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Veröffentlicht am 14.11.2023

Poetisch, düster, beeindruckend!

Requiem für einen blutroten Stern
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Wärt ihr gern unsterblich?

Cedric Edwards kann diese Frage mit Ja beantworten. Der Familienvater hat seine geliebte Frau aufgrund einer Krankheit verloren und ist nun selbst sterbenskrank. Cedrics einzige ...

Wärt ihr gern unsterblich?

Cedric Edwards kann diese Frage mit Ja beantworten. Der Familienvater hat seine geliebte Frau aufgrund einer Krankheit verloren und ist nun selbst sterbenskrank. Cedrics einzige Sorge gilt seinen beiden Töchtern, die viel zu jung sind, um zurückgelassen zu werden. Da kommt ihm das Angebot seiner Ärztin gerade recht: ein Forschungsserum, das unsterblich macht. Cedric stimmt zu und ahnt nicht, worauf er sich wirklich eingelassen hat.

Das klingt jetzt vermutlich wie ein Klischee, aber es ist die Wahrheit: Ich habe die erste Seite begonnen und war sofort gefangen. Der ganze Plot lebt nicht nur von den fein gezeichneten Figuren und der Vielzahl an Ideen, mich haben insbesondere Sprache und Stil beeindruckt. Wann liest man schon mal Wörter wie "zuvorderst"? Anika Beer findet stets die richtigen Worte und lässt das Viktorianische Zeitalter gekonnt mit einfließen. Dabei wechselt sie die Perspektive und legt den Fokus mal auf Cedric in Michigan, mal auf andere Figuren wie Dorián, Dorothy und Bartosz in Rom - bis die einzelnen Erzählstränge zusammengeführt werden und man vor lauter Spannung fast das Atmen vergisst.

Die Autorin gibt uns genug Zeit, um alle Charaktere kennenzulernen und diese bei den unterschiedlichsten Ereignissen zu begleiten. Ich habe mit Cedric Klavier gespielt, menschliches Blut getrunken, bin mit Dorián auf die Dächer Roms geklettert, habe in der Stadt um ein paar Münzen gebettelt und im Waisenhaus die Teller gewaschen. Die Geschichte wirkt so unglaublich lebendig, dass man mittendrin ist.

Die Kapitel werden mit kleinen Illustrationen und Klavierstücken eingeleitet, sodass auch hier der rote Faden erkennbar bleibt.

Dieser Roman erinnert mich an Anne Rices "Interview mit einem Vampir", da Cedric seine eigene Geschichte einem Jungen erzählt. Wir erfahren also vieles aus diesen Rückblenden. Doch "Requiem für einen blutroten Stern" ist so viel mehr als eine simple Vampirgeschichte. Es ist eine düstere Klaviatur des (Un)Todes und zeitgleich eine Ode an das Leben und die Liebe. Ein Mahnmal für all jene, die manchmal die Hoffnung verlieren, ihren Platz in der Gesellschaft suchen und Angst davor haben, jemanden zurückzulassen.

Lest dieses Buch!

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Veröffentlicht am 13.11.2023

Mehr Fantasyroman als Thriller

Das Nachthaus
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Puh, was war das denn?! Nicht nur, dass ich bei dem Klappentext, der mich wirklich neugierig gemacht hat, etwas vollkommen anderes erwartet hatte, das, was bei Jo Nesbøs neuem Roman „Das Nachthaus“ am ...

Puh, was war das denn?! Nicht nur, dass ich bei dem Klappentext, der mich wirklich neugierig gemacht hat, etwas vollkommen anderes erwartet hatte, das, was bei Jo Nesbøs neuem Roman „Das Nachthaus“ am Ende rumkam, hat mich überhaupt nicht abgeholt.

Jo Nesbø ist für mich ein wahnsinnig toller Geschichtenerzähler. Ich liebe seine Bücher und hatte mich darum auch riesig auf sein neuestes Werk gefreut. Allerdings habe ich mich schon nach den ersten paar Seiten gefragt, worauf diese Story hinauslaufen soll. Erwartet hatte ich so etwas wie einen Krimi. Mit jeder Seite, die ich las, wurde jedoch klar, dass wir vollkommen in eine Fantasy-Albtraumwelt abdriften. Sicherlich ist das Geschmacksache, meiner war es jedoch nicht.

Unabhängig davon: Nesbø erzählt auch dieses Mal auf seine unverkennbare Weise eine gut durchdachte Story. Alles fügt sich nach und nach zusammen, nichts wird zu früh verraten und doch ist alles schlüssig. So baut Nesbø einen soliden Spannungsbogen auf, der sich bis zur letzten Seite durchzieht.

Richard ist ein merkwürdiger Junge. Der Autor zeichnet ihn wunderbar skurril und zugleich glaubwürdig. Zu keiner Zeit habe ich an seiner Authentizität gezweifelt, auch wenn jede Figur im Roman genau das zu tun scheint. Im Endeffekt dreht sich alles um diesen einen Protagonisten. Dennoch sind sämtliche Nebencharaktere gut angelegt und fügen sich wunderbar in die Story ein. Auch die Szenenwechsel inszeniert Nesbø perfekt. Bis zum Schluss war mir nicht klar, worauf die mysteriösen Vorfälle hinauslaufen sollen.

Auch wenn die Fantasy-Story mich nicht gänzlich abgeholt hat, so war die schlussendliche Auflösung des Ganzen wirklich gut konstruiert. Tatsächlich hätte ich mir einfach mehr von dem, was da auf den letzten Seiten passierte, gewünscht. Und eines muss ich Nesbø lassen: Am Ende ergibt alles, was da von Anfang an geschehen ist, einen Sinn!

Fazit: Zwar liest sich der neue Roman von Jo Nesbø gut, ist recht unterhaltsam und wird sicherlich auch seine Fans finden. Hätte ich allerdings gewusst, dass es sich um eine Art Fantasy-(Horror)-Story handelt, hätte ich vermutlich nicht zu diesem Buch gegriffen. Für mich war das leider nicht überzeugend.

David Nathan als Sprecher ist für mich absolute Weltklasse und ich freue mich immer wieder darüber, wenn ich auf ein Hörbuch oder -spiel stoße, das er eingesprochen hat. Seine Stimmklangfarbe ist einzigartig, angenehm und einfach perfekt. Zudem weiß er als erfahrener Sprecher, wann er etwas besonders zu betonen oder wann er Pausen zu setzen hat. Für mich gibt es keinen Besseren!

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Veröffentlicht am 03.11.2023

Faszinierend, düster, spannend

Die Gargoyles von Notre Dame 1
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Kennen wir die Wahrheit über die Französische Revolution?


Zugegeben: Greg Walters ist ein Autor, den ich bisher nicht auf dem Schirm hatte. Als ich mit „Die Gargoyles von Notre Dame“ anfing, habe ich ...

Kennen wir die Wahrheit über die Französische Revolution?


Zugegeben: Greg Walters ist ein Autor, den ich bisher nicht auf dem Schirm hatte. Als ich mit „Die Gargoyles von Notre Dame“ anfing, habe ich festgestellt, dass es sich sogar um einen deutschen Autor handelt. Wie gut, dass es Bookstagram und Co. gibt, wo man immer wieder über interessante Titel stolpert.

Die Französische Revolution ist seit jeher ein Thema, das ich spannend finde. Gemischt mit Fantasy hat mich dieses Buch sofort angesprochen. Schnell war ich im frühen historischen Paris angekommen. Durch die detaillierten Beschreibungen fühlte es sich so an, als würde ich selbst den unebenen Boden unter den Füßen spüren und mich auf der Flucht befinden.

Henri ist ein starker Charakter, nicht nur im übertragenen Sinne. Bisher fand ich den 22-jährigen Steinmetzlehrling gut durchdacht und realitätsnah. Ich hoffe sehr, dass das im nächsten Teil so bleibt bzw. er noch mehr Platz zum Entfalten bekommt. Er als Vertreter des Fußvolks bildet übrigens den Gegenpol zu Catia, die als Adelige keine Privilegien mehr hat. Sie haben ein gemeinsames Ziel, trotz aller Unterschiede. Insbesondere das zwischenmenschliche Konstrukt hat mich schier an die Seiten gefesselt, weil ich erfahren wollte, wie es ist, wenn verschiedene Welten aufeinandertreffen.

Während Henri und auch sein Gargoyle Neiron einfach zu mögen sind, mochte ich die Teile mit Catia anfangs nicht. Ihre Figur war mir zu unausgegoren. Im Laufe der Geschichte macht sie sich jedoch und gibt einen guten Partner in Crime ab.

Der Erzähler Robert Frank hat auch Nevernight gelesen, von daher war mir seine Stimmfarbe vertraut. Hier zeigt er ebenfalls, dass er für Stories dieser Art eine sehr gute Wahl ist. Er liest mit einer angenehmen Stimme, unaufgeregt, möchte dem Hörer die Zeit geben, in der Story anzukommen, und nutzt Pausen für die passende Dramaturgie.

Das mache ich zwar selten, muss ich hier aber anführen: Das Cover ist ein echter Hingucker! Durch die in Gold gehaltene Schrift und die kantige Schriftart vor dem Hintergrund des brennenden Paris verbindet es für mich gekonnt Geschichte mit Fiktion.

Fazit: Für mich eine der Überraschungen des Jahres. Spannend, düster, historisch angehaucht und dabei in puncto Ideenreichtum absolut zeitlos. Der zweite Band der Gargoyles ist zum Glück schon erhältlich und wird bald gelesen! Der dritte folgt Anfang Juli 2024.

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Veröffentlicht am 02.11.2023

Über weite Strecken spannungsarm

Die Einladung
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DIE EINLADUNG ist aktuell DAS Thema (auch weil es noch andere Bücher gibt mit demselben Titel, die jüngst erschienen sind) auf Bookstagram und wird reichlich gelobt. Da traut man sich ja fast nicht, auf ...

DIE EINLADUNG ist aktuell DAS Thema (auch weil es noch andere Bücher gibt mit demselben Titel, die jüngst erschienen sind) auf Bookstagram und wird reichlich gelobt. Da traut man sich ja fast nicht, auf die (Spaß)Bremse zu treten. Fast, hust!

Kurz zur Story: Marla erhält eine Einladung zum Abi-Treffen. Ihre Erinnerungen an die Schulzeit sind nicht sonderlich gut und sie ist hin- und hergerissen, ob sie zusagen soll. Die Tatsache, dass das Treffen auf einer Berghütte in den Alpen stattfinden soll, macht die Sache nicht besser. Doch letztendlich überwiegt die Neugier und Marla nimmt die Einladung an. Dort angekommen ist nichts, wie es scheint, und Marla ahnt nicht, dass ihre Vergangenheit mitgereist ist…

Und da fängt es an: Berghütten-Setting, Abgeschiedenheit, kein Handyempfang, Mord und Totschlag. Mittlerweile ist das doch ziemlich ausgelutscht, oder? Warum habe ich es trotzdem gelesen? Weil Fitzek-Fan der ersten Stunde. Und als solcher bin ich es (überwiegend) gewohnt, dass mich das Buch innerhalb der ersten zehn Seiten packt. Das war hier nicht der Fall, da die Handlung erst nach ca. hundert Seiten überhaupt ETWAS in Fahrt kommt.

In diesem Escape-Thriller passiert eine Menge, aber irgendwie auch nichts. Mir waren die Twists insgesamt too much, mehrere Passagen larifari. Zudem haben mich die Sprünge und Zeitangaben irgendwann kirre gemacht.

Mit Marla hat der Autor eine sympathische und authentische Protagonistin geschaffen, die aufgrund ihrer Gesichtsblindheit Schwierigkeiten im Alltag hat. Ein für mich sehr interessantes Thema, das er super eingebunden hat.

Die Auflösung war vorhersehbar, konnte mich dennoch gut unterhalten. Ich hatte sogar das Gefühl, Fitzek hätte diesbezüglich zu alter Stärke zurückgefunden, denn Cliffhanger und geschickt konstruierte Enden liegen ihm eigentlich.

Fazit: Begeistert bin ich diesmal nicht, dafür mangelte es mir zu oft an Spannung. Wer aber dieses o.g. Alpen-Setting mag und ein Faible für Wendungen hat, kann hier gern mal reinschnuppern.

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Veröffentlicht am 01.11.2023

Potenzial nicht ausgeschöpft

POSTER GIRL - Wer bist du, wenn dir niemand zusieht?
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Eine Welt, in der alles überwacht wird, jeder Schritt, jedes Tun. Eine Welt, in der man bei Wohltaten Geld verdient, bei Fehlern jedoch bezahlen muss. Ist man regimetreu, aufrichtig und perfekt, wie Sonya, ...

Eine Welt, in der alles überwacht wird, jeder Schritt, jedes Tun. Eine Welt, in der man bei Wohltaten Geld verdient, bei Fehlern jedoch bezahlen muss. Ist man regimetreu, aufrichtig und perfekt, wie Sonya, dann sollte das kein Problem sein. Doch der Normalbürger hat es nicht leicht. Selbst mir wäre es bei solch einer Überwachung schwergefallen. Man stellt sich hier direkt als Leser die Fragen: Inwiefern würde ich dem Regime treu sein? Würde ich rebellieren, mich an Regeln halten?

In das Buch reingekommen bin ich mehr schlecht als recht. Viele Eindrücke sind direkt auf mich eingeprasselt, ich war mittendrin in dieser fremden, dystopischen Welt, ohne auf diese vorbereitet zu werden. Die Autorin hat wenig erklärt und daher hatte ich arge Probleme, ihr zu folgen. Hin und wieder musste ich sogar zurücklesen, um die Zusammenhänge zu verstehen. Das hätte man deutlich besser lösen können. Im weiteren (zu späten) Verlauf des Buches wurde es zum Glück leichter. Der Schreibstil gefällt mir gut, ich kenne bereits die Divergent-Reihe der Autorin und mochte auch dort schon die Formulierungen und Beschreibungen.

Unsere Hauptperson, wie bereits oben kurz erwähnt, ist Sonya. Sonya ist gesellschaftlich stark gefallen. Vom umfeierten Star des Regimes zur Gefangenen, nachdem dieses gefallen ist. Die Gedanken sitzen jedoch immer noch tief, sie kann nicht vergessen. Ein Charakter ändert sich nicht so leicht, Gehirnwäsche lässt grüßen. Die ehemalige Delegation hat ganze Arbeit geleistet und daher kann man auch verstehen, warum ehemalige Regimegetreue weggesperrt werden mussten. Sonya wurde gut ausgearbeitet und kam authentisch rüber. Sie ist ein starkes, selbstbewusstes Mädchen, doch leider immer noch in der Vergangenheit gefangen. Sie kommt nicht aus ihren alten Gewohnheiten raus und das war bisweilen ein wenig anstrengend und ernüchternd. Ich hätte sie gerne hin und wieder geschüttelt.

Bis auf die Startschwierigkeiten und weitere kleinere Problemchen, hat mir das Buch insgesamt gut gefallen. Obwohl die Autorin mehr in die Tiefe hätte gehen können. Mir hat bei dem ganzen digitalisierten „Zeugs“ einfach das wissenschaftliche Know-How gefehlt. Ich selbst habe als Laie kaum Ahnung davon, doch wenn man als Autorin so etwas aufgreift, dann sollte man sich recherchetechnisch dahinterklemmen und Infos einholen. Es wirkte häufig ein wenig stümperhaft und lapidar beschrieben. Die Handlung war daher nicht ausgereift, eher oberflächlich und schnell abgehandelt. Das fand ich persönlich sehr schade, denn der Plot selbst und die Idee dahinter sind spannend. Ein wenig Politdrama, gepaart mit dystopischem Feeling, nichts Neues, aber dennoch vielfältig, zumindest wenn man es gut ausarbeiten kann. Die Geschichte konnte mich allgemein betrachtet oft in Atem halten und hatte einige überraschende Wendungen in petto, aber es gab auch viele Schwachstellen, die mich nicht überzeugt haben.

Fazit: Die Idee hinter der Geschichte ist top, jedoch ist die Ausarbeitung nicht sonderlich gelungen. Ich bekam das Gefühl, dass die Autorin sich mit dem Grundthema nicht ausreichend beschäftigt hat. Ich empfehle POSTER GIRL an diejenigen weiter, die mit dem dystopischen Genre (durch)starten möchten.

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