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Veröffentlicht am 03.03.2025

Spannend wie ein Kino-Blockbuster!

Der zweite Verdächtige
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Es ist fast schon unheimlich, dass man bereits im Vorfeld weiß, wie begeistert man vom neuen Werk der Autoren sein würde. Tsokos und Schwiecker sind aus der Buchszene nicht mehr wegzudenken und mittlerweile ...

Es ist fast schon unheimlich, dass man bereits im Vorfeld weiß, wie begeistert man vom neuen Werk der Autoren sein würde. Tsokos und Schwiecker sind aus der Buchszene nicht mehr wegzudenken und mittlerweile Garanten für ausgeklügelte Plots und mordsmäßige Spannung. Sicher spielt dabei die Erfahrung mit rein, die beide mitbringen. Tsokos als Rechtsmediziner, Schwiecker als Strafverteidiger. Ein perfektes Duo, wie ich finde. In ihrem neuen Werk haben sie ein Thema aufgegriffen, das nach wie vor aktuell und ziemlich brisant ist.

Wie fühlt man sich, wenn man eines Mordes verdächtigt wird, den man nicht begangen hat? Und wenn alle Beweise gegen einen sprechen.

Ich habe mir diese Frage beim Lesen auch immer wieder gestellt und war glücklich, nicht in der Situation des Angeklagten zu stecken. Aber auch nicht in der von Rechtsmediziner Dr. Justus Jarmer und Strafverteidiger Rocco Eberhardt!

Zitat Seite 288/289:
"Rocco schüttelte den Kopf. Er wusste nicht, was er denken sollte. Immer dasselbe Hin und Her, war sein Mandant glaubwürdig oder nicht, sagte er die Wahrheit oder nicht, log er ihn an oder nicht ..."

Die Autoren führen uns direkt ins Geschehen ein, wir befinden uns in einer Männerkneipe mitten in Berlin-Schöneberg. Es ist Freitagmorgen und die kommende Hitze des Tages ist schon deutlich in den Räumlichkeiten zu spüren. Dort hat ein Angestellter in der hinteren Ecke des Darkrooms die Leiche eines Mannes entdeckt, den man hier als Erzengel kennt. Und schon ist man mittendrin, will unbedingt wissen, um wen es sich handelt und was diesem Mann passiert ist.

Sowieso lebt dieses Buch nicht nur von den einzelnen Figuren mit ihren Ecken und Kanten, ihrem Wortwitz und Know-how, sondern von der Atmosphäre, die einen ab Seite 1 verfolgt. Tsokos und Schwiecker gelingt es beinahe mühelos, einerseits Spannung einzubauen, andererseits ihrer Leserschaft interessante Fakten mit auf den Weg zu geben. So habe ich erfahren, was eine "Sofortbearbeitung" der Fachkommissariate ist, was genau Toxikologen bei ihrer Arbeit beachten müssen, ich war bei den Ermittlungen dabei, im Sektionssaal und im Schwurgerichtssaal. So war der Plot nicht nur unfassbar abwechslungsreich, sondern sorgte dafür, dass sich die Puzzleteile nach und nach zusammenfügten. Fast fühlte es sich wie ein kleines Erfolgserlebnis an.

PS: Googelt mal "Oszillationssäge". Kannte ich vorher auch noch nicht.

Ganz nebenbei räumen Tsokos und Schwiecker mit Klischees auf.

Zitat Seite 16:
"Und tatsächlich gab es dagegen auch kein wirksames Mittel. An mentholpaste, die man sich angeblich unter die Nase schmieren konnte und die besonders in TV-Krimis gern zum Einsatz kam, war auch nichts dran. [...] Denn wenn jeden Tag die minzhaltige Salbe auf der Oberlippe zum Einsatz käme, wäre diese in kurzer Zeit regelrecht weggeätzt."

Die Sprache der Autoren ist locker, zeitgemäß und pointiert. Oft konnte ich die Figuren selbst reden hören und musste dabei aufgrund ihrer Redeart schmunzeln. Manchmal habe ich mich dabei ertappt, wie ich überlegt habe, wer eigentlich welchen Part geschrieben hat. Oder ob beide zusammen am Tisch saßen, um zu brainstormen (lustige Vorstellung, oder?).

Berlin als Setting hat mich vollkommen begeistert. Für mich als gebürtige Berlinerin ist es jedes Mal ein Highlight, wenn ich Orte in Büchern wiederfinde, die ich tatsächlich schon gesehen habe. Moabit, Charlottenburg, Schöneberg - überall bin ich selbst schon entlanggelaufen. Hier hätte ich mir dennoch mehr Beschreibungen der Örtlichkeiten gewünscht, um die Vorstellungskraft noch ein bisschen mehr anzukurbeln für diejenigen, die noch nie dort waren. Aber auch für mich, um in Erinnerungen zu schwelgen. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau.

Die Auflösung der Mordfälle hat mich berührt, nachdenklich gestimmt, wütend gemacht und bis jetzt nicht losgelassen. Zwar konnte ich die Motive des Täters verstehen und empfand sogar etwas Mitleid mit ihm. Allerdings rechtfertigen seine Beweggründe nicht, was er getan hat. Mord ist und bleibt nun mal Mord.

Und dann passierte doch echt noch auf der allerletzten Seite etwas, was eine Kinoszene aus einem hochkarätigen Blockbuster hätte sein können. Geil! Ein cleverer Schachzug der Autoren, um nochmal ordentlich Wumms zu machen. Schade, dass ich mit dem Buch schon durch bin. Wenn du es noch vor dir hast: du Glückspilz! Viel Spaß beim Ermitteln!

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Krass, krasser, Thiesler!

Leb wohl, Schwester
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Eine kleine Info vorweg: Hierbei handelt es sich eigentlich um einen Stand-Alone. Eigentlich deshalb, weil die Bücher nicht als Reihe geführt werden, die Figuren jedoch immer wieder vorkommen. Daher kannte ...


Eine kleine Info vorweg: Hierbei handelt es sich eigentlich um einen Stand-Alone. Eigentlich deshalb, weil die Bücher nicht als Reihe geführt werden, die Figuren jedoch immer wieder vorkommen. Daher kannte ich sie (als Thiesler-Fan der ersten Stunde) natürlich schon.

Die Schocknachricht kommt direkt zu Beginn: Neri Donato will in Rente gehen! Ah! Panikattacke! Und seine Nachfolgerin steht auch schon in den Startlöchern. Das musste ich erstmal verdauen, was mir aber leichtfiel, denn Romina ist eine so tolle Person. Und dazu sehr gut ausgebildet, wie auch Neri sehr schnell feststellt. Die beiden fungieren super zusammen und haben mit dem Pärchenmörder alle Hände voll zu tun. Zudem mischt Neris Frau Gabriella wieder im Hintergrund mit und ist diesmal ein wenig eifersüchtig auf Romina. Natürlich völlig unbegründet, denn die beiden führen eine echte Vorzeigeehe. Ich persönlich fand diese kleine Eifersuchtsszenen wirklich sehr süß und sie hat nochmal mehr bewiesen, was für ein tolles Ehepaar die beiden sind.

Die Story wird aus mehreren Perspektiven erzählt, was ich richtig toll fand. Während wir Neri und Romina bei ihren akribischen Ermittlungen begleiten, erfahren wir andererseits auch einiges von der Mörderin selbst. Gerade ihre Kapitel haben mich fasziniert und zeitgleich erschüttert. Es war deutlich zu spüren, welches Unheil auf ihrer kranken Seele lastet und wie sie ihren Hass auf verliebte Pärchen auszuleben plant. Dabei schreckt sie vor nichts zurück, denn wenn sie nicht glücklich sein kann, soll es kein anderer sein…

„Unentwegt dachte sie an die beiden, und sie hasste sie. Konnte nicht anders. Am liebsten hätte sie ihre unfassbare Wut in den Himmel geschrien. Die beiden hatten dieses Glück nicht verdient. Aber sie konnten es jetzt noch ein, zwei Stunden genießen. Konnten sich lieben und sich auf ihr Leben freuen, das es nicht mehr geben würde. Denn bald würde sie kommen.“
(Zitat Kap. 47)

Der Schreibstil von Thiesler ist flüssig, bildgewaltig und facettenreich. Sie greift die eigentlich entspannte Atmosphäre der wunderschönen Toskana auf und lässt dort blutige Morde geschehen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Vor allem der letzte Mord ging mir sehr nah und ich habe so sehr gehofft, dass dieses Pärchen verschont bleibt. Thiesler ist schonungslos zu ihren Lesern und wirbelt damit unsere Gefühle ganz schön durcheinander.

Der Schlussteil ist der Autorin grandios gelungen. Es passiert hier in kurzer Zeit so viel, dass ich nicht mehr wusste, wo vorne und hinten ist. Schlag auf Schlag hielt Thiesler mich in Atem und gönnte mir bis zum Ende keine Verschnaufpause. Einfach genial, welch krasse Story hier ein unerwartetes Ende nimmt.

Fazit: Krass, krasser, Thiesler! Diese facettenreiche Story hat alles, was ein perfekter Thriller braucht. Die über 600 Seiten hab ich im Nullkommanix weginhaliert. Und obendrein konnte ich noch ein paar Brocken Italienisch lernen. Va bene und Ciao Neri - bis hoffentlich zum nächsten Mal!

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Ziemlich langatmige Story

Der Schwindel
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Rasmus B. Freeden ist viel rumgekommen. Afrika, Australien, Singapur, Lateinamerika. Er erzählt von seiner Kindheit, die er in Düsseldorf verbracht hat, von seinem ersten Ausflug ans Meer und seiner Reise ...

Rasmus B. Freeden ist viel rumgekommen. Afrika, Australien, Singapur, Lateinamerika. Er erzählt von seiner Kindheit, die er in Düsseldorf verbracht hat, von seinem ersten Ausflug ans Meer und seiner Reise nach Frankreich, bei der er auf Natalie trifft. Die beiden beginnen eine Romanze, die leider keine Zukunft hat, und Rasmus verschlägt es nach Spanien. Dort trifft er auf Paul Peters. Die beiden freunden sich an und Rasmus erzählt ihm, dass er mit Lügen sein Geld verdient. Im Laufe des Gesprächs wendet sich das Blatt und Rasmus wird bewusst, dass er mal wieder hinters Licht geführt wurde. Doch das kann er nicht auf sich sitzen lassen - nicht der Rasmus, zu dem er geworden ist.

Die Geschichte wird in mehreren Zeitebenen erzählt, wobei man immer genau hinschauen muss. Für mich waren diese Erzählungen oft sehr verwirrend und alles andere als zusammenhängend. Rasmus war für mich als Protagonist leider nicht greifbar, da ich seine Handlungen und Gedanken kaum nachvollziehen konnte. Einzig seine erlebten Enttäuschungen durch seinen Bruder, seine Eltern und letztendlich Natalie empfand ich als realistisch und authentisch. Diese Erlebnisse sind es auch, die ihn ein Schutzschild um sich errichtet haben lassen.

"Ich denke, die Leute haben eine falsche Vorstellung von Wahrheit. Die macht einem nicht warm ums Herz. Aber Lügen, sie zerstören einen. Von innen heraus, wie ein Gift, das in die Zellen eindringt." (Zitat S. 175)

Der Schreibstil von Finck ist leicht verständlich und angenehm. Leider habe ich immer wieder den Faden bzw. die Lust am Weiterlesen verloren, weil mir die Spannung gefehlt hat. Für mich ist dieses Buch nichts anderes als eine Autobiografie von Rasmus, die er seinen Lesern erzählt. Wer sowas mag, kommt hier sicherlich auf seine Kosten. Für mich zog sich die Handlung gähnend in die Länge und ich war des Öfteren kurz davor, das Buch einfach abzubrechen.

Fazit: Eine ziemlich langatmige Story, der es an Spannung mangelt und und die aufgrund der ständigen Zeitsprünge verwirrend ist. Hier verspricht der Klappentext deutlich mehr Action, als geboten wird. Schade!

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Interessantes Setting, coole Plotideen

Outback – Niemand hört dich schreien
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Barbara Guerra ist Polizistin in Berlin. Als sie einen Anruf erhält, dass ihre kleine Schwester Rita im australischen Outback vermisst wird, reist sie direkt dorthin um sich vor Ort selbst ein Bild von ...

Barbara Guerra ist Polizistin in Berlin. Als sie einen Anruf erhält, dass ihre kleine Schwester Rita im australischen Outback vermisst wird, reist sie direkt dorthin um sich vor Ort selbst ein Bild von den Ermittlungen zu machen. Zusammen mit DS Lucas Walker stößt sie dabei auf mehrere Vermisstenfälle und befürchtet Schlimmes ...

Die Autorin zeigt die harte Realität eines Lebens im Outback, wo sie selbst einige Zeit gelebt hat. Die Aussichtschancen für Barbara, ihre Schwester lebend zu finden, sind ziemlich gering - und die Zeit wird immer knapper. Denn bei 40 Grad brennender Sonne und endlosem Busch, ist die Chance praktisch gleich null.

Zitat S. 176:
"Australien ist anders, als ich es mir vorgestellt habe", sagt sie ein paar Minuten später.
"Ach ja? Was hatten Sie denn erwartet?"
"Ich weiß nicht genau, aber nicht diese Leere. Alles ist so trocken und tot."

Der Start war aufgrund dieser dramatischen Bedingungen bereits spannend. Auch die Einwohner, die man als etwas frauenfeindlich und eigenbrödlerisch kennenlernt, machen nicht gerade Lust auf einen Urlaub an diesem Ort.
DS Walker schießt sich auf Drogenhandel ein und versucht verzweifelt, eine Verbindung zu Rita und ihrem Freund herzustellen. Erst spät merkt er, dass Barbaras Verdacht auf einen Serienmörder viel naheliegender ist.

Es gibt einige Perspektivwechsel, dennoch war mir dieser Mittelteil zu zäh, da auch recht schnell klar war, wer der Täter ist. Es fehlte also nur noch ein entscheidender Hinweis auf diesen, damit die Auflösung authentisch wird. Erst als noch jemand verschwindet, gelangt auch DS Walker auf die richtige Spur und es kommt ordentlich Tempo auf.

Das Ende war mir fast ein wenig zu positiv unter diesen dramatischen Umständen und hinterließ einige offene Fragen. Da dieser Titel jedoch scheinbar ein Reihenauftakt ist, werden meine Fragen sicher im nächsten Teil geklärt. Ich freue mich darauf!

Fazit: Ein solider Reihenauftakt mit einem interessanten Setting und einigen guten Plotideen. Trotz kleiner Längen im Mittelteil freue ich mich auf Band 2.

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Lädt zum Miträtseln und Ermitteln ein

Mörderfinder – Das Muster des Bösen
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"Mörderfinder - Das Muster des Bösen" ist bereits der fünfte Teil der Reihe um den ehemaligen Kriminaloberkommissar Max Bischoff, der nun mit seinem neuen Partner, dem Psychologen und Handschriftexperten ...

"Mörderfinder - Das Muster des Bösen" ist bereits der fünfte Teil der Reihe um den ehemaligen Kriminaloberkommissar Max Bischoff, der nun mit seinem neuen Partner, dem Psychologen und Handschriftexperten Dr. Marvin Wagner, eine Detektei eröffnet. Doch schon vor der Eröffnung haben sie es mit ihrem ersten Fall zu tun.

Ich persönlich finde ja immer schwierig, ab einer gewissen Anzahl von Bänden die Geschichten der Protagonisten glaubwürdig und interessant weiterzustricken. Mit der Eröffnung der Detektei hat Arno Strobel jedoch eine gute Begründung gefunden, weshalb Max Bischoff außer Dienst weiterhin Ermittlungen anstellen kann. Das war ein ziemlich cleverer Schachzug des Autors. Auch die Kombi des Teams mit Marvin ist hier gut gewählt und verspricht spannende Analysen.

Zitat S. 104:
"Düsseldorfer Ex-Spitzenpolizist ermittelt im Mordfall Holzheimer."
Max klickte auf den Link und wurde zum Artikel geleitet, der mit einer weiteren Überschrift begann.
"Ehemaliger Kriminaloberkommissar Max Bischoff: Der Fallanalytiker kehrt zurück!"

Max bekommt zwar viele helfende Hände, steht aber vor einem Rätsel. Der Fall beginnt direkt spannend, und Strobel bringt Max und den Leser immer wieder auf falsche Fährten. Es wird brisant und für den ein oder anderen Protagonisten sogar gefährlich. Erst zum Ende klärt sich auf, wer der wahre Täter ist. Auch wenn ich an einigen Wendungen Zweifel hatte, hatte ich mit dieser Auflösung nicht gerechnet, die mir dann allerdings ein wenig zu schnell abgehandelt wurde. Im Großen und Ganzen konnte mich der neue Teil gut unterhalten - und ich freue mich auf weitere.

Fazit: Eine spannende Reihenfortsetzung, die zum Miträtseln einlädt, aufgrund der (gelungenen) Charakterentwicklung jedoch in Reihenfolge gelesen werden sollte.

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