Profilbild von Sanne

Sanne

Lesejury Star
offline

Sanne ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Sanne über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.05.2018

Unheimlich und gruselig

Das Falsche in mir
0

Robert Salfeld scheint ein ganz gewöhnlicher Familienvater zu sein: verheiratet, zwei Töchter, ordentlicher Job. Dass er als Jugendlicher seine Freundin getötet hat, scheint nach Verbüßung einer langen ...

Robert Salfeld scheint ein ganz gewöhnlicher Familienvater zu sein: verheiratet, zwei Töchter, ordentlicher Job. Dass er als Jugendlicher seine Freundin getötet hat, scheint nach Verbüßung einer langen Freiheitsstrafe vergessen, seine neu gewählte Umgebung ist ahnungslos.
Sina Rastegar, Kommissarin der Leydener Polizei, wird mit der Suche nach verschwundenen Mädchen betraut. Leichen werden gefunden, aufgeschlitzt und gefoltert. Das Tatmuster entspricht genau dem von Robert Salfeld, wie ein älterer Polizist feststellt.
Das Problem: Salfeld hat Blackouts, weiß nicht genau, ob er der Mörder ist, traut es sich mal zu und dann wieder nicht. Es gibt nur einen Ausweg: da ihn die Polizei verhaften will, muss er untertauchen und auf eigene Faust ermitteln.
Sina Rastegar hat ein besonderes Interesse an dem Fall, sie sieht einen Zusammenhang zwischen den Morden und dem eigenen sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit.
Unheimlich und gruselig sind die Phantasien Robert Salfelds, unvorstellbar die an den Opfern getätigten ausgeklügelten Foltermethoden. Salfeld weiss, dass das Dunkle in ihm fest verankert ist, vererbt und schwer zu bekämpfen.
Fassungslos lesend, wozu Menschen in der Lage sind, habe ich diesen Thriller verschlungen. Zum Teil verständnisvoll, manchmal aber nicht nachvollziehend, wie andere Menschen auf Salfeld reagieren, finde ich dieses Buch sehr empfehlenswert für den Schocker liebenden Bücherwurm.

Veröffentlicht am 31.05.2018

Geschichte zum Naumburger Dom

Die Herrin der Kathedrale
0

Sehr kreativ, was die Autorinnen Claudia und Nadja Beinert aus vier mageren Fakten aus dem Leben der Uta von Ballenstedt machen: einen historischen Roman über das Frau-Sein im Mittelalter. Geflüchtet vor ...

Sehr kreativ, was die Autorinnen Claudia und Nadja Beinert aus vier mageren Fakten aus dem Leben der Uta von Ballenstedt machen: einen historischen Roman über das Frau-Sein im Mittelalter. Geflüchtet vor ihrem Vater, findet Uta Aufnahme in einem Kloster, lernt dort dank verständnisvoller Schwestern Schreiben, Archivieren und erlangt Kenntnisse der Heilkunst. Aber auch Verachtung und Neid begegnen ihr. Nach einigen Jahren als Schreiberin der Herzogin / Königin /Kaiserin Gisela wird sie an den ungeliebten Burgherren von Naumburg verheiratet. Wie auch immer, wird sie dort zu einer wichtigen Planerin und Organisatorin beim Bau des berühmten Naumburger Doms. Leider langweilen ausführliche architektonische Details den Erzählfluss des ansonsten lesenswerten Buches.
Ein Roman, der versucht, das Leben der Uta von Naumburg, Jedem aus Kreuzworträtseln bekannt, näher zu bringen. Ich hab ihn gern gelesen.

Veröffentlicht am 31.05.2018

London in den 60-ern

Abbey Road Murder Song
0

London 1968, die Beatles weltbekannt. Was für eine tolle Zeit. Man kann sie aber auch gelassener sehen; und genau das tut William Shaw in seinem Roman. Diskriminierung von Frauen, Rassismus, Vorurteile ...

London 1968, die Beatles weltbekannt. Was für eine tolle Zeit. Man kann sie aber auch gelassener sehen; und genau das tut William Shaw in seinem Roman. Diskriminierung von Frauen, Rassismus, Vorurteile sind ganz normale Alltagserscheinungen. Der Mord an einer jungen Frau ist nicht mehr so empörend als ihr unsittliches Verhalten unterstellt wird. Trotzdem versucht Breen, das Verbrechen aufzuklären, unterstützt von einer Polizeiänwärterin, die Konventionen missachtet und ihn zunächst unsäglich nervt. Bei seinen Kollegen weder besonders beliebt noch besonders geachtet, nachdem er seinen Partner nicht geschützt hat, verbeißt er sich in diesen Mordfall und untersucht auch abwegige Spuren. Er kommt in Kontakt mit wenig angesehenen Afrikanern, die die Briten für den Krieg in Biafra und das Morden dort verantwortlich machen. Seine Kollegin erweist sich als clever und ermittelt erfolgreich, findet einen guten Draht zu Jugendlichen. Sie ist die eine erfrischende Figur in diesem Krimi. Durch sie wird das Thema Beatles wenigstens ein wenig mit einbezogen.
Klar, dass in einem Krimi verwirrende Spuren gelegt werden, Zeitgeschichte eine Rolle spielt und Hauptpersonen einige Macken haben. Deswegen muss aber Unterhaltung und Spaß nicht auf der Strecke bleiben, wie hier geschehen. Wenigstens kommen im letzten Fünftel des Buches noch unerwartete, mich zum Teil befremdende Ereignisse hinzu, so dass das Buch doch noch einen Eindruck hinterlässt und zum Nachdenken anregt.

Veröffentlicht am 31.05.2018

Schwedische Polizei und Argentinien

Bittere Sünde
0

Das Cover zeigt eine durchgerissene Fotografie. Wofür steht sie? Das Buch hat zwei Handlungsstränge, die sich erst allmählich enthüllen. Zum einen grausame Morde mit Genitalverstümmelungen in Schweden, ...

Das Cover zeigt eine durchgerissene Fotografie. Wofür steht sie? Das Buch hat zwei Handlungsstränge, die sich erst allmählich enthüllen. Zum einen grausame Morde mit Genitalverstümmelungen in Schweden, zum Andern Folter und Auswirkungen von Verbrechen, begangen durch die Militärjunta in Argentinien. Wie geht das zusammen? Spannend, aber verworren wird erzählt, wie sich die schwedische Polizei der Lösung nähert. Sympathische Ermittler müssen ihren Tribut zahlen, Privates wird involviert. Natürlich gibt es falsche Fährten, eigenwillig handelnde Personen und einiges, was sonst noch zu einem Krimi gehört. Weniger ist aber manchmal mehr und eine naiv agierende Mutter muss auch nicht sein.
Trotzdem lesenswert, wenn auch der Stil der Autorin noch ausbaufähig ist.

Veröffentlicht am 31.05.2018

Frau Freitag schlägt wieder zu

Echt easy, Frau Freitag!
0

Wo Frau Freitag draufsteht, ist zu 100% auch Frau Freitag drin. Ein Live-Bericht aus Berliner Klassenräumen und dem ungeschönten, aber witzig erzählten Lehrerinnenalltag an einer "Problemschule". Beim ...

Wo Frau Freitag draufsteht, ist zu 100% auch Frau Freitag drin. Ein Live-Bericht aus Berliner Klassenräumen und dem ungeschönten, aber witzig erzählten Lehrerinnenalltag an einer "Problemschule". Beim Lesen trifft man auf Originale, die sicher auch nerven können, aber authentisch und in Jugendsprache auf der Bildfläche erscheinen. Ich hatte viel Spaß beim Lesen, im Hinterkopf aber immer der Gedanke: dieser Job ja, aber an dieser Schule sicher nichts für mich. Dass Frau Freitag sich in ihrer neuen 7. Klasse mitunter wegen "Liebsein" der Kinder langweilt, ist mir aber unverständlich, könnte man sich doch auch mal in Ruhe um die netten Schüler/-innen kümmern, die kommen sonst stets zu kurz. Allerdings hält ihre Langeweile ja auch nicht lange an, besonders Montags nicht. Ach, wie ich Frau Freitag um ihren fürsorglichen und attraktiven Freund beneide, der sie immer wieder umhegt und auffängt. Auch schön, dass ihre ehemaligen Schüler öfter mal vorbeischauen und sie als beste Lehrerin endlich zu schätzen wissen. Die jetzigen Schüler, besonders die doofe Achte, sind mit Frau Freitag bestens versorgt und liefern immer wieder Steilvorlagen für tiefste Einblicke in die geplagten Schülerseelen, auch wenn es sich dabei nicht zwangsläufig um Schulthemen handelt. Wie seine Vorgänger ist auch dieses Buch wieder und gut zu lesen. Nicht nur für Lehrer/-innen empfohlen.