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Veröffentlicht am 10.03.2026

Ist teilweise überraschend modern und lädt zum Miträtseln ein

Gesetz und Frau. Kriminalroman
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Reclam legt mit "Gesetz und Frau" von Wilkie Collins einen Detektivroman neu auf, der gemeinhin als erster Detektivroman mit einer Frau als Ermittlerin gilt. Reclam greift auf die relativ neue Übersetzung ...

Reclam legt mit "Gesetz und Frau" von Wilkie Collins einen Detektivroman neu auf, der gemeinhin als erster Detektivroman mit einer Frau als Ermittlerin gilt. Reclam greift auf die relativ neue Übersetzung von Sebastian Vogel aus dem Jahr 2018 zurück.

Mich hat "Gesetz und Frau" in vielerlei Hinsicht positiv überrascht. Vor allem, wie gut lesbar der Roman angesichts seines Alters alles in allem ist, gefiel mir. Mir hat außerdem gefallen, dass die Ermittlungen von einer Frau durchgeführt werden. Ich kann mir vorstellen, dass die Idee damals - also 1875 - einer Sensation gleichkam.

Interessant ist auch, dass Collins' Roman viele Wendungen - gerade in Bezug auf die Verdächtigen - aufweist. Das mutet geradezu modern an und ist auch heute noch ein beliebtes Mittel. Tatsächlich habe ich fröhlich mitgeraten und teilweise hatte ich bezüglich der Verdächtigungen ganz ähnliche Gedanken. Mir hat das viel Spaß gemacht.

"Gesetz und Frau" ist ein Kind seiner Zeit: Entsprechend kann ich an den Roman nicht die gleichen Anforderungen stellen wie an heutige Veröffentlichungen: So ehrenhaft es zum Beispiel von Collins ist, unter anderem behinderte Menschen in seinem Roman auftreten zu lassen und sie als ebenso vielschichtige Charaktere darzustellen wie nicht behinderte Menschen - am Ende wirkt Vieles doch sensationslüstern.

Die Beschreibungen sind oft ausufernd: Collins geht oft bis ins kleinste Details, was ich streckenweise als ermüdend empfand. Der Fall selbst gerät dadurch zudem immer wieder in den Hintergrund.

Trotzdem: Vieles an dem Roman hat mir außerordentlich gut gefallen. Insbesondere auch das Ende, das ich so nicht erwartet hatte. Sowohl die Auflösung als auch der Umgang waren eine große Überraschung und haben mir ehrlich gesagt sehr gut gefallen.

Das Nachwort von Stefani Brusberg-Kiermeier ordnet noch einmal ausführlich Wilkie Collins Werk und vor allem "Gesetz und Frau" ein. Es ist eine hilfreiche Ergänzung zum Roman.

Lange Rede, kurzer Sinn: "Gesetz und Frau" ist ein Kind seiner Zeit, gleichzeitig aber auch in vielerlei Hinsicht überraschend modern geraten. Dass ich Wilkie Collins bis zum Erscheinen dieser Ausgabe gar nicht kannte und ich ihn dank Reclam entdeckt habe, empfinde ich als Gewinn.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Toller Stadtführer

Verborgenes Straßburg
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Ein toller Stadtführer der etwas anderen Art: Er lädt ein, auf die kleinen Dinge zu achten, ist dabei sehr informativ. Eine Bereicherung!

Ein toller Stadtführer der etwas anderen Art: Er lädt ein, auf die kleinen Dinge zu achten, ist dabei sehr informativ. Eine Bereicherung!

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Sehr spannend!

Happy Head
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"Happy Head" von Josh Silver ist der erste Teil einer Dilogie. Der Roman endet daher - sehr zu meinem Leidwesen - mit einem ziemlich heftigen Cliffhanger. Abgesehen von dem Cliffhanger ist der Young-Adult-Roman, ...

"Happy Head" von Josh Silver ist der erste Teil einer Dilogie. Der Roman endet daher - sehr zu meinem Leidwesen - mit einem ziemlich heftigen Cliffhanger. Abgesehen von dem Cliffhanger ist der Young-Adult-Roman, der in der nahen Zukunft spielt, aber durchaus gelungen. Für die Zielgruppe ist er meiner Meinung nach empfehlenswert.

Josh Silver hat mit dem Protagonisten Seb eine glaubwürdige Hauptfigur und Erzählstimme geschaffen. Mit ihm konnte ich mitfühlen und mitfiebern. Durch ihn und dadurch, dass er mir sympathisch war, wurde der Roman erst richtig spannend für mich.

In "Happy Head" werden 100 Jugendliche ausgewählt, an dem gleichnamigen Mental-Health-Programm teilzunehmen, denn die Jugend ist nach Meinung der Erwachsenen krankhaft negativ bzw. depressiv. Das soll durch das Programm behoben werden. Vor allem die erwachsenen Eltern sind begeistert, so auch die von Seb, die ihn zu "Happy Head" schicken. Aber wie das so ist: Nichts ist wie es scheint. Und das wird sowohl für Seb als auch für uns LeserInnen relativ schnell deutlich.

Josh Silver nimmt sich alles in allem viel Zeit, um seine Charaktere und Happy Head einzuführen. Trotzdem schafft er es, sehr früh eine leicht bedrohliche Szenerie zu entwerfen. Gerade für uns außenstehenden LeserInnen dürfte relativ schnell klar sein, dass die "Challenges" - freundlich ausgedrückt - ziemlich grenzwertig sind. Zudem steigert sich das Gefahrenpotential der Challenges, was sich irgendwann zu einem ziemlich bedrohlichen Szenario entwickelt. Spannungsspitzen sind garantiert!

Die wesentlichen Charaktere sind alle gut ausgearbeitet. Und auch wenn es wenig Abstufungen gibt - die Guten sind gut, die Bösen offensichtlich böse -, so bietet sich doch eine angenehme Bandbreite unterschiedlicher Menschen.

Mir hat außerdem sehr gefallen, wie die Liebesgeschichte eingebunden wurde. Sie entwickelt sich nachvollziehbar und ist immer wieder ein Lichtblick.

Auch wenn Josh Silver nicht gerade den subtilen Weg gewählt hat, so finde ich den Ansatz, Mental-Health- und Selbstoptimierungs-Strategien ins Extreme zu steigern und uns LeserInnen damit einen Spiegel vorzuhalten, insgesamt für gelungen.

Der Roman wird für LeserInnen ab 14 Jahren empfohlen. Ich schließe mich der Empfehlung grundsätzlich an.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Tolle historische Details, leider immer die gleiche Action (und davon zu viel)

Im Auftrag der Fugger - Teufelsreigen
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Ich mag gute historische (Kriminal-) Romane und so habe ich mich sehr auf "Im Auftrag der Fugger - Teufelsreigen" von Peter Dempf gefreut. Der Roman ist der zweite Teil einer Reihe. Es ist sicherlich hilfreich, ...

Ich mag gute historische (Kriminal-) Romane und so habe ich mich sehr auf "Im Auftrag der Fugger - Teufelsreigen" von Peter Dempf gefreut. Der Roman ist der zweite Teil einer Reihe. Es ist sicherlich hilfreich, den ersten Teil gelesen zu haben, aber ich habe auch gut in den zweiten Teil reingefunden, ohne den Vorgängerband gekannt zu haben. An einigen Stellen hätte ich mir allerdings doch mehr Details zu vorangegangenen Ereignissen gewünscht, statt vager Andeutungen.

Der Roman beginnt rasant: Die Ex-Diebin Afra und der Bote Herwart - beide handeln im Auftrag Jakob Fuggers - stoßen in Venedig auf eine Verschwörung. Und schon geht es los mit einer actiongeladenen Geschichte, die ich anfangs angenehm rasant fand.

Dempf hat einen angenehmen Schreibstil, der es mir leicht machte, immer weiterzulesen. Auch die historischen Details, die Dempf immer wieder einstreut, sind beeindruckend und haben mich bei der Stange gehalten. Das hat richtig Spaß gemacht.

Problematisch waren für mich angesichts der Länge des Romans allerdings die vielen Actionsequenzen - und zwar nicht wegen deren Häufung, sondern wegen des immer gleichen Musters. Dadurch ergab sich eine Vorhersehbarkeit, die ich recht schnell als langweilig empfand. Tatsächlich graute mir irgendwann vor der nächsten vorhersehbaren Actionsequenz. Die Häufung führte dazu, dass die Story an sich unnötig in die Länge gezogen wurde. Der Roman hätte locker 100 Seiten kürzer sein können und hätte dadurch meiner Meinung nach wenig verloren, dafür viel gewonnen.

Dass das Ermittlerpaar Afra-Herwart offenbar nicht fähig ist, selbst offensichtlichen Gefahren wenigstens versuchsweise aus dem Weg zu gehen oder gar dazuzulernen und stattdessen permanent von einem Hund namens Fugger gerettet werden muss, hat meinerseits auch nicht gerade zu Begeisterungsausbrüchen geführt.

Das Ende kam mir persönlich etwas zu plötzlich - vor allem wenn man bedenkt, dass der Roman vorher meiner Meinung nach künstlich aufgebläht worden ist. Ich empfand es als unbefriedigend.

Gut fand ich das Personenregister am Anfang sowie das Glossar am Ende des Romans. Das Nachwort fand ich auch gelungen, weil es noch einmal Realität und Fiktion erläutert.

Fazit: Ein alles in allem durchwachsenes Werk, das tolle historische Details bietet, im Verlauf aber viel Faszination einbüßt, weil zu viel der immer gleichen Action geboten wird. Schade.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Gelungene spannende Unterhaltung für Kinder ab 11 Jahren

Gänsehaut in Hovenäset 2. Sternengrab
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Ich hatte mit meinem Sohn schon den ersten Teil der "Gänsehaut in Hovenäset"-Trilogie gelesen. Wir beiden hatten "Flammenrad" für super (und superspannend) befunden. So stand für mich außer Frage, dass ...

Ich hatte mit meinem Sohn schon den ersten Teil der "Gänsehaut in Hovenäset"-Trilogie gelesen. Wir beiden hatten "Flammenrad" für super (und superspannend) befunden. So stand für mich außer Frage, dass ich auch den zweiten Teil der Reihe - "Sternengrab" - mit ihm lesen würde.

Diesmal ist Alva die Protagonistin. Wir hatten sie in Band 1 als Freundin von Heidi kennengelernt. Alvas Vater ist vor fast 1.000 Tagen von einem Auto überfahren worden. Alva trauert immer noch um ihn. Sie möchte unbedingt herausfinden, was genau geschehen ist. Gleichzeitig geschehen seltsame Dinge...

"Sternengrab" hat meinem Sohn und mir sogar noch besser gefallen als der erste Teil. Vielleicht lag es daran, dass wir Alvas Trauer um ihren Vater besser nachvollziehen konnten. Ich persönlich fand diesmal aber auch die Handlungsweisen der Erwachsenen besser nachvollziehbar als noch im ersten Teil, in dem meiner Meinung nach die Erwachsenen teilweise fragwürdig reagierten.

Wie dem auch sei: Wie "Flammenrad" ist auch "Sternengrab" ein spannend-gruseliger Roman für Kinder. Mein Sohn hat mitgerätselt und mitgefiebert und hatte einen Riesenspaß! Auch ich fand den Roman sehr spannend. Wir freuen uns schon sehr auf den dritten Teil, der sich dann bestimmt um Harry drehen wird.

Sehr gut hat uns beiden gefallen dass man für das Verständnis von "Sternengrab" den Vorgänger nicht gelesen haben muss. Wie schon "Flammenrad" ist auch "Sternengrab" in sich abgeschlossen. Auch das fanden wir gut.

"Sternengrab" wird LeserInnen ab einem Alter von 11 Jahren empfohlen. Ich schließe mich dieser Empfehlung an.

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