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Veröffentlicht am 24.03.2026

Viel verschenktes Potential

Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermittelt
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Matthias Edvardssons "Tatort Trelleborg" ist der Auftakt zu einer Krimi-Reihe rund um Gunni Hilding. Der Verlag Blanvalet bezeichnet den Kriminalroman auf der Rückseite des Romans als "Auftakt der neuen ...

Matthias Edvardssons "Tatort Trelleborg" ist der Auftakt zu einer Krimi-Reihe rund um Gunni Hilding. Der Verlag Blanvalet bezeichnet den Kriminalroman auf der Rückseite des Romans als "Auftakt der neuen hoch spannenden Ermittlerkrimireihe (...)". Um es vorweg zu nahmen: "Hoch spannend" ist für mich anders.

"Tatort Trelleborg" kommt zunächst schnell zur Sache: Ein Kind wird ermordet aufgefunden, das Dezernat für Gewaltverbrechen übernimmt naturgemäß den Fall und Gunni Hilding, die bei der Schutzpolizei arbeitet, wird in das Ermittllungsteam aufgenommen.

Matthias Edvardsson schafft es, in nur wenigen Worten seine Charaktere und das ländliche Schweden auferstehen zu lassen. Seine unaufgeregte Erzählweise hat mir durchweg zugesagt. Mit Gunni hat er außerdem eine sympathische Protagonistin geschaffen. Ich fand allerdings die Fokussierung auf ihre Vergangenheit auf Dauer etwas ermüdend. Anfangs ergab das noch Sinn für mich, um sie besser zu verstehen, am Ende war es aber ein bisschen zu viel des Guten, zumal sich dann herausstellte, dass es nicht nur darum ging, uns Gunni nahezubringen, sondern auch einen Cliffhanger zum zweiten Teil vorzubereiten. Mich hat dieser Fakt verärgert.

Sehr gut herausgearbeitet wurde, was fehlerhafte Ermittlungsergebnisse mit dem Leben derjenigen anrichten, die fälschlicherweise als Täter gebrandmarkt wurden. Auch, wie die Mutter des ermordeten Kindes mit dem Verlust umgeht, wird einfühlsam aufgegriffen.

Ansonsten ist der Krimi in vielerlei Hinsicht durchwachsen. Durch die bereits erwähnten ausführlichen Betrachtungen Gunnis Vergangenheit und Privatlebens geraten die Ermittlungen selbst immer wieder in den erzählerischen Hintergrund. Sie verlangsamen das ohnehin schon tendenziell gemächliche Tempo und nehmen viel Spannung. Außerdem bleiben ihre KollegInnen blass, weil sie für den Autor offenbar eher Staffage sind - zumindest werden sie so behandelt.

Die Kapitel sind meistens sehr kurz. Das hat den Vorteil, dass es einlädt, weiterzulesen, andererseits waren viele Kapitel so kurz, dass der Wechsel zum nächsten Kapitel (und damit Themenfeld) mir persönlich teilweise zu abrupt kam.

Schade ist, dass das Ende - gemessen am vorangegangenen gemächlichen Erzähltempo - sehr plötzlich kam und vor allem sehr schnell und sehr oberflächlich abgehakt worden ist. Ich muss nicht alles lang und breit und bis ins kleinste Detail vorgekaut bekommen, aber dieser Abschluss des Mordfalls wirkte auf mich überhastet. Ich habe es als alles in allem unbefriedigend empfunden. Immerhin lag ich in meiner These, wer der Mörder ist, richtig.

Ich bin kein Fan von Cliffhangern, insofern begeistert mich der Cliffhanger am Ende dieses Romans nicht, ist aber insofern erträglich, als der Kriminalfall selbst abgeschlossen ist.

Fazit: Es wurde viel Potential verschenkt. Ich hätte mir mehr Ermittlungsarbeit und weniger persönliche Gunni-Befindlichkeiten gewünscht. Von der vom Verlag versprochenen "hoch spannenden Ermittlerkrimireihe" kann keine Rede sein. Ein netter Krimi für zwischendurch ist "Tatort Trelleborg" dennoch.

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Veröffentlicht am 20.03.2026

Super interessante und informative Analyse - nicht nur für Swifties!

Taylor's Version
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Ich bin kein Swiftie, aber natürlich kenne auch ich ein paar Songs von Taylor Swift und ich bin zugegebenermaßen fasziniert von dem phänomenalen Status, den sie erreicht hat.

Als ich "Taylor's Version ...

Ich bin kein Swiftie, aber natürlich kenne auch ich ein paar Songs von Taylor Swift und ich bin zugegebenermaßen fasziniert von dem phänomenalen Status, den sie erreicht hat.

Als ich "Taylor's Version - Das poetische und musikalische Genie von Taylor Swift" entdeckte, war meine Neugier geweckt, sobald ich dank der Inhaltsangabe realisierte, dass sich mit Stephanie Burt eine Anglistik-Professorin mit den Texten und der Musik von Taylor Swift auseinandersetzt. Mir hat der Ansatz gefallen. Dass Burt zudem ein Swiftie ist, war mir anfangs nicht wichtig, entpuppte sich aber während des Lesens als Vorteil: denn dadurch erging sich die Autorin nicht in reiner Theorie, was auf Dauer öde gewesen wäre, sondern liefert eine Analyse, die nahbar ist und dadurch über weite Strecken unterhaltsam.

"Taylor's Version" behandelt alle Veröffentlichungen Taylor Swifts bis einschließlich "The Tortured Poets Department" in der Reihenfolge der Veröffentlichungen sowie zum Abschluss auch noch die "Eras"-Tour. Sie erzählt von Swifts Anfängen und setzt die Texte und die Musik in den Kontext zu Swifts Privatleben, Erfahrungen als Teenager, später (junge) Erwachsene und Star sowie zu ihren Fans.

Man merkt Stephanie Burts Ausführungen an, dass sie Swiftie und nicht neutral ist. Sie versucht auch gar nicht, das zu verbergen. Der Charme der Veröffentlichung besteht gerade darin: Sie analysiert Texte und Musik aus Sicht einer Anglistik-Professorin, die zugleich Taylor-Swift-Fan ist - und das funktioniert meistens gut. Teilweise war mir die Autorin etwas zu unkritisch und argumentierte mir dann doch zu einfach gestrickt - zum Beispiel in Bezug auf Swifts Flüge im Privatflugzeug -, aber Kapitel wie zum Beispiel das zu "reputation" (das mein Lieblings-Kapitel ist) machen das wieder wett.

Es gibt einige Passagen, die mir persönlich einen Tick zu "trocken" waren, zu sehr ins Detail gingen und sich im Verlauf der Analysen wiederholten (ja, wir haben verstanden, dass Taylor Swift ein "Arbeitstier" ist, nein, wir müssen das nicht auf gefühlt jeder zweiten Seite unter die Nase gerieben bekommen). Dennoch kann ich mir vorstellen, dass selbst eingefleischte Swifties noch einiges Neues entdecken werden, wenn sie dieses Buch lesen - und das will was heißen!

Was Burt mit ihren Ausführungen immer wieder geschafft hat: Während ich das Buch las, verspürte ich den Wunsch, parallel zum Gelesenen auch die Musik, um die es ging, zu hören. Dank Streaming funktioniert das mittlerweile auch dann gut, wenn man keine Musik von Taylor Swift zu Hause hat.

Mir hat durchweg die Mischung gefallen: Für ihre Analyse verbindet Stephanie Burt Texte und Musik mit dem Taylor Swifts jeweiligem Lebensabschnitt, den Erfahrungen, die Swift gemacht hat, ihrem Umfeld und noch vielem mehr. Wenn es sich anbietet, stellt die Autorin Bezüge zu anderen Dichterinnen, Autorinnen und so weiter her und knüpft interessante Verbindungen. Letzteres geschieht nicht so oft, wie ich mir anfangs erhofft hatte, im Nachhinein bin ich aber froh, dass Burt es nicht übertrieben hat.

Ob Taylor Swift nun ein Genie ist oder nicht, kann und will ich nicht beurteilen. Dass sich Stephanie Burt aber dermaßen eingehend mit Swifts Werk auseinandergesetzt hat, führte immerhin zu einem sehr guten Buch, das meiner Meinung nach großartig für Swifties, aber auch interessant für Nicht-Swifties ist.

Lange Rede, kurzer Sinn: Alles in allem bietet Stephanie Burt eine tolle und fesselnde Monographie zu Taylor Swifts Werk, das selbst Swifties wahrscheinlich einiges Neues zu bieten haben dürfte. Empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Fundiert und sehr detailreich

Geschichte der Ukraine
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Fundiert und detailreich. Meiner Meinung nach nicht geeignet für Menschen, die einfach nur einen ersten (groben) Einblick in die Geschichte der Ukraine wollen.

Fundiert und detailreich. Meiner Meinung nach nicht geeignet für Menschen, die einfach nur einen ersten (groben) Einblick in die Geschichte der Ukraine wollen.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

So viel Spaß kann Zählen/Rechnen machen!

Alle Mucklas einsteigen!
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Die Mucklas aus dem "Pettersson und Findus"-Universum spielen in diesem Kinderbuch die Hauptrolle. Sie reisen mit dem Zug und immer wieder steigen Mucklas aus und Mucklas ein. Daraus ergeben sich ganz ...

Die Mucklas aus dem "Pettersson und Findus"-Universum spielen in diesem Kinderbuch die Hauptrolle. Sie reisen mit dem Zug und immer wieder steigen Mucklas aus und Mucklas ein. Daraus ergeben sich ganz wunderbare Zähl- bzw. Rechenaufgaben für Kinder ab 4 Jahren.

Die Geschichte hat genau die richtige Länge, damit die Kinder bei der Stange bleiben. Der Text ist dem Alter angemessen und die Zähl-/Rechenaufgaben so wunderbar eingearbeitet, dass es Freude bereitet, sie zu lösen.

Begleitet wird die Geschichte von sehr süßen Bildern, auf denen es viel zu entdecken gibt. So wird den Kinder insgesamt eine Menge geboten.

"Alle Mucklas einsteigen!" richtet sich vor allem an Fans von Pettersson und Findus, ist aber natürlich für alle Kinder im richtigen Alter geeignet.

Ich finde die kurze Geschichte, die Zähl- bzw. Rechenaufgaben und die Bilder ganz wunderbar.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Humorvoller Trip in die so genannte Manosphere

Alpha-Boys
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Aurel Mertz, deutscher Komiker und Moderator, ist unter die Buchautor*innen gegangen. "Alpha-Boys" ist seine erste Veröffentlichung und beschäftigt sich vor allem mit der so genannten "Manosphere" - und ...

Aurel Mertz, deutscher Komiker und Moderator, ist unter die Buchautor*innen gegangen. "Alpha-Boys" ist seine erste Veröffentlichung und beschäftigt sich vor allem mit der so genannten "Manosphere" - und das ist teilweise ziemlich witzig, weil das Buch mit seinem Humor durchsetzt ist.

Mir hat vor allem die Mischung gefallen: Es gibt Passagen, bei denen ich laut auflachen musste, immer wieder scharfsinnige Beobachtungen, aber auch Stellen, an denen Mertz eine Ernsthaftigkeit und ein Mitgefühl an den Tag legt, die eine insgesamt herrlich ambivalente Mixtur herstellen. Dahingehend ist auch das Cover super gestaltet worden.

Der Humor war mir persönlich ab und an zu derb, aber das ist Geschmackssache. Für laute Lacher meinerseits hat es trotzdem immer wieder gereicht. Ich habe die einzelnen Kapitel als angenehm kurz empfunden. Sinnigerweise kam ich dadurch schneller voran, weil ich mir immer wieder dachte: "Ach, komm, eins schaffste noch."

Ein bisschen zäh empfand ich allerdings den Undercover-Abschnitt im "Alpha-Männer-Retreat", gleichzeitig ist dieser Abschnitt super, weil er hinter die Fassade schaut und es schafft, Vorurteile abzubauen. Das gefiel mir sehr.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wie Aurel Mertz das Patriarchat und vor allem die Manosphere aufs Korn nimmt, das ist durchweg unterhaltsam und teilweise unfassbar witzig. Und genau das hat mir gut getan. Es gibt viele Bücher, die sich diesem Themenfeld mit (angemessener) Ernsthaftigkeit widmen, Aurel Mertz' Ansatz ist eine willkommene Abwechslung - und vielleicht erreicht er darüber eben auch Menschen, die sich sonst wenig Gedanken darüber machen.

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