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Veröffentlicht am 04.07.2025

Ruhige Story mit dunklen Geheimnissen

Die Insel - einer kennt die ganze Wahrheit
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Nach dem Tod seiner Mutter und seiner kleinen Schwester ist Isak bei seinem Großvater aufgewachsen und hatte bis heute auch keinen Kontakt zu seinem Vater. Doch plötzlich meldet sich Fredrik bei seinem ...

Nach dem Tod seiner Mutter und seiner kleinen Schwester ist Isak bei seinem Großvater aufgewachsen und hatte bis heute auch keinen Kontakt zu seinem Vater. Doch plötzlich meldet sich Fredrik bei seinem Sohn, um ihm mitzuteilen, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Isaks Freundin Madde überredet ihn, dem Treffen mit dem Vater zuzustimmen. Für Isak ist das eine schwere Entscheidung, denn die Erinnerungen an seinen Vater sind alles andere als positiv. Angekommen in Gotland sind beide überwältigt von Fredriks prunkvollem Anwesen. Was anfangs nach einer überraschend herzlichen Wiedersehensfreude aussieht, entpuppt sich schon bald als großer Fehler. Denn plötzlich steht nicht nur die Beziehung zwischen Isak und Madde auf der Kippe, auch die Geschehnisse der Vergangenheit holen Isak nach und nach ein…

Isak und Madde sind zwei unglaublich interessante Figuren. Kvensler hat beide sehr authentisch gezeichnet und sie damit noch lebendiger wirken lassen. Die Story wird hauptsächlich aus der Sicht von Isak erzählt. Ich mochte seinen Charakter total gern und habe mich schnell mit ihm verbunden gefühlt. In einigen Kapiteln befindet sich Isak in einer Haftanstalt. Die Frage nach dem Warum bleibt lange unbeantwortet. Diese geheimnisvollen Perspektivwechsel sorgen für zusätzliche Spannung und fesseln den Leser an die Handlung.

Kvensler schafft eine bedrückende Atmosphäre und steigert damit die Neugier seiner Leser ins Unendliche. Dass beim Besuch in Gotland verborgene Geheimnisse ans Licht kommen, war abzusehen. Aber die Art und Weise, wie Kvensler diese seinen Lesern präsentiert, ist überragend konstruiert. Die Szenerie hat der Autor dabei klug gewählt und stellt diese bildhaft dar. Auch seine Beschreibungen der Kunstszene, in der sich Fredrik bewegt, wird von Kvensler realistisch dargestellt. Das zeigt deutlich, wie intensiv er sich mit seinen Recherchen auseinandergesetzt hat.

Fazit: „Die Insel“ ist ein geschickt konstruierter, jedoch etwas ruhiger Thriller. Dunkle Geheimnisse, zerrüttete Familiengeschichten und jede Menge Spannung sorgen hier für den perfekten Lesegenuss.

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Spannend, verstörend und gut aufgebaut

Der Bräutigam
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„Hiermit verkünde ich, ein glücklicher Bräutigam, meine baldige Vermählung mit meiner innig geliebten Braut Sofie Siegel. Voller Freude sehen wir dem Tag entgegen, an dem wir unsere ewige Bindung eingehen.“ ...

„Hiermit verkünde ich, ein glücklicher Bräutigam, meine baldige Vermählung mit meiner innig geliebten Braut Sofie Siegel. Voller Freude sehen wir dem Tag entgegen, an dem wir unsere ewige Bindung eingehen.“

Als Nora diese Worte in der örtlichen Tageszeitung liest, stockt ihr der Atem. Sie starrt auf diese zwei Sätze und weiß, dass ihre Schwester Sofie in den Fängen des Bräutigams und somit in größter Gefahr ist. Um den Entführer aufzuspüren, schaltet Nora eine Gegenanzeige in derselben Zeitung und bittet um Einladung zur Hochzeit. Diese kommt prompt, und plötzlich findet sich Nora auf einem Anwesen wieder, als Gast des Bräutigams. Doch der wahre Albtraum steht ihr erst noch bevor, denn die Zeit arbeitet unerbittlich gegen sie. Und ihre Schwester scheint nicht mehr dieselbe zu sein …

„Bis dass der Tod uns scheidet“

Die Geschichte wird aus Sicht von Nora in der dritten Person erzählt. Sie hat mich direkt zu Beginn als Protagonistin fasziniert und ich war unglaublich beeindruckt von ihrem Mut. Ihre Schwester zu retten, hat sie sich zur Lebensaufgabe gemacht, und es ist ihr dabei völlig egal, ob sie sich dabei selbst in Lebensgefahr bringt. Sofie hingegen scheint sich ihrem Schicksal bereits gefügt zu haben, was ich einerseits nachvollziehen konnte, andererseits hätte ich sie dafür am liebsten geohrfeigt. Es scheint so, als hätte der Bräutigam sie bereits nach wenigen Tagen in seiner Gewalt psychisch gebrochen. In ihr ist kein Lebensmut mehr vorhanden und sie führt aus, was ihr befohlen wird. Bekommt ihr da nicht auch eine Gänsehaut? Wie viel kann ein Mensch einstecken, bis er sich selbst aufgibt? Schlimme Vorstellung.

Benjamin Wiater hat 'ne coole Schreibe: klar, bildgewaltig, prägnant. Dass er passend zum Ort des Geschehens auch etwas Plattdeutsch mit eingebaut hat, hat die Story zusätzlich aufgelockert und interessant gemacht. Die angespannte und bedrückende Atmosphäre überträgt er unvermittelt auf seine Leser und lässt diese ganz schön ins Schwitzen kommen. Zumindest hatte ich keine Minute Pause zum Durchatmen, denn ich habe mit den Schwestern ohne Ende mitgelitten (habe selbst eine kleine Schwester) und hätte sie am liebsten persönlich aus den Fängen dieses Psychopathen befreit. Bei jedem noch so kleinen Fluchtversuch habe ich die Luft angehalten und innerlich gebetet, dass es den beiden endlich gelingt. Was für eine emotionale Achterbahnfahrt!

Der Plot kommt ganz ohne Foreshadowing aus, strotzt dafür nur so vor kreativen Ideen, ein Ereignis jagt das nächste, und man wird immer wieder von überraschenden Twists überrumpelt. Ich habs geliebt! Absolut alles!

Fazit: Spannend, verstörend und gut aufgebaut. Wiater ist ein großartiger Erzähler und lässt seine Leser nicht zur Ruhe kommen. Atemaussetzer beim Lesen sind vorprogrammiert. Für mich zählt dieses Buch zu meinen Jahreshighlights 2025!

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Veröffentlicht am 25.06.2025

Brisant, aktuell, stimmt nachdenklich

Reset
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Stellt euch vor, die gesamte digitale Welt bricht plötzlich zusammen – nichts funktioniert mehr wie gewohnt: Kein Internet, keine Kommunikation, kein digitales Geld und keine Information, der man noch ...

Stellt euch vor, die gesamte digitale Welt bricht plötzlich zusammen – nichts funktioniert mehr wie gewohnt: Kein Internet, keine Kommunikation, kein digitales Geld und keine Information, der man noch trauen kann. Genau dieses Horror-Szenario greift Peter Grandl in seinem spannenden Roman auf.

In einer Welt, in der Fake News täuschend echt wirken und sogar Kriege auslösen können, zeigt der Autor auf erschreckend realistische Weise, wie abhängig wir inzwischen vom Digitalen geworden sind. Geld verliert seinen Wert, Chaos bricht aus – und die Frage steht im Raum: Kann das wirklich passieren?

Zitat S. 146:
»Ich will nicht lange um den heißen Brei herumreden. Weltweit
häufen sich die Meldungen von Deepfakes."

Grandl beleuchtet die Auswirkungen dieser digitalen Katastrophe aus verschiedenen Perspektiven und an Schauplätzen auf der ganzen Welt. Das sorgt für Tempo, Abwechslung und Tiefe. Besonders spannend ist die Rolle eines Expertenteams, das mit viel Know-how und Kreativität versucht, das Schlimmste zu verhindern und herauszufinden, wer hinter diesem Cyber-Angriff steckt. Auch an anderer Stelle zeigen sich Menschen einfallsreich – doch ob es reicht, um die Welt zu retten, bleibt bis zuletzt offen.

Der Spannungsbogen zieht sich dabei konsequent durch das gesamte Buch. Immer wieder sorgt Grandl mit neuen Wendungen, Perspektivwechseln und dramatischen Entwicklungen dafür, dass man als Leser regelrecht durch die Seiten getrieben wird. Die Bedrohung ist greifbar, die Atmosphäre stellenweise beklemmend – man möchte am liebsten die Augen verschließen und doch wissen, wie es weitergeht.

Besonders hervorzuheben ist Grandls Schreibstil: klar, flüssig und atmosphärisch dicht. Er erklärt komplexe digitale Themen so verständlich, dass auch Leser ohne Technik-Vorkenntnisse dem Inhalt folgen können.

Fazit: Ein aktuelles und bedrückend realistisches Buch, das nicht nur unterhält, sondern aufgrund der Brisanz zum Nachdenken anregt. Sehr lesenswert – gerade in unserer vernetzten Zeit.

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Veröffentlicht am 25.06.2025

Survival-Feeling mit coolen Twists

Der Weg – Jeder Schritt könnte dein letzter sein
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Was kann es Schöneres geben, als den Junggesellenabschied mit der besten Freundin oder dem besten Kumpel zu etwas ganz Besonderem zu machen? Nickis Idee, den Königspfad durch Schwedisch-Lappland zu wandern ...

Was kann es Schöneres geben, als den Junggesellenabschied mit der besten Freundin oder dem besten Kumpel zu etwas ganz Besonderem zu machen? Nickis Idee, den Königspfad durch Schwedisch-Lappland zu wandern und der gemeinsamen Leidenschaft nachzugehen, schlägt auf jeden Fall ein wie eine Bombe. Relativ schnell wirkt das Verhältnis der beiden Freundinnen jedoch sehr angespannt. Deswegen habe ich auch direkt mit Julia mitgefühlt und mich gefragt, warum Nicki diese Zweisamkeit so dringend gesucht hat. Als Letztere des Nachts auch noch spurlos verschwindet, ist die Verwirrung perfekt. Spielt Nicki ein falsches Spiel mit Julia? Und wenn, was ist der Grund?

Ich war ab der ersten Seite sofort in der Story gefangen und konnte Rebecca Russ' neuen Thriller nicht mehr aus der Hand legen. Es passiert mir nicht oft, dass ich ein Buch wegsuchte, doch Russ hat genau das geschafft.

Immer wieder springt Russ zwischen zwei Welten, die irgendwie mit einander verknüpft zu sein scheinen. In den Szenen rund um die Wanderung wird Julia schnell zur alleinigen handlungstragenden Figur, die in ihrem Überlebenskampf versucht, ihre Freundin zu finden. Dem gegenüber steht eine toxische Beziehung, die die namenlose Erzählerin zu zerbrechen droht. Tatsächlich war mir ziemlich schnell klar, worauf eben diese Einschübe hinauslaufen sollen. Dies hat der Handlung an sich aber keinerlei Abbruch getan. Ganz im Gegenteil: Mich hat erst recht die Neugier gepackt und ich konnte es kaum erwarten herauszufinden, wie Russ diese beiden Stränge am Ende auflösen will.

Auch sprachlich hat Rebecca Russ mich komplett überzeugt. Es hat wahnsinnig Spaß gemacht, mit Julia durch die Seiten zu fliegen und die Willensstärke, den Mut und die Ausdauer dieser jungen Frau in der doch gnadenlosen Natur zu verfolgen. Russ zeichnet neben den spannungsgeladenen Szenen wunderbare Landschaftsaufnahmen, die ohne große Ausschweifungen Bilder vor meinem inneren Auge gemalt haben. Letztendlich gelingt ihr in genau dieser unerbittlichen Schönheit ein Twist, der mich voll und ganz überzeugt hat und den ich so doch nicht erwartet hätte.

Na, wer hat jetzt Lust auf eine Wanderung durch wilde Natur Schwedens?

Fazit: „Der Weg“ ist die perfekte Lektüre für den bevorstehenden Sommer. Wer also noch auf der Suche nach einem spannungsgeladenen, coolen Thriller ist, sollte hier unbedingt zugreifen. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Ich werde die Figuren vermissen!

Auris. Puls der Angst
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Mit "Puls der Angst" lässt Kliesch seine sechsteilige Reihe um den Phonetiker Matthias Hegel mit einem wahren Paukenschlag enden.

Erzählt wird die Story wie gewohnt aus unterschiedlichen Perspektiven. ...

Mit "Puls der Angst" lässt Kliesch seine sechsteilige Reihe um den Phonetiker Matthias Hegel mit einem wahren Paukenschlag enden.

Erzählt wird die Story wie gewohnt aus unterschiedlichen Perspektiven. Neben Jula, ihrem Bruder Elyas und natürlich Hegel selbst, kommen diesmal auch Julas Mutter Jutta und Kommissar Holder zu Wort. Außerdem ein älteres Pärchen aus Juttas Vergangenheit, das noch eine Rechnung zu begleichen hat. Ich war ein klitzekleines bisschen enttäuscht, dass in diesem letzten Band die Hegelschen Phonetik-Künste nicht im Mittelpunkt stehen bzw. wir davon kaum etwas mitbekommen. Wahrscheinlich bin ich einfach von den Vorgängerbüchern verwöhnt und habe es deshalb vermisst. Nichtsdestotrotz ist die Story auch ohne größere Ausflüge in die Welt der Phonetik interessant und hat mich gut unterhalten.

Jula begleiten wir ja schon eine Weile und wissen daher genau, welche Schicksalsschläge sie bereits erlitten hat. Ebenjene kommen auch in diesem Teil nochmal auf den Tisch und spielen in Summe eine große Rolle. So muss sich Jula erneut ihrem Schicksal stellen, denn es gibt wieder wichtige Informationen, die man ihr vorenthalten hat. Die Entwicklung, die Jula von Beginn der Reihe bis zum Ende hingelegt hat, ist einfach grandios. Sie ist so viel stärker und mutiger geworden und lässt sich, wie in diesem Band schön deutlich wird, nicht mehr auf der Nase herumtanzen und zeigt offen, wie enttäuscht sie von ihrer „Familie“ wirklich ist.

„Und dann das große Finale! Meine demente Mutter steht kerngesund vor meiner Wohnungstür, um noch eine letzte Sache zu klären. Ja, klar, ist doch logisch. Warum sollte es denn auch nur einen Menschen in meinem Umfeld gegeben haben, der mir keine Lüge vorgelebt hat?“ (Zitat)

Kliesch hat seine Leser im Laufe der Auris-Reihe ständig mit krassen Wendungen geschockt und uns nebenbei am Ende mit fiesen Cliffhangern auf die jeweilige Fortsetzung warten lassen. Auch im finalen Band gibt es wieder die eine oder andere Überraschung. Zumal die Offenbarung am Ende schon lange offensichtlich war und ich mich aber dennoch sehr darüber gefreut habe. Sein Schreibstil ist klar strukturiert, fesselnd und bildgewaltig. Für das große Finale fährt Kliesch nochmal richtig auf und bietet Jula die ganz große Bühne. Hat er damit meine Erwartungen erfüllt? Definitiv! Bin ich traurig, dass diese Reihe nun zu Ende ist? Absolut! Trotzdem danke, lieber Vincent, für diese sechs unvergesslichen Bände!

Fazit: Mit "Puls der Angst" erleben wir das große Finale einer fesselnden und informativen Reihe. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge habe ich diesen letzten Band verschlungen und werde die mir bereits ans Herz gewachsenen Charaktere auf jeden Fall vermissen. Ihr auch?

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