieses Buch gesteckt hat. Und gerade dieses Auf und Ab bei der Suche nach den Wurzeln von Klaus B., an der der Leser mittels des Buchs teilhaben darf, hat mir das Lesen kurzweilig und spannend gemacht. Von den im Buch genannten Institutionen, Organisationen hatte ich zum Teil bisher noch nie etwas gehört. Die machten mir aber deutlich, wie tief die Autorin in diese Materie drinsteckt.
Von mir gibt's eine uneingeschränkte Lese-Empfehlung und 5 voll verdiente Lese-Sterne.

Veröffentlicht am 23.11.2018

Ein Buch, das tief bewegt

Raubkind
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Dorothee Schmitz-Köster zeigt in diesem Buch eine weitgehend unbekannte Seite der Nazi-Machenschaften auf - den Raub >ja dieser Begriff trifft es wohl am besten< von polnischen Kindern. Sie sollten germanisiert ...

Dorothee Schmitz-Köster zeigt in diesem Buch eine weitgehend unbekannte Seite der Nazi-Machenschaften auf - den Raub >ja dieser Begriff trifft es wohl am besten< von polnischen Kindern. Sie sollten germanisiert werden. Dabei erzählt sie keine Geschichte, sondern beschreibt, einer Dokumentation gleichkommend, die Schwierige Recherche anhand des Schicksals von Klaus B.. Richtigerweise der Geschichte von Czeslaw B. Von sich selbst spricht die Autorin in der dritten Person - die Journalistin. Im Buch wird die Zerrissenheit von Klaus B., seine Zweifel ob er die Wahrheit über seine Entführung, seine Monate in den Heimen wirklich wissen will, ob er die Fakten gesundheitlich verkraften kann wunderbar einfühlsam beschrieben. Beim Lesen erkennt man auch die Empathie der Autorin mit diesen Opfern sehr deutlich zum Ausdruck. Wie behutsam sie immer wieder ihre Ergebnisse vermittelt, ohne ihn zu überfordern oder wegen eigener Interessen zu bedrängen. Ja in meinen Augen sind diese Kinder Opfer. Opfer, die bis heute weder Anerkennung noch eine Entschädigung erhalten haben.
Mich hat beeindruckt wie beharrlich die Journalistin ihre Suche immer weitergeführt hat. Das kam einem gewaltigen Pussle-Spiel gleich. Minimale Erfolge wechselten sich mit Zweifeln, neuen Fragen, neuen Ungereimtheiten ab. Das finde ich bewundernswert. Es war spürbar wie viel Herzblut sie in diese Recherchen und auch in dieses Buch gesteckt hat. Und gerade dieses Auf und Ab bei der Suche nach den Wurzeln von Klaus B., an der der Leser mittels des Buchs teilhaben darf, hat mir das Lesen kurzweilig und spannend gemacht. Von den im Buch genannten Institutionen, Organisationen hatte ich zum Teil bisher noch nie etwas gehört. Die machten mir aber deutlich, wie tief die Autorin in diese Materie drinsteckt.
Von mir gibt's eine uneingeschränkte Lese-Empfehlung und 5 voll verdiente Lese-Sterne.

Veröffentlicht am 20.11.2018

tolles neues Ermittlerteam

Der Tod uns scheidet
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Es sollte für Jasmin Berger eine fröhliche Geburtstagsfeier in einer gemütlichen Waldhütte werden. Doch erst entwickelt sich zwischen Thomas und Markus ein handfester Streit und dann dringt auch noch ein ...

Es sollte für Jasmin Berger eine fröhliche Geburtstagsfeier in einer gemütlichen Waldhütte werden. Doch erst entwickelt sich zwischen Thomas und Markus ein handfester Streit und dann dringt auch noch ein maskierter Mann nachdem fast alle Gäste gegangen waren ein, verletzt Jasmin und tötet ihren Freund Markus als der ihr zu Hilfe eilt….
Die Kripo Frankfurt beginnt mit den Ermittlungen. Ja und das Ermittlerteam ist schon etwas speziell. Da gibt es Dieter, der bereits Jahrzehnte lange Erfahrungen als Ermittler gesammelt hat und dann ist da noch Helga. Sie ist neu im Team, trotz ihrer jungen Jahre nicht die Sportlichste, trotzdem sehr engagiert, mutig und einfallsreich. Ihr größter Mangel in Dieters Augen: sie steht auf Frauen. Aufgrund ihrer Gegensätze bilden beide ein etwas Seltsames, den Leser aber oftmals zum Schmunzeln bringendes Team. Die Marotte Dieters – Helga wegen ihrer sexuellen Ausrichtung stets mit einem anderen männlichen Vornamen anzusprechen – fand ich lustig. (Sicher im Gegensatz zu Helga!) Die beiden mochte ich. Im Laufe der Ermittlungen hat sich dann ja auch gezeigt, dass Helga „ihren Mann steht“ und eine gute Ermittlerin ist. Das hat auch Dieter angefangen einzusehen.
Der Mord, das Motiv, hat mich nicht so überzeugt. Zum einen wurde in meinen Augen der psychische Drang des Täters zu wenig herausgearbeitet und zum anderen weiß man als Leser nach 2/3 des Buches wer der Täter ist. Das hat mir die Spannung genommen. Aber vielleicht hat Melisa Schwermer dieses Buch dazu nutzen wollen, uns ihr neues Ermittlerteam eingehend vorzustellen. Denn was Spannung betrifft habe ich schon bessere Bücher von ihr gelesen. Insgesamt betrachtet vergebe ich für diesen Thriller 4 Lese-Sterne.

Veröffentlicht am 17.11.2018

erschütterndes Schicksal – absolute Empfehlung

Die verlorene Schwester
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Nach dem Tod des Vaters werden die beiden sehr aneinander hängenden Schwestern Marie und Lena Flaucher in staatliche Obhut genommen, da die Mutter nach dem Tod des Ehemannes nicht in der Lage ist sich ...

Nach dem Tod des Vaters werden die beiden sehr aneinander hängenden Schwestern Marie und Lena Flaucher in staatliche Obhut genommen, da die Mutter nach dem Tod des Ehemannes nicht in der Lage ist sich um sie zu kümmern. Mit dieser Zwangseinweisung beginnt für Marie und Lena ein Martyrium des Grauens…
Der Leser darf das Schicksal, den Lebensweg der beiden Mädchen über fast 4 Jahrzehnte begleiten. Ich habe beim Lesen mit den beiden gelitten. Das im Buch geschilderte Schicksal der beiden Geschwister hat mich stark berührt. Von dem in der Schweiz üblichen und gesetzlich verankerten Umgang mit Waisen und gestrauchelten Kindern hatte ich bisher noch nie gehört. Somit war mir der Begriff der Verdingkinder auch neu. Schon traurig, welch schreckliche Schicksale durch solche Gesetze legalisiert werden. Linda Winterberg hat die Lebenswege dieser beiden Mädchen so einfühlsam wie anschaulich geschildert, dass bei mir zum Ende des Buchs doch (heimlich) ein paar Tränen geflossen sind. Das über fast 40 Jahre währende Trauma der beiden Geschwister wurde hier im Buch beeindruckend in eine Geschichte gebunden. Die Verdingkinder haben durch diesen Roman eine Stimme auf Wiedergutmachung bekommen.
Als Romanfigur hat mich Anna nicht so überzeugt. Die Suche nach ihren Wurzeln und ihre Selbstfindung beruflich wie privat, waren in meinen Augen eher ein Nebenschauplatz.
Insgesamt betrachtet ist dieser Roman ein Garant für kurzweilige, anrührende und packende Lesestunden. Von mir gibt’s eine 100%ige Leseempfehlung und 5 Lese-Sterne.