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Veröffentlicht am 05.05.2025

Götter-Dystopie

Blood of Hercules
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Die Welt von Alexis ist quasi unsere, mit den Unterschieden, dass es "Götter" wirklich gibt und die Welt im Jahre 2099 ziemlich unbewohnbar ist.
Zu Beginn werden die Lebensumstände und geschichtlichen ...

Die Welt von Alexis ist quasi unsere, mit den Unterschieden, dass es "Götter" wirklich gibt und die Welt im Jahre 2099 ziemlich unbewohnbar ist.
Zu Beginn werden die Lebensumstände und geschichtlichen Hintergründe kurz vorgestellt, was ich recht hilfreich für einen schnellen Einstieg in die Geschichte fand.
Im weiteren Verlauf erfährt man neue Infos dann jedoch hauptsächlich zusammen mit Alexis, sodass man auch neugierig und gespannt bleibt.

Die Welt selbst war für mich einer der großen Pluspunkte der Geschichte: Leicht post-apokalyptisch, mit dystopischen Zügen und dazu die alten griechischen Götter - eine wilde Mischung, die irgendwie aber gut funktioniert.
Auch war alles wesentlich brutaler und gnadenloser als ich gedacht hatte, Mord und Totschlag gehört quasi zum Nachmittagstee.
Aus unserer Sicht gehen manche Charaktere damit viel zu locker um, jedoch gehört es teilweise einfach zu ihrer Lebensrealität, deshalb will ich es nicht zu sehr kritisieren.

Auch Alexis ist keine typische Heldin, sie ist voller körperlicher und seelischer Narben, obdachlos und vertraut niemandem außer ihrem Bruder und einer unsichtbaren Schlange. Diese Umstände und die Tatsache, dass sie zwar etwas besonderes ist, aber trotzdem erstmal niemand nett zu ihr ist, fand ich auf eine böse Art sogar ganz erfrischend. Ihre sarkastische und zynische Art konnte auch immer wieder bei mir punkten.

Der Schreibstil ist jetzt nichts Außergewöhnliches, aber man kann das Buch gut und flüssig lesen, auch das Tempo fand ich durchweg angemessen. Immer wieder passiert etwas Spannendes und man möchte mehr über Alexis Herkunft und die Welt erfahren.
Manche Kleinigkeiten erschienen mir jedoch nicht sooo logisch, z.B. leidet die "Göttergesellschaft" an Nachwuchsproblemen, sorgt dann aber dafür, dass kaum ein Kind überlebt. Als Leser ist man öfters mal genauso verwirrt wie Alexis.
Nichtsdestotrotz bin ich schon gespannt auf den nächsten Band.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Spurensuche in Ägypten

Geheimnisse des Nil, Band 1 - What the River Knows
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Als Inez vom Tod ihrer Eltern erfährt, macht sie sich kurzerhand alleine von Argentinien auf ins ferne Ägypten, dem Herzensland der Eltern.
Die Geschichte wird als Romantasy betitelt, jedoch finde ich ...

Als Inez vom Tod ihrer Eltern erfährt, macht sie sich kurzerhand alleine von Argentinien auf ins ferne Ägypten, dem Herzensland der Eltern.
Die Geschichte wird als Romantasy betitelt, jedoch finde ich dies nicht so wirklich passend. Zunächst spielt die Handlung im Jahre 1884, sodass ein toller historischer Aspekt den Rahmen bildet: monatelange Schiffsreisen, frühe Eisenbahnen, Korsetts und Anstandsdamen um ein paar Beispiele zu nennen.
Ägypten wird durch eine grobe Karte und Chronik dem Leser kurz vorgestellt, dazu gibt es am Ende eine Nachbemerkung der Autorin über den historischen Kontext.
All dies hat mich sehr begeistert, denn auch wenn hier natürlich viel frei erfunden ist, konnte man doch auch ein bisschen was dazulernen und in die damalige Zeit eintauchen.
Auch die Darstellung der ägyptischen Kultur und der dortigen Atmosphäre hat mir gut gefallen, immer wieder lassen kleine Details die Welt lebendig wirken.
Besonders wenn man selbst schon mal auf dem Nil unterwegs war, erkennt man einiges wieder und fühlt sich direkt ein wenig heimisch.
Ebenfalls positiv aufgefallen ist mir die Darstellung der politischen und gesellschaftlichen Probleme, die immer wieder Teil der Handlung wurde.

Nun, jetzt zum Thema "Romantasy": In dieser Welt gibt es auch Magie, aber in einer eher dezenten Form. Das Magiesystem fand ich durchaus interessant, hätte mir jedoch vielleicht noch ein bisschen mehr Fokus darauf gewünscht oder zumindest mehr Infos.
Zum Romance-Teil gehört Charakter Whit, der immer wieder auch kurz zum Erzähler wird. Während ich ihm am Anfang eher langweilig und ein wenig unsympathisch fand, hat sich dies im Laufe der Handlung etwas gebessert, auch wenn ich noch nicht komplett von der Liebesgeschichte überzeugt bzw. emotional involviert bin.
Generell war der Start ein wenig langsam, es wird gefühlt mehr Wert auf die Vorstellung von Inez, ihrer Familie und Ägypten gelegt, ohne dass viel passiert.
Dafür gibt es zwischendurch immer wieder mal überraschende Wendungen und auch interessante Zeichnungen, Briefe und Übersichten im Text.
Für Fans von historischen Geschichten und Ägypten auf jeden Fall zu empfehlen!

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Veröffentlicht am 29.04.2025

Die Chemie/Biologie stimmt

The Love Hypothesis – Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe
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Die Geschichte von Olive und Adam ist eine typische RomCom rund um Fake Dating - und sich dessen auch auf tolle, selbstironische Art bewusst.
Olive kennt alle Tropes und so werden direkt mal Regeln aufgestellt, ...

Die Geschichte von Olive und Adam ist eine typische RomCom rund um Fake Dating - und sich dessen auch auf tolle, selbstironische Art bewusst.
Olive kennt alle Tropes und so werden direkt mal Regeln aufgestellt, auch wenn das natürlich die Macht der RomCom nicht aufhalten kann.
Auf diese Art sollte man die Geschichte auch lesen: Es ist manchmal vorhersehbar, es werden auch einige Klischees bedient, aber auf eine solch lustige und lockere Art, dass es mich so gar nicht gestört hat.
Während es mich in anderen Büchern eher stören würde, dass ein Missverständnis aufgrund fehlender Kommunikation nicht schnell geklärt wird, fühlte es sich hier irgendwie richtig an, quasi "das muss so sein".

Generell hat das Buch einfach echt viel Spaß gemacht, Erzählerin Olive war mir sehr sympathisch und eine tolle Mischung aus chaotisch-lustig und intelligent.
Ihre Gespräche mit Adam haben mir regelmäßig ein Lächeln ins Gesicht gezaubert und mich super unterhalten, und wenn mal was schief ging konnte ich auch direkt mitfühlen und mein Buch anmeckern.
Auch der Freundeskreis war cool, von ihm hätte ich sogar gerne noch mehr gelesen.
Das Setting hat zugleich erlaubt, auf wichtige Themen wie Sexismus und Diskriminierung von Frauen in MINT-Fächern aufmerksam zu machen, was nochmal mehr Relevanz hat, wenn man bedenkt, dass die Autorin selbst eine Professorin auf diesem Gebiet ist.

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Veröffentlicht am 23.04.2025

Kommunikationsprobleme zwischen Müttern und Töchtern

Die Summe unserer Teile
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Großmutter, Mutter und Tochter, in Polen, dem Libanon und Deutschland - die Grundidee und den Aufbau des Buches fand ich super.
Jede der Frauen hat ihre eigenen Kapitel, in denen wir sie besser kennenlernen ...

Großmutter, Mutter und Tochter, in Polen, dem Libanon und Deutschland - die Grundidee und den Aufbau des Buches fand ich super.
Jede der Frauen hat ihre eigenen Kapitel, in denen wir sie besser kennenlernen und teilweise auch in mehreren Lebensabschnitten begleiten: Wir erleben alle drei als Studentinnen, Mutter Daria und Großmutter Lyudmila dann zusätzlich noch bei ihrer späteren Karriere und Schwangerschaft/Zeit als Mutter.
Dies fand ich schön gestaltet, so konnte man Parallelen zwischen den Leben, aber auch Unterschiede gut erkennen. Die verschiedenen Zeitebenen und Perspektiven fördern auch das Verständnis für andere Menschen. Während mir eine Person zunächst eher unsympathisch erscheint, ändert sich dieser Eindruck wieder, wenn ich die Geschichte aus ihrer Sicht erlebe.
Die Botschaft dahinter ist stark, jedoch kann es zwischendurch auch etwas frustrierend sein, wenn man feststellt, dass sich einige Probleme der Frauen mit besserer Kommunikation vermutlich in Luft aufgelöst hätten.

Komplett warm bin ich auch mit keiner der Frauen geworden, selbst mit all dem dazugewonnenen Verständnis gab es doch noch Situationen, in denen ich ihre Handlungen und Entscheidungen so gar nicht nachvollziehen konnte. Ich glaube hier hätten ein paar Seiten mehr dem Buch gut getan, für drei Generationen ist es doch recht kurz und bleibt dadurch manchmal leicht oberflächlich.
Andererseits lässt es sich auch deswegen recht schnell und angenehm lesen, auch die Sprache ist gelungen. Die Gefühle werden immer wieder auf sehr kreative Art beschrieben und die Wissenschaften der Frauen finden auch ihren Weg in die Sprache, so studiert beispielsweise Tochter Lucy Informatik und drückt ihre Gedanken gerne in Computer-Methapern aus.
Zwischendurch gibt es auch immer wieder mal lustige Momente, vor allem durch die unterschiedlichen Länder und Kulturen, davon hätte ich gerne noch mehr gelesen, z.B. mehr Zeit im Libanon verbracht.

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Lebenslektionen von Hunden

Hope
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Niall Harbison hat sich der Rettung von Straßenhunden in Thailand verschrieben und teilt regelmäßig deren Schicksale auf Social Media.
Mir war er vor Lektüre dieses Buches jedoch noch unbekannt, was aber ...

Niall Harbison hat sich der Rettung von Straßenhunden in Thailand verschrieben und teilt regelmäßig deren Schicksale auf Social Media.
Mir war er vor Lektüre dieses Buches jedoch noch unbekannt, was aber auch gar nicht schlimm war.
Im ersten Drittel erzählt er zunächst einen Teil seiner persönlichen Geschichte, sodass man ihn und seine Motivationen besser kennen- und verstehen lernt. Hierbei zeigt er sich verletzlich und lässt tiefe Einblicke zu, berichtet reflektiert über seine Suchterkrankungen und Mental Health Probleme. Die Länge fand ich dabei angemessen, es ist ausführlich genug, ohne den Fokus zu verlieren.
Auch hat mir gefallen, dass alles chronologisch erzählt wird. In Verbindung mit dem lockeren Schreibstil lässt sich das Buch so super lesen.

Der Rest des Buches ist den Straßenhunden gewidmet, wobei manche von ihnen auch eigene Kapitel bekommen, um ihre Geschichte ausführlich zu erzählen.
Leider gibt es kein Bildmaterial, was ich bei Büchern des Genres sonst immer schön finde, jedoch findet man von den vorgestellten Hunden viele Videos auf Youtube, die ich nach der Lektüre noch empfehlen kann.
Harbison berichtet von seinen ersten Schritten als Hunderetter, erklärt seinen Tagesablauf und kann schließlich immer größere Erfolge verzeichnen.
Aber auch die Schattenseiten werden hier beleuchtet, all das, was von den positiv gestimmten Kanälen ansonsten ferngehalten wird: Traumatisierte und sterbende Hunde, viel zu viele Welpen, Rückschläge und auch brutale Einheimische, für die ein Hundeleben nichts wert ist.
Von daher muss ich hier auch eine kleine Warnung aussprechen, falls man kein Tierleid ertragen kann, sollte man von diesem Buch eher Abstand halten. An vielen Stellen hat mich die Erzählung im positiven und negativen Sinne zu Tränen gerührt.
Dabei wird aber auch aufgezeigt, was wir alles von den Hunden lernen können, sie geben uns viele wichtige Lektionen für das Leben mit auf den Weg.
Darunter wohl die Wichtigste, die auch im Titel zu finden ist: Hoffnung.

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