Profilbild von Schnick

Schnick

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Schnick ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Schnick über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2020

Explosive Spannungen in Leipzig

Heißes Pflaster
0

Mit „Eisige Tage“ hat Alex Pohl Ende 2018, Anfang 2019 sein Debüt bei einem großen Verlag gegeben. Mich hatte es überzeugt. Nun ist der zweite Fall für das Leipziger Ermittler-Duo Hanna Seiler und Milo ...

Mit „Eisige Tage“ hat Alex Pohl Ende 2018, Anfang 2019 sein Debüt bei einem großen Verlag gegeben. Mich hatte es überzeugt. Nun ist der zweite Fall für das Leipziger Ermittler-Duo Hanna Seiler und Milo Novic veröffentlicht worden. Für mich war die dringende Frage, ob Alex Pohl das Niveau halten kann oder ob der zweite Fall ein Reinfall würde.

Um es kurz zu machen: „Heißes Pflaster“ hat – wie sein Vorgänger – seine Schwächen, aber insgesamt hat mich auch dieser Kriminalroman bestens unterhalten!

Auch hier präsentiert Pohl das Geschehen unaufgeregt und mit sehr angenehmem Tempo. Nennenswerte Längen gibt es nicht und wäre mein Sohn nicht wegen COVID-19 und der Schließung der Kitas ganztägig zu Hause, hätte ich das Buch binnen kürzester Zeit verschlungen. Ja, so gut ist es.

Wieder einmal vermengt Pohl Realität und Fiktion zu einer spannenden und unterhaltsamen Melange: diesmal treffen Linke und Rechte aufeinander und das ergibt – im wahrsten Sinne des Wortes – eine explosive Mischung.

Vor allem aber präsentiert Alex Pohl mit Hanna Seiler und Milo Novic ein tolles Team, mit dem die LeserInnen mitfiebern und miträtseln, weil sie vielschichtige und dabei sympathische Charaktere sind. Aber auch die weiteren Personen, die im Roman auftauchen, sind allesamt interessant. Sie sind so verschieden wie es auch im echten Leben der Fall ist, nicht immer einfach nur „gut“ oder „böse“, auch wie im echten Leben.

Wenn es etwas gibt, was mich an „Heißes Pflaster“ stört, dann sind es eher Kleinigkeiten. Ein innerer Dialog eines im Buch auftauchenden „Rechten“ ist mir persönlich zu infantil-aufdringlich geraten. Es gibt einzelne Szenen, die anscheinend nur geschrieben wurden, damit die LeserInnen lose Enden verbinden können – etwas, was er beim ersten Fall noch weitestgehend vermieden hatte. Trotzdem ist das Gesamtbild insgesamt ein toller Kriminalroman.

Was ich Pohl auch diesmal wieder hoch anrechne: Auch diesmal lässt er wieder lose Enden zu. Vor allem aber endet zwar zweite Fall mit Verhaftungen, aber es gibt einen gut platzierten Cliffhanger, der darauf hoffen lässt, dass im nächsten Fall einige Nebenstränge aus „Heißes Pflaster“ weiter verfolgt werden werden. Insofern gilt nach der Lektüre von „Heißes Pflaster“ das Gleiche wie nach „Eisige Tage“: Wann folgt der nächste Fall für Seiler und Novic?

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.03.2020

Die Maus hilft aus - und liefert Stoff für ein schönes Kinderbuch

Ei, Ei, Ei! Die Maus hilft aus
0

Ich bin immer wieder auf der Suche nach schönen Kinderbüchern für meinen Sohn. „Ei, Ei, Ei! Die Maus hilft aus“ entstand in Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Bern zur Eröffnung der Dauerausstellung ...

Ich bin immer wieder auf der Suche nach schönen Kinderbüchern für meinen Sohn. „Ei, Ei, Ei! Die Maus hilft aus“ entstand in Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Bern zur Eröffnung der Dauerausstellung „Picas Nest“. Lorenz Pauli zeichnet sich für den Text verantwortlich, Kathrin Schärer hat die Bilder gemalt. Das Buch wird für Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren empfohlen.

Und so ist es dann auch: Meinem Sohn, 5 Jahre alt, gefällt das Buch sehr gut. Allabendlich muss ich es ihm nun vorlesen. Und das ist auch kein Wunder, denn der Text ist gut geschrieben und die Bilder sind wunderschön.

Die Geschichte ist schnell geschrieben. Die Maus liegt faul im Gras, als sie von der Amsel in den Schwanz gebissen wird. Die Amsel entschuldigt sich. Der Biss war ein versehen, weil sie den Schwanz der Maus für einen Wurm gehalten hat. Sie ist in Eile, weil sie ihre Eier nicht lange allein lassen kann, und hat deshalb nicht so genau hingeschaut. Die Maus ist eine sehr nette Maus und bietet daher an, sich auf die Eier zu legen, während die Amsel in aller Ruhe nach Futter sucht. Gesagt, getan. Allerdings bleibt es nicht lange nur bei den Amsel-Eiern…

Die Geschichte ist wirklich niedlich. Es tauchen verschiedene Vögel und sogar Eichhörnchen auf, die allesamt die Hilfe der Maus in Anspruch nehmen. So ist die Maus irgendwann gar nicht mehr faul, sondern vielmehr außerordentlich hilfsbereit und fleißig.

Die Sprache ist einerseits kindgerecht, andererseits aber nicht kindisch. Die Bilder sind wunderschön, wie man dank des Buchdeckels schon gut erkennen kann. Sowohl mein Sohn als auch ich genießen die Geschichte sehr, die lang genug ist, um meinen Sohn zu beschäftigen und kurz genug, um auch noch vorgelesen zu werden, wenn Mutter oder Vater abends müde sind.

Nur das sehr abrupte Ende stört uns ein bisschen, aber ansonsten ist das Buch eine runde Sache.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.02.2020

Spannender Roman über ein Schicksal in Stalin-Russland (und danach)

Rote Kreuze
0

Stalin-Russland war kein Spaß, das wissen wir alle. Was die Diktatur aber mit den Menschen angerichtet hat, welches Leid es verursacht hat, das erzählt Sasha Filipenko beispielhaft und – insbesondere für ...

Stalin-Russland war kein Spaß, das wissen wir alle. Was die Diktatur aber mit den Menschen angerichtet hat, welches Leid es verursacht hat, das erzählt Sasha Filipenko beispielhaft und – insbesondere für russische Verhältnisse – sehr rasant in seinem Roman „Rote Kreuze“, der gerade in die deutsche Sprache übersetzt im Diogenes-Verlag erschienen ist.

Erzählt wird die Geschichte von Tatjana Alexejewna, die sich ihrem neuen Nachbarn, dem jungen Alexander anvertraut. Tatjana ist 90 Jahre alt und hat Alzheimer „Weil Gott Angst hat vor mir.“ Warum Gott vor ihr Angst hat? Das werden wir im Lauf der Geschichte noch erfahren – wie so vieles anderes, was sie am Anfang des Buches Alexander gegenüber andeutet.

Anfangs wurde ich etwas überrumpelt. Bei russischer Literatur erwarte ich einen eher gemächlichen Einstieg und einen eher langsamen Erzählfluss. Sasha Filipenko dagegen kommt umgehend zur Sache – und legt bis zum Ende seines Romans ein ausgesprochen rasantes Tempo hin. Kein Wunder also, dass er es schafft, Stalin-Russland und die Umbrüche danach, in einem Roman von gerade einmal 288 Seiten unterzubringen – und das auch noch, ohne den LeserInnen allzu große Lücken zuzumuten.

Im Gegenteil: Natürlich versammelt sich in Tatjanas Lebensgeschichte außerordentlich viel Leid. Und doch ist es realistisch genug erzählt, um die LeserInnen zu packen, sie mitleiden zu lassen – obwohl Tatjana gar nicht Mitleid heischend erzählt -, ihnen das Unfassbare näher zu bringen. Vor allem aber schafft es Filipenko, die Grausamkeit des Regimes herauszuarbeiten und gleichzeitig aufzuzeigen, was das Wissen um die Grausamkeit bei der Bevölkerung bewirkte.

Mir gefiel Filipenkos Roman sehr. Ich mochte das Tempo – ich habe das Buch binnen eines Nachmittages gelesen -, das Thema und Tatjana, die ihr Leben auf eine Weise meisterte, die für mich nachvollziehbar erzählt wurde. Tatjana ist eine dieser Figuren, wie es sie wohl nur in Romanen geben kann, die aber gleichzeitig eine ganz reale Faszination auf mich ausüben und eine gewisse Vorbildfunktion übernehmen können.

„Rote Kreuze“ basiert auf ganz realen Ereignissen und insbesondere einige Dokumente, die im Roman zitiert wurden, sind so unfassbar, dass ich anfangs dachte, sie seien vom Autor erdacht worden. Leider ist dem aber nicht so. Die im Roman zitierten Dokumente existieren tatsächlich. Es ist schrecklich! Umso schöner, dass Filipenko es schaffte, sie so in seinen Roman zu integrieren, dass sie ihre Wirkung voll entfalten können, ohne das Filipenko den Moralapostel spielt oder permanent mit erhobenem Zeigefinger erzählt.

„Rote Kreuze“ hat mich mitgerissen, ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, als ich erst einmal mit der Lektüre begonnen hatte. Keine einzige Stelle, kein einziger Abschnitt ist zäh, die Geschichte spannend, der Schreibstil knapp und doch bildhaft schön.

Das einzige, was mich persönlich ein bisschen gestört hat, ist die mir viel zu schnell entstehende Beziehung zwischen Sascha und Lera, einer weiteren Nachbarin (in Sashas Alter). Da war mir Filipenko dann doch ein bisschen zu rasant. Und auch Sashas Geschichte – so tragisch sie auch sein mag – war mir ein bisschen zu viel des Guten.

Trotzdem: Am Ende bleibt ein fesselnder Roman über die dunkelste Zeit russischer Geschichte, den es sich zu lesen lohnt. Kaufen und lesen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.01.2020

Es lebe die Vielfalt!

Ich bin Yola. Wer bist du?
0

Es ist ganz witzig, wie sich manchmal Dinge zusammenfügen. Noch Anfang des Jahres habe ich mir vorgenommen, meinem Sohn mehr Kinderbücher, die kindgerecht Vielfalt thematisieren, zu kaufen. Vor einigen ...

Es ist ganz witzig, wie sich manchmal Dinge zusammenfügen. Noch Anfang des Jahres habe ich mir vorgenommen, meinem Sohn mehr Kinderbücher, die kindgerecht Vielfalt thematisieren, zu kaufen. Vor einigen Tagen dann erwähnte der Duden-Verlag auf Twitter das Buch "Ich bin Yola. Wer bist du?" und ich legte mir natürlich umgehend das Buch zu. Ich fasse mich kurz: Ich bereue es nicht!



Das Buch ist in einem handlich-quadratischen Format gebunden. Es wird als Hardcover angeboten, was schon einmal sehr gut ist, weil es so robust genug ist, um oft in die Hand genommen, angeguckt und vorgelesen zu werden. Mein Sohn (5 Jahre alt) ist so begeistert, dass ich es definitiv öfter vorlesen werden muss. Innen ist das Buch wie eines der Freundschaftsbücher gestaltet, die im Kindergarten und in der Schule so beliebt sind. Um es als reines Vorlesebuch zu nutzen, taugt es daher nicht. Um es aber gemeinsam durchzublättern, die Bilder anzugucken und die Antworten der Kinder zu lesen, ist es toll!

Mich freut vor allem, dass in diesem Buch Kinder mit unterschiedlichsten Hautfarben, aus den unterschiedlichsten Ländern und mit unterschiedlichen Vorlieben als etwas ganz Normales - was es ja auch ist - präsentiert wird. So ergibt sich ein stimmiges Bild dessen, wie es in einer Kita aussehen kann und wie es zum Beispiel in der Kita meines Sohnes tatsächlich aussieht. Sehr schön ist aber auch zu sehen, welche Gemeinsamkeiten es gibt. Auch hier ist alles stimmig. Die Einzigartigkeit, aber auch die Gemeinsamkeiten sind wunderbar herausgearbeitet worden.

Dabei ist auch schön zu beobachten, dass das für meinen Sohn zum Beispiel alles vollkommen normal ist. In seiner Kita sind auch viele Kinder mit den unterschiedlichsten Hautfarben vertreten, so dass für ihn dieses Buch hier für ihn Normalität darstellt. Viele Fragen ergeben sich dadurch für ihn nicht. Was ihn aber total fasziniert, das sind zum Beispiel die unterschiedlichen Lieblingsgerichte ("Mama, kannst du mir das auch mal kochen?") oder eben auch die unterschiedlichen Sprachen, die präsentiert werden. Jedes Kind wird nämlich zweisprachig präsentiert. Pro Doppelseite steht unter dem jeweiligen deutschen Text auch noch der Text in Sprache der Eltern des jeweiligen Kindes.

Den Abschluss des Buches bildet eine Doppelseite, in der kurze Sätze wie "Hallo!", "Wie geht's?", "Lass uns Freunde sein." etc. in die im Buch vorhandenen Sprachen übersetzt wurden.

Ganz ehrlich: Ich bin begeistert! Das Buch ist so schön aufgemacht und feiert die Vielfalt wie kein anderes Buch, das wir hier stehen haben. In Zukunft werde ich darauf achten, mehr solche Bücher zu kaufen.

Das Wichtigste ist aber - und das freut mich am meisten -, dass das Buch meinem Sohn so sehr gefällt. Er hat seinen Spaß, will nun auch ein Freundschaftsbuch und wir werden uns das Buch garantiert morgen wieder ansehen und durchlesen.

Sehr empfehlenswert!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.01.2020

Klassisches Guilty Pleasure

Das Lied der toten Mädchen (Jan-Römer-Krimi 3)
0

Es gibt Bücher... Es gibt Bücher, da ist mir von Anfang an klar, dass ich nicht allzu viel zu erwarten habe und trotzdem bleibe ich bei ihnen hängen und obwohl sie (scheinbar) eher schlicht gestrickt sind, ...

Es gibt Bücher... Es gibt Bücher, da ist mir von Anfang an klar, dass ich nicht allzu viel zu erwarten habe und trotzdem bleibe ich bei ihnen hängen und obwohl sie (scheinbar) eher schlicht gestrickt sind, sind sie doch unglaublich unterhaltsam oder fesselnd. Für mich sind das Guilty-Pleasure-Bücher: Ich genieße sie auf eine ganz sonderbare Weise, obwohl ich rein objektiv weiß, dass sie kein Knaller sind. Linus Geschkes "Das Lied der toten Mädchen" gehört für mich in diese Kategorie.

Es fängt mit dem meiner Meinung nach eher unbeholfen wirkenden Schreibstil an (obwohl Geschke ein bekannter Autor ist), der Lesefluss ist eher holprig, die Kapitel sind eher kurz, die Charakterzeichnung tendenziell auch eher schlicht. Und trotzdem hat mich das Buch von Anfang an gefesselt.

Der 20 Jahre zurückliegende Fall ist spannend erzählt und ich konnte das Buch schnell lesen. Großartig nachdenken muss man nicht, mitgerätselt habe ich natürlich trotzdem. Und damit komme ich zu dem Punkt, den ich Geschke hoch anrechne: Die falschen Fährten haben funktioniert. Das ist heutzutage - wo jeder drittklassige Schriftsteller meint, eine falsche Fährte legen zu müssen, die aber mittlerweile so offensichtlich sind, dass mir noch bleibt, die Augen zu verdrehen - eine so großartige Erfahrung, dass ich Geschke dafür wirklich dankbar bin.

Den Fall selbst fand ich streckenweise arg konstruiert und zwischendurch war es mir dann doch ein bisschen zu viel des Guten, aber am Ende bin ich alles in allem zufrieden gewesen.

Merke: Es muss nicht immer hohe Kunst sein, die dich unterhält. Wer von diesem Kriminalfall nicht zu viel erwartet, wird gut unterhalten. Ich freue mich, das Buch gelesen zu haben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere