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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.02.2026

Herzerwärmend und sehr unterhaltsam

Aufrappeln
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Hinweis:
Dies ist eine lose Fortsetzung von "Prima Aussicht", ich empfehle euch, zuerst "Prima Aussicht zu lesen.

Inhalt:
Judith wird von ihrem Freund verlassen und muss sich als nun getrennt vom Vater ...

Hinweis:
Dies ist eine lose Fortsetzung von "Prima Aussicht", ich empfehle euch, zuerst "Prima Aussicht zu lesen.

Inhalt:
Judith wird von ihrem Freund verlassen und muss sich als nun getrennt vom Vater ihres Kindes lebende Mutter nicht nur mit einer Rattenplage, sondern auch mit dieser für sie ganz neuen Form der Elternschaft auseinandersetzen. Wie bringt man das Hin und Her dieser Situation mit Flirtereien im Ausgang, dem alltäglichen Geldverdienen und dem Umzug in ein neues Zuhause unter einen Hut? Den Figuren gelingt dies manchmal ganz und manchmal gar nicht und dies alleine sorgt schon für wundervollste, herzerwärmendste Unterhaltung.

Meine Meinung:
Wie schon mit ihrem ersten Roman "Prima Aussicht" hat mich Judith Poznan mit "Aufrappeln" komplett für sich eingenommen. Und obwohl die - autofiktiv erzählte - Protagonistin Judith und ich nicht wirklich viel gemeinsam haben, fühlte ich mich ihr beim Lesen sehr verbunden. Die tragisch-komischen Szenen, der aus Traurigkeit und Verzweiflung entstehende Humor, die Erinnerungen an alte Schulschwärmereien und die Verknüpfung der Handlung mit aktuellem und vergangenem Zeitgeschehen machen diesen kurzen Roman zu einer sehr unterhaltsamen und zugleich auch nachdenklich und hoffnungsvoll stimmenden Lektüre.

Schreibstil und Aufbau:
Poznan gelingt es wie keiner zweiten, aus den einfachsten Alltagssituationen eine Nostalgie und Sehnsucht entstehen zu lassen, die ihresgleichen sucht. Und dennoch sind diese teilweise tieftraurigen Szenen alles andere als zermürbend oder entmutigend. Vielmehr gelingt es der Autorin, ihre Figuren nach jedem Fall wieder aufstehen und neuen Mut schöpfen zu lassen. Poznan zu lesen ist, wie einer ein wenig chaotischen und unendlich liebenswerten Freundin beim Erzählen zuzuhören und dieser Stil macht einfach Lust auf mehr.

Meine Empfehlung:
Natürlich empfehle ich auch auch "Aufrappeln" von Judith Poznan und möchte euch aber zuerst "Prima Aussicht" ans Herz legen. Ich freue mich schon sehr auf weitere Texte der Autorin.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Anfänglich packend, irgendwann sehr zäh, grandioser Plot

Das Land der Anderen
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Inhalt:
Marokko in den 1950er Jahren; Mathilde, eine junge Französin, Amine, ein marokkanischer Offizier, eine unmögliche Liebe und Unruhen, die ihre gemeinsame Heimat zu einem Pulverfass machen. "Das ...

Inhalt:
Marokko in den 1950er Jahren; Mathilde, eine junge Französin, Amine, ein marokkanischer Offizier, eine unmögliche Liebe und Unruhen, die ihre gemeinsame Heimat zu einem Pulverfass machen. "Das Land der Anderen" erzählt davon, stets fremd zu sein, für die eigenen Überzeugungen, die Liebe und die Familie zu kämpfen und dabei von Leid, Armut, Rassismus und religiösem Fanatismus umgeben zu sein.

Meine Meinung:
Von der ersten Sekunde an hatte mich Slimani mit ihrer Geschichte für sich eingenommen. Zwar hatte ich manchmal meine liebe Mühe, für Mathilde und die Zeit, in der sie leben musste, Verständnis aufzubringen. Schliesslich lebt sie in einem sehr patriarchalischen System und ihr wird auch durch ihren eigenen Mann häusliche Gewalt angetan, sie erlebt Verbote und Sanktionen gegen sie und ihre Kinder. Und trotzdem ist sie ihrer Zeit voraus und eine Frau, die zumindest für sich selber einsteht, den Menschen in ihrem Dorf unter die Arme greift und sich sogar versucht, medizinisch weiterzubilden.
Leider wurde aber meine anfängliche Begeisterung irgendwann ein wenig gedämpft. Die Geschichte wurde für mein Empfinden in der zweiten Hälfte sehr zäh und ich musste mir das Buch leider ein wenig erkämpfen. Es hat mir allerdings gefallen, wie Mathildes Tochter Aïcha, welche im zweiten Band der Trilogie immer wichtiger wird, gegen Ende des ersten Bandes ins Zentrum des Geschehens rückt. Ausserdem werden der Rassismus und die Aufstände sowie die generell sehr vertrackte Situation, in der sich Mathilde und Amines Familie befindet, sehr eindringlich geschildert. Genau durch solche Kniffe zeigt Slimani einfach auf, wie grossartig sie ihr Handwerk versteht.

Meine Empfehlung:
Das Buch hat mich lange beschäftigt und es mir nicht ganz leicht gemacht, mich aber auch sehr fasziniert. Die weiteren Bände werde ich mir sicher nicht neu kaufen, aber ich ich kann mir sehr gut vorstellen, sie mir gebraucht zu holen. Wer aber ein wenig Ausdauer hat und sich für die Geschichte und Politik Marokkos und eine Familienchronik interessiert, ist mit der Reihe sicher bestens beraten.

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Veröffentlicht am 31.01.2026

Unterhaltsam und klug recherchiert

Himmelhorn
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Inhalt:
In seinem neunten Fall wird Klufti nicht nur zum Gipfelstürmer, sondern auch zum Börsenspekulanten, Paarberater und E-Biker. Im Hause Kluftinger geht es aber trotzdem nicht immer sehr harmonisch ...

Inhalt:
In seinem neunten Fall wird Klufti nicht nur zum Gipfelstürmer, sondern auch zum Börsenspekulanten, Paarberater und E-Biker. Im Hause Kluftinger geht es aber trotzdem nicht immer sehr harmonisch zu, Kluftis Sohn Markus kümmert sich nämlich mehr um seine Prüfungen und Beizentouren als um seine schwangere Frau Yumiko. Unterdessen sorgen rätselhafte Todesfälle am Himmelhorn und eine verstrickte Familienfehde für zusätzliche Ermittlungsarbeit und auch Doktor Langhammer gerät auf Abwege, allerdings Abwege amouröser Natur.
Einmal mehr ist es Kluftingers untrüglicher Instinkt, der hilft, auch noch den verschwiegensten Berglern unangenehme Wahrheiten zu entlocken und sein Team auf die richtigen Fährten zu führen.

Meine Meinung:
Kluftinger wächst wieder einmal über sich selber hinaus und nimmt sich mit viel Durchhaltevermögen einem Verbrechen an, das ohne seine Aufmerksamkeit als Unfall ad acta gelegt worden wäre. Dafür muss er einiges an Überzeugungsarbeit leisten und hat es in seinem neunten Fall besonders schwer, sein Team zum Arbeiten zu bringen. Schliesslich sind alle seine Mitarbeitenden mit privaten Ablenkungen beschäftigt. Dies sorgt für diverse absurd komische Situationen und beste Unterhaltung und auch die Entwicklung dieses durchaus vertrackten Falles hat mich begeistert. Dabei wird auch eindrücklich aufgezeigt, was Hass und Verzweiflung mit Menschen anstellen kann.
Ausserdem hat mich die Aufmachung des Krimis für sich eingenommen. Jedem Kapitel ist nämlich ein Eintrag aus einem Gipfelbuch der Region vorangestellt und zeigt einmal mehr, wie viel Wert die Autoren Klüpfel und Kobr auf die Details und Gründlichkeit ihrer Recherchen zu ihren Kriminalromanen legen.

Meine Empfehlung:
Ich wiederhole mich, aber die Reihe gefällt mir nach wie vor sehr gut. Das Autorenduo ist mittlerweile zu einer Einheit zusammengewachsen, die es immer besser versteht, spannend, unterhaltsam und mit Fingerspitzengefühl zu erzählen und dabei liebenswerte und charmante Figuren mit Ecken und Kanten zu schaffen. Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Bestürzend und bewegend

Kennedys Hirn
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Inhalt:
Die angesehene Archäologin Louise Cantor erlebt, was keine Mutter erleben sollte: ihr Sohn verstirbt plötzlich. Beim Sichten seiner wenigen persönlichen Dinge realisiert sie, dass sie ihn eigentlich ...

Inhalt:
Die angesehene Archäologin Louise Cantor erlebt, was keine Mutter erleben sollte: ihr Sohn verstirbt plötzlich. Beim Sichten seiner wenigen persönlichen Dinge realisiert sie, dass sie ihn eigentlich kaum gekannt hat und dass er vor allem einer brisanten Sache auf der Spur war. Der Verdacht, dass er vielleicht ermordet worden ist, wächst in ihr und sie stürzt sich in eigene Ermittlungen.
Dabei entdeckt sie mehr und mehr menschliche Abgründe und bringt sich selber in grosse Gefahr.

Meine Meinung:
Henning Mankell gehört seit jeher zu meinen liebsten Autoren. Viele kennen ihn für seine schwedischen Krimis mit Tiefgang, viel Gesellschaftskritik und einer schweren, aber wunderschönen Melancholie im Schreibstil und natürlich ist er bekannt für seinen Kommissar Wallander. Er hat aber auch berührende und bestürzende Romane geschrieben, die in Afrika spielen. In "Kennedys Hirn" vereint er Spannung, Afrika, den Schmerz einer trauernden Mutter und menschliche Bösartigkeit auf grandiose Weise. Der Inhalt dieses Buches ist heftig und hat mich einige Male leer schlucken lassen. Wegschauen ist aber keine Option und Mankell führt uns mit seiner mutigen Protagonistin sanft durch seine packende und bewegende Geschichte.

Schreibstil und Aufbau:
Auf Mankells Schreibstil muss man sich einlassen, ich geniesse dieses Eintauchen aber immer sehr. Bei anderen Autor*innen stört es mich oft, wenn sehr langsam erzählt wird. Mankell schafft es aber, seine Geschichten mit viel Atmosphäre, starken Emotionen und vor allem nahbaren Figuren mit Ecken und Kanten auszustatten. Seinen Schreibstil würde ich wohl mittlerweile an nur wenigen Sätzen erkennen und bei diesem Spannungsroman/Krimi hat mir besonders gut gefallen, dass die Erzählsprache von Unverständnis und Zorn getrieben ist. Vom Zorn eines schreibenden Menschen, der in die tiefsten und dunkelsten Ecken des Menschseins geblickt hat und immer noch nicht fassen kann, was er dabei erkennen musste.

Meine Empfehlung:
Ich fürchte mich schon vor dem Tag, an dem ich alle noch verbleibenden Bücher von Henning Mankell gelesen habe und mich auf keine weiteren Werke von ihm freuen kann. Er war einfach ein einzigartiger Erzähler und sogar seine älteren Krimis sind nach wie vor hochaktuell und brisant. Auch diesen sehr gesellschaftskritischen Krimi (oder vielleicht eher Spannungsroman) möchte ich euch sehr gerne weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 16.01.2026

Kleine Startschwierigkeiten, grandiose Entwicklung

Schwarzer Mittwoch
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Inhalt:
Während Frieda sich noch von den schweren Verletzungen erholt, die sie sich bei ihren vergangenen Ermittlungen zugezogen hat, wird eine Leiche gefunden. Eine scheinbar perfekte und überall beliebte ...

Inhalt:
Während Frieda sich noch von den schweren Verletzungen erholt, die sie sich bei ihren vergangenen Ermittlungen zugezogen hat, wird eine Leiche gefunden. Eine scheinbar perfekte und überall beliebte Frau und Mutter ist brutal ermordet worden. Zuerst tappt die Polizei komplett im Dunkeln und plötzlich wird die Liste der Verdächtigen zwar lang und länger, es passt aber trotzdem nichts zusammen. Gleichzeitig ermittelt ein Journalist in einem eigenen Fall und untersucht das Verschwinden junger Frauen. Mittendrin steht Frieda, die sich eigentlich Ruhe gönnen soll und will und die trotzdem am Puls der Ermittlungen entscheidende Hinweise liefert.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist der erste Band dieser Reihe, der sich am Anfang ein wenig gezogen hat. Sehr, sehr deutlich wurde dabei aufgezeigt, wie sehr die Polizei im Dunkeln tappt und wie langweilig das Leben der ermordeten Frau gewesen sein soll. Und doch entwickelt sich dann natürlich alles anders und in dem Moment, in dem Frieda ihrem Instinkt zu folgen beginnt, wird die Geschichte so richtig spannend. Tatsächlich hatte ich die ganze Sache (kurz) vor Frieda durchschaut, aber trotzdem hat mich auch das Ende überzeugt.
Auch Friedas Privatleben fährt wieder Achterbahn und es hat mir gefallen, wie realistisch ihre eigene Verletzlichkeit dargestellt wird. Ausserdem mag ich einfach, wie sehr ihr Haus und ihre Gesellschaft jeweils zu physischen und emotionalen Schutzräumen für diverse gestrandete Personen werden. Diese Menschen in ihrem Umfeld werden dabei zugleich zur Belastung als auch zum Dorf von Frieda. Sie alle sind Freundinnen und Freunde dieser sonst eher einzelgängerischen Hauptfigur und diese menschliche und sogar herzliche Komponente der sonst oft ziemlich brutalen Reihe gefällt mir sehr gut.

Meine Empfehlung:
Kleinen Startschwierigkeiten zum Trotz hat mich auch der dritte Band der Reihe überzeugt und ich möchte ihn euch unbedingt ans Herz legen, empfehle euch aber auf jeden Fall, die Reihe chronologisch zu lesen.

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