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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.08.2025

Eine stille Geschichte mit bleibender Wirkung

Europäische Erziehung
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Romain Garys "Europäische Erziehung" erzählt die Geschichte des jungen Janek, der im besetzten Polen des Zweiten Weltkriegs zum Widerstand findet. Das Buch schildert seine Erlebnisse und Begegnungen in ...

Romain Garys "Europäische Erziehung" erzählt die Geschichte des jungen Janek, der im besetzten Polen des Zweiten Weltkriegs zum Widerstand findet. Das Buch schildert seine Erlebnisse und Begegnungen in einer Zeit voller Gewalt, Entbehrung und Unsicherheit. Was dabei auffällt, ist der ruhige, klare Erzählstil, der ohne große Ausschmückung auskommt und dadurch viel Wirkung entfaltet.
Trotz der düsteren Umstände stehen in der Geschichte immer wieder Themen wie Menschlichkeit, Bildung und Hoffnung im Mittelpunkt. Besonders die Gespräche zwischen Janek und seinem Freund Jurek geben dem Buch Tiefe. In diesen Momenten geht es nicht nur um den Krieg, sondern auch um Ideen, Gedanken und das, was Europa einmal sein könnte.
Die Figuren sind keine klassischen Helden, sondern Menschen mit Widersprüchen, mit Schwächen und Mut zugleich. Das macht sie glaubwürdig. Der Humor, der manchmal durchscheint, wirkt leise, fast zurückhaltend – und gerade dadurch stark.
Der Titel „Europäische Erziehung“ bekommt im Verlauf des Romans eine vielschichtige Bedeutung. Es geht nicht nur um schulisches Wissen, sondern um Werte wie Freiheit, Verantwortung und Menschlichkeit, auch unter schwierigen Bedingungen.
Insgesamt ist das Buch kein einfaches, aber ein wichtiges. Es hat nachdenklich gemacht und bleibt im Kopf, weil es nicht laut ist, sondern still wirkt, mit klaren Bildern und einer Botschaft, die auch heute noch Bedeutung hat. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Eine Frau, ein Traum, ein Leben voller Hoffnung

6 aus 49
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Erzählt wird die Geschichte von Lina, der Großmutter der Autorin, die in großer Armut aufwächst, aber nie aufhört, an ihr Glück zu glauben. Ihr großer Traum ist ein eigenes Hotel. Sie arbeitet hart, liebt ...

Erzählt wird die Geschichte von Lina, der Großmutter der Autorin, die in großer Armut aufwächst, aber nie aufhört, an ihr Glück zu glauben. Ihr großer Traum ist ein eigenes Hotel. Sie arbeitet hart, liebt leidenschaftlich, spielt regelmäßig Lotto und lebt ein Leben, das von Hoffnung, Mut und Stärke geprägt ist.
Mich hat Linas Geschichte gleich zu Beginn sehr berührt. Ich war fasziniert von ihrer Kraft, ihrem Lebenswillen und dem Glauben daran, dass sich das Schicksal doch noch wenden kann. Besonders schön fand ich, wie liebevoll die Autorin ihre Großmutter beschreibt; wie ein Denkmal für eine starke Frau, die nie aufgegeben hat.
Allerdings hatte ich beim Lesen auch meine Schwierigkeiten. Die Erzählung springt oft zwischen verschiedenen Zeiten und Perspektiven, und so wusste ich manchmal nicht genau, wer gerade spricht: die Enkelin oder Lina selbst. Auch fehlte mir teilweise ein klarer roter Faden. Die Geschichte wirkt stellenweise wie eine Sammlung einzelner Erinnerungen, was es für mich schwieriger machte, ganz in Linas Welt einzutauchen.
Stilistisch ist das Buch eher nüchtern gehalten. Ich hätte mir gewünscht, noch stärker in Linas Gefühle einzutauchen. Ganz besonders in entscheidenden Momenten ihres Lebens, etwa bei ihrer großen Liebe oder dem Lottogewinn. An einigen Stellen blieb mir das Erzählte zu distanziert.
Trotzdem habe ich mich mit Lina beim Lesen verbunden gefühlt. Ihre Entschlossenheit und ihr Lebensmut bleiben mir in Erinnerung. Auch die Botschaft, dass man an sein Glück glauben darf – egal, wie aussichtslos es scheint – hat mich bewegt.
Fazit:
Dieser Roman ist eine ruhige, wertschätzende Erzählung über ein beeindruckendes Frauenleben. Wer sich für Familiengeschichten interessiert und starke Frauenfiguren mag, wird hier fündig. Ich hätte mir stellenweise mehr emotionale Tiefe und Klarheit in der Erzählweise gewünscht – aber Lina bleibt eine Figur, die nachhallt. 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Von der Freiheit, jemand anderes zu sein und ihrem Preis

Der falsche Japaner
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Daniela Dröscher erzählt in diesem Roman die Geschichte des George Psalmanazar, einer faszinierenden, rätselhaften Figur, die im London des 18. Jahrhunderts als angeblicher „Formosaner“ zu Ruhm gelangt. ...

Daniela Dröscher erzählt in diesem Roman die Geschichte des George Psalmanazar, einer faszinierenden, rätselhaften Figur, die im London des 18. Jahrhunderts als angeblicher „Formosaner“ zu Ruhm gelangt. George taucht an der schottischen Küste auf, wirkt fremd, wild, spricht eine seltsame Sprache und erzählt von einem exotischen Land, das niemand kennt. Seine Geschichte wird von der Gesellschaft begierig aufgenommen – je unglaublicher seine Erzählungen, desto größer die Aufmerksamkeit, die ihm zuteilwird.
Die Autorin nähert sich ihrer Hauptfigur mit großer Feinfühligkeit. Indem sie George als jungen Mann schildert, entgegen den historischen Fakten, verleiht sie ihm eine Verletzlichkeit, die berührt. Es geht weniger um historische Genauigkeit als um die Frage, was einen Menschen dazu bringt, sich selbst neu zu erfinden – in Sprache, Aussehen, Herkunft und Rolle. Dabei bleibt George nie bloß ein Hochstapler, sondern wird zu einem Sinnbild für die Sehnsucht nach einem anderen Leben.
Frau Dröscher schreibt in einer klaren, poetischen Sprache, die Bilder schafft, ohne überladen zu wirken. Ihre Beschreibungen von Stadt, Büchern, Meer und Menschen sind feinfühlig und atmosphärisch. Der Roman entfaltet dabei eine besondere Mischung aus historischer Kulisse und literarischer Leichtigkeit.
Was mich beim Lesen besonders bewegt hat, war diese ständige Spannung zwischen Faszination und Beklommenheit. George zieht einen in seinen Bann, doch je länger man ihn begleitet, desto spürbarer wird die innere Müdigkeit seiner Lüge. Es gibt leise Momente der Nähe, etwa mit Lucy, der Tochter des Gelehrten Johnson – zarte, unsichere Augenblicke, die etwas sehr Menschliches freilegen. Immer wieder entsteht der Eindruck, dass unter all der Maske ein einsamer, suchender Mensch steckt.
"Der falsche Japaner" ist ein stiller, eindringlicher Roman über Identität, Fantasie und das Bedürfnis, gesehen zu werden. Er hat mich nachdenklich gemacht – über die Macht von Sprache, über Rollen, die man spielt, und über die feine Grenze zwischen Wahrheit und Wunsch. Es ist ein Buch, das leise nachhallt. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Die Wahrheit lauert im Schatten der Sümpfe

Unsere letzten wilden Tage
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"Unsere letzten wilden Tage" von Anna Bailey hat mich von Beginn an mit seiner dichten, atmosphärischen Erzählweise gepackt. Schon nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl, mitten in der schwülen Hitze ...

"Unsere letzten wilden Tage" von Anna Bailey hat mich von Beginn an mit seiner dichten, atmosphärischen Erzählweise gepackt. Schon nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl, mitten in der schwülen Hitze Louisianas zu stehen. Die Luft wirkt schwer, das Sumpfgras raschelt, und irgendwo lauert eine Gefahr, die man nicht sehen, aber deutlich spüren kann. Diese greifbare Kulisse ist weit mehr als nur ein Hintergrund. Sie wird zu einer Figur, die das Geschehen ebenso prägt wie die Menschen selbst.
Im Mittelpunkt steht Loyal, eine Journalistin, die nach Jahren in ihre Heimat zurückkehrt. Dort wird ihre frühere Freundin tot aufgefunden. Loyal beginnt zu recherchieren und stößt auf Mauern aus Schweigen, Angst und Misstrauen. Niemand scheint die Wahrheit wirklich ans Licht bringen zu wollen. Die Autorin schafft es, diese Mischung aus Spannung, innerem Ringen und bedrückender Dorfdynamik so zu schildern, dass man sich fast selbst in den engen Straßen und dunklen Winkeln wiederfindet.
Besonders beeindruckt hat mich, wie eng Anna Bailey Landschaft und Gesellschaft miteinander verwebt. Die Wildnis mit ihren undurchdringlichen Sümpfen spiegelt die Geheimnisse und Konflikte der Menschen wider. Loyals innerer Kampf, ihr Mut und ihre Entschlossenheit sind spürbar, auch wenn sie manchmal zögert oder innehält. Gerade diese Momente verleihen ihr Tiefe und machen sie glaubwürdig.
Trotz der fesselnden Atmosphäre gibt es Passagen, in denen die Spannung etwas nachlässt. Vor allem im letzten Drittel hätte ich mir stellenweise einen klareren Zug nach vorn gewünscht. Nichtsdestotrotz bleibt die Geschichte kraftvoll, getragen von starken Bildern und einer eindringlichen Sprache.
Insgesamt ist es ein Roman, der nicht nur durch seine Handlung überzeugt, sondern auch durch seine eindrucksvolle Stimmung und die vielschichtige Darstellung seiner Figuren. Für mich ist es ein intensives Leseerlebnis, das ich gerne mit 4 Sternen bewerte. Wer sich von einer dichten Atmosphäre, leiser Wut und einer Landschaft voller Geheimnisse mitreißen lassen möchte, wird hier ein besonderes Buch finden.

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Flora, Blumen und ein Typ, der einfach nicht gehen will

My Haunted Heart – Ich sehe dich
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Mit diesem Buch hat mich die Autorin so richtig erwischt. Flora führt ihren Blumenladen, ein Ort voller Leben und Farben, der plötzlich eine ganz neue Stimmung bekommt, als dieser mysteriöse Sawyer auftaucht. ...

Mit diesem Buch hat mich die Autorin so richtig erwischt. Flora führt ihren Blumenladen, ein Ort voller Leben und Farben, der plötzlich eine ganz neue Stimmung bekommt, als dieser mysteriöse Sawyer auftaucht. Er ist so ein bisschen wie der Typ, der bei der Party einfach nicht kapiert, dass er nicht eingeladen ist, aber irgendwie will man ihn trotzdem nicht loswerden.
Die Mischung aus romantischem Knistern und einer Prise Grusel macht das Ganze spannend. Man weiß nie so richtig, ob man jetzt erschrecken oder dahinschmelzen soll. Flora und Sawyer tasten sich vorsichtig aneinander heran, was ich sehr gut nachvollziehen konnte. Man will ja nicht kopfüber ins Chaos springen, aber die Neugier gewinnt einfach.
Was mir besonders gefallen hat, ist die Ehrlichkeit der Gefühle. Keine süßen Zuckerwatte-Momente, sondern ein warmes Kribbeln, gepaart mit dem charmanten Gefühl von „Was zur Hölle passiert hier eigentlich?“. Das Buch zieht einen in seinen Bann, ohne kitschig zu werden.
Warum nur 4 Sterne? Ein paar Wendungen hätten noch etwas mehr Überraschung vertragen können. Aber ganz ehrlich, wer will schon ein perfektes Märchen? Gerade diese kleinen Macken machen die Geschichte für mich sympathisch und authentisch. Manchmal sind es eben die Ecken und Kanten, die das Herz am meisten berühren und ein Buch erst so richtig spannend machen.

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