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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.10.2025

Wenn alte Tagebücher Geschichten lebendig werden lassen

Was die Zeit verschweigt
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Manchmal sind es alte Geschichten, die uns den Mut geben, unser eigenes Leben neu zu beginnen. So erging es mir beim Lesen dieser bewegenden Geschichte, die Vergangenheit und Gegenwart auf leise, aber ...

Manchmal sind es alte Geschichten, die uns den Mut geben, unser eigenes Leben neu zu beginnen. So erging es mir beim Lesen dieser bewegenden Geschichte, die Vergangenheit und Gegenwart auf leise, aber eindringliche Weise miteinander verknüpft.
Die Journalistin Ruby, die nach einem Schicksalsschlag versucht, wieder Fuß zu fassen, hat mich von Beginn an berührt. Ihr Blick auf die Welt ist vorsichtig, tastend, aber nie hoffnungslos. Das Angebot, über die französische Schauspielerin Cécile zu recherchieren, die nach dem Zweiten Weltkrieg spurlos verschwand, nimmt sie wie einen stillen Neuanfang an. Als sie in alte Aufzeichnungen von Céciles Schneiderin Sylvia und eines deutschen Offiziers eintaucht, entfaltet sich für sie eine vergangene Zeit, die mit jedem Kapitel greifbarer und lebendiger wird.
Geschickt verwebt Mary Ellen Taylor die Schicksale der drei Frauen miteinander. Besonders die Kapitel im besetzten Paris sind beklemmend und intensiv. Ich habe mit Sylvia und Cécile mitgefiebert, mitgelitten und gespürt, wie gefährlich und zermürbend das Leben unter ständiger Angst war. Sylvia, die unter falschem Namen in der Stadt lebt, hat sich mir als starke, loyale Frau eingeprägt – eine Figur, die man so schnell nicht vergisst.
Auch Rubys Gegenwartsgeschichte fand ich glaubwürdig und berührend. Ihr Kampf, wieder Vertrauen ins Leben zu finden, spiegelt sich in den Geschichten der Frauen aus der Vergangenheit wider. Diese Parallelen zwischen Angst und Hoffnung, Krankheit und Überleben, damals wie heute, machen die Geschichte besonders eindrucksvoll und nahbar.
Das Buch hat mich von Anfang an gefesselt, und ich wollte unbedingt wissen, wie sich alles verbindet.
Einzig das Ende hätte für mich etwas ausführlicher sein können, besonders was Rubys Entwicklung betrifft. Trotzdem habe ich das Buch mit Spannung gelesen. Die Geschichte über Mut, Zusammenhalt und die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart hat mich nachdenklich zurückgelassen. 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Wenn Verantwortung zur Versuchung wird

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Ich war schnell mitten im Leben dieser Frau, die zwischen Zahlen, Pflichten und eigenen Träumen hin- und hergerissen ist. Das Grand Hotel Frohner mit seinem Glanz, den gedämpften Stimmen in der Lobby und ...

Ich war schnell mitten im Leben dieser Frau, die zwischen Zahlen, Pflichten und eigenen Träumen hin- und hergerissen ist. Das Grand Hotel Frohner mit seinem Glanz, den gedämpften Stimmen in der Lobby und der strengen Ordnung wirkt so echt, dass ich es förmlich vor mir sehen konnte. Kein Ort aus Märchen, sondern einer, an dem man spürt, wie dünn die Grenze zwischen Schein und Wirklichkeit sein kann.
Angelika Moser, die Buchhalterin, will eigentlich nur alles richtig machen. Doch irgendwann fängt sie an, in den Zahlen zu jonglieren – nicht aus Gier, sondern aus Sorge und vielleicht auch ein bisschen Trotz. Das hat mich sehr berührt, weil es so menschlich ist. Dieser Moment, in dem man glaubt, man könne etwas geradebiegen, und dann merkt, dass man sich verheddert hat.
Vea Kaiser erzählt das feinfühlig und mit einem genauen Blick für Menschen und Orte. Besonders mochte ich, wie sie Wien beschreibt – nicht geschönt, sondern lebendig, mit dem besonderen Ton zwischen Charme und Alltagsmüdigkeit. Zwischendurch blitzen immer wieder kleine, stille Momente auf, die das Ganze auflockern.
Mich hat die Geschichte sehr nachdenklich gemacht: Wie viel Verantwortung kann man übernehmen, ohne sich selbst zu verlieren? Angelika meint anfangs, sie handelt richtig – und doch entfernt sie sich Stück für Stück von sich selbst.
Ein stilles, kluges Buch, das bleibt. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Mitreißendes Finale um Burgl und ihre Oblatenbäckerei

Turbulente Zeiten
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„Turbulente Zeiten“ von Ada Caine ist ein würdiger Abschluss der Oblatenbäckerin-Saga, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Schon nach wenigen Seiten war ich wieder mitten im Leben ...

„Turbulente Zeiten“ von Ada Caine ist ein würdiger Abschluss der Oblatenbäckerin-Saga, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Schon nach wenigen Seiten war ich wieder mitten im Leben von Burgl, die sich in Karlsbad eine neue Existenz aufgebaut hat. Ihre Oblatenbäckerei läuft gut, sie ist voller Vorfreude auf ihr erstes Kind – und dennoch wird sie mit Prüfungen konfrontiert, die nicht nur ihr Glück, sondern auch ihre Sicherheit bedrohen.
Besonders eindrucksvoll fand ich, wie geschickt Ada Caine Spannung und historische Atmosphäre miteinander verbindet. Während Burgls Alltag zunächst von Hoffnung und Aufbruch geprägt ist, ziehen dunkle Wolken auf. Das Verschwinden junger Frauen, die unerwarteten Anschläge auf den Oblatenstand und die rätselhafte Rolle der jungen Zofe Emma Schorer, die ihre erste Stellung antreten will, sorgen für eine Dynamik, die mich dazu brachte, immer weiterzulesen. Langeweile kam nie auf, im Gegenteil: Die Ereignisse überschlugen sich, und ich wollte unbedingt wissen, wie Burgl die Hindernisse meistert.
Emotional hat mich der Roman besonders dadurch erreicht, dass die Figuren so lebendig und nahbar wirken. Burgl ist eine starke, mutige Frau, die gleichzeitig verletzlich bleibt, und gerade das macht sie so authentisch. Auch die Nebenfiguren sind überwiegend sympathisch, was die Geschichte noch wärmer wirken lässt – trotz aller Gefahren, die drohen.
Für mich war es eine fesselnde Lektüre, die den Bogen zur gesamten Trilogie schließt und doch neue Facetten eröffnet. Ich habe das Buch kaum aus der Hand legen können, so sehr wollte ich wissen, ob Burgl ihre Träume und ihre Bäckerei retten kann. Ada Caine hat mit diesem Finale bewiesen, wie viel Herzblut und Erzählkunst in ihrer Saga steckt.
Mein Fazit: Ein gelungener Abschluss der Trilogie, voller Spannung, Emotionen und historischer Lebendigkeit. Für alle, die Burgls Weg von Anfang an begleitet haben, ein Muss – und für neue Leserinnen und Leser ein packender Einstieg, der neugierig auf die Vorgängerbände macht. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Der Traum von Olympia

Aufgeben können die anderen
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Die Geschichte von Alice Milliat hat mich sehr berührt. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit, für den Frauensport zu kämpfen, verdienen großen Respekt.
Schon zu Beginn spürt man, wie gut Lena Johannson die ...

Die Geschichte von Alice Milliat hat mich sehr berührt. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit, für den Frauensport zu kämpfen, verdienen großen Respekt.
Schon zu Beginn spürt man, wie gut Lena Johannson die Atmosphäre im Paris des Jahres 1918 einfängt. Alice liebt das Schwimmen, aber ihr Kampf geht weit über das Wasser hinaus. Sie muss gegen Vorurteile und die Einschränkungen der Gesellschaft ankämpfen. Besonders beeindruckt hat mich ihr großes Ziel: die olympische Distanz von 100 Metern gleich hundert Mal am Stück zu schwimmen. Unglaublich, wie ehrgeizig und willensstark sie war! Gleichzeitig merkt man, wie wenig Frauen damals zugestanden wurde – 1912 durften sie zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen antreten, jedoch nur auf einer kurzen Strecke von 100 Metern.
Mir hat gefallen, dass man nicht nur Alice kennenlernt, sondern auch die Menschen um sie herum. Es geht um den Frauensportverband, die Unterstützung von anderen Frauen und ihren Traum, dass alle Disziplinen für Frauen geöffnet werden. Die historischen Bezüge wirken stimmig und fügen sich natürlich in die Handlung ein.
An einigen Stellen hätte ich mir etwas mehr Dynamik gewünscht, aber insgesamt hat mich das Buch überzeugt. Es erzählt eine wichtige Geschichte, die zeigt, wie viel Kraft und Leidenschaft nötig waren, um etwas zu verändern.
Am Ende habe ich das Buch mit großem Respekt für Alice Milliat aus der Hand gelegt. Vier Sterne von mir – für ein eindrucksvolles Thema, eine glaubwürdige Hauptfigur und für eine Geschichte, die nachwirkt.

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Veröffentlicht am 04.10.2025

Bewegend, präzise und erschreckend aktuell

Als der Golem die Augen schloss
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Die Geschichte setzt ganz ruhig ein und schildert ausführlich das Leben im Schtetl: den Umgang der Nachbarn, die kleinen Freuden, die tägliche Arbeit und die vertrauten Rituale von Festen und Märkten. ...

Die Geschichte setzt ganz ruhig ein und schildert ausführlich das Leben im Schtetl: den Umgang der Nachbarn, die kleinen Freuden, die tägliche Arbeit und die vertrauten Rituale von Festen und Märkten. Alles wirkt lebendig und nah. Man spürt die Sorgen und Hoffnungen der Menschen, aber auch, wie fragil dieses Gefüge ist und wie leicht es ins Wanken geraten kann.
Schon früh legt sich ein düsterer Schatten über die Geschichte: Der Mord an dem Knaben Michail Ribatschenko in Dubossary steht sinnbildlich für die wachsende Gefahr. Schritt für Schritt zeigt sich, wie Verdächtigungen und Gerüchte Kreise ziehen, Misstrauen wächst und alte Vorurteile eine zerstörerische Dynamik annehmen. Die zunehmende Verunsicherung und die drohende Eskalation sind klar und nachvollziehbar dargestellt.
Besonders eindrucksvoll ist, wie sensibel und zugleich ungeschönt der Autor diesen Wandel beschreibt. Die Brutalität des Pogroms wird greifbar, ohne reißerisch zu wirken. Gleichzeitig macht Boris Sandler das vielschichtige Leben im Schtetl sichtbar: die Feste, die religiösen Bräuche, die familiären Bindungen – und rückt die Menschen in ihrer ganzen Menschlichkeit ins Licht. Dieses Nebeneinander von Alltagsnähe und drohender Katastrophe erzeugt eine intensive Spannung.
Mich hat das Buch sehr bewegt, weil es nicht nur die Grausamkeit zeigt, sondern auch den Zusammenhalt, die Kultur und die Widerstandskraft der Menschen würdigt. Ihre Angst, ihre Unsicherheit und ihre Hoffnung konnte ich beim Lesen mitfühlen.
Das Buch macht deutlich, dass Geschichte nie abstrakt ist. Sie besteht aus Menschen, die lieben, leiden, hoffen und kämpfen. Für mich war die Lektüre ein stiller, eindringlicher Moment, der nachhallt. Ein starkes, wichtiges Werk, das ich uneingeschränkt mit fünf Sternen empfehle.

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