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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.06.2025

Sehr beunruhigender Thriller

Die Festung
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"Die Festung" ist eine neue Produktion einer Escape-Room Reality Show, für die Clara sich angemeldet hatte, um das dringend benötigte Preisgeld zu gewinnen. Doch dann bricht sie sich ein Bein und überredet ...

"Die Festung" ist eine neue Produktion einer Escape-Room Reality Show, für die Clara sich angemeldet hatte, um das dringend benötigte Preisgeld zu gewinnen. Doch dann bricht sie sich ein Bein und überredet ihre Schwester Bonnie, stellvertretend für sie teilzunehmen. Was sie jedoch nicht ahnen konnte, ist, dass sie ihre Schwester damit direkt in die Hölle schickt ...

Zitat S. 8:
"»Willkommen zu unserer Show. Ich bin Shane Fletcher, ehemaliger Kriminalbeamter und fanatischer Krimi-Fan, und das hier ist , der Podcast, der euch mit Verbrechen umhauen wird, die unsere Vorstellungskraft übersteigen. Heute erwartet uns eine Exklusivausgabe. An diejenigen von euch, die noch nicht von der Festung gehört haben: Unter welchem Stein habt ihr gehaust, Leute? Es ist die Meldung des Jahres."

Die Story ist in zwei Perspektiven gesplittet. Zum Einen wird im Podcast erörtert, was in der Festung passiert ist, zum Anderen begleiten wir Bonnie direkt in die Geschehnisse.

Die angespannte Atmosphäre kommt recht schnell herüber und man merkt zügig, dass hier irgendetwas nicht stimmen kann. Spätestens als einer der Teilnehmer tatsächlich stirbt, ist einem klar, dass hier nicht alle lebend rauskommen werden. Doch wer es schafft und wer hinter dieser Aktion steckt, wird erst nach und nach enthüllt. Die Abläufe sind durchweg spannend und durch einige Wendungen bis zum Schluss ziemlich nervenaufreibend. Auch das Motiv ist clever gewählt und erschüttert mit seiner Authentizität. Der anfänglich verstörende Prolog wird erst am Ende zu einem runden Ganzen und lässt einen schockiert zurück.

Die Autorin, die hier unter Pseudonym schreibt, ist sicher einigen bekannt als Leona Deakin, als die sie bereits eine erfolgreiche Thriller-Reihe veröffentlicht hat. Sie ist Psychologin und hat viele Jahre als Profilerin für die Polizei gearbeitet, was mich bezüglich der Authentizität noch mehr verstört hat.

Fazit: Ein durchweg spannender und sehr beunruhigender Thriller, den ich bis zur Aufklärung nicht mehr aus der Hand legen konnte. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 04.06.2025

Potenzial nicht ganz ausgeschöpft

Little White Lies
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Ich würde ein Leben inmitten der Reichen und Schönen definitiv gern mal ausprobieren wollen. Ob es mich auf Dauer glücklich machen würde, kann ich nicht sagen. Unsere Protagonistin Sawyer bekommt zumindest ...

Ich würde ein Leben inmitten der Reichen und Schönen definitiv gern mal ausprobieren wollen. Ob es mich auf Dauer glücklich machen würde, kann ich nicht sagen. Unsere Protagonistin Sawyer bekommt zumindest die Chance. Ihr wird eine große Summe Geld versprochen, wenn sie für ihre Großmutter an der Debütantinnensaison teilnimmt. Nichts leichter als das, easy peasy Geldmacherei, denkt sie. Doch so leicht wird es nicht werden.

Man merkt relativ früh, dass Sawyer nicht in die versnobte Gesellschaft hineinpasst. Sie ist direkt, frech und bringt sich gern in Schwierigkeiten. Dennoch findet sie in ihrer Cousine und deren Freundin Gleichgesinnte. Zu Beginn war ihr Charakter ein wenig anstrengend, jedoch ist sie mir im Laufe der Story sehr ans Herz gewachsen. Denn hinter der harten Schale steckt ein weicher Kern. Sie konnte sich in komplizierten Situationen behaupten und den Gefahren dieser übertriebenen Alles-ist-toll-Welt strotzen.


Auch die vielen weiteren Protagonisten waren gut ausgearbeitet, besonders Cousine Lily. Sie ist trotz Glamour und Reichtum auf dem Teppich geblieben und wird Sawyer zu einer engen Verschworenen.

Hin und wieder, gerade in der Mitte des Buches, fand ich die Story ein wenig flach. Die Autorin hätte hier durchaus mehr Potenzial gehabt, die Spannung in die Höhe zu schrauben. Das habe ich bereits bei ihrem Debütroman "Inheritance Games" kritisiert. Barnes fehlt noch immer das gewisse Etwas, um die Spannung auf einem Level zu halten. Es gibt zu viele Aufs und Abs, aber keine kontinuierliche Kurve, die die Story am Laufen hält. Meistens plätschert die Geschichte sanft vor sich hin, mit nur wenigen Highlights. Der Anfang hingegen versprach deutlich mehr. Es wurden Theorien aufgestellt, man fragte sich andauernd „wo führt das Ganze hin“. Doch dann flachte es ab. Leider. Erst kurz vor Schluss ergaben viele Sachen Sinn, die Rätsel wurden gelöst und das Ganze endete in einem überraschenden Finale.

Fazit: Da es sich bei dem Buch um eine Reihe handelt, hoffe ich, dass die Spannung in den weiteren Büchern noch steigen wird. Ich empfehle das Buch dennoch gern weiter, besonders an junge Erwachsene, die in das Genre einsteigen möchten.

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Veröffentlicht am 31.05.2025

Gänsehaut-Feeling und Spannung pur!

Her Last Summer – Eine verschwundene Frau. Eine Reise ohne Wiederkehr.
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Als Dokumentarfilmerin erlangte Cassidy mit ihrem letzten Film Berühmtheit. Grund genug für Luke, sie aufzusuchen und seine Geschichte zu den Geschehnissen vor zwanzig Jahren zu erzählen, als seine Freundin ...

Als Dokumentarfilmerin erlangte Cassidy mit ihrem letzten Film Berühmtheit. Grund genug für Luke, sie aufzusuchen und seine Geschichte zu den Geschehnissen vor zwanzig Jahren zu erzählen, als seine Freundin Mari beim Wandern im thailändischen Dschungel spurlos verschwand. Er selbst wurde damals erst Wochen später gefunden und erinnerte sich nur noch daran, dass ein fremder Mann Mari entführt hat. Doch der Polizei kam das seltsam vor, und bis heute wird vermutet, dass Luke Mari getötet hat. Er bittet Cassidy um Hilfe bei der Lösung des immer noch ungeklärten Falls. Cassidy ist sowohl von der Story als auch von Luke selbst begeistert. Die beiden reisen also an den Ort des Geschehens, um das Verschwinden zu rekonstruieren. In Thailand kommen Cassidy Lukes Schilderungen jedoch seltsam vor und sie verliert immer mehr das Vertrauen in ihn. War es ein großer Fehler, ihre Hilfe anzubieten?

In der ersten Hälfte des Buches geht es zunächst um den Podcast, der über die Geschichte von Luke und Mari berichtet. Hier erleben wir als Leser zum ersten Mal die Geschehnisse des Backpacking-Trips vor zwanzig Jahren. Lukes Schilderungen der Vergangenheit sind gekonnt in die Geschichte verwoben, und die Darstellung Lukes durch die Autorin lässt einen nie ganz sicher sein, ob man ihm vertrauen kann. Cassidy hingegen ist eine mutige und sympathische Protagonistin, deren Enthusiasmus ich bewundert habe. Sie wollte unbedingt die Wahrheit herausfinden, auch wenn sie dabei selbst in große Gefahr geriet. Als die Handlung dann endlich nach Thailand verlegt wird, macht sich dies auch direkt in der Spannung bemerkbar. Nicht, dass das Buch bisher langweilig war. Es geht praktisch von der Theorie in die Praxis über und der Leser erlebt die damalige Wanderung durch den Dschungel Thailands hautnah und unglaublich real mit. Was mit einem normalen Trip beginnt, endet für Cassidy in einem Albtraum, aus dem ich ihr zu gerne rausgeholfen hätte.

Freud hat einen bildgewaltigen und ausdrucksstarken Schreibstil, mit dem sie mich voll abgeholt hat. Die Thailand-Atmosphäre hat sie perfekt eingefangen und authentisch dargestellt. Die Spannung und die zunehmende Bedrohung sind greifbar und ich war emotional total in der Story gefangen. Mit jeder Seite steigerte sich mein flaues Gefühl im Magen und dennoch konnte ich einfach nicht aufhören weiterzulesen, weil ich unbedingt erfahren wollte, wie es für Cassidy ausgehen wird. Dazu die angespannte Atmosphäre, die Abgeschiedenheit und die noch unerforschte Wildnis des Dschungels. Mein Körper war überzogen von Gänsehaut - ganz großes Kino! (Kann ich mir übrigens super gut auf großer Leinwand vorstellen.)

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Veröffentlicht am 30.05.2025

Erschreckend, wendungsreich, ergreifend

Vermisst - Der Fall Emily
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Christine Brand schreibt sehr detailliert, sodass man sich die Hauptprotagonistin Malou gut vorstellen kann. Auch sie hat eine Vergangenheit, die es zu ergründen gilt. Wer den ersten Teil gelesen hat, ...

Christine Brand schreibt sehr detailliert, sodass man sich die Hauptprotagonistin Malou gut vorstellen kann. Auch sie hat eine Vergangenheit, die es zu ergründen gilt. Wer den ersten Teil gelesen hat, weiß hier bereits, dass Malou ein Findelkind auf der Suche nach ihrer Herkunft ist. Malou hat gerade erst ihren Job bei der Mordkommission geschmissen und eine eigene Detektei eröffnet.

Zitat Pos. 86:
"Aber manchmal lassen sich Cold Cases nach Jahrzehnten doch noch aufklären, wenn man sich nur die Zeit nimmt und sich die Mühe macht – das hat Malou mit ihrem letzten Fall bewiesen."

Direkt ihr erster Fall hat es in sich. Die Ermittlungen als Polizistin, wenn Recht und Gesetz hinter einem stehen, waren doch um einiges einfacher, wie sie schnell erfahren muss. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf dem Fall der vierjährigen Emily, die seit vier Jahren spurlos verschwunden ist. Die Story beruht auf einer wahren Begebenheit, die die Autorin aus ihrer jahrelangen Erfahrung als Gerichtsreporterin aufgegriffen hat.

Es dauert einige Seiten, bis die Spannung wirklich steigt, da erst einmal viele Vermutungen ins Leere laufen. Dabei tun sich aber auch mehrere andere Fälle auf, die letztlich mit Hilfe eines französischen Polizisten aufgeklärt werden können. Auch erste Rückschläge Malous erlebt man schockiert mit und bedauert ihren schweren Start. Am Ende denkt man, jetzt weiß man endlich, was passiert ist und Malou hat die Wahrheit über Emily herausgefunden - da kommt es doch wieder ganz anders.

Fazit: Eine erschreckende Geschichte, die aufzeigt, zu was die menschliche Psyche in der Lage ist. Aber auch eine über eine starke Frau, die ihren Weg machen wird. Hoffentlich bald im nächsten Teil der Reihe.

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Veröffentlicht am 30.05.2025

Komplex, einzigartig, überraschend - für Krimi- und Rätselfreunde

HEN NA E - Seltsame Bilder
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Wer den japanischen Autor Uketsu kennt, weiß, dass hinter ihm ein rätselhafter Mann steckt, der sein Gesicht gerne hinter einer weißen Maske verbirgt. Seine Fans feiern ihn eigentlich für seine Mangas, ...

Wer den japanischen Autor Uketsu kennt, weiß, dass hinter ihm ein rätselhafter Mann steckt, der sein Gesicht gerne hinter einer weißen Maske verbirgt. Seine Fans feiern ihn eigentlich für seine Mangas, wobei er mit "Seltsame Bilder" in ein komplett neues Genre abtaucht und dabei einen innovativen und einzigartigen Mystery-Krimi mit teils erschreckenden Horrorelementen geschaffen hat. Also genau mein Ding!

Dieses etwas andere Buch enthält vier Kapitel, die eher noch wie Kurzgeschichten zu lesen und mit Illustrationen versehen sind. Diese Bilder mögen auf den ersten Blick unscheinbar wirken, teils skizzenhaft, doch der Autor deckt die Geheimnisse dahinter auf und entführt uns damit in eine komplett neue Welt.

So basiert jedes Kapitel auf einem oder mehreren Bildern, über die man erst im Laufe der Geschichte mehr erfährt. Doch der Leser ist von Anfang an involviert, denn es gibt Rätsel, die gelöst werden müssen. Genau diese Herausforderung verleiht jeder Erzählung einen ganz besonderen und charakteristischen Touch, der nicht nur fesselt, sondern aufgrund seiner speziellen Atmosphäre zeitgleich für Gänsehaut sorgt. Einige Bilder fand ich einfach nur hübsch, andere haben zig Fragezeichen aufploppen lassen. Man kann viel Zeit mit dieser Lektüre verbringen, weil es ständig etwas zu entdecken oder zu hinterfragen gibt. Hier einige Bilddetails, dort ergänzende Erklärungen. Zugegeben nicht immer ganz leicht nachzuvollziehen, aber das macht eben den Reiz des Buches aus.

Der (relativ nüchterne) Schreibstil von Uketsu ist speziell, aber angenehm - und ich gebe zu, dass ich sowas in der Art noch nie zuvor gelesen habe. Ich war von Anfang an gefesselt und fand es irre interessant, mitzurätseln oder einfach nur den Erzählungen zu lauschen. Uketsu zeigt seine Vielseitigkeit und hat mich damit voll abgeholt.

Fazit: Ein (inhaltlich komplexes) Buch der besonderen Art, das ich jedem ans Herz lege, der auf verworrene Rätsel und geheimnisvolle Geschichten abfährt. Der Ausnahmeautor sorgt von Anfang bis Ende für Faszination, Spannung und eine Portion Nervenkitzel und hat mich damit überrascht und begeistert. Ein gelungenes Leseerlebnis. Ich freue mich auf den Folgeband!

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