Ist teilweise überraschend modern und lädt zum Miträtseln ein
Gesetz und Frau. KriminalromanReclam legt mit "Gesetz und Frau" von Wilkie Collins einen Detektivroman neu auf, der gemeinhin als erster Detektivroman mit einer Frau als Ermittlerin gilt. Reclam greift auf die relativ neue Übersetzung ...
Reclam legt mit "Gesetz und Frau" von Wilkie Collins einen Detektivroman neu auf, der gemeinhin als erster Detektivroman mit einer Frau als Ermittlerin gilt. Reclam greift auf die relativ neue Übersetzung von Sebastian Vogel aus dem Jahr 2018 zurück.
Mich hat "Gesetz und Frau" in vielerlei Hinsicht positiv überrascht. Vor allem, wie gut lesbar der Roman angesichts seines Alters alles in allem ist, gefiel mir. Mir hat außerdem gefallen, dass die Ermittlungen von einer Frau durchgeführt werden. Ich kann mir vorstellen, dass die Idee damals - also 1875 - einer Sensation gleichkam.
Interessant ist auch, dass Collins' Roman viele Wendungen - gerade in Bezug auf die Verdächtigen - aufweist. Das mutet geradezu modern an und ist auch heute noch ein beliebtes Mittel. Tatsächlich habe ich fröhlich mitgeraten und teilweise hatte ich bezüglich der Verdächtigungen ganz ähnliche Gedanken. Mir hat das viel Spaß gemacht.
"Gesetz und Frau" ist ein Kind seiner Zeit: Entsprechend kann ich an den Roman nicht die gleichen Anforderungen stellen wie an heutige Veröffentlichungen: So ehrenhaft es zum Beispiel von Collins ist, unter anderem behinderte Menschen in seinem Roman auftreten zu lassen und sie als ebenso vielschichtige Charaktere darzustellen wie nicht behinderte Menschen - am Ende wirkt Vieles doch sensationslüstern.
Die Beschreibungen sind oft ausufernd: Collins geht oft bis ins kleinste Details, was ich streckenweise als ermüdend empfand. Der Fall selbst gerät dadurch zudem immer wieder in den Hintergrund.
Trotzdem: Vieles an dem Roman hat mir außerordentlich gut gefallen. Insbesondere auch das Ende, das ich so nicht erwartet hatte. Sowohl die Auflösung als auch der Umgang waren eine große Überraschung und haben mir ehrlich gesagt sehr gut gefallen.
Das Nachwort von Stefani Brusberg-Kiermeier ordnet noch einmal ausführlich Wilkie Collins Werk und vor allem "Gesetz und Frau" ein. Es ist eine hilfreiche Ergänzung zum Roman.
Lange Rede, kurzer Sinn: "Gesetz und Frau" ist ein Kind seiner Zeit, gleichzeitig aber auch in vielerlei Hinsicht überraschend modern geraten. Dass ich Wilkie Collins bis zum Erscheinen dieser Ausgabe gar nicht kannte und ich ihn dank Reclam entdeckt habe, empfinde ich als Gewinn.