Profilbild von Schnick

Schnick

Lesejury Star
offline

Schnick ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Schnick über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.05.2026

Starker Anfang, schwaches Ende

Mit anderen Augen
0

Jane Taras Roman "Mit anderen Augen" hat mich wegen seiner Prämisse angesprochen: Tilda Finch stellt eines Tages fest, dass ihr kleiner Finger unsichtbar geworden ist. Die Ärztin stellt eine vernichtende ...

Jane Taras Roman "Mit anderen Augen" hat mich wegen seiner Prämisse angesprochen: Tilda Finch stellt eines Tages fest, dass ihr kleiner Finger unsichtbar geworden ist. Die Ärztin stellt eine vernichtende Diagnose: Tilda leidet an Unsichtbar, eine Krankheit, die vor allem Frauen betrifft und für die es keine Heilung gibt. Tilda will sich damit nicht abfinden und versucht, ein Mittel gegen die Unsichtbarkeit zu finden.

Und was soll ich sagen? Der Roman beginnt wirklich stark. Es werden auf humorvolle und angenehm leichte Weise viele gesellschaftliche Themen eingeflochten (wie zum Beispiel Gelder Health Gap, Benachteiligung von weiblich gelesenen Menschen im Beruf und so weiter), Diversität wird sprachlich auf sehr angenehme Weise abgebildet und die im Roman auftauchenden Frauen sind mir fast durchweg sympathisch gewesen. Kurz: Fast die ganze erste Hälfte des Romans war grandios: Gesellschaftskritik mit Leichtigkeit und Humor statt Schwermut - das muss man erst einmal hinbekommen.

Einziger Wermutstropfen war anfangs im Grunde genommen nur de völlig unkritisch transportierte hohe Alkoholkonsum - gerade im Kontext eines Romans der Selbstreflexion & Co. feiert, finde ich es merkwürdig, wenn die Protagonistin ständig Alkohol braucht und das auch noch positiv dargestellt wird.

Wie dem auch sei: Der Anfang des Romans ist wirklich super und wäre es auf dem Niveau weitergegangen, hätte es locker für eine 4-Sterne-Bewertung gereicht. Aber leider finden die gesellschaftskritischen Elemente spätestens in der zweiten Hälfte des Romans überhaupt nicht mehr statt (ich meine das genau so - sie geraten nicht etwa in den Hintergrund, sondern sind überhaupt nicht mehr vorhanden), genauso tauchen angeblich total wichtige Freundinnen - abgesehen von einer Ausnahme - kaum noch auf. Stattdessen driftet der Roman komplett in eine weichgespülte Esoterik-Welt ab, in der Selbstfindung und Meditation quasi alle Probleme behebt.

Die zweite Hälfte war furchtbar zu lesen, zumal es einfach auch langweilig wurde und mir der Roman viel zu sehr Denver-Clan-Glitzer-Gefilde abdriftete (allerdings ohne die Intrigen). Sinnbild dafür ist Patrick, der ohne Ecken und Kanten, dafür aber mit umso mehr sexy Schönheit, Verständnis, Geld und was weiß ich noch alles ausgestattet ist (und natürlich gut küsst und sexuelle Glanzleistungen abliefert), dass ich irgendwann nur noch genervt auf ihn reagiert habe.

Das Schlimmste aber war, dass der Roman, der so stark begonnen hatte, immer belangloser wurde. Ja, der Humor und die Leichtigkeit waren immer noch da. Ja, rein sprachlich war der Roman ist immer noch super zu lesen. Aber inhaltlich bot der Roman ein Niveau, das über "Du musst dich selbst sehen, um gesehen zu werden" nicht hinauskam. Die Vielfalt der anfänglichen Themenkomplexe blieb auf der Strecke, die Charaktere wurden im Verlauf immer schablonenhafter und der Selbstfindungsprozess verlief derart problemlos, dass es den Anfang des Romans konterkariert.

Schade.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.04.2026

Sehr lesenswerter, vielschichtiger Roman

Tal der Schwalben
0

Seraina Koblers Roman "Tal der Schwalben" verbindet Dystopie, Gesellschaftsroman und Thriller- sowie Steampunk-Elemente zu einem stimmigen Werk. Für mich ist dieser Roman eine positive Überraschung.

Mir ...

Seraina Koblers Roman "Tal der Schwalben" verbindet Dystopie, Gesellschaftsroman und Thriller- sowie Steampunk-Elemente zu einem stimmigen Werk. Für mich ist dieser Roman eine positive Überraschung.

Mir hat besonders gefallen, wie Seraina Kobler in nur wenigen Worten eine Schweiz der nahen Zukunft entstehen lässt, die für uns LeserInnen nachvollziehbar und in einer Weise realistisch ist, die subtilen Schrecken verbreitet.

"Es ist nicht die Landschaft, die bedroht ist. Sie verschwindet nicht, wir verschwinden. Die Natur hat keine Tränen, sie träumt nicht. Sie wird einfach eine andere sein".

Letztlich nimmt die Autorin unsere Gegenwart und denkt sie einfach weiter - genau das macht "Tal der Schwalben" so faszinierend. Die Auswirkungen der Klimakrise werden ebenso wie die gesellschaftlichen, (energie-) politischen und wirtschaftlichen Folgen fast beiläufig in die Geschichte eingewoben - obwohl sie zentral für die Handlung sind.

Fixpunkt ist Alesch, ein junger Wissenschaftler, der in der so genannten Metropolitane gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern nach einer Lösung für die Energieversorgung der Schweiz sucht. Vor Jahren hat er seinen in den Schweizer Bergen liegenden Geburtsort Pradetta (und seine große Liebe Anette) verlassen. Nun wird er zurückgeschickt, um die restlichen DorfbewohnerInnen zu überzeugen, ebenfalls in die Metropolitane umzuziehen.

Detailreich (aber zum Glück nicht ausufernd) beschreibt Seraina Kobler Pradetta, erweckt den Ort und seine BewohnerInnen zum Leben und erschafft einen Kontrast zum Leben in der Metropolitane. Ich habe mich schnell mit dem Ort und den darin lebenden Menschen identifiziert. Und so gelang es der Autorin, dass ich mit den Menschen, deren Lebensweise und mit dem Ort (!) mitfieberte. Würden sie bleiben können und der Ort weiterexistieren oder würde am Ende alles im Namen der Energieversorgung plattgemacht werden von der übermächtigen Stromgesellschaft? Diese Frage entwickelt im Verlauf der Handlung einen ganz eigenen Sog und führt zum Ende hin zu stetig steigender Spannung.

Über all den Geschehnissen - so spannend sie sein mögen - schwebt immer wieder auch die Frage, was genau eigentlich Heimat ist. Diese Frage ist subtil eingearbeitet und wird - wie im echten Leben, so auch von den Romanfiguren - je nach eigenen Erfahrungen jeweils anders beantwortet. Seraina Kobler arbeitet nicht mit dem Holzhammer, sondern webt dieses Handlungselement immer wieder fast beiläufig in die Geschichte ein.

Fazit: Seraina Kobler ist ein vielschichtiger, sehr lesenswerter Roman gelungen, der viele aktuelle Themen zu einer spannenden Geschichte verwoben hat. Empfehlenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.04.2026

Sehr lesenswert

Tal der Schwalben
0

Seraina Koblers Roman "Tal der Schwalben" verbindet Dystopie, Gesellschaftsroman und Thriller- sowie Steampunk-Elemente zu einem stimmigen Werk. Für mich ist dieser Roman eine positive Überraschung.

Mir ...

Seraina Koblers Roman "Tal der Schwalben" verbindet Dystopie, Gesellschaftsroman und Thriller- sowie Steampunk-Elemente zu einem stimmigen Werk. Für mich ist dieser Roman eine positive Überraschung.

Mir hat besonders gefallen, wie Seraina Kobler in nur wenigen Worten eine Schweiz der nahen Zukunft entstehen lässt, die für uns LeserInnen nachvollziehbar und in einer Weise realistisch ist, die subtilen Schrecken verbreitet.

"Es ist nicht die Landschaft, die bedroht ist. Sie verschwindet nicht, wir verschwinden. Die Natur hat keine Tränen, sie träumt nicht. Sie wird einfach eine andere sein".

Letztlich nimmt die Autorin unsere Gegenwart und denkt sie einfach weiter - genau das macht "Tal der Schwalben" so faszinierend. Die Auswirkungen der Klimakrise werden ebenso wie die gesellschaftlichen, (energie-) politischen und wirtschaftlichen Folgen fast beiläufig in die Geschichte eingewoben - obwohl sie zentral für die Handlung sind.

Fixpunkt ist Alesch, ein junger Wissenschaftler, der in der so genannten Metropolitane gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern nach einer Lösung für die Energieversorgung der Schweiz sucht. Vor Jahren hat er seinen in den Schweizer Bergen liegenden Geburtsort Pradetta (und seine große Liebe Anette) verlassen. Nun wird er zurückgeschickt, um die restlichen DorfbewohnerInnen zu überzeugen, ebenfalls in die Metropolitane umzuziehen.

Detailreich (aber zum Glück nicht ausufernd) beschreibt Seraina Kobler Pradetta, erweckt den Ort und seine BewohnerInnen zum Leben und erschafft einen Kontrast zum Leben in der Metropolitane. Ich habe mich schnell mit dem Ort und den darin lebenden Menschen identifiziert. Und so gelang es der Autorin, dass ich mit den Menschen, deren Lebensweise und mit dem Ort (!) mitfieberte. Würden sie bleiben können und der Ort weiterexistieren oder würde am Ende alles im Namen der Energieversorgung plattgemacht werden von der übermächtigen Stromgesellschaft? Diese Frage entwickelt im Verlauf der Handlung einen ganz eigenen Sog und führt zum Ende hin zu stetig steigender Spannung.

Über all den Geschehnissen - so spannend sie sein mögen - schwebt immer wieder auch die Frage, was genau eigentlich Heimat ist. Diese Frage ist subtil eingearbeitet und wird - wie im echten Leben, so auch von den Romanfiguren - je nach eigenen Erfahrungen jeweils anders beantwortet. Seraina Kobler arbeitet nicht mit dem Holzhammer, sondern webt dieses Handlungselement immer wieder fast beiläufig in die Geschichte ein.

Fazit: Seraina Kobler ist ein vielschichtiger, sehr lesenswerter Roman gelungen, der viele aktuelle Themen zu einer spannenden Geschichte verwoben hat. Empfehlenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.04.2026

Tolle Sammlung!

Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen
0

Die Essay-Sammlung "Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen" vereint die Stimmen von 13 unterschiedlichen Personen. In persönlichen Worten und auf jeweils einzigartige Weise erzählen sie, was für sie Hoffnung ...

Die Essay-Sammlung "Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen" vereint die Stimmen von 13 unterschiedlichen Personen. In persönlichen Worten und auf jeweils einzigartige Weise erzählen sie, was für sie Hoffnung ist.

Mich haben zum einen der Titel, zum anderen einige der darin versammelten Stimmen (z. B. sind Marina Weisband, Cornelia Funke, Marc-Uwe Kling) angesprochen.

Wie das bei solchen Sammlungen oft der Fall ist, gibt es Texte, die mich mehr angesprochen haben, andere wiederum waren nicht so mein Ding. Der Text von Marina Weisband zum Beispiel hat mir sehr gut gefallen. Ich empfand den Beitrag als ausgewogen und in der Summe auch für mich hoffnungsvoll. Zwei Beiträge von anderen Personen waren mir persönlich zu sehr im Negativen verhaftet, auch wenn am Ende der Schwung zum Hoffnungsvollen kam. Aber so sieht man, wie jede/r Mensch anders tickt. Dass wir das anhand der Texte im wahrsten Sinne des Wortes erleben, spricht für dieses Buch.

Alles in allem habe ich viele interessante Texte gelesen und dank des Aufbaus des Buches kann man es immer wieder zur Hand nehmen. Es ist kein Buch, das man einmal und dann nie wieder liest. Ich persönlich finde, dass es sich auch super als Geschenk eignet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2026

Ein toller Ratgeber!

Redet nicht. Räumt nicht auf. Lieb ich trotzdem.
0

Ich liebe das Cover von Inke Hummels "Redet nicht. Räumt nicht auf. Lieb ich trotzdem." Das war der Grund, weshalb ich mir das Buch näher angesehen und mich dann entschieden habe, es lesen zu wollen.

"Redet ...

Ich liebe das Cover von Inke Hummels "Redet nicht. Räumt nicht auf. Lieb ich trotzdem." Das war der Grund, weshalb ich mir das Buch näher angesehen und mich dann entschieden habe, es lesen zu wollen.

"Redet nicht. Räumt nicht auf. Lieb ich trotzdem." richtet sich an die Eltern pubertierender Jungen, und abgesehen von einem Cover zum Verlieben bietet das Buch ein klar strukturierte und hilfreiche Inhalte. Der Schreibstil ist sehr angenehm und verständlich gehalten.

Gut finde ich, dass die Autorin in ihrer Einleitung kurz darauf eingeht, weshalb sie in diesem Buch ausschließlich die Pubertät von Jungs behandelt, obwohl viele Ratschläge auch für die Eltern/Begleiter*innen weiblicher, non-binärer oder genderfluider Menschen hilfreich sein können. Sie geht außerdem auf Vorurteile hinsichtlich pubertierender Jungs ein und hat mir persönlich schon in diesem vorangestellten Teil viele Ängste genommen.

Die weiteren Kapitel beschäftigen sich mit den verschiedensten Aspekten der Pubertät - und dank der durchweg klaren Gliederung findet man sich schnell zurecht und kann zu späteren Zeitpunkten immer wieder das Buch in die Hand nehmen, schnell das betreffende Thema finden und noch einmal die Ratschläge nachlesen. Das ist mit das Beste an dieser Veröffentlichung: sie ist kein Buch, das man einmal und dann nie wieder liest. "Redet nicht. Räumt nicht auf. Lieb ich trotzdem." ist vielmehr ein Buch, das man sehr gut immer wieder in die Hand nehmen kann. Ich für meinen Teil werde das tun.

Die Ratschläge selbst sind für mich immer nachvollziehbar gewesen und es ist wirklich toll, dass die Autorin auf so gut wie jedes wesentliche Thema der Pubertät eingegangen wird. Die Hormone sind natürlich ein wichtiges Thema, schulische Leistungen, das Miteinander zu Hause, Berufswahl und die damit verbundenen Schwierigkeiten, überhaupt eine Entscheidung für einen Beruf zu treffen, Aggressionen, Freunde und natürlich Sexualität - all das und noch viel mehr wird in dem Buch auf sehr angenehme Weise behandelt. Es gibt viele Tipps - nicht nur in Bezug darauf, was man tun soll, sondern was man möglichst unterlassen soll.

Mir hat der Ratgeber insgesamt sehr gut gefallen: Schreibstil, Aufbau und die Tipps selbst habe ich als wohltuend und hilfreich empfunden. Einzige Manko ist aus meiner Sicht, dass für manche Behauptungen Nachweise fehlen. Wenn die Autorin zum Beispiel behauptet, dass von "25 Kindern einer Schulklasse übers Schulleben gesehen fünf sitzen bleiben", dann hätte ich dafür gerne einen Nachweis, denn ohne diesen bleibt es einfach nur eine Behauptung. Alles in allem überwiegt aber der positive Eindruck, dass Inke Hummel ein lebensnahes Sachbuch abgeliefert hat, das Eltern Ängste nimmt und umsetzbare Lösungen bietet.

Fazit: Super geschriebener und strukturierter Ratgeber für Eltern pubertierender Jungs, der viele Ängste und Sorgen nimmt und den ich in den nächsten Jahren bestimmt öfter zu Hand nehmen werde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere