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Veröffentlicht am 18.05.2026

Beeindruckendes Opus Magnum

legende
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Inhalt:

sie müssen sich bei eitelkeiten immer klar machen, dass ich zehn jahre lang fast vollkommen erfolglos war, als ich das hier schrieb. sie müssen bedenken, dass ich gezwungen war, mein spätwerk ...

Inhalt:

sie müssen sich bei eitelkeiten immer klar machen, dass ich zehn jahre lang fast vollkommen erfolglos war, als ich das hier schrieb. sie müssen bedenken, dass ich gezwungen war, mein spätwerk schon in meinen dreissigern zu liefern. wenn sie dieses buch lesen, bin ich berühmt, kunststück aber jetzt! wenn sie dieses buch lesen, bin ich schon lange tot. hoffentlich! die vergangenen zeiten! der heitere abschied! komisch ist, was über die mühe erhebt.
Legende - Ronald M. Schernikau, S. 879

Von 1983 bis 1991 schrieb Schernikau an seinem Opus Magnum. Dem Text also, der ihn überdauern und erst Jahre nach seinem Tod erscheinen würde und 2019 in einer in zehnjährigen Überarbeitungsphase entstandenen Neuausgabe im Verbrecher Verlag erschienen ist. Die Rahmenhandlung begleitet die vier Götter fifi, kafau, stino und tete bei einem Besuch auf der Erde. Sie landen auf einer Insel, auf der sich eine Schokoladenfabrik befindet und deren Bewohner sinnbildlich für das Leben und den Umbruch stehen, in dem Schernikau als überzeugter DDR-Bürger sich während der Arbeit an seinem Montageroman "Legende" befindet. Eingeschoben in diese Handlung, die sich mit dem Entwurf einer neuen Welt einer solidarischen, vorkapitalistischen Gesellschaft im weitesten Sinne eines historischen Materialismus nach Engels, aber natürlich auch den Themen Liebe, Homosexualität, Identität, Unterdrückung Vergebung, Tod und Verantwortung befasst und immer wieder extrem persönlich wird, befinden sich - bis dahin teilweise unveröffentlichte - Essays, ein Theaterstück und ganz viele andere kurze und längere Texte. Dennoch verfolgt Schernikau keine politische Agenda im eigentlichen Sinne, sondern vertritt vielmehr die idealistische Ansicht der bestehenden Möglichkeit auf eine gerechte Welt.

Titel und Aufbau:
Eine Legende ist eine Erzählung, ein Märchen, eine Sage. Eine Legende ist aber auch eine Worterklärung, ein Nachschlagewerk oder eine glorifizierte Person. "Legende" von Ronald M. Schernikau ist all dies und noch viel mehr zugleich. Der deutsche Schriftsteller schafft in seinem letzten und umfangreichsten Werk eine Göttererzählung, ein Fantasiegebilde und stilisiert sich und sein Buch zur Unsterblichkeit hinauf. Ausserdem verwendet er Zitate aus der Popkultur, aus Film und Fernsehen, Literatur, politischen Reden, persönlichen Gesprächen und der Bibel um sein gesellschaftskritisches Gesamtkonzept entstehen zu lassen. Die 900 eng bedruckten Seiten Text und mehr als 100 Seiten Anmerkungen (mit Bauplan der Legende, Worterklärungen, Quellenverzeichnis und Nachwort) lassen nur erahnen, welch grosse Arbeit der Neuausgabe dieses Buches wohl vorausging.
Als dem Autor 1990 bewusst wurde, dass er bald an den Folgen von HIV sterben würde, entschloss er sich in nahezu religiösem Eifer dazu, das Buch zu beenden, noch einmal ganz abzutippen und alles an bis dahin unveröffentlichten Texten darin unterzubringen. Es erstaunt deshalb nicht, dass die Rahmenerzählung der Legende optisch der Gestaltung der Bibel nachempfunden wirkt. Zahlreiche editorische Notizen im Anhang lassen die Entstehungsgeschichte des Buches in Teilen nachvollziehen und generell ist das Nachwort extrem spannend und aufschlussreich gestaltet. Würde man das Buch aber mit einer üblichen Schriftgrösse herausgeben, würde es wohl insgesamt mindestens 3000-4000 Seiten umfassen. Entsprechend langsam liest sich "Legende".

Herangehensweise und meine Meinung:
Wie bin ich überhaupt auf Schernikau gekommen? Vor mehr als zehn Jahren habe ich gemeinsam mit meinem Vater einen extrem spannenden Dokumentarfilm über Ronald M. Schernikau gesehen. Mein Vater erinnerte sich dabei an das Buch "Kleinstadtnovelle", das er als junger Erwachsener im Lehrerseminar gelesen hatte. Ich machte mich auf die Suche nach Büchern von Schernikau und las innerhalb von zwei Jahren "Königin im Dreck" und "Kleinstadtnovelle". Schon damals wusste ich, dass es irgendwo eine (damals wohl vergriffene oder extrem teure) alte Auflage von "Legende" gab und hielt fortan die Augen nach diesem Opus Magnum offen. 2019 erschien die Neuauflage, was mich riesig freute und 2020 wünschte ich mir das Buch von meinem Mann zu Weihnachten. Ich begann noch im Dezember 2020 mit der Lektüre und ihr habt es sicher auch alle auf die eine oder andere Weise erlebt; Bücher, die einen durch eine so surreale Zeit begleiten und ebenfalls Umbrüche und Umstürze beschreiben, brennen sich noch einmal ganz anders ein.
Das umfangreiche Werk, das Schernikau bis 1991, kurz vor seinem Tod im einundreissigsten Lebensjahr, beschäftigt hat, hat mich somit also mehr als fünf Jahre lang begleitet. Ich habe es nicht gelesen, sondern ich habe es stellenweise inhaliert, mir aber auch oft hart erarbeitet und erkämpft. Die insgesamt über 1000 Seiten haben mich immer wieder unterschiedlich lange Pausen einlegen lassen. Ausserdem habe ich viel durchs Buch geblättert und mich zu eigenen Recherchen anregen lassen. "Legende" ist kein Buch, das man chronologisch und nebenbei liest, der Montageroman lässt einen springen und entdecken, immer wieder vor- und zurückblättern und ich habe wirklich jede einzelne Anmerkung, jeden einzelnen Nachweis mindestens einmal gelesen und dabei oft innegehalten und mich zum Nachdenken anregen lassen.
Das Buch, das auch eine Liebeserklärung an Berlin ist, beinhaltet ganz viel Humor, Spielereien und Skurrilität und auch extrem politische und gesellschaftskritische Gedanken, die kaum an Aktualität eingebüsst haben. Im letzten Teil verliert der Autor, der die Figur "der Neffe von Ulla" als eine Art Alter Ego geschaffen hat, die Distanz zu seinen Figuren und schreibt immer öfter in der ersten Person als "Ronald" und wird nahbarer und emotionaler. Als nämlich die von Schernikau geliebte DDR zerfällt, die seine Mutter 1966 der Liebe wegen mit ihrem kleinen Sohn im Kofferraum eines Autos verlassen und deren Staatsbürgerschaft er sich erst im September 1989 wieder erkämpft hatte, steht er als überzeugter Kommunist den Trümmern seiner Träume gegenüber.
Als sich gegen Ende des Buches auch der nahende Tod des 1990 mit AIDS diagnostizierten Schernikaus erahnen lässt, philosophiert er über das Sterben und den Schmerz, das Verlieren und Vermissen und das, was bleibt. Er hat mich damit tief berührt. Denn "Legende" ist vor allem auch eine Hommage an die Liebe. Die Liebe zur Hoffnung auf eine bessere Welt, die Liebe zu Wegbegleitern wie seinem Partner Thomas Keck und die Liebe zu seiner Mutter Ellen Schernikau, der die Figur Irene Binz nachempfunden ist und der Schernikau mit seinem Buch ein Denkmal geschaffen hat.

Meine Empfehlung:
Dem Buch und dem Autor, Denker und Idealisten Schernikau, der mich schon mit "Kleinstadtnovelle" und "Die Königin im Dreck" für sich eingenommen hat, werde ich spätestens nach dieser Lektüre auf ewig verbunden bleiben und seine "Legende" wird für immer einen grossen Platz in meinem Leseleben einnehmen. Wenn ihr einige Stunden - oder wie in meinem Fall Jahre - zum Lesen dieses monumentalen Werkes erübrigen könnt, dann macht das. Und meldet euch bei mir, damit wir uns darüber austauschen können.

Veröffentlicht am 10.05.2026

Persönlicher denn je, nicht ganz so spannend, wie andere Bände der Reihe

Dunkler Donnerstag
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Inhalt:
In diesem zuerst unscheinbar wirkenden und dann immer persönlicheren Fall reist Frieda in ihre Vergangenheit und besucht ausgerechnet das Städtchen, das sie als Teenagerin fluchtartig verlassen ...

Inhalt:
In diesem zuerst unscheinbar wirkenden und dann immer persönlicheren Fall reist Frieda in ihre Vergangenheit und besucht ausgerechnet das Städtchen, das sie als Teenagerin fluchtartig verlassen hat. Bei einem Klassentreffen begegnet sie dort Menschen, denen sie am liebsten nie wieder über den Weg gelaufen wäre, bringt aber auch Licht ins Dunkel eines Geheimnisses, das sie seit ihrer Jugend mit sicher herumträgt.

Meine Meinung:
Dieser vierte Band der Reihe um Psychologin Frieda Klein erinnerte mich - wenn auch eher positiv - an "Der Nachbar" von Fitzek, das ich im April gelesen habe. Friedas alter Stalker Dean Reeve, der sie schon seit einigen Bänden begleitet, taucht wieder auf und beginnt, sich immer gewaltvoller in ihr Leben einzumischen. Gleichzeitig geht die Handlung um den eher aussergewöhnlichen Fall, den Frieda in Eigenregie aufzuklären versucht, eher schleppend voran und die vielen Einblicke in Friedas Arbeit, die mir sonst immer so viel Spass gemacht haben, bleiben aus.
Dafür zeigt sich einmal mehr, was für ein wundervoller Mensch Frieda ist. Denn obwohl sie eine dicke Mauer um sich herum baut, hat sie doch Menschen in ihrem Leben, die stets zu ihr vordringen, sie bedingungslos unterstützen und ihr sonst eher einsames und dunkles Haus mit Leben und Liebe füllen. Sie verhält sich zwar auf den ersten Blick oft ein wenig abweisend, zeigt sich aber dann immer enorm froh und dankbar, dass ihr Leben mit so wunderbaren Freundschaften gefüllt ist und wird immer irgendwie unfreiwillig aber um so loyaler zum Anker und zur zweiten Heimat für alle gestrandeten Mitmenschen. Dieser Aspekt ihrer Persönlichkeit gefällt mir am besten und macht sie für mich zu einer nahbaren und vielschichtigen Person, die ich auch gerne kennen würde.

Meine Empfehlung:
Dieser Band hat mich nicht ganz so sehr begeistert, wie die Vorgängerbände. Dennoch liest sich die Geschichte kurzweilig und immer mal wieder wird es auch spannend und berührend. Ich freue mich schon sehr auf die weiteren Bände der Reihe.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Überhaupt nicht spannend, aber sehr unterhaltsam

Der Nachbar
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Inhalt:
Es sind kleine Dinge, an denen Sarah bemerkt, dass sich jemand zuerst unerkannt in ihren vier Wänden bewegt hat; gegossene Pflanzen, ein voller Kühlschrank oder auch eine kleine Reparatur. Bald ...

Inhalt:
Es sind kleine Dinge, an denen Sarah bemerkt, dass sich jemand zuerst unerkannt in ihren vier Wänden bewegt hat; gegossene Pflanzen, ein voller Kühlschrank oder auch eine kleine Reparatur. Bald wird klar, dass sie weder ihre eigene Zerstreutheit noch ihre Tochter dafür verantwortlich machen kann und dass sich ein Stalker, der sich als "Der Nachbar" bezeichnet und sie auf eine sehr eigene Art und Weise zu "beschützen" versucht, in ihr Leben geschlichen hat.

Meine Meinung:
Mein erster Fitzek seit Jaaaahren und gekauft hätte ich mir das Buch wohl nicht, aber einem geschenkten Gaul... Und ich muss sagen, dass ich das Buch sehr gerne gelesen habe. Denn auch wenn das jetzt sicher für einige sehr irritierend klingt, irgendwie hat mich die Geschichte nämlich super unterhalten und sie wirkte sogar ziemlich gemütlich auf mich. Die Handlung ist nämlich so absurd und teilweise auch vorhersehbar konstruiert und überhaupt nicht spannend oder gruselig, dass ich ganz viele Dinge gar nicht ernst nehmen konnte und dass ich beim Lesen sehr neugierig auf die nächste schräge Idee oder Figur war. Die Logik bleibt ziemlich auf der Strecke, aber dafür hat mir gefallen, dass Fitzek ziemlich am Puls der Zeit ist und sexistische Gesellschaftsstrukturen und Vorurteile in seinem "Thriller" aufgreift, auch wenn er mit Sarah - wie irgendwie in allen Büchern, die ich von ihm gelesen habe - eine Frau in die Opferrolle zwingt.

Schreibstil und Aufbau:
Das Buch besteht aus sehr kurzen Kapiteln und liest sich dadurch extrem schnell weg. Die unlogische und sehr konstruierte Handlung hat bei mir aber nicht für Kopfschütteln, sondern für beste Unterhaltung gesorgt. Ein Thriller als cozy crime? Irgendwie fühlt sich dieses Buch so an. Es passt alles stets verdächtig gut zusammen, der Täter ist immer genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort, obwohl das zeitlich gar nicht aufgehen kann und alles, was irgendwie nicht so richtig passt, wird im Nachhinein noch passend gemacht. Das hat bei mir für den einen oder anderen Lacher gesorgt und irgendwie habe ich mich gerne an Sarahs Seite durch die zahlreichen Rätsel und Konstrukte gewühlt.

Fazit:
Als Thriller kann ich euch das Buch nicht empfehlen, auch wenn ich mir sicher bin, dass Fitzek-Fans auch mit diesem Buch voll auf ihre Kosten kommen. Unterhaltsam und vor allem sehr kurzweilig war die Geschichte aber allemal.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Der bisher persönlichste Kluftinger-Fall

Kluftinger (Kluftinger-Krimis 10)
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Inhalt:
Im Jubiläumsband des Autoren-Duos wird es persönlicher denn je: Kluftinger reist in seinem zehnten Fall nämlich in seine berufliche und private Vergangenheit und wird sogar selber zur Zielscheibe ...

Inhalt:
Im Jubiläumsband des Autoren-Duos wird es persönlicher denn je: Kluftinger reist in seinem zehnten Fall nämlich in seine berufliche und private Vergangenheit und wird sogar selber zur Zielscheibe eines Täters. Und dies, obwohl er eigentlich seine Rolle als Opa so richtig auskosten will. Auch seine Familie ist in Gefahr und im Präsidium gehen seltsame Dinge vor sich. Höchste Zeit also, dass Klufti allen Mut zusammennimmt und sich den Geistern der Vergangenheit stellt und sich und seine Familie aus der - wortwörtlichen - Schusslinie bringt.

Meine Meinung:
Für diesen zehnten Band hat das Autorenduo sich nicht lumpen lassen und schwingt die ganz grosse dramaturgische Keule. Mir persönlich hat der Band besonders gut gefallen, weil er auch sehr ernste Töne anschlägt und sehr dramatisch und spannend erzählt ist. Trotzdem kommen auch einige humorvolle Szenen nicht zu kurz, eine düstere Grundstimmung bleibt aber bestehen und zum ersten Mal bleibt auch das Ende offener als bei den anderen Bänden.
Zum ersten Mal wird Klufti übrigens bei seinem ganzen Namen genannt und wir erfahren noch viele weitere Details uns seiner Jugend und erleben seine ersten wichtigen Meilensteinen als Polizist.

Meine Empfehlung:
Der Jubiläumsband kommt düster und bedrohlich daher und auch wenn Platz für Humor bleibt, haben einige Ereignisse und Szenen mich ziemlich mitgenommen. Besonders gut gefallen haben mir dabei die Abstecher in Kluftis Vergangenheit und ich bin schon sehr gespannt auf die weiteren Ermittlungen des Allgäuer Kommissars.

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Komplex und wunderschön erzählt

Griechischstunden
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Inhalt:
Einer namenlosen Frau wird das Sorgerecht für ihren Sohn entzogen. Nur eine weitere Tragödie in ihrem erst so jungen Leben. Sie verstummt von einem Tag auf den anderen und beginnt, Altgriechisch ...

Inhalt:
Einer namenlosen Frau wird das Sorgerecht für ihren Sohn entzogen. Nur eine weitere Tragödie in ihrem erst so jungen Leben. Sie verstummt von einem Tag auf den anderen und beginnt, Altgriechisch zu lernen. Über das Erlernen dieser toten Sprache erobert sie sich den Zugang zu ihrer ganz persönlichen Sprache und Kommunikation zurück.
Ihr - ebenfalls namenloser - Griechischlehrer ist in Deutschland und Korea aufgewachsen, trägt zwei Identitäten und ein Geheimnis mit sich herum; er ist nämlich dabei, zu erblinden und möchte dies vor seinen Arbeitgebern verbergen. Die griechische Schrift, das Entdecken neuer Formulierungen in einer Sprache, die für sie beide eine Fremdsprache ist und das Wissen um den verborgenen Schmerz des Gegenübers verbindet die beiden.

Meine Meinung:
"Griechischstunden" hat mich auf der Heimreise von Verona begleitet und es ist das erste Buch der Autorin, bei dem ich kleine Startschwierigkeiten hatte. Nach einigen Seiten konnte ich aber so richtig in die Geschichte eintauchen und wurde mit einem sehr feinen Humor und einer sich zart entwickelnden Freundschaft - in allen Beschreibungen wird von einer Liebesgeschichte gesprochen, aber das halte ich für ein wenig vorschnell, schliesslich kommen sich die Figuren nur sehr sanft und zaghaft näher - und vielen kunstvoll verbundenen Rückblenden belohnt.

Schreibstil und Aufbau:
In ihren Romanen springt Han Kang immer mitten ins Geschehen und begleitet eine oder mehrere Figuren durch den Alltag, ohne sich mit einer Rahmenhandlung oder langer Vorrede aufzuhalten. Die Details liefert sie im Verlauf der Geschichte nach und so setzt sich Stück für Stück ein Gesamtkunstwerk zusammen. So ähnlich geschieht dies auch in "Griechischtunden". Und obwohl mir dieser Aufbau normalerweise keine Schwierigkeiten bereitet, so hatte ich doch anfangs Mühe, dem schnellen Wechsel der erzählenden Figur und zwischen erster und dritter Person zu folgen. Dann aber habe ich die beiden Figuren so richtig ins Herz geschlossen und hätte sie gerne noch länger durch ihren Alltag und auf ihrem zuerst sehr düsteren und dann immer hoffnungsvolleren Weg begleitet.

Meine Empfehlung:
Dieser komplexe Roman der Autorin muss sehr aufmerksam gelesen werden und dann erschliesst sich eine sehr poetische, tragisch-schöne Geschichte, die Mut macht und mit einem zarten Humor erzählt wird.

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