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Veröffentlicht am 06.09.2018

Schöner Sommerroman

Das Haus am Sunset Lake
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Schon seit vielen Jahren ist die Casa D’Or, das große Haus am Sunset Lake, im Besitz der Familie Wyatt. Deren Tochter Jennifer hat gerade ihren Collegeabschluss in der Tasche und kehrt nun in ihre Heimat ...

Schon seit vielen Jahren ist die Casa D’Or, das große Haus am Sunset Lake, im Besitz der Familie Wyatt. Deren Tochter Jennifer hat gerade ihren Collegeabschluss in der Tasche und kehrt nun in ihre Heimat zurück. Auch ihre weitere Zukunft scheint schon lange geregelt und eines Tages wird sie Connor, ebenfalls aus reichem Elternhaus, heiraten. Doch dann lernt sie Jim Johnson kennen, Musiker, Sohn eines berühmten Autors und in all seinem Tun frei und locker. Schnell verliebt sie sich bis über beide Ohren in Jim und scheint all ihre Zukunftspläne über den Haufen zu werfen, bis ein tragisches Unglück geschieht. Mittlerweile sind mehr als zwanzig Jahre vergangen und die Casa D’Or steht zum Verkauf. Jim Johnson, der heute für eine große Hotelkette arbeitet, wird beauftragt, das Gutshaus in ein exclusives Hotel zu verwandeln. Doch schon beim Erwähnen des Hauses driftet Jim in Gedanken weit zurück in längst vergangene Tage und zu der Frau, die er seitdem niemals vergessen konnte.
Meine Meinung
Das Cover gefiel mir auf anhieb und so wurde ich gleich neugierig auf die Geschichte, die sich dahinter verbirgt. Der Einstieg fällt hier recht leicht, denn die Autorin Tasmina Perry schreibt sehr einfühlsam und klar. Sie schaffte es sehr schnell mit ihren gefühlvollen Worten zu fesseln und dass sie ihre Geschichte auf zwei Zeitebenen erzählt, ist sowieso etwas, das mir immer ganz hervorragend gefällt.
Genau diese beiden Zeitebenen waren es auch, die den besonderen Reiz der Geschichte ausmachten. Während die Geschichte der Gegenwart aus der Sicht Jim Johnsons erzählt wird, ist Protagonistin Jennifer die Stimmer aus der Vergangenheit. Man spürt während des Romans, dass hier etwas sehr tragisches stattgefunden haben musste, doch worum es wirklich ging, erfährt man erst zum Schluss. Mit diesem Ende, bzw. mit diesem Ereignis aus der Vergangenheit konnte mich die Autorin doch schon überraschen, denn erahnt hätte ich es nicht. Die wechselnden Perspektiven, die Zeitsprünge und diese Ahnung halten die Spannung aufrecht, denn der Leser erfährt immer nur kleinere Momente. Diese werden wie ein Puzzle Stück für Stück zusammengelegt, bis sie ein großes Gesamtbild ergeben.
Der Stil des personellen Erzählers in dritter Person passt hier ebenfalls sehr gut in die Geschichte, denn dieser verrät niemals zu viel, stattdessen dürfen wir beobachten, was bereits geschah und wie die Charaktere derzeit sind.
Beide Protagonisten waren mir nicht umgehend sympathisch, bzw. ich wurde nicht so schnell warm mit ihnen. Das alles hängt hier aber durchaus mit den Ereignisse aus dem Jahr 1994 zusammen. In der Gegenwart sind sowohl Jennifer als auch Jim eher distanzierte Persönlichkeiten. Jennifer wirkt unterkühlt und doch spürt man bei ihr, dass es nur Fassade war. Gerade in den Rückblenden lernt man beide durchaus noch näher und intensiver kennen und so nach und nach konnte ich mich auch mit ihnen anfreunden.
Auch die Nebencharaktere erhalten, je nach Rolle, den ihnen angemessenen Raum, so dass sie hier Einfluss auf die Handlung nahmen. Vor allem Connor, Jims Vater und Jennifers Mutter sorgten hier immer mal wieder für überraschende Wendungen.
Mein Fazit
Ein spannender und leicht zu lesender Roman, der perfekt für einen gemütlichen Lesenachmittag auf dem Balkon, dem Sofa oder wo man sonst entspannt liest, ist. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten und war auch nach einer Weile deutlich näher an den Protagonisten als zu Beginn. Alles in allem ein Roman, den ich gerne empfehle.

Veröffentlicht am 04.09.2018

Ich bin verliebt in diese Geschichte

Das Gold der Krähen
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Achtung: Band 2 einer Dilogie – Spoiler zum Inhalt des ersten Bandes vorhanden!

Nachdem es dem Meisterdieb Kaz Brekker und seinen Krähen der absolute Supercoup gelungen ist, sind sie zurück in Ketterdam. ...

Achtung: Band 2 einer Dilogie – Spoiler zum Inhalt des ersten Bandes vorhanden!

Nachdem es dem Meisterdieb Kaz Brekker und seinen Krähen der absolute Supercoup gelungen ist, sind sie zurück in Ketterdam. Doch Van Eck, mit dem Brekker eine riesige Belohnung vereinbart hatte, hält sich nicht an die Verabredung, stattdessen beginnt er einen Verrat und nimmt Inej, das Phantom gefangen und auch die anderen Krähen entkommen nur knapp. Allerdings hat Van Eck seine Rechnung ohne Kaz Brekker gemacht, denn dieser ist alles andere als eingeschüchtert und versucht alles, um Inej zu befreien. Wird es ihm und den Krähen gelingen, Inej aus den Händen Van Ecks zu retten?
Meine Meinung
Bereits mit ihrem ersten Band “Das Lied der Krähen” hatte die Autorin Leigh Bardugo eins meiner Highlights aus dem letzten Jahr geschrieben und mit dem zweiten Band der Dilogie, den ich heiß ersehnte, ist es ihr gelungen, noch einmal eine Schippe drauf zu legen.
Schon das Cover und der farbige Buchschnitt passen nicht nur optisch perfekt zum ersten Band, sondern erwecken Aufmerksamkeit auf diese wunderbare Geschichte.
Auch wenn es bereits ein Jahr her ist, dass ich Band 1 gelesen habe, war ich erstaunlich schnell wieder mitten in der Geschichte rund um Kaz Brekker und den Krähen. Doch um sich in diesem Buch zurechtzufinden, sollte man auf jeden Fall den ersten Band kennen, da die Geschichte auf den ersten Band aufbaut.
Leigh Bardugo hat einfach einen absolut tollen Schreibstil, denn sie erweckt nicht nur ihre Charaktere, sondern auch die gesamte Welt um diese herum mit ihren Worten zum Leben. Durch diesen lebendigen Stil fesselt sie regelrecht an ihre Geschichte und ich konnte so tief darin versinken, dass ich alles um mich herum vergaß.
Spannend ist es ebenfalls gleich zu Beginn, denn man verfolgt hier zum einen Kaz und seinen Plan, Inej zu befreien, zum anderen kann man aber auch die Gegenseite beobachten und mit Inej mitzittern und hoffen. Aber auch sonst warten in dieser Fantasygeschichte wieder einige Überraschungen und Gefahren, die nicht vorhersehbar waren. Ich fand es zum Ende schon schade, dass es sich “nur” um eine Dilogie handelte, da ich am liebsten noch mehr Abenteuer mit den Krähen erlebt hätte.
Das Worldbuilding ist absolut gelungen, die Stadt Ketterdam lebendig und vorstellbar mit all seinen Orten, wie z. B. das Barrel, das ich mir mit all seinen Bewohnern, die es durchaus in sich haben, vor mir sehen und das Leben darin beinahe schon hören konnte. Aber auch sonst beschreibt Bardugo alles detailliert ohne dabei langweilig oder ausschweifend zu wirken und genau das hat mich hier, aber auch in Band 1, schon sehr beeindruckt.
Wie schon in Band 1 wird die Geschichte durch den dritte Person Erzähler wiedergegeben und auch dieses Mal dürfen wir aus wechselnden Perspektiven den Krähen zuschauen. Ich hatte schon im ersten Band das Gefühl, die Personen gut kennengelernt zu haben, doch auch dieses wird hier noch einmal mehr intensiviert. Man erfährt von Gefühlen und Gedanken, von Wünschen und Hoffnungen und auch von den Beziehungen untereinander.
Mein liebster Charakter ist Kaz Brekker, dessen Genialität sich auch dieses Mal wieder herauskristallisiert. Er ist düster und wirkt unnahbar, ganz der Meisterdieb, als der er auch den Ruf hat und doch steckt noch so unheimlich viel in Kaz, was mich berühren konnte. Aber nicht nur Kaz bekommt noch einmal mehr Tiefgang, sondern auch alle anderen Charaktere erhalten noch mehr Tiefe und Lebendigkeit. Sie sind eine gerissene Diebesbande, sie haben Fehler und Ecken und Kanten und doch sind sie, jeder auf seine Art, loyal, mutig und stark. Kaz ist zwar mein persönlicher Liebling, doch auch alle anderen gehören einfach dazu und ich habe hier gehofft, gezittert, gelacht, gebangt und geweint.
Mein Fazit
Auch wenn meine Rezension beinahe schon wie ein Loblied oder ein Liebeslied klingt, so ist es aber auch genau das, was Leigh Bardugo mit ihrer Story erschaffen hat. Ich bin begeistert von dieser Geschichte, von der rauen Welt, in der es zu überleben gilt, von den Charakteren, die mich beeindrucken und berühren konnten und auch von der Spannung und den Wendungen. Band 1 war letztes Jahr mein Highlight, aber Band 2 ist definitiv eins meiner Herzensbücher geworden. Unbedingt lesen!

Veröffentlicht am 01.09.2018

Absolut aufwühlend

Du wolltest es doch
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Die achtzehnjährige Emma ist eines der Mädchen, die von vielen anderen beneidet werden, denn sie ist hübsch, beliebt und steht immer und überall, vor allem auch bei den Jungs im Mittelpunkt. Emma genießt ...

Die achtzehnjährige Emma ist eines der Mädchen, die von vielen anderen beneidet werden, denn sie ist hübsch, beliebt und steht immer und überall, vor allem auch bei den Jungs im Mittelpunkt. Emma genießt diese Aufmerksamkeit und ist nahezu süchtig nach Komplimenten, selbst von Jungs, die bereits eine Freundin haben. Als sie auf einer Party ein wenig über die Stränge schlägt und am nächsten Morgen völlig zerschlagen und derrangiert vor ihrer Haustür von ihrer Mutter gefunden wird, weiß sie zunächst nicht, was los ist. Filmriss, aber einen kompletten Filmriss, denn ab einen bestimmten Moment sind alle Erinnerungen der vergangenen Nacht weg. Erst als sie am Montag zur Schule kommt, kommt ihr der Verdacht, dass etwas ganz gewaltig schief gelaufen ist. Dann entdeckt auch Emma die Facebookseite und die Fotos der Partynacht, auf der sie und mehrere ihrer sogenannten Freunde zu sehen ist. Doch das, was auf den Fotos ist, wollte Emma nicht, nicht so. Aber niemand hat Mitleid mit Emma, denn sie ist es doch selbst Schuld, oder?
Meine Meinung
Puh, ich weiß gar nicht genau, wie und womit ich hier anfangen soll, denn das Buch ist hart, knallhart und Louise O’Neill hat hier auch ganz schön provoziert mit ihren Worten, aber ich glaube, dass sie durchaus auch ihr Ziel erreicht hat, denn es wird diskutiert über das Thema, das Thema Vergewaltigung. Selten habe ich im Vorfeld so viele Meinungen zu einem Buch gelesen, wie zu diesem und auch wenn ich es zunächst gar nicht so sehr auf dem Schirm hatte, wurde ich durch all die anderen Meinungen immer neugieriger und wollte mir schließlich selbst ein Bild machen.
Zu Beginn komme ich erst einmal zum Schreibstil, der vielleicht nicht jedermanns Sache ist, doch der mich hier ganz besonders fesseln konnte. Durch die Worte und die Ich-Perspektive aus der Sicht Emmas war ich hier ganz nah am Geschehen und konnte mit fremden Augen sehen, was geschehen ist und wie wenig man selbst schafft, so etwas zu verarbeiten. Ich fand es doch schon sehr authentisch rübergebracht und habe ein sehr deutliches Bild von Emma erhalten, sowohl bevor sie vergewaltigt wurde als auch danach. Louise O’Neill schildert klar, fast schon nüchtern und direkt, was Sache ist. Emmas Gedanken, oftmals in Klammern dargestellt, was manch einer als störend empfinden könnte, wurden für mich dadurch noch einmal eindringlicher. Diese Wiederholungen die durch Emmas Kopf schießen, fand ich glaubhaft und sehr eindringlich und man sieht, wie die Welt sich plötzlich nicht nur für Emma verändert.
Emma wird hier deutlich vorgestellt, wie sie vor der Vergewaltigung ist. Sie ist nicht unbedingt eine Sympathieträgerin und doch stellt die Autorin damit auch etwas klar: das, was Emma geschehen ist, darf niemanden geschehen, egal wem, egal wer, egal wie sie sich gibt, niemand darf etwas gegen den Willen des anderen tun. Ob sie durch ihre Kleidung provoziert und reitzt oder für manch einen eine direkte Einladung dadurch geben kann, ohne Einwilligung ist es ein Nein.
Ich mochte Emma auch nicht unbedingt, denn immer wieder ist in Emmas Gedanken eines für sie wichtig: sie selbst. Auch wenn sie nach aussen hin sich großzügig gibt und freundlich, ist sie immer auf eines aus: fishing for compliments. Doch mal ganz ehrlich, zeigt dies wirklich nur wie egoistisch Emma ist? Oder ist da tief in ihrem inneren vielleicht auch die unsichere Emma, die zu Hause doch eher im Schatten des großen Bruders steht. Das sie schön ist, hilft ihr nach aussen hin und sie sucht nahezu überall und bei jedem die Bestätigung, doch ist sie dadurch wirklich diese egoistische Person? Emma hat mich ganz schön nachdenklich gemacht und das durchweg. Ich habe versucht, mich in ihre Lage zu versetzen und ich hätte sie gerne verteidigt, da dies wohl niemand wirklich tun möchte.
Alles in allem macht Louise O’Neill mit ihrer Geschichte hier ganz deutlich klar, dass es bei diesem Thema auch heute noch absolut ungerecht zugeht. Hier werden die Opfer- und Täterrollen wieder einmal vertauscht. O’Neill zeigt, wie es sein könnte, wie sehr das Opfer leidet, wie sehr aber auch ihre Familie leidet. Ob ich das Verhalten der Familie billige oder nicht, ist eine andere Sache, ich möchte es inhaltlich auch nicht noch mehr vertiefen, da ich durch meine Meinung schon mehr spoiler, als ich wollte. Alles in allem ist hier so gut wie niemand, dessen Verhalten ich wirklich unterstützt hätte, Conor und auch Emmas Bruder vielleicht, aber wo sind die Freundinnen, die Eltern, ganz besonders die Mutter. Durch all diese Verhalten der anderen, das Mobbing, das Ausgrenzen, die Worte: du wolltest es doch, du hast das herausgefordert, zeigt O’Neill, warum auch heute noch kaum Anzeigen von Opfern erstattet werden.
Mein Fazit
Ich glaube, ich habe zu viel und doch zu wenig in meine Rezension eingebracht, meine Gedanken schlagen nach wie vor Salto, wenn ich über das Gelesene wieder nachdenke. Ich habe Emmas Geschichte erst einmal sacken lassen müssen und finde nach wie vor nicht die richtigen Worte für meine Gedanken. Ich persönlich fand die Worte der Autorin genau richtig gewählt, sie ist schonungslos und direkt und ich hoffe, dass sie mit diesem Buch noch einige Leser erreichen wird.

Veröffentlicht am 01.09.2018

Spannend

Das zweite Opfer
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In einer stürmischen und regnerischen Nacht kommt Nicky Frank mit ihrem Auto von der Straße ab und stürzt in eine tiefe Schlucht. Wie durch ein Wunder überlebt sie diesen Unfall und ihr gelingt es trotz ...

In einer stürmischen und regnerischen Nacht kommt Nicky Frank mit ihrem Auto von der Straße ab und stürzt in eine tiefe Schlucht. Wie durch ein Wunder überlebt sie diesen Unfall und ihr gelingt es trotz der wideren Umstände bis zur Straße zu gelangen, um Hilfe zu erhalten. Doch als die Polizei eintrifft, ist Nicky völlig aufgelöst, denn es scheint, als hätte noch ein Mädchen, Vero, mit im Auto gesessen, das nun spurlos verschwunden ist. Sergeant Wyatt Foster und sein Team setzen alle Hebel in Bewegung um Vero zu finden, doch es gibt nicht die geringste Spur von ihr, noch nicht einmal im Auto. War Nicky verwirrt? Wer ist Vero? Und warum glaubt Nicky, dass diese in ihrem Auto gesessen hätte? Foster steht vor einem Rätsel, doch auch Nickys Ehemann, den er im Krankenhaus trifft, stiftet nur eher größere Verwirrung.
Meine Meinung
Ein Cover, das gerade durch seinen ersten Eindruck zwar düster wirkt, aber gar nicht unbedingt auffällt. Doch da ich schon so einige Bücher der Autorin Lisa Gardner gelesen habe, war ich sehr neugierig auf diese Geschichte.
Der Einstieg in diesen Thriller mag ein wenig lang erscheinen, doch er spiegelt hier sehr deutlich auch die gesamte, recht verworren erscheinen Geschichte wieder und ich könnte mir vorstellen, dass es auch genau so gewollt war. Denn ich habe hier einen sehr guten Eindruck davon bekommen, wie es wohl dem Ermittler Sergeant Wyatt Foster mit diesem Fall ergangen ist. Lisa Gardners Schreibstil ist, wie immer, sehr leicht und gut verständlich und doch hat sie mich mit dieser Geschichte immer wieder verwirren können, denn der Inhalt ist gar nicht leicht zu durchschauen. Trotzdem gelang es der Autorin mich an ihren Thriller zu fesseln, denn ich wollte durchaus verstehen, was es hier für Hintergründe und auch menschliche Abgründe gab.
Somit war es eine Mischung aus Spannung und Verwirrung und wenn ich zu Beginn noch dachte, ich wüsste in etwa wohin der Thriller mich führt, war es dann doch viel komplexer und die Hintergründe wirklich erschreckend. Lisa Gardner legte immer wieder falsche Spuren aus, die mich in eine bestimmte Richtung lenkten, doch dann brachte sie Wendungen ein, die mich überraschten. Also wirklich vorhersehbar ist dieses Buch nicht, was mir besonders gut gefallen hat. Trotzdem möchte ich hier eine kleine Kritik wieder einmal in Richtung Klappentext einwerfen, der meines Erachtens nach schon wieder zu viel Preis gibt, was eigentlich erst viel später in der Geschichte auftaucht. Das führte mich nämlich gedanklich immer wieder dazu, in genau eine Richtung zu denken, die wohl eher auch als Überraschung geplant war.
Über den Fall des Thrillers möchte ich gar nicht zu viel verraten, denn Lisa Gardner schafft es hier ganz geschickt, den Leser immer wieder auf die falsche Fährte zu locken. Diese Umsetzung fand ich sehr gut gelungen und die Verwirrung, die mich beim Lesen voran trieb, möchte ich niemanden nehmen, denn diese sorgt einmal mehr für spannende Momente.
Dieses Mal ist nicht D.D. Warren die Ermittlerin, stattdessen trifft man hier auf die ebenfalls bekannte private Ermittlerin Tessa Leonie und ihrem neuen Freund Seargant Foster. Wer bisher keinerlei Bücher der Autorin kennt, wird aber trotzdem inhaltlich keine Verständnisprobleme bekommen, da die privaten Geschichten der Ermittler dieses Mal recht weit in den Hintergrund rücken.
Stattdessen steht hier eher Nicky Frank, die Fahrerin des Unfallautos, im Vordergrund. Lisa Gardner geht hier sehr tief in die Gefühls- und Gedankenwelt dieser Frau ein. Auch wenn ich lange Zeit mitgerätselt habe, was für ein Spiel Nicky spielt, falls sie überhaupt eines spielt, habe ich doch mit ihr mitgefiebert. Sie scheint das Opfer eines Traumas zu sein, doch wo die Wurzeln des Ganzen liegen, bleibt lange verborgen. Deutlich wird, dass Lisa Gardner hier intensiv recherchiert hat und man sich am Ende doch vorstellen kann, was hier wirklich geschah.
Mein Fazit
Auch wenn der Einstieg ein wenig Zeit brauchte, um wirklich spannend zu werden, konnte mich Lisa Gardner immer mehr und mehr an ihren Thriller fesseln. Sie schaffte es, mich immer wieder in die Irre zu leiten und mich zu verwirren, so dass ich ab einem bestimmten Punkt nicht mehr aufhören konnte zu lesen. Immer wieder gab es Wendungen, die ich nicht erahnt habe und wenn ich dachte, ich wüsste worum es geht, kam es doch anders. Inhaltlich möchte ich hier nicht zu viel verraten, möchte aber den Thriller gerne weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 01.09.2018

Gutes Debüt mit viel Spannung

Todeskäfig (Ein Sayer-Altair-Thriller 1)
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Zwei Polizisten werden zu einem Einsatz gerufen, weil aus einem verlassenen Haus ein merkwürdiger Geruch dringt. Schon vor der Tür bemerken sie, dass sie bereits vor zwei Wochen hier waren, weil ein Hilferuf ...

Zwei Polizisten werden zu einem Einsatz gerufen, weil aus einem verlassenen Haus ein merkwürdiger Geruch dringt. Schon vor der Tür bemerken sie, dass sie bereits vor zwei Wochen hier waren, weil ein Hilferuf sie erreichte. Doch damals fanden sie nichts Verdächtiges, aber schon vor der Tür können auch sie den Verwesungsgeruch feststellen. Als sie dem Geruch auf der Spur sind, geraten sie in eine Falle, wobei einer von ihnen schwer verletzt wird. Sayer Altair, FBI Agentin, und ihr Team werden gerufen, denn im Keller wurde ein Käfig entdeckt, darin die Leiche eines Mädchens, welches qualvoll verdurstete und ein Hundewelpen. Es stellt sich heraus, dass es sich bei der Leiche um die Tochter des Senators Van Hurst handelt, die bereits seit einem Jahr verschwunden ist. Plötzlich stehen Sayer und ihr Team in der Öffentlichkeit mit ihren Ermittlungen, denn Van Hurst bezieht die Presse mit ein. Eine Jagd nach dem Mörder beginnt.
Meine Meinung
Schon das Cover schreit regelrecht nach Thriller und da ich derzeit sehr gerne Spannungsliteratur lese und der Klappentext vielversprechend klang, wurde ich neugierig.
Der Einstieg in den Thriller gelingt umgehend, denn schon von Beginn an schafft es Ellison Cooper Spannung aufzubauen. Sie schreibt direkt und mit klaren Worten und schnell wurde ich von der Story gefangen genommen. Auch wenn die Autorin durchaus so schreibt, dass man das Gefühl hat, live alles mitzuerleben, bleibt es doch recht unblutig. Also wer es zwar temporeich und detailliert mag, aber lieber von blutigen Details verschont bleiben möchte, ist hier genau richtig. Trotzdem hat mich ihr Stil ein wenig an Chris Carter erinnert, dessen Bücher mir bisher immer Spannung garantiert haben.
Von der ersten Seite an ist Spannung vorhanden und so bleibt es auch zum großen Teil. Zwar bekommt der Leser durchaus Momente, in denen er mal miträtseln und überlegen kann, doch immer wieder kommt es zu Szenen, die das Adrenalin steigen lassen. Gerade auch durch die Atmosphäre, z. B. in dem alten Haus, von der die Autorin erzählt, spürt man den Gänsehautfaktor und man kann sich hier regelrecht in die Opfer und deren aussichtslose Lage versetzen. Der Fall ist ebenfalls spannend angelegt und wirkt durchdacht und ich hatte bis kurz vor der Auflösung keine wirkliche Idee, wer denn der Täter sein könnte.
Zu einem großen Teil erlebt der Leser den Thriller aus der Perspektive der FBI Ermittlerin Sayer Altair. Hin und wieder bekommt man aber auch einen Eindruck der Opfer, der jungen Mädchen, die in einem Käfig gefangen gehalten wurden. Ich mag es bei solchen Thrillern eigentlich sehr gerne, wenn man auch einen Einblick in die Gedanken des Täters erhält, was hier allerdings nicht passiert. Trotzdem leidet hier die Spannung in keinster Weise.
Sayer Altair ist zwar sehr sympathisch, aber zu einem großen Teil auch sehr klischeehaft. Auch wenn sie die Enkelin eines Senators ist und behütet aufwuchs, hat auch sie ihr Päckchen zu tragen und leidet z. B. auch unter Schlafstörungen. Trotz dieser Klischees ist sie jetzt nicht diese “kaputte” Ermittlerin, sondern man spürt, dass sie voll und ganz in ihrem Beruf aufgeht und sich selbst treu bleibt, genauso wie ihrem Team gegenüber. Da es sich bei Todeskäfig ja auch um ein Debüt handelt, denke ich, dass wir hier auch gleich den Einstieg in eine neue Thrillerserie erhalten haben und das gesamte Team noch deutlich näher kennenlernen dürfen. Alles in allem sind die weiteren Charakteren, auf die wir wohl auch wieder treffen werden, ein sympathisches Team, wenn auch von den Eigenschaften nicht allzu überraschend.
Mein Fazit
Ein gelungenes Thrillerdebüt mit sehr viel Spannung und einem Fall, bei dem man nicht so leicht dem wahren Täter auf die Spur kommt. Das Ende war mir ein wenig zu sehr konstruiert und etwas zu viel des Guten, trotzdem fühlte ich mich mit dem Buch durchweg sehr gut unterhalten. Die Protagonistin ist ein sympathischer Charakter, von der ich gerne mehr erfahren möchte, genauso wie auch von ihrem Team. Ein lesenswerter Thriller, den ich gerne weiterempfehle.