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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.06.2018

Ein Krimi aus dem hohen Norden; so wie ich ihn liebe.

Die Springflut
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Direkt zu Beginn wird man von dem Jahre zurückliegenden und unaufgeklärten Kriminalfall in den Bann gezogen. Ein tragisches Verbrechen, das seine Auswirkungen in der Gegenwart entfaltet und das Leben von ...

Direkt zu Beginn wird man von dem Jahre zurückliegenden und unaufgeklärten Kriminalfall in den Bann gezogen. Ein tragisches Verbrechen, das seine Auswirkungen in der Gegenwart entfaltet und das Leben von Olivia Rönning für immer verändern wird. Besonders gut hat mir gefallen, dass man die Geschichte aus den Perspektiven der verschiedenen Charaktere erlebt. Diese sind alle so authentisch und sympatisch, dass man mit jedem einzelnen mitfiebert und immer weiter liest, um zu erfahren, wie es für sie ausgeht. Gerade, dass Tom Stilton und Olivia Rönning ein ungleiches Duo sind, gefällt mir sehr gut. Und auch die Ermittlungen verlaufen eher unkonventionell. Es gibt mehrere Personen, die das Geschehen beeinflussen und mehrere Handlungsstränge, die zum Schluss hin aber gut miteinander verbunden werden. Das Ende hat mich dann dennoch überrascht und in mir den Wunsch geweckt direkt den nächsten Band zu lesen.

Veröffentlicht am 19.06.2018

Gelungene und spannende Fortsetzung

Die dritte Stimme
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Was haben die Leiche einer blinden Frau in Marseille und der erhängte Zollbeamte Bengt Sahlmann miteinander zu tun? Diese Frage stellt sich dem Leser gleich zu Beginn, denn auf den ersten Blick scheinen ...

Was haben die Leiche einer blinden Frau in Marseille und der erhängte Zollbeamte Bengt Sahlmann miteinander zu tun? Diese Frage stellt sich dem Leser gleich zu Beginn, denn auf den ersten Blick scheinen die beiden Fälle keinen Zusammenhang zu haben. Unweigerlich gerät Olivia Rönning, die statt als Polizistin zu arbeiten jetzt lieber Kunstgeschichte studieren und ihren Namen in Rivera ändern möchte, in die Ermittlung rund um den Fall Sahlmann. Denn es zeigt sich schnell, dass dieser keineswegs Selbstmord beging und dass er nicht das letzte Opfer sein wird. Währenddessen will der ehemalige Kriminalkommissar Tom Stilton zusammen mit seinem Freund Abbas das Verbrechen um die Schaustellerin Samira lösen. Für Abbas eine düstere Reise in die Vergangenheit. Letztendlich müssen alle zusammenarbeiten um die beiden Fälle, die miteinander verbunden sind, aufzuklären.

Mir hat auch der zweite Teil der Rönnning-Stilton-Reihe von Cilla und Rolf Börjlind sehr gut gefallen. Vor allen Dingen die Entwicklung der Charaktere. Nach dem dramatischen Ende von „Die Springflut“ muss Olivia den Schock erst einmal verdauen und sich darüber klar werden, wer sie eigentlich selber ist und wer sie sein will. Als Leser begleitet man sie bei diesem Prozess der Selbstfindung. Aber nicht nur Olivia, auch die anderen Figuren bekommen in der Fortsetzung noch mehr Tiefe. Allen voran Abbas, der sich mit seiner dunklen Vergangenheit auseinandersetzen muss und auf seinem Rachefeldzug Unterstützung von Tom Stilton erhält.
Bei aller Charakterentwicklung kommt aber auch der Kriminalfall nicht zu kurz. Es gibt einige spannende Momente und auch eine überraschende Wendung. Dadurch, dass beide Fälle miteinander verbunden sind, kreuzen sich auch die Wege der Protagonisten. Diese besondere Dynamik, die dann entsteht, mag ich besonders an der Reihe. Daher freue ich mich schon sehr auf den nächsten Teil der Börjlinds!

Veröffentlicht am 14.05.2018

Frank Schätzing lässt das mittelalterliche Köln aufleben

Tod und Teufel Premium Edition Schmuckausgabe
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Jacop der Fuchs hat etwas gesehen, das er nicht sehen sollte: Der Dombaumeister Gerhard Morart wird vom Gerüst der neuen Kirche in den Tod gestoßen. Zunächst will niemand dem obdachlosen Herumtreiber und ...

Jacop der Fuchs hat etwas gesehen, das er nicht sehen sollte: Der Dombaumeister Gerhard Morart wird vom Gerüst der neuen Kirche in den Tod gestoßen. Zunächst will niemand dem obdachlosen Herumtreiber und Dieb glauben und Jacob beginnt, selbst an dem Gesehenen zu zweifeln. Als jedoch alle, denen er vom gewaltsamen Tod des Dombaumeisters erzählt hat, sterben, beginnt für ihn eine atemlose Flucht durch Köln. Bei seinem Kampf gegen den übermächtigen Gegner, der einem Dämon aus der Hölle gleicht, erhält er Unterstützung vom Physikus Jaspar Rodenkirchen und seiner Nichte Richmodis. Gemeinsam versuchen sie, das Geheimnis und die Intrigen rund um Gerhards Tod aufzudecken.

„Tod und Teufel“ ist ein sehr gelungener Kölnkrimi. Schätzings Sprache ist sehr lebendig und man hat das Gefühl in das mittelalterliche Köln einzutauchen und Jacop auf seiner Hetzjagd zu begleiten. Hinzu kommt, dass der Autor viele Hintergrundinformationen recherchiert hat und als Ausgangspunkt – den Tod des Dombaumeisters – ein wahres Ereignis nimmt. So vermischen sich historische Fakten und Fiktion zu einer glaubwürdigen und spannenden Geschichte. Aber nicht nur das Flair und die Atmosphäre des mittelalterlichen Kölns werden gut vermittelt, auch die Charaktere sind absolut authentisch. Beeinflusst durch das Geschehen und die Personen, die er auf seinem Weg trifft, durchläuft Jacop im Lauf der Geschichte eine glaubwürdige Entwicklung vom mut- und rastlosen Müßiggänger zum entschlossenen und verantwortungsvollen Mann, der für sein Leben und das anderer kämpft. Dadurch, dass die Charaktere glaubwürdig und sympathisch sind, fiebert man mit ihnen mit und hofft, dass niemand mehr sterben muss und allen ein glückliches Ende beschert wird. Deshalb ist Schätzings Kriminalroman ein absoluter Pageturner und zeugt von Zeiten, in denen mich Schätzings Werke noch nicht aufgrund ihrer viel zu überfrachteten Hintergrundinformationen und Detailbesessenheit enttäuscht haben.

Veröffentlicht am 06.05.2018

Ein bildhafter Liebesroman mit kleinen Schwächen

Das Zedernhaus
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London zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Mit großer Vorfreude sieht die junge Victoria Bredon ihrer Hochzeit mit dem Reporter Jeremy Ryder entgegen. Doch ihr Glück und die gemeinsame Lebensplanung nehmen ...

London zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Mit großer Vorfreude sieht die junge Victoria Bredon ihrer Hochzeit mit dem Reporter Jeremy Ryder entgegen. Doch ihr Glück und die gemeinsame Lebensplanung nehmen ein jähes Ende, als ihr Verlobter im Auftrag des britischen Geheimdienstes nach Indien reisen soll, um bei der Aufklärung eines Attentats auf den Vizekönig zu helfen. Doch nicht nur, dass die Hochzeit verschoben werden muss, Jeremy verschwindet plötzlich und Victoria muss um sein Leben flüchten. Gemeinsam mit ihrem treuen Butler Hopkins begibt sie sich auf die Reise ins ferne Indien. Dort stoßen sie auf Geheimnisse, politische Intrigen und die Geschichte des Waisenjungen Mahi, der unfreiwillig Zeuge des Mordanschlags wurde und nun ebenso spurlos verschwunden ist. Die Hindernisse scheinen unüberwindlich und Victoria muss sich die Frage stellen: Wird sie Jeremy lebend finden?


Nach „Die rubinrote Kammer“ und „Das Geheimnis des Rosenzimmers“ ist „Das Zedernhaus“ bereits der dritte Roman aus der Victoria Bredon – Reihe von Pauline Peters. Obwohl es für mich das erste Buch der Autorin war, hatte ich keine Probleme in die Geschichte hinein zu finden. Die Bücher sind alle in sich abgeschlossen und die Autorin liefert zu Beginn einen guten Überblick über alle Charaktere. Mit nur einigen kurzen Erläuterungen bezieht sie sich auf das vergangene Geschehen und trifft somit genau das richtige Maß, um den Leser zu informieren, ohne ihn zu langweilen. Dadurch hat sie bei mir gleich zu Beginn den Wunsch geweckt, die vorherigen Romane noch nachträglich zu lesen.


Die Autorin hat einen sehr lebendigen Schreibstil. Besonders haben mir die detaillierten und synästhetischen Beschreibungen des lebhaften und farbenprächtigen Indiens gefallen, die zunächst aus der Sicht des stummen Waisenjungen Mahi geschildert werden. Der kleine indische Junge hat sich dank seiner neugierigen und kecken Art und seinem detektivischen Spürsinn schnell zu meinem Lieblingscharakter entwickelt. Aber auch die anderen Figuren wirken recht authentisch: Victoria ist einerseits eine, für ihre 17 Jahre, ziemlich reife junge Frau, die sich bei den Suffragetten engagiert und auch sonst den Konventionen trotzt. Andererseits zeigt sich in emotionalen Momenten, dass sie doch noch sehr jung und impulsiv ist und oft unüberlegt handelt. Teilweise wirken die Figuren aber auch zu übertrieben und klischeehaft: Der geheimnisvolle und überaus attraktive Märchenprinz Kintu und der warmherzige überaus britische Butler, der wirklich alles kann (vom Beschaffen gefälschter Ausweise, über Golfen, bis hin zum Kochen mehrgängiger Menüs auf einem Feldkocher), sind Beispiele für zwar sympathische aber auch unglaubwürdige sowie überspitzt dargestellte Charaktere.
Leider hat sich dann auch meine anfängliche Freude, zusammen mit Victoria und Hopkins auf eine abenteuerliche Reise zu gehen, im mittleren Teil der Handlung gelegt. Das lag zum einen daran, dass mir die Perspektive von Mahi und Jeremy fehlte, dessen Handlungsstrang nach dem Verschwinden zum Erliegen kam. Zum anderen konnte die Spannung, die zu Beginn noch aufgebaut wurde nicht aufrechterhalten werden. Dramatische Momente sind allzu selten und schnell wieder vorbei, da sich alles in Wohlgefallen auflöst. Viel zu oft wiederholt sich dasselbe Schema: Der vermeintliche Feind wird zum Freund und regelt das Geschehen für die Protagonisten. Und auch das Ende war – sowohl den Ausgang der Geschichte als auch die privaten Konsequenzen betreffend – durch wenig subtile Andeutungen leider zu vorhersehbar. Ich hätte mir mehr Schwierigkeiten, mehr Unvorhergesehenes, mehr Spannung und deutlich mehr Abenteuergefühl gewünscht.

Alles in allem ist „Das Zedernhaus“ sehr bildhaft geschrieben und bietet kurzweilige Unterhaltung. Dadurch, dass die Sprache recht einfach und die Handlungsstränge wenig komplex gestaltet sind, ist das Buch flüssig und gut zu lesen. Eine leichte Lektüre, bestens geeignet für den Strand oder das Freibad; also für Momente, in denen man etwas lesen möchte, worauf man sich nicht sonderlich zu konzentrieren braucht, wenn man kurz abschalten und in das exotische Indien der britischen Kolonialzeit abtauchen möchte.

  • Cover
  • Charaktere
  • Geschichte
  • Authentizität
  • Athmosphäre
Veröffentlicht am 12.04.2018

Der Jäger wird zum Gejagten

Oxen. Der dunkle Mann
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Zwar habe ich mich darauf gefreut nach "Das erste Opfer" die Fortsetzung der Oxen-Trilogie zu lesen, hatte aber nicht die Erwartung, dass "Der dunkle Mann" an die Qualität des ersten Teils herankommt. ...

Zwar habe ich mich darauf gefreut nach "Das erste Opfer" die Fortsetzung der Oxen-Trilogie zu lesen, hatte aber nicht die Erwartung, dass "Der dunkle Mann" an die Qualität des ersten Teils herankommt. Oftmals wurde ich schon vom mittleren Teil einer Trilogie enttäuscht und hatte das Gefühl nur einen "Lückenfüller" zu lesen, der auf das große Finale vorbereitet. Aber in diesem Fall wurde ich eindeutig eines Besseren belehrt.

Im zweiten Teil der Geschichte rund um den ehemaligen Elitesoldaten Niels Oxen erfahren wir mehr über die geheimnisvolle und mächtige Organisation des Danehofes. Gleich zu Beginn bringt ein entsetzlicher Mord die Geschehnisse ins Rollen: Malte Bulbjerg, der Museumsdirektor dem Oxen die brisanten Unterlagen über den Geheimbund anvertraut hat, wird ausgerechnet im historischen Danehof-Saal erschossen. Oxen, der sich wieder einmal aus der Zivilisation zurückgezogen hat und auf einer Fischfarm ein mehr oder weniger ruhiges Leben genießt, bekommt davon zunächst nichts mit. Erst als ein weiterer Mord geschieht und der Danehof ihn Oxen anhängt, muss er tätig werden und es beginnt eine spektakuläre Flucht. Aber auch dieses Mal muss er nicht alleine kämpfen. Zu Seite steht ihm wieder Margrethe Franck, die starke und clevere Geheimdienstmitarbeiterin und zusätzliche Unterstützung erhält er diesmal vom Polizisten Christian Sonne, dem Neffen Axel Mossmanns, der in diesem Teil selber unter Beschuss gerät.

Die Erzählung ist spannend geschrieben, nimmt schnell Fahrt auf und bleibt bis zum Schluss rasant. Selbst in den kurzen Verschnaufpausen auf der Flucht kommt man nicht zur Ruhe und ist wie der Protagonist in ständiger Alarmbereitschaft. Dass man mit den Protagonisten mitfiebert, liegt zum einen an der realistischen und überzeugenden Charakterzeichnung: Statt eines klischeehaften Agenten liefert Jensen Figuren mit Ecken und Kanten. Zum anderen sorgen die Perspektivwechsel des auktorialen Erzählers dafür, dass der Leser regen Anteil am Geschehen nimmt. So erlangt man Einblicke in die Machenschaften des Danehofes und weiß bereits vorher, wann eine Falle droht. Dennoch verrät der Autor nie zu viel, die atemlose Spannung bleibt aufrechterhalten und man weiß nie, wem man trauen kann. Somit möchte man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, weil man unbedingt erfahren möchte, wie Oxen sich aus dieser ausweglos erscheinende Notlage befreien kann. Ich kann es daher kaum erwarten, das große Finale der Oxen-Trilogie zu lesen.