Profilbild von SigiLovesBooks

SigiLovesBooks

Lesejury Star
offline

SigiLovesBooks ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SigiLovesBooks über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.07.2025

Der weg der frauen - und die Emanzipation

Der Weg der Frauen
0

"Der Weg der Frauen" mit dem Untertitel der Reihe "Das Pensionat an der Mosel" von Marie Pierre (Maria W. Peter) erschien im Heyne Verlag, 2025, tb brosch., 559 Seiten und stellt den abschließenden Band ...

"Der Weg der Frauen" mit dem Untertitel der Reihe "Das Pensionat an der Mosel" von Marie Pierre (Maria W. Peter) erschien im Heyne Verlag, 2025, tb brosch., 559 Seiten und stellt den abschließenden Band der sehr lesenswerten und sehr unterhaltsamen Trilogie um ein Mädchenpensionat in Thionville/Diedenhofen, Mosel in Lothringen dar. Ich habe mich sehr gefreut - kannte ich doch bereits die beiden wundervollen Vorgängerromane der historischen Reihe, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielt und ganz in meiner Kindheits- und Wohnortnähe verortet ist - die ProtagonistInnen, die einem bereits ans Herz gewachsen sind, endlich wiederzusehen.

Wie die Autorin stamme auch ich aus der Grenzregion Saarland/Lothringen/Luxemburg/Elsass, deren Historie oftmals durch Kriege und Weltkriege eine Besondere war. (Das Elsass, Lothringen wie auch das Saarland gehörten zum einen Frankreich, zum anderen Deutschland an in der Vergangenheit). Personifiziert werden sie durch Pauline, der Leiterin und Lehrerin des Pensionats an der Mosel als Lothringerin aus Metz; durch den preußischen Offizier Erich von Pliesnitz, der im Grunde wenig von Frauen hält (was mit dessen eigener Geschichte sehr viel zu tun hat) und der dennoch großen Respekt und auch tiefere Gefühle für Pauline hegt, die ihm mit ihrer Geradlinigkeit, ihrer Intelligenz und auch ihrem Mut, den eigenen Weg zu gehen und sich über gesellschaftliche Konventionen hinwegzusetzen und Probleme möglichst eigenständig zu lösen, sehr imponiert, er sehr von ihr angetan ist. Desweiteren treffen wir den Gärtner und früheren (schuldlos in Haft geratenen) Sträfling Vincent wieder, der an Haus und Garten der Schule nach dem Rechten guckt und ein Auge auf Camille, das Stubenmädchen geworfen hat, das ihrerseits eine eigene Geschichte mitbringt. Die Schülerinnen; besonders Ernestine, die später einmal Journalistin werden will, Brunhilde, die für ihr Leben gerne liest, zwei Schwestern, die später ein Restaurant eröffnen wollen und andere mehr treffen wir in diesem Schuljahr, in dem einige ihren Abschluss machen werden, wieder.

Sorgen bereiten diesmal das Schicksal um Sophie, die in Metz in Haft genommen wird, da sie Frauenparolen an Wände schmierte und Schlimmeres tat, woraufhin ihre Eltern sie mit sich nach Luxemburg nehmen und nach einiger Zeit durch viel Zureden von Pauline das Mädchen zurückkehren darf; allerdings stark verändert, introvertiert, auffallend ruhig und apathisch. Was ist nur mit ihr los?

Zum Eklat kommt es schließlich, als klar wird, dass es eine Denunziantin innerhalb des Pensionats gibt, die Informationen an die Eltern der SchülerInnen weitergibt, die niemand von außerhalb wissen kann: Des Rätsels Lösung muss man schon selbst erkunden, aber ich kann nur sagen, dass es eine Freude und ein großer Lesegenuss für mich war, den Geheimnissen und Rätseln auf die Spur zu kommen, die dieser Romanreihe viel Spannung geben. Großartig und authentisch werden die Personen und deren Gefühls- und Handlungswelt greifbar und man fühlt sich eine Weile in Lothringen anno 1912 angekommen, wobei die sprachlichen und kulturellen Besonderheiten natürlich ebenfalls ihren Platz im Roman finden. Man freut sich und leidet besonders mit Pauline und Erich, die einem wie die zwei Königskinder erscheinen, die sich lieben, "aber konnten zusammen nicht sein". Auch hier darf man gespannt sein, wie die Romanreihe endet.

Wie bei den zwei Vorgängern, legt Marie Pierre, deren Stil und sprachliche Ausdruckstiefe ich sehr schätze, Wert auf Kernthemen, der in diesem Band als "die Rechte der Frauen" (oder sollte ich besser schreiben "die gesellschaftlichen Einengungen von Frauen") bezeichnet werden, wobei der Kampf der Frauen um Mitspracherechte, Wahlrecht, das Recht, einen Beruf auszuüben und nicht in jedem Falle den gesellschaftlich vorgezeichneten Weg beschreiten zu müssen, im Mittelpunkt steht: Ihren SchülerInnen die Erkenntnis mitzugeben, dass es sehr wichtig ist, seinen eigenen Weg zu finden und ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, (sie lebt es vor) ist Pauline überaus wichtig und soll auch gerne bis zur Leserschaft vordringen: Ohne diese Frauen, die vor 100 Jahren unter schwierigen Bedingungen sogar Haft und oftmals Ausgrenzung und Schlimmeres auf sich nahmen, indem sie sich gegen die Unfreiheit und Unterdrückung auflehnten, sähe es um die Frauenrechte noch heute vermutlich schlechter aus - und selbst in der aktuellen Zeit gibt es noch einiges "nachzubessern".

Etwas wehmütig klappt man den Roman am Ende zu, denn Historie auf solch' unterhaltsame und sehr gut recherchierte Weise - auch noch im benachbarten Lothringen meist spielend und mit wirklich liebenswerten Figuren - bekommt man nicht alle Tage zu lesen. Das Warten hat sich gelohnt; ich kann jedem, der gerne historische und bestens recherchierte (mit weiteren Tipps am Buchende zu der Grenzregion) sowie unterhaltsame, berührende Romane liest, diese Reihe bis zum finalen Band mehr als empfehlen. Mein Dank geht an Marie Pierre und ich hoffe sehr auf einen neuen Roman, oder noch besser - auf eine Romanreihe! Von mir daher die höchste Bewertung mit 5 Sternen und Platz im Regal der 'Lieblingsbücher'.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.06.2025

Unkompliziert, einfach, lecker - einfach genial!

Fast & Tasty
0

"Fast & Tasty", ein tolles und sehr empfehlenswertes Kochbuch von Achim Oecal, erschien (HC, 168 Seiten) im Becker Joest Volk Verlag (2025, Hilden).


Das ökonomische Prinzip "Maximaler Ertrag bei minimalem ...

"Fast & Tasty", ein tolles und sehr empfehlenswertes Kochbuch von Achim Oecal, erschien (HC, 168 Seiten) im Becker Joest Volk Verlag (2025, Hilden).


Das ökonomische Prinzip "Maximaler Ertrag bei minimalem Aufwand" ist eines meiner Lieblingsmottos, seit ich dies zum erstenmal in der Schule hörte - und lässt sich hier auf wohlschmeckende und wundersame Weise auch in den Bereich der Küche und des Kochens übertragen! Das geniale Kochbuch des Autors, den viele bereits durch Socialmedia-Kanäle als @kitchenachim kennen, enthält eine bunte Vielfalt einfacher, unkomplizierter und sehr leckerer Rezeptideen, die mit wenig Aufwand nachzukochen sind. Außerdem ist es Oecal wichtig, dass das Essen auch optisch etwas dahermacht, was ich auch wichtig finde, da "das Auge immer mitisst"^^, wie wir alle wissen. Alle Rezepte können erweitert, gepimpt und verändert werden, was jeweils informativ unten auf der jeweiligen Rezeptseite angegeben ist - tolle Tipps und ein besonderes "Plus"!

Nach Basics und seiner Küchenphilosophie legt Achim Oecal los mit den folgenden Rubriken:


- Snack Attack (Starter, Snacks, Fingerfood)

- Super Salads (mal leicht, mal deftig)

- Veggie Vibes (Gemüse zum Dahinschmelzen)

- Meat & Beat (deftig mit Fleisch und Fisch)

- Pasta Power (Kraftgerichte mit Nudeln und Reis)

- Sweet Sensations (Süße Belohnungen)


Bei jedem Kapitel ist mit absoluter Sicherheit für jeden Geschmack so einiges dabei, was sich wirklich schnell zubereiten und auf den Tisch zaubern lässt (Koch- und Garzeiten sind angegeben). Unsere bisherigen Favoriten sind z.B.


Frischkäse-Lachs-Rosen; griechischer Kartoffelsalat mit Feta; pikante Eier in Tomatensce; Blumenkohlsteaks, Zucchini-Lasagne, Brokkoli-Quiche, griechische Zitronenhähnchen mit Ofenkartoffeln, mit Spargel gefüllte Hähnchenbrust und Pasta der Provence. Bei den süßen Rezepten Pfirsichrosen, Blaubeertarte und vor allem leckere Puddingteilchen mit Beeren!


Ich bin von der Vielfalt und dem Geschmack der Gerichte, die eben 'fast & tasty' exakt beschrieben sind, sehr begeistert, da ich nicht so gerne stundenlang in der Küche stehe, aber natürlich gerne leckere Gerichte zaubere. Auch der Augenmerk auf das Anrichten gefällt mir gut, das dem Autor wichtig ist und zu Hause auf jeden Fall auch eine Rolle spielt; sei die Zeit auch mal noch so knapp.

Ein Zutaten- und Rezeptverzeichnis rundet das tolle Kochbuch positiv ab, so dass man seine Lieblingsrezepte gut wiederfindet.


Fazit:


Abwechslungsreiche, tolle Rezepte, leicht nachzubereiten, wirklich genial, da sie nicht viel Zeit benötigen und oftmals mit Zutaten nachzukochen sind, die man vielfach bereits im Haus hat. Von mir eine absolute Empfehlung, besonders an alle, die schnell, einfach, lecker und mit wenig Aufwand großartig kochen wollen! Bestnote und 5*

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.04.2025

Leckere vegane Geschmacksreise nach Tunesien

Tunesisch vegan
0

"Tunesisch vegan" von Malek M'Hiri erschien (HC, geb., 159 S.) im Verlag Löwenzahn, A-Innsbruck (2025). Das tolle Kochbuch des jungen Tunesiers enthält ausser 60 leckeren veganen Rezepten auch Illustrationen ...

"Tunesisch vegan" von Malek M'Hiri erschien (HC, geb., 159 S.) im Verlag Löwenzahn, A-Innsbruck (2025). Das tolle Kochbuch des jungen Tunesiers enthält ausser 60 leckeren veganen Rezepten auch Illustrationen (Diana Bobb) und Fotografien (Sapna Richter), die die einzelnen Köstlichkeiten aus Tunesien gekonnt in Szene setzen.

Mit 60 einfachen, gut beschriebenen und daher leicht nachzubereitenden Rezepten führt uns der Autor auf sehr sympathische und persönliche Art (Grundlagen sind Familienrezepte) durch die tunesische Küche: Sehr gut gefiel mir hier auch (wir sind seit über 30 Jahren eine deutsch-tunesische Familie, wodurch ich bereits einige landestypischen Speisen kenne und schätze) dass M'Hiri die geographischen Besonderheiten Tunesiens kurz beschreibt wie auch einen Einblick über die interessante Geschichte und Kultur des nordafrikanischen Landes gibt, das durch viele Einflüsse (Phönizier, Byzantiner, Karthager, Römer etc.) geprägt wurde, die allesamt Spuren in der Kulinarik hinterließen. Die typischen Gewürze (Kurkuma, Kümmel, Kreuzkümmel - auch Cumin genannt, Nelken, Zimt, Lorbeer, Harissa) können noch durch Tabel, Safran, "7 Gewürze" (für Couscous) und Karouia z.B. ergänzt werden, die sich in unserem Haushalt befinden, aber auch in arabischen Läden zu kaufen sind.


Das Buch ist sowohl sehr gut gegliedert als auch mit einem Rezeptregister nach Themen versehen, das einem das Finden der Lieblingsrezepte erleichtert. Die einzelnen Themen sind:


- Morgenkaffee (tunesisches Frühstück) - Brotvariationen (Khobs) - Vorspeisen, Salate und Suppen - Hauptspeisen - Shakshuka in allen Farben - Lecker unterwegs (Streetfood auf tunesisch) - Getränke und - Süßes aus Tunesien.


Da die tunesische Küche (als Teil der nachweislich besonders gesunden mediterranen Küche) mit einer Vielfalt von Gemüsen und ebenso gesunden Gewürzen aufwartet, sind viele traditionellen Gerichte (wie Couscous oder Shakshuka) auch ganz ohne Fleisch, Fisch oder Huhn sehr lecker, gesund und nahrhaft.

Meine bzw. unsere "Favoriten" sind Droô (tunesischer Pudding; gerne mit etwas Halwa und Pistazien bestreut) zum Frühstück; Khobs (Brot), Couscous, Tajine, Brik (Teigtaschen, gefüllt), Salade Mechouia (mit gegrillter Paprika, Zwiebel, Tomate etc.), Tunesisches Thunfisch-Sandwich (unvergesslich lecker nach einem Tag am Meer) Lablebi (Kichererbsensuppe) und Maqroudh (Gebäck mit Dattelmasse); eine köstliche Süßigkeit, die es in vielen Variationen gibt.


Natürlich wird dieses vegane Kochbuch voll leckerer tunesischer Rezepte einen Ehrenplatz hier erhalten und immer wieder Anwendung finden; ich kann es allen empfehlen, die gerne einfache, leckere und vor allem gesunde Rezepte aus der mediterranen Küche - in diesem Fall frisch aus dem Maghreb (alles gibt es hier zu kaufen, falls nicht vorrätig) - mögen oder es ausprobieren wollen: Eine absolute Empfehlung von mir sowie ein 'shkran' (danke) an Malek M'Hiri wie auch an den Löwenzahn-Verlag, der dieses wunderbare Kochbuch voller tunesischer Köstlichkeiten publizierte! 5*


  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.04.2025

Ein (englischer) Gartentraum zwischen Tradition und Moderne

Mein wunderbarer Cottage-Garten
0

"Mein wunderbarer Cottage-Garten" von Isabelle van Groeningen erschien (HC, geb., 251 S.) im Insel-Verlag, Berlin, 2025.


Ausgestattet ist dieses wunderschön gestaltete, sehr informative Sachbuch mit ...

"Mein wunderbarer Cottage-Garten" von Isabelle van Groeningen erschien (HC, geb., 251 S.) im Insel-Verlag, Berlin, 2025.


Ausgestattet ist dieses wunderschön gestaltete, sehr informative Sachbuch mit sehr stil- und geschmackvollen Illustrationen von Polly Wickham und bezaubernden, stimmungsvollen Fotografien der Autorin.


Die studierte und renommierte I. von Groeningen legt mit diesem Buch ihr 2. Werk vor, sie ist Gewinnerin des "Deutschen Gartenbuchpreises" (2022) und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung als Pflanzplanerin, was in den wunderschönen Fotografien auch zum Ausdruck kommt; in den Vorsatzseiten gibt es auch eine gartenarchitektonische Beschreibung des vorgestellten Gartens der Autorin in Coleshill, Grafschaft Oxfordshire. Das Cover bezieht sich auf den Garten mit einem Ausschnitt des Anwesens, das einst zu einem Gut gehörte. Die Autorin beschreibt nun von den Anfängen Anfang der 90er Jahre bis zum 'perfekten Gartenbild' die Um- und Neugestaltung ihres Cottage-Gartens sehr anschaulich in Wort und Bild.


Die verschiedenen Themenbereiche der Gartengestaltung gliedern sich nach der Einführung vom Wandel des rein funktionellen Nutzgartens zum blumenreichen, romantischen Garten in:


- Der Vorgarten, - Das Herz des Gartens (Schuppenbereich und Küchenterrasse) - Die Farbrabatten - Der Gemüse- und Nutzgarten - Der Präriegarten bis hin zu den allesamt für HobbygärtnerInnen wie auch für Profis sehr interessanten Kapitel III: Der Natur Raum geben - Umgang mit Ressourcen, Pflanzen, Tieren und nachhaltige Pflege.

Denn dies ist ein Leitmotiv jedes Gärtners und auch der Autorin: Gärtnern im Einklang mit der Natur: Der bezaubernde Garten in Coleshill ist ein Beispiel für eine zeitlose, nachhaltige und zugewandte Art des Gärtnerns, die zukunftsweisend ist.


Wie die Autorin, vergleiche auch ich seit Langem den Cottage-Garten mit dem deutschen Bauerngarten: Einen solchen hatte ich viele Jahre täglich um mich, im Haus meiner Eltern (ein altes Bauernhaus, das heute unter Denkmalschutz steht). Denn ich genoss ihn und freute mich seit Kindheitszeiten über das Glück, einen passionierten Staudengärtnermeister als Vater zu haben, später einen weiteren durch meinen Bruder, womit eine (wenn natürlich auch überschaubare) Kenntnis von Pflanzen in der Familie sichergestellt wurde (und die Liebe zur Natur und deren Erhalt gleich gratis mit dazu).


Der erzählerische Stil I. von Groeningen's ist sehr eingängig und gut zu lesen, bildhaft beschreibt sie die verschiedenen Gartenbereiche und vermittelt wichtige Fakten aus ihrer langjährigen Praxis. Man bekommt einen guten Überblick über die jeweiligen Pflanzen (natürlich auch Stauden, die ich besonders liebe) sowie über Nutzpflanzen, die auch Teil des Cottage-Gartens sind. Die oft atmosphärischen Fotos lassen das Herz jedes Gärtners/jeder Gärtnerin höher schlagen - eine Blumen- und Farbenpracht, die jeder gerne sein eigen nennen würde.


Ich wünsche allen, die sich für dieses ganz besondere Gartenfachbuch entscheiden (und damit sicherlich viele nützliche und umsetzbare Tipps zur Cottage-Gartengestaltung in Händen halten) ebenso viel Freude, wie ich sie verspürte und spreche eine absolute Empfehlung aus: 5* + Gartenbuch-Tipp!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.04.2025

Eine poetische und magische Geschichte um die Flüchtigkeit des Glücks

Der Gast im Garten
0

Der Roman ist in HC-Ausgabe und in sehr schöner Aufmachung (und Illustrierung) 2015 im Insel-Verlag erschienen. Das Cover wurde von Quint Buchholz gestaltet (der seines Zeichens auch federführend die wunderschönen ...

Der Roman ist in HC-Ausgabe und in sehr schöner Aufmachung (und Illustrierung) 2015 im Insel-Verlag erschienen. Das Cover wurde von Quint Buchholz gestaltet (der seines Zeichens auch federführend die wunderschönen Illustrationen zum Text schuf) und zeigt die Hauptprotagonistin "Chibi", zu deutsch "Kleine" (Katze) - die eigenwillig und scheu, aber auch sehr spielfreudig einem Ehepaar in ihrem "Gartenhaus" zugelaufen ist und sich mehr und mehr in deren Garten, Haus und - auch den Herzen der beiden - einnistet....

== Inhalt/Handlung (Buchrücken) ==
"Wenn Chibi sich müde gespielt hatte, kam sie ins Haus, um sich auszuruhen. Das erste Mal, als sie zusammengerollt auf dem Sofa einschlief, hielt eine tiefe Freude Einzug, als habe das Haus selbst sich diese Szene erträumt.
Ein idyllischer Garten, wie aus der Zeit gefallen. Ein Paar, dem die Freude abhanden gekommen ist. Und eine scheue Katze, die ihnen die Freude zurückbringt. Ein poetisches und ergreifendes Buch über das flüchtige Glück des Daseins."

== Meine Meinung ==
Wir lernen ein Ehepaar (Mitte 30, berufstätig und kinderlos) kennen, die interessanterweise als Lektor und Korrektorin arbeiten. Beide sind vom Lärm der Großstadt erschöpft und kehren dieser den Rücken. Sie beziehen ein Gartenhaus in der Nähe Tokyos, dessen Vermieterin eine nette alte Dame ist. Der Roman beschreibt, wie "Chibi", die kleine Katze, die später "Glöckchen" genannt wird, "als es Winter wurde, durch den Spalt des Fensters fast unmerklich in das Leben des Paares eintritt". Mit jedem Besuch der Katze, die von dem anderen, (eigentlichen?) "Zuhause" ein Halsband mit einem Glöckchen umgebunden bekam, wird das Haus des Ehepaares lebendiger...
Bald hat sie einen festen Platz, bekommt leckeren Fisch und spielt zur eigenen und zur Freude der Frau gerne Ball; ist sie müde, schläft sie gerne im gemütlichen Wandschrank (was z.B. an dieser Stelle wunderschön illustriert wurde). Sie lässt sich jedoch nicht auf den Arm nehmen und kommt und geht ganz nach "Katzenmanier", wie es ihr gefällt.....
Das Buch ist in der Ich-Form des Erzählers (Ehemanns) geschrieben, auf poetische und sanfte Weise wird das Leben im Gartenhaus und das mit Chibi in Worte gefasst: In dem Maße, in dem das gewollt kinderlose Paar die Katze in ihr Herz lässt und viel Freude mit ihr erlebt, öffnet es auch das eigene Herz für Emotionen. Hierbei werden Respekt und Toleranz dem Freiheitswillen Chibi's und ihrem Verhalten, ebenso wie auch der Silberlibelle, die eines Tages im Garten erscheint, sichtbar, die mich als Leserin (und Katzenfreundin sehr berührt haben. Je öfter Chibi da ist und - nach anfänglichem Zögern - mehr und mehr zum Familienmitglied wird, desto näher kommt das Paar der kleinen Katze im emotionalen Sinne - es lässt Gefühle und damit Lebendigkeit und Freude - zu....
Als Chibi eines Tages verschwindet (wobei der Tod von ihr nicht ganz geklärt wird, sondern eher Fragen aufwirft), trauert das Paar sehr und kann diese Trauer nur auf Umwegen ausleben, da die Nachbarin (Mutter des kleinen Jungens, der ihr das Glöckchen umhängte) ihnen verwehrt, das Grab Chibi's in deren Garten besuchen zu dürfen, so "gingen sie jedes Jahr im März an die Stelle (an der Chibi überfahren worden sein sollte) und legten, wenn niemand in der Nähe war, getrocknete Sardinen ab und verharrten andächtig einen Moment".... Eine der zutiefst berührenden Passagen, die diesen Roman ausmacht.
Am Rande wird auch die reale Situation beschrieben, vor welchen Problemen das Paar nach dem Verkauf des Hauses der alten Dame stand, eine neue Wohnung suchen zu müssen - vor explodierenden Immobilienpreisen in Japan Ende der 80er Jahre.
Als sie nach langem Suchen dennoch fündig werden ("einige Minuten vom Grab Chibi's entfernt), entdeckt der Mann eines Tages im Nachbargrundstück eine Katzenmutter mit 4 Jungen, die sie fortan"Chibi-Chibis" nennen und sich um diese Katzenfamilie (ausnahmsweise sogar mit dem Katzenpapa!) kümmern (wobei es jeweils nicht zulässig ist, sich Haustiere anzuschaffen, was den Leser auch nachdenklich macht...).
Stilistisch hat mir der Roman sehr gut gefallen, da er tiefsinnig und dennoch leicht und flüssig zu lesen ist, ohne Schnörkel auskommt.
Die wunderschönen Illustrationen von Quint Buchholz bilden hier ein das Lesen noch vergnüglicher machendes Komplementär, das die schönsten Momente noch unterstreicht.

== Fazit ==
Zutiefst berührt lässt diese poetische Geschichte um "flüchtiges Glück"den Leser (besonders jenen, der oder die Katzen liebt), zurück: "Das Glück kann in vielen Formen kommen - meist sehen wir es gar nicht". Ich danke dem Insel-Verlag, dass ich diesen Roman bereits vorablesen durfte und denke, dass es viele "schönste Momente" beinhaltet, die jeder sich jedoch selbst erlesen sollte (einige sind hier bereits zu finden).Eine wundervolle, magische und auch poetische Geschichte um ein Ehepaar, dem die Freude abhanden kam, um Chibi, eine kleine Katze, die ihnen die Freude zurückbrachte, einem verwunschenen Garten mit einem alten mächtigen Keyakibaum und einigen wenigen, aber dafür meist sympathischen Nebenfiguren wie der "alten Dame", die dieses Glück im Gartenhaus in der Nähe Tokyos erst ermöglichte... Ein Plädoyer geradezu, Gefühle zuzulassen - und damit menschlich zu sein.
Meine Bewertung: 5 sehr verdiente Sterne (sowohl für den Autor als auch den Illustrator!) und 95° auf der "Belletristik-Couch".

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere