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Veröffentlicht am 07.12.2024

Es mangelte an Authentizität

William
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Henry ist ein Robotikingenieur, der gern forscht, entdeckt und herumbastelt. Da er aufgrund einer Phobie an sein Zuhause gefesselt ist, hat er sich auf dem Dachboden sein Labor eingerichtet. Er liebt es, ...

Henry ist ein Robotikingenieur, der gern forscht, entdeckt und herumbastelt. Da er aufgrund einer Phobie an sein Zuhause gefesselt ist, hat er sich auf dem Dachboden sein Labor eingerichtet. Er liebt es, mit der künstlichen Intelligenz zu spielen und kreiert allerlei Wesen. Darunter auch William. Doch William scheint sich zu verändern und ein Eigenleben zu entwickeln. So funktioniert die Sprachsteuerung der Türen plötzlich nicht mehr und noch schlimmer: William hat es auf Henrys schwangere Frau Lily abgesehen. Wird es ihm gelingen, den Roboter rechtzeitig zu deaktivieren?

Autsch, das war nix! Und dabei klang der Plot so vielversprechend, dass ich mich wochenlang auf den Roman gefreut habe. Schon nach ein paar Seiten war mir allerdings klar, dass hier eine sehr unrealistische Geschichte auf mich wartet. Was mit einem eigentlich interessanten Experiment beginnt, entwickelt sich zu einem utopischen Escape Game im eigenen Haus. Fenster und Türen lassen sich nicht mehr öffnen, Besucher verschwinden spurlos und trotz allem traut sich Henry nicht, das Haus zu verlassen. Ich habe wirklich versucht, mich in seine Lage hineinzuversetzen. Habe überlegt, wie ich wohl reagiert hätte, hätte es eine KI auf mich oder meine Frau abgesehen. Vielleicht bin ich da zu kritisch und zu realistisch, weswegen es mir schwerfiel, Henrys Handlungen nachzuvollziehen. So hatten sie für mich leider einen unglaubwürdigen Touch.

Ich war froh, dass das Buch nicht viele Seiten hatte und ich somit recht fix erlöst wurde. Auch wenn das jetzt etwas hart klingt. An Schreibstil und Sprache lag es nicht, denn beides war leicht verständlich und angenehm. Mir war es möglich, mir sowohl das Setting als auch die einzelnen Figuren bildlich vorzustellen. Ich kannte den Stil bereits von anderen Büchern des Autors, die er als Andrew Pyper veröffentlicht hat, und mochte es, dass er eine bestimmte Atmosphäre entstehen lassen konnte, bei der man sich entweder gruselte oder vor Spannung die Luft anhielt. Er kann also definitiv schreiben. Aber! Von Seite zu Seite wurde die Geschichte immer unglaubwürdiger und ich habe mich mehrmals dabei erwischt, wie ich deswegen mit den Augen gerollt und Passagen überflogen habe.

Henry und Lily sind interessante Protagonisten, mit den ganz klassischen Eheproblemen. Vor allem Henrys Phobie kam deutlich herüber und hat mich sogar kurz zum Nachdenken gebracht. Wie würde es mir ergehen auf einem Dachboden, mit wenig Sonnenlicht, wenig soziale Teilhabe? Möchte ich gar nicht herausfinden, ehrlich gesagt. Trotzdem hätte ich gern mehr über Lily erfahren, die Dinge mehr aus ihrer Sicht gesehen.

Auch die coole Wendung am Ende konnte das Ruder nicht mehr rumreißen. Da hatte ich bereits jegliche Neugier verloren und war einfach nur erleichtert, es bis zum Ende durchgehalten zu haben.

Fazit: Kann man lesen, muss man aber nicht. Wer auf utopische Geschichten steht und keine hohen/besonderen Ansprüche hat, hat mit WILLIAM sicher Spaß. Für KI-Fans sicher interessant. Für mich war dieses Buch leider ein Flop, aber vielleicht gehöre ich auch nicht zur Zielgruppe.

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Veröffentlicht am 07.12.2024

Tiefgründig, herzzerreißend, unheimlich

Meine Freundin Helen - Eine Geistergeschichte
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Habt ihr eine/n beste/n Freund/in? Jemanden, der für euch da ist, der euch zuhört, eure Geheimnisse kennt ... und der euch tief in einen Teich ziehen möchte, damit ihr sterbt?

Ähh, Moment ...

Molly ...

Habt ihr eine/n beste/n Freund/in? Jemanden, der für euch da ist, der euch zuhört, eure Geheimnisse kennt ... und der euch tief in einen Teich ziehen möchte, damit ihr sterbt?

Ähh, Moment ...

Molly zieht mit ihrem Bruder Michael und ihrer Mutter in eine abgelegene Gegend in Holwell, genauer gesagt in eine umgebaute Kirche mit angrenzendem Friedhof. Mit dabei: Stiefvater Dave und Stiefschwester Heather. Und letztere ist es, die uns hier ordentlich auf Trab hält. Gerade mal sieben Jahre alt, aber gehässig und intrigant wie eine Siebzigjährige. Es gab zahlreiche Momente, in denen ich mit Heather geschimpft und wegen ihr genervt die Augen verdreht habe. Was für eine Rotzgöre! Sie tut alles, um das neue Familienbündnis zu stören und alle gegeneinander auszuspielen. Immer wieder lügt sie und behauptet Dinge, die für Molly zur Belastung werden. Während des Lesens habe ich gemerkt, dass ich Heather dadurch in eine Schublade gesteckt und mich gefragt habe, was das eigentlich für eine seltsam verkorkste Familie ist.

Wir werden hier mit traumatischen Erlebnissen konfrontiert, mit Schuldzuweisungen, psychischen Machtspielchen, Erziehungsproblemen und Grenzüberschreitungen. Doch zwischen den Zeilen steckt so viel mehr. Ich habe verstanden, dass man den Figuren - wie im echten Leben - nur vor den Kopf gucken kann. Dass man nicht voreilig urteilen und schon gar nicht jemanden leichtfertig aufgeben sollte. Denn oft stecken hinter Wut ganz einfach Angst und Traurigkeit.

Ab Seite 150 hat mir die Autorin die Augen geöffnet und Tränchen in diese getrieben. Ich bin noch einmal verschiedene Situationen gedanklich durchgegangen und so manches Verhalten konnte ich nun besser nachvollziehen. Auch, warum die ruhelose Helen solch eine gefährliche Wirkung auf die kleine Heather hatte.

Als Seitenanzeige wurden hier kleine Grabsteine gewählt, die von einem schwarz-grauen Mauerwerk umgeben sind. Eine gelungene Idee, die das Buch optisch aufwertet und zum Setting (Friedhof+Umgebung) passt.

Fazit: Tiefgründig, herzzerreißend, unheimlich - eine Geistergeschichte, die dem Leser trotz der wenigen (170) Seiten viel mit auf den Weg gibt.

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Veröffentlicht am 06.12.2024

Dramatisch und wendungsreich

Das Wochenende
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Max und Annie eröffnen einen Glampingplatz und laden ihre alten Studienfreunde mitsamt ihren Familien ein, um diesen vor Eröffnung zu testen und mal wieder Zeit zusammen zu verbringen. Doch relativ schnell ...

Max und Annie eröffnen einen Glampingplatz und laden ihre alten Studienfreunde mitsamt ihren Familien ein, um diesen vor Eröffnung zu testen und mal wieder Zeit zusammen zu verbringen. Doch relativ schnell entpuppt sich die 20-jährige Freundschaft zwischen den Männern als nicht so gefestigt, als diese auf die Kinder aufpassen sollen und sie sie prompt aus den Augen verlieren. Mit der Suche nach den Kindern abgelenkt, bekommt jedoch keiner die wirkliche Bedrohung mit, die aus einer ganz anderen Richtung kommt.

Der Prolog beginnt direkt dramatisch und zeigt dem Leser, mit welcher schrecklichen Szene sie konfrontiert werden. Jedoch lässt die Autorin einen im Unklaren, um welche Personen es sich handelt, und beginnt von vorne zu erzählen.

Zitat S. 11:
„Es gibt keinen Ausweg. Sie kann nirgendwohin.
Sie macht die Augen zu, breitet die Arme aus, ganz weit, als hätte sie Flügel, um sich in die Lüfte zu erheben und sich dem Vogel weit über ihr anzuschließen. Mit einem letzten, tiefen Atemzug bewegt sie sich vorwärts in die Leere hinein. Ob Sturz oder Flug – ihr ist jetzt alles egal.“

Nach einer kurzen Vorstellung, mit welchen Paaren und Kindern wir es hier zu tun haben, ändert sich recht schnell die Atmosphäre, als bereits am ersten Abend Auseinandersetzungen auftreten.

Die Autorin geht hier thematisch auf traumatisierte Kinder ein und welche Schwierigkeiten im Alltag auftreten, was ich persönlich sehr interessant fand. Die Emotionen sind hier sehr gut dargestellt und sorgen bereits für ein unterschwelliges Brodeln.

Die Kapitel werden abwechselnd durch die verschiedenen Protagonisten rückblickend erzählt, denn mittlerweile ist das Wochenende bereits vorüber und die Polizei ist involviert und befragt alle Teilnehmer, da eine Person vermisst wird.

Hier weiß Hannah Richell die Ahnungslosigkeit des Lesers gut zu nutzen. Mit einigen Wendungen und spannenden Vorkommnissen begreift man erst zum Schluss, auf wen sich die anfangs geschriebenen Worte bezogen und wer hier eigentlich wirklich in Gefahr ist.

Parallel zum Print habe ich das Hörbuch gehört. Die beiden Sprecher, Anne Düe und Günther Harder, haben grundsätzlich einen guten Job gemacht. Mir haben die Stimmfarben, Betonungen und Pausen gefallen, sodass ich mich völlig der Story hingeben konnte.

Fazit: Ein spannender Thriller mit wendungsreichem Plot. Mir hat vor allem die Themenauswahl (Mobbing, Trauma usw.) gefallen. Das hat Richell gut rübergebracht. Ich kann das Buch daher uneingeschränkt empfehlen.

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Veröffentlicht am 29.11.2024

Eine bedrückende Fortsetzung

Die Totgeglaubte (Haven 4)
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Die Story wird wie in den Teilen zuvor auch wieder abwechselnd aus der Sicht von Cyrus und Evie erzählt. Ich liebe die Verbindung der beiden zueinander einfach! Jeder ist für den anderen da, ohne darum ...

Die Story wird wie in den Teilen zuvor auch wieder abwechselnd aus der Sicht von Cyrus und Evie erzählt. Ich liebe die Verbindung der beiden zueinander einfach! Jeder ist für den anderen da, ohne darum gebeten zu werden oder eine Gegenleistung zu erwarten. In der heutigen Zeit leider nicht selbstverständlich, daher haben diese beiden eine echte Vorzeigefreundschaft.

Robotham greift das Thema Migration in diesem Band bewusst auf und baut darum eine erschreckend reale Story. Ehrlich gesagt war mir diese direkte Konfrontation, überflutet von den Bildern aus den immer noch gegenwärtigen Nachrichten, hin und wieder echt zu viel. Für die Entwicklung von Evie und Cyrus ist die Geschichte allerdings unabdingbar.

Cyrus hat mir mal wieder sehr imponiert. Sein Beschützerinstinkt war ausgeprägter denn je, denn wenn es um Evies Wohlergehen geht, lässt er einfach alles stehen und liegen. Und Evie ist in diesem Teil tatsächlich sein großes Sorgenkind. So ist es nicht nur ihre körperliche Gesundheit, die Anlass zur Sorge bereitet, sondern vielmehr ihr lange unterdrücktes Kindheitstrauma. Im Laufe der Geschichte öffnet sie sich Stück für Stück und gibt Erlebnisse ihrer Kindheit preis. Zusammen mit Cyrus versucht sie, ihre damalige Flucht zu rekonstruieren und stößt dabei auf furchtbare Erinnerungen...

Der Schreibstil von Robotham ist mitreißend und gerade in diesem Teil sehr bedrückend. Ich hatte durchgehend ein flaues Gefühl im Magen, weil mich die Ereignisse so sehr berührt haben. Gewalttätige Schlepper, verzweifelte Migranten, gekenterte Boote, ertrunkene Menschen - all das hat der Autor so real verpackt, dass mir die Tränen in den Augen standen.

Fazit: Eine bedrückende Fortsetzung, emotional, mitreißend, authentisch. Wer Cyrus und Evie schon ins Herz geschlossen hat wie ich, der wird auch hier wieder voll begeistert sein.

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Veröffentlicht am 29.11.2024

Millie in Bestform!

Sie wird dich finden
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Meine Lieblingshaushälterin ist zurück! Und zu meiner Überraschung ist sie auf einmal so brav geworden. Mittlerweile hat sie mit ihrem Ehemann Enzo zwei wundervolle Kinder und ist gerade in ein neues Haus ...

Meine Lieblingshaushälterin ist zurück! Und zu meiner Überraschung ist sie auf einmal so brav geworden. Mittlerweile hat sie mit ihrem Ehemann Enzo zwei wundervolle Kinder und ist gerade in ein neues Haus eingezogen. Alles scheint perfekt – wären da nicht die Nachbarn vom nebenan...

Suzette ist eine aufgetakelte und hochnäsige Person, die mit ihrem Mann und ganz wichtig – ohne Kinder – in dem prunkvollen Nachbarhaus lebt. Millie ist es schon nach kurzer Zeit leid, wie Suzette sich Enzo an den Hals schmeißt. Doch sie hält sich zurück, auch wenn es ihr unheimlich schwerfällt. Als Suzettes Ehemann plötzlich mit durchgeschnittener Kehle aufgefunden wird, fällt der Verdacht schnell auf Enzo. Millies Einsatz ist gefragt! Obwohl sie sich geändert hat, muss sie alles tun, um diesmal ihre eigene Familie zu retten…

Ich bin ja so traurig, dass wird nun am Ende der Trilogie angekommen sind, und weiß noch gar nicht, wie es mit mir weitergehen soll ohne Millie! Diese Reihe war einfach gigantisch und auch der dritte Teil konnte mich vollends überzeugen. In vier Teilen erzählt McFadden die Geschichte, und auch wenn Millie diesmal eher im Hintergrund agiert, geht es dennoch um ihre Familie, die sie mit aller Kraft beschützen muss.

Der Schreibstil von McFadden ist gewohnt mitreißend und überaus fesselnd. Schon nach wenigen Seiten war ich voll drin in der Handlung und habe die Geschehnisse mit brennender Neugier verfolgt. Die geschickt eingebauten Plottwists haben bei mir ordentlich für Nervenkitzel gesorgt und die Perspektivwechsel zwischen Millie und ihrer Tochter Ada fand ich sehr gelungen. Da ich Millie ja schon kannte, habe ich sie immer wieder im Verdacht gehabt und ihr alles Mögliche zugetraut. Wer kann´s mir auch verübeln?

Zum Ende hin ging es Schlag auf Schlag. Für mich gab es keine Chance, das Buch auch nur kurz aus der Hand zu legen, so sehr war ich gefangen in diesem Strudel, den die Autorin in Gang gesetzt hat. Einerseits neugierig auf den Ausgang, habe ich auch wehmütig die letzten Seiten durchgeblättert, weil ich einfach nicht wollte, dass Millies Geschichte nun tatsächlich zu Ende geht. Doch so großartig wie sie angefangen hat, so grandios endet sie auch!

Fazit: Diesem finalen Band habe ich so sehr entgegengefiebert und bin nun echt traurig, dass es tatsächlich vorbei ist mit den Geschichten rund um die hilfsbereite Millie. McFadden hat hier alles richtig gemacht und die Reihe grandios enden lassen. Mach´s gut, liebe Millie, ich werde dich wirklich vermissen!

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