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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.06.2026

Wenn der nackte Wahnsinn System hat

Carl's Doomsday Scenario
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Nach dem grandiosen Einstieg in diese völlig abgedrehte Welt beweist Matt Dinniman mit dem Folgeband, dass er das Niveau nicht nur halten, sondern die Schraube des Wahnsinns noch ein gewaltiges Stück weiterdrehen ...

Nach dem grandiosen Einstieg in diese völlig abgedrehte Welt beweist Matt Dinniman mit dem Folgeband, dass er das Niveau nicht nur halten, sondern die Schraube des Wahnsinns noch ein gewaltiges Stück weiterdrehen kann. Die Geschichte wirft uns ohne Atempause zurück in die mörderische Reality-Show der Aliens. Carl und seine exzentrische Katze Princess Donut müssen sich auf der nächsten Ebene beweisen, die mit postapokalyptischen Ruinen und einem albtraumhaften Zirkus aufwartet. Dabei gewinnt das Szenario spürbar an Tiefe: Es geht längst nicht mehr bloß ums nackte Überleben und das Sammeln von Beute, sondern die politischen Verstrickungen im Hintergrund und das perfide System hinter den Kulissen werden immer deutlicher spürbar. Die Handlung bleibt durchgehend unvorhersehbar und packend konstruiert.

Dinnimans Schreibstil ist hierbei der absolute Motor des Ganzen. Er schreibt unglaublich dynamisch, direkt und verzichtet komplett auf unnötigen Ballast. Seine Wortwahl balanciert perfekt auf dem schmalen Grat zwischen bitterbösem, tiefschwarzem Humor, blutiger Action und unerwartet emotionalen Momenten. Die Dialoge – insbesondere die genialen Wortgefechte zwischen dem pragmatischen Carl und der herrlich arroganten Donut – sind pointiert gesetzt und sprühen vor Slapstick. Auch die deutsche Übersetzung transportiert diesen speziellen, rotzigen Tonfall hervorragend. Ein absolut fesselndes Leseerlebnis, das süchtig macht und einen ungeduldig auf die Fortsetzung warten lässt.

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Veröffentlicht am 26.06.2026

Schatten über St. Ives: Wenn Liebe auf gefährliche Geheimnisse trifft

Queens Cartel (Band 2) - With All Your Fears
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Wenn ein Buch es schafft, dass man die Welt um sich herum vergisst, hat die Autorin alles richtig gemacht. Genau das gelingt Anne Lück mit dem zweiten Teil ihrer Reihe. Sie entführt uns zurück in das Küstenstädtchen ...

Wenn ein Buch es schafft, dass man die Welt um sich herum vergisst, hat die Autorin alles richtig gemacht. Genau das gelingt Anne Lück mit dem zweiten Teil ihrer Reihe. Sie entführt uns zurück in das Küstenstädtchen St. Ives, das von finsteren Schatten beherrscht wird. Nach einem schweren Schicksalsschlag kehrt Jenna heim – und läuft direkt in die Arme ihrer einstigen großen Liebe Ira. Doch die Vergangenheit wirft tiefe Schatten, und das berüchtigte Syndikat hält die Fäden fest in der Hand.

Was mich besonders abgeholt hat, ist das sprachliche Talent der Autorin. Ihr Stil greift sofort nach einem; er besitzt eine unheimliche Leichtigkeit, transportiert aber gleichzeitig eine spürbare, fast greifbare Schwere. Die Worte fließen ungezwungen, wodurch ein enormer Sog entsteht. Anne Lück verzichtet auf Längen und setzt stattdessen auf eine dichte, atmosphärische Schilderung der Kulisse. Man spürt das unterschwellige Unbehagen, das über der Stadt liegt.

Die Handlung verwebt die schmerzhafte Annäherung zweier verletzter Seelen geschickt mit einem packenden Kriminalfall um verschwundene Menschen. Das Versteckspiel, die unausgesprochenen Vorwürfe und der ausgeprägte Beschützerinstinkt von Ira verleihen der Story eine permanente emotionale Elektrizität. Die Mischung aus Herzschmerz und kriminellen Machenschaften ist hervorragend ausbalanciert, wobei die Bedrohung spürbar im Hintergrund brodelt. Spätestens die finale Wendung zieht einem dann völlig den Boden unter den Füßen weg. Ein packendes Highlight für alle Suspense-Fans!

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Veröffentlicht am 26.06.2026

Schatten, Sünde und Geheimnisse: Ein opulenter, aber ungeschliffener Serienauftakt

Blood & Betrayals
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Wer die Tore der Avalon University betritt, merkt schnell, dass hinter den Kulissen eine düstere Mischung aus Gefahr und Magie lauert. Das Autorenduo Alexis Rune und Jeanette Rose wirft uns mit „Blood ...

Wer die Tore der Avalon University betritt, merkt schnell, dass hinter den Kulissen eine düstere Mischung aus Gefahr und Magie lauert. Das Autorenduo Alexis Rune und Jeanette Rose wirft uns mit „Blood & Betrayals“ in eine Welt voller übernatürlicher Wesen, in der Protagonistin Summer Zuflucht sucht. Doch statt Ruhe erwarten sie mörderische Intrigen und ein anonymer Verfolger.

Die Geschichte bedient sich klassischer Dark-Academia-Motive, bewahrt sich durch die Dynamik der Figuren aber Eigenständigkeit. Besonders faszinierend ist die Charakterkonstellation: Während Summer wegen ihrer Traumata oft widersprüchlich agiert und schwer greifbar bleibt, stehlen Nebenfiguren wie die exzentrische Vampirin Alice oder die charismatischen Morningstar-Brüder der Heldin fast die Show. Der Mix aus Kriminalfall, Fantasy und expliziter Romantik sorgt für Neugier, krankt jedoch an der immensen Seitenzahl. Die Handlung verliert sich im Mittelteil in zähen Wiederholungen, und dem Worldbuilding fehlt abseits des Campus die Tiefe. Zudem agieren die eigentlich erwachsenen Charaktere oft überraschend unreif.

Der Schreibstil präsentiert sich angenehm flüssig und unaufdringlich. Er trägt den Leser mühelos durch die verschlungenen Pfade der Erzählung, lässt handwerklich aber noch Luft nach oben. Erst im Finale zieht das Tempo rasant an und gipfelt in einem fiesen Cliffhanger, der trotz aller Längen Lust auf die Fortsetzung macht. Ein packender, emotionaler Romantasy-Auftakt mit Ecken und Kanten.

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Veröffentlicht am 05.06.2026

Vom Nachbarschaftskrieg zum Herzklopfen: Ein fesselndes Finale

Untold Love (Unwritten, Bd. 3)
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Wenn das Leben dir Zitronen gibt, macht Charlotte Collins daraus erst mal eine mittelschwere Existenzkrise. Zwischen Job-Sorgen und Liebesflaute zieht zu allem Überfluss auch noch ein unverschämt lauter ...

Wenn das Leben dir Zitronen gibt, macht Charlotte Collins daraus erst mal eine mittelschwere Existenzkrise. Zwischen Job-Sorgen und Liebesflaute zieht zu allem Überfluss auch noch ein unverschämt lauter Nachbar nebenan ein. Dass sich hinter dem Lärm der gefeierte Rockstar Jae Seo verbirgt, ahnt sie da noch nicht. Ehe sie sich versieht, steckt sie mit ihm in einer vorgetäuschten Verlobung fest, die das mediale Rampenlicht auf ihre eigene, gut behütete Vergangenheit lenkt.

Teresa Sporrer beweist in diesem Band wieder einmal ihr Talent für emotionale Leichtigkeit. Die Geschichte wird abwechselnd aus beiden Perspektiven erzählt, wodurch man sich sofort in die Gefühlswelt der Figuren hineinversetzt fühlt. Sporrers Erzählweise ist lebendig, modern und von einem herrlich erfrischenden Humor geprägt – popkulturelle Anspielungen inklusive. Sie schafft es mühelos, ernste und tiefgründige Themen feinfühlig zu integrieren, ohne dass die Story ihre charakteristische Spritzigkeit verliert.

Die Liebeserklärung an das Buchnerd-Dasein zieht sich durch Charlottes wunderbar nahbare Persönlichkeit. Jae bricht als verantwortungsbewusster Familienmensch jedes klassische Bad-Boy-Klischee auf. Die Chemie zwischen den beiden sprüht von der ersten Seite an vor spürbarer Knisterspannung.

Zusammen mit den geliebten Gesichtern der Vorgängerbände liefert dieses Buch ein absolut rundes, herzerwärmendes Finale. Ein echtes Wohlfühlbuch mit der perfekten Balance aus Lachern und Tränen.

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Veröffentlicht am 05.06.2026

Im Dickicht der Schatten: Eine Reise in den Abgrund

Anathema
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„Anathema“ von Keri Lake ist definitiv kein Buch für zwischendurch. Wer hier nach einer seichten Wohlfühlgeschichte sucht, wird bitter enttäuscht. Stattdessen entfaltet sich ein opulenter, tiefdunkler ...

„Anathema“ von Keri Lake ist definitiv kein Buch für zwischendurch. Wer hier nach einer seichten Wohlfühlgeschichte sucht, wird bitter enttäuscht. Stattdessen entfaltet sich ein opulenter, tiefdunkler Fantasy-Roman, der das Herz von Gothic-Liebhabern höher schlagen lässt.

Wenn Worte Welten erschaffen
Keri Lakes Schreibstil ist ebenso faszinierend wie fordernd. Sie nutzt eine bildhafte, fast schon poetische Sprache, um eine bleierne, unheilvolle Atmosphäre heraufzubeschwören. Allerdings ist der Einstieg durch die enorme Fülle an neuen Begriffen und Glyphen eine echte Hürde. Erschwert wird das Ganze durch eine teils sperrige Satzstruktur. Die oft langen Schachtelsätze hemmen den Lesefluss und wirken stellenweise unrund, was den Einstieg sehr holprig macht. Wer jedoch die Geduld aufbringt, sich durch diese sprachlichen Barrieren zu kämpfen, wird mit einer unglaublich dichten Kulisse belohnt.

Eine Geschichte voller Kontraste und Längen
Die Handlung rund um die vermeintlich verfluchte Maevyth und den unbarmherzigen Assassinen Zevander beginnt extrem packend. Der Überlebenskampf im berüchtigten, labyrinthartigen Wald zieht sofort in den Bann. Besonders gelungen ist die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren: Die Annäherung erfolgt quälend langsam, was der Story eine intensive, unterschwellige Spannung verleiht. Das Augenmerk liegt hier erfreulicherweise auf dem komplexen Magiesystem und nicht auf einer überstürzten Romanze.

Leider kann das hohe Niveau des Beginns nicht durchweg gehalten werden. Im Mittelteil verliert die Erzählung massiv an Dynamik. Das Training in Zevanders Zuflucht zieht sich zäh in die Länge, und Maevyths plötzliche Passivität – sie nimmt viele Geheimnisse klaglos hin, ohne Fragen zu stellen – bremst den Plot aus. Zudem trügt der Klappentext etwas, da der namensgebende Wald viel schneller verlassen wird, als man vermutet.

Erst im letzten Drittel zieht das Tempo drastisch an. Keri Lake spart nicht an brutalen, teils verstörenden Szenen, die die explizite Altersempfehlung absolut rechtfertigen. Nach einem fulminanten Finale bleibt man schließlich mit einem fiesen Cliffhanger zurück, der trotz aller Längen im Mittelteil die Neugier auf die Fortsetzung weckt. Eine fordernde, aber lohnenswerte Lektüre für alle, die das Düstere lieben.

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