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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.04.2021

Das Bergsalz schmolz mit jeder Seite ein bisschen mehr. Leider.

Bergsalz
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Das erste Drittel dieses Romans fand ich sehr gut. Die Charaktere waren einzigartig und wunderbar beschrieben. Man spürte die Einsamkeit, die festgefahrenen Strukturen im Dorfleben und die unsichtbaren ...

Das erste Drittel dieses Romans fand ich sehr gut. Die Charaktere waren einzigartig und wunderbar beschrieben. Man spürte die Einsamkeit, die festgefahrenen Strukturen im Dorfleben und die unsichtbaren Dorfregeln. Das Hadern und der innere Kampf der Frauen, ob man sich nun zusammentun sollte oder nicht. Das Aufdecken der doch recht identischen Lebensweisen der verschiedenen Frauen fand ich spannend und interessant. Auch das gemeinsame Projekt im zweiten Drittel der Geschichte war noch so geschrieben, dass man mit Begeisterung dabei war. Doch dann kippte die Geschichte. Auf einmal ging alles ganz schnell und ohne Probleme. Es gab fast nur noch friedliche und begeisterte Dorfmenschen, die den Veränderungen positiv gegenüber standen. Sehr unwahrscheinlich, dass man die Alteingesessenen so schnell begeistern kann. Auch die eingeschobene Geschichte von Sabina fand ich etwas fad, obwohl ich bei ihr sehr viel Potential gesehen habe.

Auch die Geschichte über Esma hätte spannend und gut eingebunden werden können, aber sie blieb oberflächlich und zu klischeehaft. Nur von wenigen Charakteren hat man mehr erfahren. Jedoch waren diese Einblicke am interessantesten. Hier hätte sich die Autorin die Zeit nehmen können, mehr darüber zu schreiben, tiefer zu gehen, um eine größere Bindung zum Lesenden aufzubauen. Das letzte Drittel war für mich leider enttäuschend, da zu schnell die Themen abgearbeitet worden und sie zu wenig realistisch waren.

Schade, denn die Idee zum Buch war sehr gut und auch die kleinen Verweise auf die Flüchtlingspolitik, die Ansätze zur Integration und die Darstellung des Dorfsterbens waren gut, aber eben nicht ausreichend ausgebaut.

Veröffentlicht am 16.04.2021

DDR in den 50iger Jahre

Roter Rabe. Ein Fall für Max Heller
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Wie viel weiß man über die DDR der 50er Jahre? Ich muss gestehen: wenig. Das Wenige, was ich weiß, habe ich mir angelesen oder in Dokumentationen gesehen. Selbst im Geschichtsunterricht wurde das Kapitel ...

Wie viel weiß man über die DDR der 50er Jahre? Ich muss gestehen: wenig. Das Wenige, was ich weiß, habe ich mir angelesen oder in Dokumentationen gesehen. Selbst im Geschichtsunterricht wurde das Kapitel der deutschen Geschichte übersprungen. Deshalb war ich neugierig auf diesen Max Heller Krimi. Frank Goldammer ist bekannt dafür, dass er sehr gut recheriert und stets versucht nah an der Realität zu schreiben. Dieses Gefühl "nah an der Realität" hatte ich beim Hören des Buches die ganze Zeit.

Natürlich steht der Krimi im Mittelpunkt, aber der Autor beschreibt sehr genau die Stadt Dresden, die Umstände und die Unruhe der Menschen. Er lässt Heller immer wieder ins Zweifeln kommen und er bringt ihn an seine Grenzen. Seine Frau Karin ist in den Westen gereist, um den Sohn zu besuchen. Er ist mit der Ziehtochter und der verwirrten alten Nachbarin zurückgeblieben. Keine leichte Situation, da immer die Angst aufkommt, dass Karin nicht wiederkommen wird.

Der Fall ist diesmal sehr ausschweifend und mit vielen kleinen Nebenspielplätzen. Es kommen recht zügig ein paar Tote zusammen und man muss aufpassen, dass man den roten Faden nicht verliert. Für mich war der vierte Fall nicht ganz so stark wie die Vorgängerkrimis. Zu viele Personen und zu viele Verwicklungen machten es mir schwer der Geschichte zu folgen. Obwohl das Hörbuch wieder sehr gut von Heikko Deutschmann vorgelesen wurde, konnte mich der Fall nicht ganz so sehr mitreißen. Dafür fand ich die Beschreibungen der Menschen und der Gesamtsituation sowie der privaten Gedanken und Sorgen von Max Heller sehr gut.

Wer die Reihe nicht kennt und sie hören möchte, sollte mit dem ersten Fall starten, da man sonst die Beziehungen der Charaketere nicht so gut nachvollziehen kann.

Veröffentlicht am 11.04.2021

Geht raus und entdeckt!

Der Braune Bär fliegt erst nach Mitternacht
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Die Einladung zum Hinschauen sollte man bei diesem Buch wörtlich nehmen und vorher das Buch lesen. Es ist ein unglaublich schönes Buch mit fantastischen Illustrationen von Florian Frick. Die Bilder haben ...

Die Einladung zum Hinschauen sollte man bei diesem Buch wörtlich nehmen und vorher das Buch lesen. Es ist ein unglaublich schönes Buch mit fantastischen Illustrationen von Florian Frick. Die Bilder haben mich magisch angezogen. Wer Naturbilder mag, wird hier auf seine Kosten kommen.

Die Autorin weiß, worüber sie schreibt und es liest sich so flüssig und gut, dass man das Buch leider schneller ausgelesen hatte als man wollte. Es gibt verschiedene Themen z.B. Uhus, Muscheln und Schmetterlinge, die sie beleuchtet und mit vielen interessanten und gut verständlichen Fakten erklärt. Sie gibt bei jedem Kapitel noch ein paar Tipps, wo man weitere Informationen erhalten kann. Sie lässt auch andere Naturliebhaber:innen und Expert:innen zu Wort kommen. Dabei wird auch gezeigt, dass viele kleine Aktionen schon einen erheblichen Beitrag zur Artenvielfalt leisten können. Die Ausdauer, die Überzeugung und der Einsatz der einzelnen Personen für die Natur haben mich beeindruckt und auch darin bestärkt mehr zu tun und besser hinzuschauen.

Zwischen den Kapiteln hat die Autorin kleine Geschichten aus ihrem Leben eingefügt. Sie erzählt von ihren Versuchen etwas für die Artenvielfalt zu tun und warum und woran auch sie manchmal gescheitert ist. Zum Beispiel erzählt sie in dem Kurzausflug "Oasen für Insekten schaffen (oder vermasseln)" von ihren Fehlern. Mir kamen sie sehr bekannt vor, da auch ich diese leider gemacht habe. Aber das Gute ist, man kann es ändern und besser machen.

Normalerweise bin ich kein großer App-Fan, aber die empfohlene Flora Incognita habe ich mir heruntergeladen. Wir sind dann bei unseren Spaziergängen immer wieder stehen geblieben, um neue Pflanzen zu entdecken bzw. endlich den Namen zu einer Pflanzen zu erfahren. Es öffnete uns noch mehr die Augen für die Vielfalt und Schönheit der heimischen Gewächse.

Am Ende des Buches gibt es noch eine Reihe von Literaturhinweisen, die zum Nachlesen anregen sollen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.04.2021

Wunderbare Mischung aus Lebensgeschichte und Naturfakten

Großstadtgewächs
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Dieses Buch hat mich überrascht. Es passt in keine Schublade. Immer wenn man denkt, dahin passt es jetzt, gibt es einen kleinen inhaltlichen Schlenker und die Schublade springt wieder auf. Es ist ein Roman. ...

Dieses Buch hat mich überrascht. Es passt in keine Schublade. Immer wenn man denkt, dahin passt es jetzt, gibt es einen kleinen inhaltlichen Schlenker und die Schublade springt wieder auf. Es ist ein Roman. Das passt.

Aber es ist kein so richtiger biografischer Roman, obwohl die Autorin aus ihrem Leben erzählt. Alice Vincent beschreibt ihre Zeit als Mittzwanzigerin mit Freund, Eigentumswohnung und festen Job. Sie lebt in London und arbeitet als Redakteurin bei einer britischen Zeitung. Dabei ist sie mehr oder weniger glücklich. Eigentlich sollte sie zufrieden sein, da sie es geschafft hat. Einen festen Job bei der Zeitung.

Es ist keine so richtige Liebegeschichte, obwohl die Autorin von ihrer schmerzhaften Trennung und dem Neustart berichtet. Ihre gewohnten Abläufe werden zerstört, ihr Alltag durcheinander gewirbelt und der Mann an ihrer Seite ist weg. Einfach so. Das muss sie verarbeiten und sich aus ihrer Komfortzone herausbewegen.

Es ist kein Gartenbuch, obwohl hier ganz viele tolle Pflanzen und Naturfakten beschrieben und näher vorgestellt werden. Alice Vincent sucht Halt, Ruhe und Hoffnung und findet sie auf ihrem Balkon. Ihre Pflanzen geben ihr Hoffnung, denn sie kommen trotz schlechten Bedingungen, wenig Pflege und wenig Wissen seitens der Autorin immer wieder und blühen und treiben aus. Sie entdeckt die Parks und die Grünflächen der Stadt. Dabei geht sie auf einzelne Parkanlagen ein, erzählt von deren Entstehung und welche Pflanzen von wem aus welchem Land eingeführt worden. Viel Geschichte und viele interessante Pflanzenfakten gibt es auf diesen Seiten.

Es ist kein Achtsamkeitsroman, obwohl die Autorin von ihren Fluchten in der Natur und ihren Miniauszeiten mit den Pflanzen erzählt. Das Entschleunigen, die Gartenarbeit und die ehrenamtliche Tätigkeit bringen sie zurück, zu sich selbst und zu neunem Mut und Kraft. Ihr wird klar, was wirklich zählt und wagt immer mehr und lernt loszulassen und sich den unbequemen Gedanken zu stellen.

Am Ende klappte ich das Buch zu und stellte fest: es ist ein wunderbarer und gut zu lesender Roman, der es schafft, alles miteinander zu verbinden. Eine gute Mischung aus Lebensgeschichte und Naturfakten. Ich wurde gut unterhalten, habe einiges dazugelernt und hatte ein paar schöne Lesestunden.

Veröffentlicht am 06.04.2021

Ein Großstädter zieht aufs Land...

12 Farben Grün - Eine Entdeckungsreise durch die Natur
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Ein Großstädter zieht aufs Land und entdeckt die Besonderheiten der Natur.

12 Farben grün sind 12 Monate im Jahr, in der die Natur ihre grüne Wandelbarkeit zeigt. Carsten Kluth ist begeistert und zeigt ...

Ein Großstädter zieht aufs Land und entdeckt die Besonderheiten der Natur.

12 Farben grün sind 12 Monate im Jahr, in der die Natur ihre grüne Wandelbarkeit zeigt. Carsten Kluth ist begeistert und zeigt es in seinen Texten sehr deutlich. Sein Schreibstil war etwas gewöhnungsbedürftig und ließ sich leider nicht so richtig flüssig lesen, aber mit ein paar Pausen ging es dann doch ganz gut.

Für mich waren die vielen Entdeckungen eher etwas enttäuschend, denn vieles war so banal, dass man sich fragte, warum (be-)schreibt er das jetzt? Vielleicht liegt meine Irritation daran, dass ich in keiner Großstadt lebe und seit Jahren einen Garten habe und somit die Natur schon sehr lange und sehr bewußt wahrnehme. Vielleicht übertreibt er ganz bewusst, um den lesenden Nichtnaturkenner zu motivieren, hinauszugehen und nachzusehen, was er in den Brachen der Stadt entdecken kann.

Ich konnte durchaus seine Begeisterung für die Natur über die Jahreszeiten erlesen, aber sie sprang nicht über. Irgendetwas bremste den Funkenflug und so las ich dieses Buch mit mäßiger Begeisterung. Es kann (wie schon gesagt) daran liegen, dass ich einen anderen Erfahrungsschatz mit der Natur und auch schon sehr viele Bücher zu diesem Thema gelesen habe, dass es mich nicht so sehr fasziniert hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung