Profilbild von Schnick

Schnick

Lesejury Star
offline

Schnick ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Schnick über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.09.2023

Toller Roman, aber zum Ende hin etwas überhastet

Die Regeln des Spiels
0

Mit "Die Regeln des Spiels" (im Original heißt sein Roman - wesentlich treffender - "Crook Manifesto") legt Colson Whitehead den zweiten Teil einer geplanten Trilogie rund um Ray Carney, seines Zeichen ...

Mit "Die Regeln des Spiels" (im Original heißt sein Roman - wesentlich treffender - "Crook Manifesto") legt Colson Whitehead den zweiten Teil einer geplanten Trilogie rund um Ray Carney, seines Zeichen Möbelhändler und Hehler in Harlem, vor.

"Die Regeln des Spiels" kann man auch dann gut lesen und verstehen, wenn man den Vorgänger "Harlem Shuffle" noch nicht gelesen hat. Mehr Spaß wird "Die Regeln des Spiels" aber auf jeden Fall machen, wenn man den ersten Teil der Trilogie bereits gelesen hat, gibt es in "Die Regeln des Spiels" doch immer wieder Verweise auf diesen Roman.

Wie schon in "Harlem Shuffle", schafft es Colson Whitehead auch in diesem Roman, seine Leserinnen sofort ins Geschehen zu ziehen. Tatsächlich lässt Whitehead das New York und vor allem Harlem der 70er Jahre dermaßen plastisch auf die Leserinnen los, dass man das Gefühl hat, mittendrin zu sein. Ich liebe das sehr!

"Die Regeln des Spiels" wird in drei Teilen serviert: Zunächst folgen wir in "Ringolevio" vor allem Ray Carney, dem wir schon in "Harlem Shuffle" - allerdings noch in den 60er Jahren - begegnet sind. Ray hat sein Leben mittlerweile unter Kontrolle, sein Laden floriert, alles ist super. Bis - natürlich - mal wieder alles aus den Fugen gerät.

Wie Whitehead das alles präsentiert, ist meiner Meinung nach eine hohe Kunst: Einerseits werden die Menschen, die Stadt, die Gaunereien und die Gewalt schonungslos präsentiert, andererseits bleibt genug Zeit für humoristische Einlagen, die sich aber immer aus der Situation bzw. aus den Gedanken (insbesondere Ray Carneys) ergeben. So bleibt das, was wir lesen, erträglich. Nicht nur das, es macht einen Riesenspaß und es gab immer wieder Momente im Roman, in denen ich mir wünschte, er würde kein Ende nehmen - einfach, weil er so toll geschrieben ist.

Im zweiten Teil - Nofretete T. N. T. - steht Ray nur an der Seitenlinie, während Pepper, der schon kurz in "Harlem Shuffle" auftauchte, ins Zentrum rückt. Er muss die Hauptdarstellerin eines Films, der unter anderem in Rays Möbelgeschäft gedreht wird, ausfindig machen. Dieser zweite Teil hat es mir besonders angetan. Er ist ein tolles Zwischenspiel und zeigt, wie gut Whitehead darin ist, Charaktere zu schaffen, die - wie im echten Leben - voller Widersprüche stecken. Auch hier gibt es nicht nur das rein Gute und das rein Böse und gerade das macht Whiteheads Carney-Romane so lesenswert. Die Menschen werden in all ihren Facetten dargestellt und das macht "Harlem Shuffle" ebenso wie "Die Regeln des Spiels" so wunderbar.

Klar, es gibt in diesen Romanen natürlich Menschen, mit den wir sympathisieren und Menschen, denen wir ablehnend gegenüber stehen, aber alles in allem wird hier eine tolle Bandbreite facettenreicher Menschen präsentiert.

Der dritte Abschnitt des Romans - "Die Abwickler" - ist meiner Meinung nach leider auch der schwächste - das aber ehrlich gesagt auf verdammt hohem Niveau. Hier macht sich bemerkbar, dass es sich um den zweiten Teil einer geplanten Trilogie handelt. Zwar gibt es keinen Cliffhanger, aber so richtig befriedigend ist der dritte Abschnitt nicht. Das liegt auch daran, dass das Finale viel zu schnell abgehandelt wird. Whitehead, der sonst ein stets gut gewähltes Tempo an den Tag legt, präsentiert plötzlich ein überhastet wirkendes Romanende, das alles in allem unbefriedigend ist.

Nun ist das Jammerei auf hohem Niveau: "Die Regeln des Spiels" ist ein verdammt guter Roman, der die 70er Jahre in New York bzw. Harlem auf eine Weise aufleben lässt, wie man das selten erlebt. Whitehead vermengt so viele Zutaten - die Black Panthers, Korruption, Gewalt, Gaunereien, Rassismus, Freundschaft, Liebe, Hoffnung und so weiter - zu einem funktionierenden, immer wieder witzigen und vor allem unterhaltsamen Gemisch, das seinesgleichen sucht.

In diesem Kosmos entwickelt sich Ray und wir schauen seiner Entwicklung zu: vom jungen Mann, der bloß nichts mit den Gaunereien seines Vaters zu tun haben will, zu einem Mann, der akzeptiert hat, dass er nicht nur ein Möbelverkäufer, sondern auch ein Gauner ist.

Ich bin sehr gespannt auf den finalen Roman der Trilogie!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.08.2023

Informativ und hilfreich - ich liebe es!

Quickfinder Artenvielfalt im Gartenjahr
0

Ich habe schon den "Quickfinder Gartenjahr" in meiner Sammlung und nutze ihn ausgiebig. Aus diesem Grund war ich sehr gespannt auf den "Quickfinder Artenvielfalt". Ich wurde nicht enttäuscht!

Der "Quickfinder ...

Ich habe schon den "Quickfinder Gartenjahr" in meiner Sammlung und nutze ihn ausgiebig. Aus diesem Grund war ich sehr gespannt auf den "Quickfinder Artenvielfalt". Ich wurde nicht enttäuscht!

Der "Quickfinder Artenvielfalt" bietet eine sehr gute Übersicht, um im Verlauf des Jahres immer wieder etwas für die Artenvielfalt zu tun. Dabei richten sich die aufgeführten Arbeiten, Tipps und Tricks nach dem so genannten phänologischen Jahreskalender. Das ist meiner Meinung und (noch bescheidenen) Erfahrung nach sinnvoller als die Einteilung nach festen Monaten.

Die jeweiligen Jahreszeiten sind in sich noch einmal unterteilt in die Unterkategorien "Planen, Erstellen & Bestellen", "Pflanzen & Pflegen" sowie - meine Lieblingskategorie! - "Entdecken, Genießen & Unterstützen".

Dank dieser Einteilung und des Registers findet man sehr schnell, was man zur jeweiligen Jahreszeit alles im Garten erledigen kann/muss und was man in diesem Zusammenhang für die Artenvielfalt tun kann. Sehr schön finde ich diesbezüglich, dass nicht nur darauf eingegangen wird, was man tun kann/muss, sondern vor allem auch, was man möglichst NICHT tun soll.

Ich empfinde diesen Quickfinder als sehr hilfreich. Zum einen gibt es einige sehr schöne und in vielen Fällen einfach umzusetzende Ideen, zum anderen werden auch diverse Tiere vorgestellt.

Aufgelockert und verdeutlicht wird der Inhalt durch Bilder, Schaukästen und so weiter. Auch das gefällt mir gut, gerade auch, wenn es um den Bau von Trockenmauern und so weiter geht. Da sind die Bilder eine willkommene Hiflestellung.

Der Quickfinder kann nicht auf alle Details eingehen und nicht 1.000 Ideen liefern, aber was in dem Buch vorgestellt wird, hat Hand und Fuß - und macht vor allem Lust, gleich einige Maßnahmen umzusetzen.

Ich werde den Quickfinder Artenvielfalt mit Sicherheit genauso oft in die Hand nehmen wie den Quickfinder Gartenjahr. Er liefert tolle Ideen und Hinweise - und ich liebe es sehr, dass nicht nur die Arbeit, sondern eben auch das "Entdecken, Genießen & Unterstützen" eine große Rolle spielen.

Sehr empfehlenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 20.05.2023

Ein toller Ideen- und Ratgeber, viel Spaß ist garantiert!

Das große Buch für Zukunftskids
0

"Das große Buch für Zukunftskids" ist eins von diesen Büchern, durch die nicht nur die Kinder profitieren, sondern auch die Eltern oder andere Begleitpersonen. Aber der Reihe nach.

Zunächst einmal liegt ...

"Das große Buch für Zukunftskids" ist eins von diesen Büchern, durch die nicht nur die Kinder profitieren, sondern auch die Eltern oder andere Begleitpersonen. Aber der Reihe nach.

Zunächst einmal liegt das Buch trotz Größe und Dicke recht gut in der Hand. Es ist nicht zu schwer. Mir gefällt, dass der Duden einerseits seinem üblichen Erscheinungsbild treu bleibt, andererseits aber der Bezug zu Kindern und Spielen hergestellt wird. Das fängt beim Cover an, zieht sich aber letztlich durch das ganze Buch.

Zunächst gibt es eine ausführliche, aber dennoch in der Länge richtig gewählte Einleitung, in der die Erwachsenen darüber aufgeklärt werden, was der Hintergedanke des Buches ist. Das geschieht auf verständliche Weise.

Danach werden die Kompetenzen, die gefördert werden sollen, kurz aufgelistet und einführend erklärt... und dann geht es auch schon mit den Spielen los.

Besonders gut hat mir dabei der Aufbau insgesamt gefallen:

Jede Kompetenz wird noch einmal genauer erklärt und es wird darauf eingegangen, warum es für das Kind wichtig ist, dass es diese jeweilige Kompetenz erlernt. Dann werden die Spiele erklärt und was das jeweilige Spiel bringen kann bzw. soll. Es werden Herangehensweisen für die Eltern erklärt, wie sie in bestimmten Situationen reagieren können und so weiter.

Es wird außerdem immer angegeben, für welche Altersgruppe die Spiele gedacht sind, aber das können Kind und Erwachsene natürlich selbst entscheiden. Es gibt Spiele, die etwas länger dauern, sowie Spiele, die nicht länger als eine Stunde brauchen, und es gibt so genannte Mini-Spiele, die man gut zwischendurch spielen kann.

Alle Spiele haben gemein, dass sie im Normalfall sehr einfach vorzubereiten sind mit Dingen, die man meistens ohnehin schon im Haushalt hat.

Mich hat die Einfachheit des Konzepts angesprochen. Bei mir scheitern Spiele für Kinder oft daran, dass mir der Aufwand zu groß ist. Das ist dank dieses Buches kein Problem mehr. Einziger Nachteil: Ich habe keine Ausreden mehr.

Nun ist es eine Sache, ob mir ein Buch gefällt, eine andere ist es natürlich, ob sie auch meinem Kind gefällt. Wir haben natürlich noch nicht alles durchgespielt, aber bisher erklärt der Junge mir immer wieder, dass er dem Buch die volle Punktzahl gibt. Und ja: Er möchte tatsächlich alle Spiele durchtesten. Das ist auch etwas, was mich sehr freut.

Ich hatte anfangs die Befürchtung, dass das typische Duden-Design des Buches mein Kind abschrecken würde. Das tut es aber ganz und gar nicht. Im Gegenteil habe ich den Eindruck, dass er nicht mit Gimmicks überfrachtet wird.

Sehr gut gefällt mir auch, dass im Buch viele QR-Codes verteilt sind, über die man weitere Informationen zu den angesprochenen Themen und Konzepten erhalten kann oder weitere Spiele finden kann.

Inwiefern die Erwachsenen profitieren können, wie ich eingangs erwähnte? Nun, zum einen natürlich dadurch, dass sie ein paar Spielideen geliefert bekommen, die sich leicht umsetzen lassen. Aber zum anderen werden viele Kompetenzen und Denkweisen gefördert, die auch für Erwachsene wichtig sind: Selbstbewusstsein, Resilienz und so weiter. Erwachsene können also durchaus mit den Kindern gemeinsam wachsen.

Ich freue mich sehr, dass wir das Buch in unserem Haushalt haben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.05.2023

Kriminalroman mit Pageturner-Qualitäten

Der Bojenmann
0

Mit der "Bojenmann" liefern Kester Schlenz und Jan Jepsen ihre erste Gemeinschaftsarbeit ab. Diese ist zugleich Auftakt einer Reihe um Kommissar Knudsen und seinen Freund Oke "La Lotse" Andersen.

Die ...

Mit der "Bojenmann" liefern Kester Schlenz und Jan Jepsen ihre erste Gemeinschaftsarbeit ab. Diese ist zugleich Auftakt einer Reihe um Kommissar Knudsen und seinen Freund Oke "La Lotse" Andersen.

Die Handlung des Kriminalromans spielt in Hamburg, entsprechend sind viele der beschriebenen Orte sehr wahrscheinlich vielen Leser*innen bekannt. Mir unbekannt waren allerdings die titelgebenden Bojenmänner. Die Autoren schaffen es aber nicht nur, unbekanntere Orte in Hamburg zum Leben zu erwecken, sondern einen interessanten Kriminalfall zu konstruieren. Ich habe das Buch praktisch verschlungen, was auch auf die die ironisch-lockere Erzählweise zurückzuführen ist, die mir sehr gefällt.

Die einzelnen Charaktere sind gut herausgearbeitet und ich habe deren Handlungen im Prinzip immer gut nachvollziehen können. Für mich war die Charakterzeichnung in sich schlüssig.

Am wichtigsten ist aber natürlich die Handlung und die wird in gutem Tempo erzählt. Schlenz und Jepsen kommen ohne allzu blutige Details aus, im Fokus stehen Charaktere, Hamburg und die Suche der Polizei nach dem Mörder. Für mich war die jeweilige Dosierung genau richtig.

Einziges Manko ist für mich das Ende des ersten Teils, denn zum Ende hin handelt der Mörder ohne erkennbaren Grund (außer dass ein versöhnlicher Abschluss des ersten Buches geschaffen werden soll) nicht schlüssig. Das hat mich ein bisschen geärgert.

Einigen LeserInnen dürfte zudem das Cliffhanger-Ende aufstoßen. Ich persönlich fand es in diesem Fall nicht allzu störend. Sicher möchte ich wissen, wie es weitergeht, aber es ist kein allzu fieser Cliffhanger geworden.

Alles in allem hat mir aber "Der Bojenmann" so sehr gefallen, dass ich sicher auch zum zweiten Teil greifen werde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.05.2023

Klein, aber fein - vor allem für AnfängerInnen geeignet

Megalästig – megalecker – megagesund
0

Ich habe das Buch blind bestellt und war, als es bei mir ankam, erst einmal schockiert, denn es ist klein und schmal. Ich hatte ehrlich gesagt ein größeres und vor allem dickeres Buch erwartet.

ABER ...

Ich habe das Buch blind bestellt und war, als es bei mir ankam, erst einmal schockiert, denn es ist klein und schmal. Ich hatte ehrlich gesagt ein größeres und vor allem dickeres Buch erwartet.

ABER mittlerweile bin ich sehr froh, dieses Büchlein gekauft zu haben. Es richtet sich vor allem an AnfängerInnen, die sich mit Unkraut-Rezepten beschäftigen. Und für die ist das Buch meiner Meinung nach super geeignet.

Zum einen werden am Anfang die drei "Unkräuter" ausführlich und mit Bildern vorgestellt. Vor allem wird auch mit Bildern auf ähnlich aussehende Unkräuter verwiesen, so dass man weiß, worauf man zu achten ist. Das finde ich schon einmal sehr gut, weil es ein paar Unsicherheiten nimmt.

Der Rezeptteil ist übersichtlich gestaltet - natürlich nach der jeweiligen Pflanze sortiert. Ich habe noch nicht alle Rezepte ausprobiert, aber das Rezept für das Löwenzahnblüten-Gelee kann ich nur empfehlen. Das Gelee schmeckt super! Auch die Stampfkartoffeln mit Brennnesseln haben es mir angetan.

Neben Rezepten für Getränke und Essbares gibt es auch noch ein paar einfach umzusetzende Rezepte gegen leichte gesundheitliche Beschwerden sowie für einige Salben und so weiter.

Ich möchte das Büchlein nicht mehr missen und werde es öfter zu Rate ziehen, wenn ich mal wieder Brennnesseln oder Löwenzahn in unserem Garten zumindest kurzfristig zurückdrängen möchte.

Besonders gespannt bin ich auf den Muckefuck, den ich aber erst im Herbst angehen werden kann, wenn ich die Pfahlwurzeln ernten kann.

Das Buch eignet sich meiner Meinung nach auch super als kleines Mitbringsel bei Einladungen und so weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung