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Veröffentlicht am 19.08.2025

Im Schatten des Fluchs

Die Frauen der Familie Flores
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"Die Frauen der Familie Flores" von Angélica Lopes ist ein tiefgründiger, feinfühlig erzählter Roman über Mut, Widerstand und die Kraft weiblicher Solidarität über Generationen hinweg. In zwei miteinander ...

"Die Frauen der Familie Flores" von Angélica Lopes ist ein tiefgründiger, feinfühlig erzählter Roman über Mut, Widerstand und die Kraft weiblicher Solidarität über Generationen hinweg. In zwei miteinander verwobenen Zeitebenen – dem Brasilien des Jahres 1918 und dem Rio de Janeiro von 2010 – entfaltet sich eine Familiengeschichte, die nicht nur persönlich, sondern auch politisch ist.
Im Zentrum steht Eugênia, eine kluge und entschlossene junge Frau, die gegen ihren Willen mit einem gewalttätigen Offizier verheiratet wird. Was zunächst wie ein Schicksal ohne Ausweg scheint, wird für Eugênia zur Herausforderung, der sie sich mit stillem Mut stellt. Ihre Waffe ist kein Schwert, sondern die feine Nadel ihrer Spitzenkunst – und ein geheimer Code, den sie in die Muster einwebt, um ihre Flucht zu planen.
Besonders gut gefällt mir, wie die Autorin die Lebensumstände der Frauen um 1900 schildert; von den Zwängen und Unterdrückungen bis hin zum mutigen Akt der Kommunikation durch eine kunstvolle Codierung. Die Autorin vermittelt eine tief empfundene Atmosphäre, in der die Kunst des Stickens als Symbol für Mut, Hoffnung und Widerstand dient.
Der Roman besticht durch seine ruhige, leise Erzählweise, die im Kontrast zu manch greller feministischer Literatur steht. Gerade diese Zurückhaltung verleiht der Geschichte Tiefe und macht die stille Rebellion der Frauen umso eindrücklicher.
Hundert Jahre später beginnt Eugênias Nachfahrin Alice durch ein altes Stück Spitze die verborgene Geschichte ihrer Familie zu entschlüsseln. Dabei wird deutlich, dass der Kampf um Freiheit, Selbstbestimmung und Gerechtigkeit über Generationen weitergetragen wird, wenn auch in anderer Form.
Frau Lopes gelingt es, eine dichte Atmosphäre zu schaffen, in der man Hitze, Staub und die angespannte Konzentration der Frauen beim Klöppeln beinahe körperlich spürt. Die Sprache ist ruhig, aber kraftvoll, der Ton nicht schrill, sondern eindringlich. Besonders beeindruckend ist, wie subtil das Buch die strukturelle Gewalt jener Zeit sichtbar macht – ohne zu dramatisieren, aber auch ohne zu beschönigen.
"Die Frauen der Familie Flores" ist kein aufrüttelnder Protestroman, sondern eine leise, aber nachhaltige Erzählung über weibliche Stärke, die sich nicht durch Lautstärke, sondern durch Beharrlichkeit auszeichnet. Ein außergewöhnliches Buch, das zeigt, wie viel Widerstand in scheinbarer Stille liegen kann und wie Vergangenheit und Gegenwart einander spiegeln. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Ein stiller Held hinter der Bar

Der Barmann des Ritz
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Philippe Collin hat mit „Der Barmann des Ritz“ einen eindrucksvollen Roman geschrieben, der leise und gleichzeitig tiefgründig von einem außergewöhnlichen Leben erzählt. Im Mittelpunkt steht Frank Meier ...

Philippe Collin hat mit „Der Barmann des Ritz“ einen eindrucksvollen Roman geschrieben, der leise und gleichzeitig tiefgründig von einem außergewöhnlichen Leben erzählt. Im Mittelpunkt steht Frank Meier – eine reale historische Persönlichkeit. Meier war österreichisch-jüdischer Herkunft und arbeitete als berühmter Barkeeper im Pariser Luxushotel Ritz. Während der deutschen Besatzung von Paris (1940–1944) mixte er dort Cocktails für hohe NS-Offiziere, für Prominente und Mitglieder des Widerstands. Was auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen mag, entfaltet sich im Roman als das Porträt eines Mannes, der Tag für Tag mit Mut, Vorsicht und innerer Klarheit zwischen Anpassung und Widerstand lebt.
Collin erzählt nicht laut oder dramatisch, sondern ruhig, präzise und mit viel Feingefühl für Atmosphäre. Die Szenen in der Bar wirken fast filmisch – gedämpftes Licht, das Klirren von Gläsern, flüchtige Blicke. Man spürt den Druck, der auf Meier lastet, ohne dass er ihn je laut ausspricht. Der Autor verbindet historisch belegte Fakten und Archivmaterial mit fiktiven Tagebucheinträgen Meiers, die seiner Figur Tiefe und eine persönliche Stimme verleihen – zurückhaltend, reflektiert, nie pathetisch. Genau das macht die Figur so glaubwürdig und nahbar.
Beim Lesen fühlte ich mich oft wie ein stiller Gast an der Bar. Die Gedanken des Protagonisten wirken nüchtern und dennoch berührend. Manche Szenen ließen mich innehalten, etwa wenn Meier einem hochrangigen Nazi ein Getränk reicht und gleichzeitig weiß, dass draußen Menschen verfolgt werden, denen er insgeheim zur Flucht verhilft. Es sind solche leisen Spannungen, die unter die Haut gehen, ohne laut zu werden.
„Der Barmann des Ritz“ ist ein Roman, der nicht auf schnelle Effekte setzt, sondern auf Zwischentöne, auf Beobachtung, auf Atmosphäre. Es ist eine Geschichte über Haltung, über stille Formen des Widerstands, über Loyalität – und über das Leben eines Mannes, der unter extremen Bedingungen seine Würde bewahrt. Das Buch wirkt lange nach – nicht, weil es große Gesten braucht, sondern weil es dem Stillen und Unscheinbaren den Raum gibt, den es verdient. 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Liebe, Mut und Verzweiflung in Zeiten des Krieges

Kohlenträume
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"Kohlenträume" ist ein zutiefst bewegender Roman, der mir sehr unter die Haut gegangen ist. Die Geschichte spielt während des Zweiten Weltkriegs und erzählt abwechselnd aus der Sicht von Marie, einer jungen ...

"Kohlenträume" ist ein zutiefst bewegender Roman, der mir sehr unter die Haut gegangen ist. Die Geschichte spielt während des Zweiten Weltkriegs und erzählt abwechselnd aus der Sicht von Marie, einer jungen Frau aus Deutschland, und Adrien, einem französischen Zwangsarbeiter. Schon nach wenigen Seiten war ich emotional ganz in der Geschichte gefangen.
Marie lebt allein auf einem kleinen Hof, ihr Mann ist an der Front. Als ihr die SS die geliebten Ziegen wegnimmt, verliert sie nicht nur ihre Lebensgrundlage, sondern auch ein Stück Hoffnung. Der Schmerz darüber ist spürbar, und ich habe mit ihr mitgelitten. Der Alltag im Krieg, die ständige Angst, die Entbehrungen – all das ist sehr real beschrieben.
Adrien, ein junger Franzose, wird gegen seinen Willen zur Zwangsarbeit nach Bochum gebracht. Seine Erlebnisse im Bergwerk Schwarzenberg sind bedrückend und bedrückend ehrlich erzählt. Ich habe beim Lesen oft innegehalten, weil mich die Ungerechtigkeit und die Härte des Arbeitslagers zutiefst erschütterten. Und trotzdem bleibt Adrien menschlich, mitfühlend und tapfer.
Besonders berührend ist, wie zwischen Marie und Adrien langsam eine zarte Verbindung wächst – trotz Verboten, Gefahr und Misstrauen. Diese leise, verbotene Liebe ist kein kitschiges Märchen, sondern wirkt echt, mutig und zutiefst menschlich. Ihre Begegnungen sind voller Spannung, Hoffnung und auch Angst. Ich hatte beim Lesen oft einen Kloß im Hals – und die letzten Kapitel haben mir tatsächlich Tränen in die Augen getrieben.
Was mich besonders mitgenommen hat, war die Darstellung des Lebens der Zivilbevölkerung und der Zwangsarbeiter. Und, wie wenig wir eigentlich über deren Schicksale wissen, obwohl es so viele betroffen hat. Dieses Buch hat mich nicht nur emotional berührt, sondern mir auch ein neues Bewusstsein für dieses dunkle Kapitel der Geschichte gegeben.
"Kohlenträume" ist ein stilles, starkes Buch über Menschlichkeit in unmenschlicher Zeit. Es wird mir noch lange im Herzen bleiben.
Mein Fazit:
Ein absolutes Muss für alle, die historische Romane lieben und die Wahrheit hinter der Geschichte nicht vergessen wollen. 5 Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Eine Frau, eine Flucht, ein Neubeginn

Die Passantin
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Was macht man, wenn die Welt plötzlich glaubt, man sei tot? Die berühmte Schauspielerin Jeanne Patou trifft in diesem Moment eine radikale Entscheidung: Sie geht nicht zurück. Kein Filmset, keine Interviews, ...

Was macht man, wenn die Welt plötzlich glaubt, man sei tot? Die berühmte Schauspielerin Jeanne Patou trifft in diesem Moment eine radikale Entscheidung: Sie geht nicht zurück. Kein Filmset, keine Interviews, kein Eheleben – stattdessen verschwindet sie aus allem, was sie bisher ausgemacht hat. Aus einem Impuls wird ein kompletter Neuanfang, und genau dieser Weg, mit all seinen Konsequenzen, steht im Mittelpunkt dieses Romans.
Nina George erzählt diese Geschichte mit einer besonderen Mischung aus poetischen Bildern, scharfer Beobachtungsgabe und spürbarer Wut. Sie zeigt, wie subtil und gleichzeitig erdrückend patriarchale Strukturen wirken können, und wie schwer es ist, sich davon zu lösen. Gerade Jeannes Begegnungen mit anderen „Unsichtbaren“ – Frauen, die ebenfalls beschlossen haben, sich aus ihren alten Leben zurückzuziehen – fand ich eindrucksvoll. Besonders das Haus in Barcelona, in dem diese Frauen zusammenleben, ist für mich einer der stärksten Schauplätze: Dort prallen unterschiedliche Lebensgeschichten aufeinander, und trotzdem entsteht so etwas wie Vertrauen und Zusammenhalt.
Das Buch ist reich an Figuren, Rückblenden und Gedanken. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass fast zu viele Ebenen gleichzeitig erzählt werden. An ein, zwei Stellen musste ich bewusst innehalten, um den roten Faden wieder aufzunehmen. Trotzdem empfinde ich gerade diese Vielschichtigkeit als eine Stärke – sie macht die Geschichte lebendig, vielschichtig und nah am echten Leben.
„Die Passantin“ ist kein leichter Roman für zwischendurch. Er fordert Aufmerksamkeit und lässt einen auch nach dem Zuklappen nicht los. Er erzählt von Mut, Verlust, Befreiung – und davon, dass es nie zu spät ist, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Mich hat er berührt, zum Nachdenken gebracht und an manchen Stellen auch richtig wütend gemacht.
Für mich ist es ein starkes, mutiges Buch, das kleine Längen und Überfrachtungen hat, aber im Endeffekt sehr überzeugt. Deshalb vergebe ich gute 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Zwischen Forschung und Verantwortung

In uns der Ozean
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"In uns der Ozean" von Theresia Graw widmet sich dem Leben von Rachel Carson, einer Frau, die zu einer der einflussreichsten Stimmen im Umwelt- und Naturschutz des 20. Jahrhunderts wurde.
Die Geschichte ...

"In uns der Ozean" von Theresia Graw widmet sich dem Leben von Rachel Carson, einer Frau, die zu einer der einflussreichsten Stimmen im Umwelt- und Naturschutz des 20. Jahrhunderts wurde.
Die Geschichte setzt in den 1930er Jahren an, als Rachel nach dem Verlust ihrer Forschungstätigkeit eine neue Richtung einschlägt. Sie beginnt, über das Meer und seine Bewohner zu schreiben. Ihre Texte verbinden wissenschaftliche Genauigkeit mit einer klaren, anschaulichen Sprache, die auch Laien anspricht. So erreicht sie nach und nach ein breites Publikum.
Ein Wendepunkt tritt ein, als sie bei einem Spaziergang einen toten Vogel findet. Dieser Moment weckt ihr Interesse an den damals noch wenig bekannten Auswirkungen des Insektengifts DDT. Aus der stillen Beobachterin wird eine kritische Mahnerin, die akribisch recherchiert und ihre Erkenntnisse in einer Form veröffentlicht, die sowohl Fachwelt als auch Öffentlichkeit erreicht.
Theresia Graw schildert diesen Weg mit einem ruhigen, klaren Erzählstil. Die Beschreibungen der Küstenlandschaften und der Arbeit im wissenschaftlichen Umfeld geben einen lebendigen Eindruck der damaligen Zeit. Gleichzeitig werden die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen beleuchtet, die es für eine Frau dieser Epoche besonders schwer machten, sich Gehör zu verschaffen.
Das Buch zeigt nachvollziehbar, wie Rachels Beharrlichkeit und fachliche Kompetenz dazu beitrugen, ein neues Umweltbewusstsein zu schaffen. Es ist sowohl ein biografisches Porträt als auch ein Stück Zeitgeschichte, das verdeutlicht, wie eine Einzelne mit Wissen und Überzeugungskraft Veränderungen anstoßen kann.
Mein Fazit: Die Geschichte hat mich in ihrer Klarheit und Detailtreue überzeugt. Besonders beeindruckt hat mich, wie beharrlich Rachel Carson ihren Weg gegangen ist, trotz Widerständen und ohne laut zu werden. Das Buch wirkt lange nach und hinterlässt ein Bild von einer Frau, die mit Sachlichkeit und Herz gleichermaßen etwas bewegen konnte. Für mich ist es ein rundum gelungenes Werk. Ich vergebe dafür 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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