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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.08.2025

Eine besondere Rheinreise

Die Rheinreise
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Ann Schlee nimmt uns in ihrem Roman mit auf eine Dampfschifffahrt im Jahr 1907. Im Mittelpunkt steht Charlotte, die ihren Bruder begleitet. Er ist Historiker, anerkannt und selbstbewusst, während Charlotte ...

Ann Schlee nimmt uns in ihrem Roman mit auf eine Dampfschifffahrt im Jahr 1907. Im Mittelpunkt steht Charlotte, die ihren Bruder begleitet. Er ist Historiker, anerkannt und selbstbewusst, während Charlotte ihr Leben bisher im Schatten verbracht hat. Schon auf den ersten Seiten merkt man, dass die Reise nicht nur eine Fahrt über den Rhein ist, sondern für sie auch ein Wendepunkt werden könnte.
Die Geschichte ist ruhig erzählt und entfaltet sich Schritt für Schritt. Die Eindrücke der Fahrt, die Orte am Ufer, die Begegnungen an Bord – all das fügt sich zu einem stimmungsvollen Bild zusammen. Besonders gelungen finde ich, dass die Landschaft nicht nur als Hintergrund dient, sondern fast wie ein Spiegel wirkt. Sie unterstreicht die inneren Bewegungen von Charlotte, die beginnt, über ihr Leben und ihre Rolle nachzudenken.
Die Figuren wirken lebendig und glaubwürdig. Charlotte bleibt dabei immer im Zentrum, aber auch die Nebenfiguren tragen dazu bei, die Atmosphäre zu verdichten. Man spürt die gesellschaftlichen Erwartungen jener Zeit, die Pflichten, die man zu erfüllen hat, und die wenigen Möglichkeiten, auszubrechen. Gerade dieser leise Konflikt macht das Buch spannend, ohne dass es große Dramen braucht.
Ann Schlee schreibt in einer klaren, ruhigen Sprache. Sie verzichtet auf große Gesten und überlässt es den Leserinnen und Lesern, zwischen den Zeilen zu spüren, was sich in Charlotte verändert. Das macht die Geschichte besonders intensiv. Man liest nicht einfach nur eine historische Episode, sondern taucht in ein feines Geflecht aus Stimmungen und Gedanken ein.
„Die Rheinreise“ ist eine stille, eindringliche Erzählung. Sie verbindet historische Genauigkeit mit psychologischer Tiefe und bleibt lange im Gedächtnis. Für mich war es eine bereichernde Lektüre, die zeigt, dass gerade die leisen Töne viel zu sagen haben. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 22.08.2025

Zwischen Zeiten und Gefühlen

Sag niemals Lebewohl
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Was passiert, wenn ein geheimnisvoller Ring eine Frau aus der Gegenwart in das Schottland des 18. Jahrhunderts schleudert? Kim Sakwa erzählt daraus in „Sag niemals Lebewohl – Eine Liebe zwischen den Zeiten“ ...

Was passiert, wenn ein geheimnisvoller Ring eine Frau aus der Gegenwart in das Schottland des 18. Jahrhunderts schleudert? Kim Sakwa erzählt daraus in „Sag niemals Lebewohl – Eine Liebe zwischen den Zeiten“ eine romantische Zeitreisegeschichte voller Gefühl und Magie. Erzählt wird die Geschichte von Jillian, die nach einer gescheiterten Beziehung einen Neuanfang sucht und durch den Ring plötzlich in einer völlig fremden Epoche landet. Dort begegnet sie Ian Montgomery, einem Mann, der gleichzeitig stark und verletzlich ist.
Gefallen hat mir besonders, wie die Gegensätze zwischen Jillians moderner Sichtweise und Ians traditioneller Welt dargestellt werden. Auch die Dialoge wirken lebendig und haben mich manchmal zum Schmunzeln gebracht. Die Szenen, in denen Jillian versucht, sich in der fremden Zeit zurechtzufinden, fand ich charmant und berührend.
Trotzdem konnte mich die Geschichte nicht vollständig packen. Manche Szenenwechsel sind abrupt, und insgesamt hätte ich mir mehr Tiefe in den Beschreibungen und bei den Figuren gewünscht. Auch die Handlung war für mich teilweise vorhersehbar, wodurch die Spannung verloren ging.
Unterm Strich bleibt ein Roman, der unterhält, aber nicht so sehr in Erinnerung bleibt, wie ich es mir erhofft hatte. Deshalb vergebe ich 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Ein Roman, der zutiefst bewegt

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Schon mit den ersten Seiten wurde mir klar, dass dieses Buch noch lange in meinem Herzen bleiben wird. Susanne Abel erzählt die Geschichte von Hartmut und Margret so eindrücklich, dass ich beim Lesen oft ...

Schon mit den ersten Seiten wurde mir klar, dass dieses Buch noch lange in meinem Herzen bleiben wird. Susanne Abel erzählt die Geschichte von Hartmut und Margret so eindrücklich, dass ich beim Lesen oft innehalten musste – bewegt, betroffen, berührt. Ihre Sprache ist klar und warm zugleich. Trotz des schweren Hintergrunds – Nachkriegszeit, Heimerziehung, traumatische Wurzeln – bleibt der Ton respektvoll, ehrlich und niemals pathetisch.
Die Szenen im Heim, besonders an Weihnachten 1947, sind erschütternd. Doch inmitten der Härte leuchtet Margrets Stärke, die mich tief beeindruckt hat. Die Bindung zwischen ihr und Hartmut ist zart und kraftvoll zugleich, so notwendig, dass ich das Gefühl hatte, die beiden säßen direkt neben mir. Diese Mischung aus Schutz, Verletzlichkeit und lebenslanger Verbundenheit hat mich sehr bewegt.
Ich habe selten ein Buch gelesen, das so still erzählt und dennoch eine so starke Wirkung entfaltet. Jede Seite wirkt echt, ohne Übertreibungen oder unnötige Ausschmückungen. Nur das pure Leben zweier Menschen, die sich trotz aller Umstände nicht loslassen wollen. Wenn schließlich Emily, die Urenkelin, vor dem Schweigen ihrer so sehr geliebten Urgroßeltern steht, spürt man, wie sehr alte Geheimnisse noch in die Gegenwart hineinwirken.
Am Ende blieb ich mit Tränen in den Augen zurück, nachdenklich und voller Dankbarkeit für diese Geschichte. Dieses Buch verdient nicht nur fünf Sterne – es hätte noch mehr verdient, so sehr hat es mich berührt. Es ist ein Familienroman, der leise bleibt und gerade deshalb lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Zwischen Fürsorge und Gefahr

Nachteule
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Ingrid Nolls Roman "Nachteule" erzählt die Geschichte der 15-jährigen Luisa, die aus Peru stammt und in einem wohlhabenden deutschen Haushalt aufwächst. Sie besitzt eine ungewöhnliche Fähigkeit – sie kann ...

Ingrid Nolls Roman "Nachteule" erzählt die Geschichte der 15-jährigen Luisa, die aus Peru stammt und in einem wohlhabenden deutschen Haushalt aufwächst. Sie besitzt eine ungewöhnliche Fähigkeit – sie kann im Dunkeln sehen. Diese Gabe bleibt jedoch nicht im Mittelpunkt, sondern bildet den Hintergrund für eine vielschichtige, ruhig erzählte, aber dennoch spannende Geschichte.
Eines Tages trifft Luisa im Wald auf Tim, einen obdachlosen Jungen. Zwischen ihnen entwickelt sich eine stille Verbindung, die zunehmend ernster und gefährlicher wird. Aus einer guten Absicht heraus verstrickt sich Luisa nach und nach in Lügen und moralisch fragwürdige Entscheidungen.
Der Schreibstil von Ingrid Noll ist wie gewohnt klar, schnörkellos und dabei oft leicht ironisch. Sie schafft es, mit einfacher Sprache eine beklemmende Atmosphäre aufzubauen, ohne dabei übertrieben dramatisch zu wirken. Besonders eindrucksvoll ist der Kontrast zwischen Luisas geordnetem Zuhause und Tims schwieriger Lebensrealität. Diese Gegenüberstellung macht die Geschichte lebendig und gibt ihr Tiefe.
Die Figuren wirken glaubwürdig, besonders Luisa, die zwischen jugendlicher Unschuld und wachsender Verantwortung schwankt. Auch wenn man nicht jede ihrer Entscheidungen nachvollziehen kann, bleibt sie als Figur interessant und vielschichtig. Tim bleibt geheimnisvoll, aber nicht klischeehaft.
"Nachteule" ist kein klassischer Krimi, sondern eher ein leises Kammerspiel mit psychologischen Zwischentönen. Es geht nicht um große Verbrechen, sondern um kleine Schritte, die aus Fürsorge oder Naivität heraus in gefährliches Terrain führen.
Insgesamt handelt es sich um einen ruhig erzählten, aber fesselnden Roman über Vertrauen, Verantwortung und die Frage, wie weit man für einen anderen Menschen gehen würde. Wer Ingrid Nolls Stil kennt, wird auch hier nicht enttäuscht – und wer ihn noch nicht kennt, bekommt mit diesem Buch einen guten Einstieg.
4 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 19.08.2025

Wenn Vergangenheit und Zukunft sich begegnen

Honigtage
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In "Honigtage", dem zweiten Band der Reihe Die Schwestern von Eden Fields, geht es um das Leben der Schwestern in ihrem idyllischen Dorf, die Herausforderungen des Alltags und die Stärke ihrer Familienbande. ...

In "Honigtage", dem zweiten Band der Reihe Die Schwestern von Eden Fields, geht es um das Leben der Schwestern in ihrem idyllischen Dorf, die Herausforderungen des Alltags und die Stärke ihrer Familienbande. Alte Geheimnisse tauchen auf, neue Chancen stellen sie vor Entscheidungen, die ihr Leben verändern könnten. Gleichzeitig spielen Liebe, Freundschaft und Zusammenhalt eine zentrale Rolle, und man spürt beim Lesen die Wärme und Geborgenheit, die das Dorf und die Familie ausstrahlen.
Josephine Cantrell erzählt die Geschichte mit viel Einfühlungsvermögen. Die Figuren wirken lebendig und authentisch, man spürt ihre Gedanken, Sorgen und Freuden. Besonders berührt haben mich die Szenen, in denen die Schwestern sich gegenseitig unterstützen oder alte Konflikte lösen. Kleine Liebesgeschichten, überraschende Begegnungen und unerwartete Wendungen halten die Spannung aufrecht und machen das Buch sehr lebendig.
Die Sprache ist angenehm, flüssig und detailreich, sodass man sich das Dorf Eden Fields, seine Landschaften und die Alltagsmomente der Figuren gut vorstellen kann. Ich habe beim Lesen jede Wendung genossen und habe mich mit den Figuren gefreut oder mit ihnen gebangt. "Honigtage" ist ein Buch über Mut, Familie und neue Chancen, das Herz und Gefühl perfekt verbindet.
Für alle, die Geschichten mögen, in denen Gefühle, kleine Entscheidungen und die Entwicklung der Charaktere im Vordergrund stehen, ist dieser Roman genau richtig. Ich vergebe 4 Sterne, weil die emotionale Tiefe und das einfühlsame Erzählen sehr gelungen sind, auch wenn die Handlung an manchen Stellen etwas langsamer verläuft, als ich es mir gewünscht hätte. Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Band und darauf, zu sehen, wie es mit den Schwestern weitergeht.

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