Wenn alte Tagebücher Geschichten lebendig werden lassen
Was die Zeit verschweigtManchmal sind es alte Geschichten, die uns den Mut geben, unser eigenes Leben neu zu beginnen. So erging es mir beim Lesen dieser bewegenden Geschichte, die Vergangenheit und Gegenwart auf leise, aber ...
Manchmal sind es alte Geschichten, die uns den Mut geben, unser eigenes Leben neu zu beginnen. So erging es mir beim Lesen dieser bewegenden Geschichte, die Vergangenheit und Gegenwart auf leise, aber eindringliche Weise miteinander verknüpft.
Die Journalistin Ruby, die nach einem Schicksalsschlag versucht, wieder Fuß zu fassen, hat mich von Beginn an berührt. Ihr Blick auf die Welt ist vorsichtig, tastend, aber nie hoffnungslos. Das Angebot, über die französische Schauspielerin Cécile zu recherchieren, die nach dem Zweiten Weltkrieg spurlos verschwand, nimmt sie wie einen stillen Neuanfang an. Als sie in alte Aufzeichnungen von Céciles Schneiderin Sylvia und eines deutschen Offiziers eintaucht, entfaltet sich für sie eine vergangene Zeit, die mit jedem Kapitel greifbarer und lebendiger wird.
Geschickt verwebt Mary Ellen Taylor die Schicksale der drei Frauen miteinander. Besonders die Kapitel im besetzten Paris sind beklemmend und intensiv. Ich habe mit Sylvia und Cécile mitgefiebert, mitgelitten und gespürt, wie gefährlich und zermürbend das Leben unter ständiger Angst war. Sylvia, die unter falschem Namen in der Stadt lebt, hat sich mir als starke, loyale Frau eingeprägt – eine Figur, die man so schnell nicht vergisst.
Auch Rubys Gegenwartsgeschichte fand ich glaubwürdig und berührend. Ihr Kampf, wieder Vertrauen ins Leben zu finden, spiegelt sich in den Geschichten der Frauen aus der Vergangenheit wider. Diese Parallelen zwischen Angst und Hoffnung, Krankheit und Überleben, damals wie heute, machen die Geschichte besonders eindrucksvoll und nahbar.
Das Buch hat mich von Anfang an gefesselt, und ich wollte unbedingt wissen, wie sich alles verbindet.
Einzig das Ende hätte für mich etwas ausführlicher sein können, besonders was Rubys Entwicklung betrifft. Trotzdem habe ich das Buch mit Spannung gelesen. Die Geschichte über Mut, Zusammenhalt und die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart hat mich nachdenklich zurückgelassen. 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.