Neues Leben als Gourvernante
Der Wille der GräfinVom Erbe der jungen, adeligen Hanna Wildermuth ist nichts mehr übrig, sodass sie sich ihr Geld als Gouvernante verdienen will. Doch schon vor Antritt ihrer ersten Stelle tun sich erste Probleme auf und ...
Vom Erbe der jungen, adeligen Hanna Wildermuth ist nichts mehr übrig, sodass sie sich ihr Geld als Gouvernante verdienen will. Doch schon vor Antritt ihrer ersten Stelle tun sich erste Probleme auf und sie entkommt haarscharf einem großen Unglück und findet Zuflucht bei der Obladenbäckerin Burgl in Karlsbad. Dort wird Gräfin Valeria auf die junge Hanna aufmerksam und stellt sie kurzerhand als Gouvernante für ihre Enkelin Antonia ein, natürlich nicht ohne Hintergedanken, denn der Name Wildermuth kommt ihr doch bekannt vor und sie möchte mehr über Hanna erfahren.
Der Roman entführt uns Leser in das 19. Jahrhundert, wobei die Autorin den Zeitgeist inklusive Atmosphäre sehr gut eingefangen hat, sodass für mich die damalige Zeit sehr lebendig erschien. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und nicht zu komplex, sodass der Lesefluss nicht durch anstrengende Passagen gebremst wird. Als Leser lernt man die Figur Hanna sehr schnell näher kennen und erkennt ihren starken Charakter, die ihrer Zeit weit voraus ist, da sie lieber ihr Geld selbst verdienen möchte, als von Verwandten abhängig zu sein. Ich habe es sehr genossen ihre Gefühle und Gedanken mitzuverfolgen, da sie ein interessanter Charakter ist, der aber auch zwiegespalten ist aufgrund ihrer adeligen Herkunft und dem Leben als untergeordnete Angestellte das sie jetzt führt.
Dennoch erschien mir der Roman nach einer kurzen Anfangsphase teilweise etwas schleppend und langatmig, sodass ich lange gebraucht habe um ganz in der Geschichte anzukommen. Ich persönlich fand, dass so manche Stelle viel ungenutztes Potenzial hatte und hätte ausführlicher erzählt werden können, sodass eben das richtige Maß an Spannung entstehen hätte können, so war einfach alles zu schnell erzählt, sodass die Spannung gar nicht erst richtig wuchs. Auch wird viel über die Rangordnung innerhalb des Personals geschrieben, was natürlich zur damaligen Zeit dazugehört und auch zunächst interessant war zu lesen, aber irgendwann war es dann doch etwas zu breitgetreten und hat der Handlung den Schwung genommen.
Erst nach ca. der Hälfte des Buches kam dann frischer Wind und es wurde spannender und ab dann habe ich auch das Buch mit mehr Freude gelesen. Man lernt als Leser Gräfin Valeria besser kennen und die Intrigen, die in ihrem Haushalt herrschen. Auch lernt man die Familie und das Gefolge der Gräfin besser kennen das so manche Spannungsquelle mit sich bringt. Ähnlich wie bei Hanna, die ohne ihren Zögling Antonia zunächst keine richtige Aufgabe hatte, deren Leben im Haushalt der Gräfin durch die Ankunft ihres Schützlings dann endlich einen Sinn ergeben und Fahrt aufgenommen hat, so habe ich mich beim Lesen gefühlt. Die Handlung hatte plötzlich viel mehr zu bieten und ist nicht nur so dahingeplätschert, an so mancher Stelle konnte ich das Buch nicht mehr weglegen, da ich wissen wollte wie es weitergeht.
Auch wenn ich anfangs fast nicht mehr glauben konnte, dass ich dieses Buch verschlingen könnte, wurde ich am Ende doch eines Besseren belehrt, jedoch kam diese Wende zu spät für mich in diesem Buch oder das Anfangspotenzial hätte besser genutzt werden müssen. Dennoch möchte ich wissen wie es weitergeht und kann mir gut vorstellen den zweiten Band noch zu lesen, jedoch ohne, dass ich, wie von mir gewohnt, dem Erscheinungstag von diesem entgegenfiebere.
Es handelt sich bei „Der Wille der Gräfin“ um einen netten historischen Roman, der zwar die Atmosphäre der damaligen Zeit gut einfängt, aber eben zu lang braucht um einen zu fesseln, daher kann ich den Roman nur als Buch für zwischendurch empfehlen.