Durchaus lesenswert
Noch haben wir die Wahl+ + 3,5 Sterne, die ich abrunde, weil mich ein paar inhaltliche Punkte sehr gestört haben. - Die Diskussion wird stellenweise auf hohem intellektuellem Niveau geführt - - interessante Gedanken, - - zu ...
+ + 3,5 Sterne, die ich abrunde, weil mich ein paar inhaltliche Punkte sehr gestört haben. - Die Diskussion wird stellenweise auf hohem intellektuellem Niveau geführt - - interessante Gedanken, - - zu wenig Bezug zum Alltag + +
Ich versteh nicht, warum in einem Buch in dem für eine gerechtere und fairere Welt geworben wird, der "weiße Mann" schon fast an den Pranger gestellt wird. Bernd Ulrich: "Autofahren, Fleischessen, angeberische energieaufwendige Business-Mobilität, auch da sind Männer jeweils bedürftiger, begieriger und anmaßender als Frauen. Nicht zuletzt diese ganze Töterei: das Jägern, Metzgern, Grillen." Natürlich ist das nicht repräsentativ für das ganze Buch, aber an einigen Stellen kommt diese Haltung durch und das sorgt, aus meiner Sicht, nur zu Schuldzuweisung aber noch zu keiner kollektiven Änderung.
Die erste Hälfte des Buches fand ich gut und die Kapitel über die Politik haben mir richtig gut gefallen. Luisa Neubauer war mir dabei in den ganzen Gesprächen deutlich näher als Bernd Ulrich. Herr Ulrich hat für mich immer wieder den Eindruck gemacht, dass er mit einem schlechten Gewissen Frau Neubauer gegenüber sitzt und das mit intellektueller Rede ausgleichen möchte.
Die Forderungen Ausstieg aus fossiler Energie, weniger Auto und weniger Fleisch sind gut gemeint, aber an einigen Stellen nicht zu Ende gedacht. Aktuell ( Stand Oktober 2021) wird von einer Energiekrise ( Gasspeicher leer, Energiemangel in wichtigen Produktionsbereichen, drohende Blackouts,..) gesprochen. Sollte sich dieser Zustand verschärfen, wird die Umsetzung bzw. Akzeptanz von Klimapolitik sehr schwierig.
Ein ganz wichtiger Punkt, der in solchen Büchern fast immer ausgeklammert wird, ist die Geld-, Finanz- und Steuerpolitik. Warum hat z.B. die Politik jahrzehntelang, Investitionen in die Vergrößerung von landwirtschaftlichen Betrieben subventioniert? Wachsen oder Weichen war das politische Credo. Produzieren für den Weltmarkt der Anspruch an die Bauern. In diesem Zusammenhang darf auch gefragt werden, ob der Titel Exportweltmeister wirklich erstrebenswert ist.
Warum wird soviel konsumiert und weggeschmissen? Ganz oft, weil neu kaufen billiger ist, als reparieren. Das ist doch schon ein Hohn in sich.