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Veröffentlicht am 11.08.2025

Kurze Kriminalfälle in japanischem Stil

Die Bibliothek meines Großvaters
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Lehrerin Kaede teilt mit ihrem demenzkranken Großvater die Liebe zu Krimis, weshalb es nicht verwundert, dass ihre Freunde oft die seltsamsten Geschichten an sie herantragen.
Der Aufbau der Fälle ist dabei ...

Lehrerin Kaede teilt mit ihrem demenzkranken Großvater die Liebe zu Krimis, weshalb es nicht verwundert, dass ihre Freunde oft die seltsamsten Geschichten an sie herantragen.
Der Aufbau der Fälle ist dabei immer recht ähnlich: Zunächst erfährt man mehr über Kaede selbst, ihr Leben und ihre Familie und Freunde. Im Rahmen dessen wird der Fall vorgestellt, bei dem man als Leser auch fleißig miträtseln kann. Die Auflösung erfolgt schließlich im Gespräch mit ihrem Großvater.
Die kurzen Kapitel und einzelnen Fälle eignen sich dabei hervorragend für kürzere Lesesessions.

Der Stil ist dabei recht gemütlich und aufgeregt und wirkt typisch japanisch. Mit ein bisschen Vorwissen über die Kultur und Sprache wird man manches hier auch noch sicherlich besser verstehen. Zwar hat der Übersetzer gute Arbeit geleistet, manches ist jedoch einfach schwierig zu übertragen, wie zum Beispiel Wortspiele der japanischen Sprache.
Da der Roman in Tokio und der Umgebung spielt, werden auch viele Schauplätze dort verwendet, wobei es ebenfalls nochmal ein anderes Erlebnis so ist, wenn man diese selbst schon besucht hat bzw. die Eigenheiten der Stadtviertel kennt.
Zwar versteht man alles auch ohne Vorwissen gut, für mich wären es dann vermutlich jedoch nur 4 Sterne.

Toll fand ich weiterhin, dass die Fälle durch kleine Skizzen der Tatorte unterstützt wurden, so konnte man noch besser miträtseln.
Auch kurze Erklärungen zum Thema Demenz oder Gesellschaftstheorien wurden zwischendurch eingebaut und waren durchaus interessant.
Generell mochte ich besonders den Großvater als Charakter sehr und fand die Mischung aus Roman über Kaede und den Kriminalfällen sehr angenehm zu lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.08.2025

Zurück ins Leben

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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Phoebe und Lila könnten vermutlich auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein: Die Eine hat genug vom Leben und will einfach nur in Ruhe und entspannt sterben, die andere steht mitten im Leben als ...

Phoebe und Lila könnten vermutlich auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein: Die Eine hat genug vom Leben und will einfach nur in Ruhe und entspannt sterben, die andere steht mitten im Leben als Braut in einer großen und chaotischen Hochzeitsgesellschaft.
Und doch merkt man mit jeder Seite mehr, dass die beiden Frauen weit mehr verbindet als zunächst gedacht und dass sich hier sogar eine ungewöhnliche Freundschaft entwickeln kann.
Für mich zählten diese Entwicklungen der Charakterbeziehungen zu den Highlights des Buches: Sie unterstützen sich auf ihre eigene Art gegenseitig, lernen sich besser kennen und finden dadurch auch gleichzeitig mehr zu sich selbst und ihren eigenen Wünschen.

Lila ist ein wahrer Wirbelsturm, der mir zwischendurch auch mal auf die Nerven ging, aber irgendwie konnte ich sie trotzdem ins Herz schließen. Phoebes Entscheidungen konnte ich nicht immer nachvollziehen, jedoch mochte ich sie trotzdem als zentrale Figur der Geschichte, besonders ihre Gespräche mit Gary. Auch von ihm war ich nicht komplett überzeugt, aber anscheinend ist das Buch auch darauf ausgelegt: Als Leser kann man sich vermutlich nicht komplett mit den Charakteren anfreunden, mag sie aber vielleicht trotzdem irgendwie doch auf ihre eigene Art.
Für die Größe der Hochzeit ist die Anzahl der Nebencharaktere zum Glück überschaulich, sodass man nicht den Überblick verliert und auch bei ihnen noch ein bisschen mitfiebern kann.

Im Grunde passiert nicht viel in diesem Buch, vielmehr lebt die Geschichte von den Charakteren und deren Gesprächen. Diese bieten eine bunte Mischung aus (schwarzem) Humor, Sarkasmus, offenen/ehrlichen Momenten und emotionalen Einblicken.
Gerade der Humor ist allgegenwärtig, Phoebe gerät von einer skurrilen Situation in die nächste - manche davon sind jedoch vielleicht auch etwas sehr übertrieben. Überwiegend hatte ich jedoch meine Freude daran, auch wenn ich gut verstehen kann, dass hier Geschmäcker auseinandergehen.
Zuletzt sollte noch erwähnt werden, dass die Autorin es schafft, abseits der übertriebenen Szenen auch berührende und authentische Momente zu schaffen, in denen man sich manchmal sogar selbst wiedererkennen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
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  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 27.07.2025

Spuren eines Lebens

Wilder Honig
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Nach Johns Tod verschlägt es drei Frauen in den Obstgarten seines Zuhauses und zu seinen Bienenstöcken, jede mit ihren eigenen Sorgen und Erinnerungen an die Vergangenheit.
Die Erzählung wechselt zwischen ...

Nach Johns Tod verschlägt es drei Frauen in den Obstgarten seines Zuhauses und zu seinen Bienenstöcken, jede mit ihren eigenen Sorgen und Erinnerungen an die Vergangenheit.
Die Erzählung wechselt zwischen den Ereignissen in der Gegenwart und den Briefen, die John vor seinem Tod für seine Frau Hannah verfasst hat.
Da John ein Schriftsteller war, muten seine Briefe sprachlich auch besonders poetisch an. Seine Leidenschaft für seine Bienen kommt permanent zum Ausdruck, so erfährt man sehr viel über deren Leben, fast schon als würde man ein Sachbuch lesen, jedoch werden die Bienen auch gleichzeitig als Metaphern für das gemeinsame Eheleben benutzt. Dies fand ich einerseits schön und geschickt geschrieben, andererseits hätte ich mir nach einer Weile vielleicht auch weniger Bienen-Abschnitte gewünscht, jedoch ist das nur persönliches Empfinden.

Weiterhin gab es auch viele interessante Infos über Obstgärten und deren Pflege, vieles davon war mir neu. Generell ist die ganze Geschichte sehr unaufgeregt und überzeugt mit seiner ruhigen Stimmung. Der Fokus liegt nicht auf Spannung, sondern auf menschlichen Emotionen und Beziehungen.
Die Trauerverarbeitung vermischt sich mit den Erinnerungen an die Vergangenheit, aufgedeckte Geheimnisse stellen die Frage, wie gut wir die Menschen wirklich kennen, die uns am nächsten sind.
Hierbei mochte ich, wie sich die Beziehungen und Charaktere weiterentwickeln und ihren inneren Frieden (wieder)finden.
Insgesamt ein sprachlich schönes Buch, das durch seine ruhige Stimmung überzeugt.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.07.2025

Überraschend fesselnd und berührend

Wohin du auch gehst
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Ich bin ohne Vorwissen in die Geschichte gestartet und wurde schnell von der Themenvielfalt überrascht. Dabei hatte ich auch nie das Gefühl, dass ein Thema nur als "Lückenfüller" dient, vielmehr hat alles ...

Ich bin ohne Vorwissen in die Geschichte gestartet und wurde schnell von der Themenvielfalt überrascht. Dabei hatte ich auch nie das Gefühl, dass ein Thema nur als "Lückenfüller" dient, vielmehr hat alles super in die Geschichte gepasst, authentisch gewirkt und eine intensive Betrachtung erfahren.

Zunächst erwähnen sollte man hierbei wohl die zahlreichen Einblicke in das Leben und die Kultur der Menschen im Kongo. Am Ende des Buches gibt es ebenfalls ein tolles Glossar, das viele der verwendeten Wörter und Dinge kurz erklärt. So wird z.B. durchgehend die afrikanische Sprache Lingala in die Dialoge eingebaut. Während mich dies generell manchmal stört, habe ich mich hier erstaunlich schnell daran gewöhnt und konnte mir die Gespräche noch besser vorstellen.

Auch fand ich es super, dass die Geschichte an vielen verschiedenen Orten und über mehr als 20 Jahre hinweg spielt. Als Leser lernt man das Leben in Kinshasa oder Paris in den 80ern kennen, nur um gleich darauf wieder nach London in den 2000ern zurückzukehren.
Die Beschreibungen der Orte und Personen waren dabei großartig, ich fühlte mich immer wieder mitten drin, auch wenn ich noch nie selbst dort war. Hierbei spielte die Sprache auch eine große Rolle, die Beschreibungen wirkten nie überladen und ich bin nur so durch die Seiten geflogen, ohne das Gefühl zu haben, es handele sich um eine "leichte" Lektüre.

Im Gegenteil, viele Geschehnisse waren doch recht schwere Kost. Man erhält Einblicke in die LGBTQ+ Community, ihren Kampf um Gleichberechtigung und ihre Probleme in der Gesellschaft und verschiedenen Kulturen.
Ein großes Hindernis ist so auch die Religion bzw. diverse Glaubensgemeinschaften, die ebenfalls beleuchtet werden. Statt sie jedoch nur einseitig als die Bösen hinzustellen, wird zwischendurch auch auf positive Aspekte eingegangen.

Zuletzt zu den Charakteren: Im Fokus stehen die lesbische Bijoux, die als Kind nach London geschickt wurde, und Tante Mira, deren Vergangenheit nach und nach offengelegt wird. Immer wieder fragt man sich, wie die Mira der Vergangenheit zu der Mira der Gegenwart wurde, was gleichzeitig spannend, berührend und tragisch zu lesen war. Auch wenn man nicht immer mit den Entscheidungen oder Gedanken der Frauen übereinstimmt, kann man doch mit ihnen mitfühlen und mitfiebern. Die (Familien)Beziehungen wurden durchweg authentisch dargestellt, für mich auch eine Stärke des Romans.
Insgesamt ein schöner Appell an die Menschlichkeit und unser Mitgefühl, ohne dabei jedoch irgendwie belehrend zu wirken.

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Veröffentlicht am 23.07.2025

Cooles Konzept, etwas schwieriger Stil

Das Ministerium der Zeit
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Das Konzept der Geschichte hat mich direkt überzeugt: Eine geheime neue Technik ermöglicht es, Personen aus der Vergangenheit in unsere Gegenwart zu holen. Dort bekommen sie eine Art Betreuer an die Seite ...

Das Konzept der Geschichte hat mich direkt überzeugt: Eine geheime neue Technik ermöglicht es, Personen aus der Vergangenheit in unsere Gegenwart zu holen. Dort bekommen sie eine Art Betreuer an die Seite gestellt, der sie an das neue Leben gewöhnen soll.
Hier im Fokus steht Polarforscher Graham Gore, den es fast 200 Jahre in die Zukunft verschlägt.
Interessant und durchaus auch mal lustig zu lesen fand ich seine Erkundung der heutigen Welt. Wir begleiten ihn auf dieser Reise im altbekannten und doch sehr fremden England und entdecken dabei unsere eigene Welt auch wieder ganz neu, das was für uns selbstverständlich ist, war damals noch eine Sensation oder unvorstellbar.
Parallel zu diesen Kapiteln gehen wir aber auch mit auf die Expedition von Gore, bei der er eigentlich damals ums Leben kam. Diese Kapitel fand ich nochmal besonders interessant, da Gore ja eine historische Persönlichkeit ist und die Erzählungen auf wahren Begebenheiten beruhen.

Gleichzeitig hätte ich mir aber auch gewünscht, dass man noch mehr zu den anderen Zeitreisenden/Expats erfährt, hier hätte man das Potenzial ruhig noch mehr ausschöpfen können.
Auch die Liebesgeschichte hat mich nicht ganz abgeholt, es gab zwar immer wieder mal passende Momente, allerdings hab ich die Chemie nicht wirklich gespürt.
Beim Stil und der Sprache bin ich zwiegespalten. Einerseits mochte ich die zahlreichen Abschweifungen von der Haupthandlung teilweise sehr gerne, andererseits habe ich sie zwischendurch auch mal als zäh empfunden.
Themen wie die Macht der Sprache haben mich zum Nachdenken angeregt, während ich gleichzeitig den Schreibstil mit seinen eher ungewöhnlichen Formulierungen manchmal verflucht habe.
Insgesamt war es nicht so ganz das, was ich zuerst erwartet habe, jedoch hat mich die Geschichte doch zum Großteil überzeugen können.

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