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Veröffentlicht am 17.01.2021

Ein Cold Case mit unvorhersehbaren Wendungen

Böses Blut
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Band 05 einer Reihe – evtl. inhaltliche Spoiler zum Privatleben der Ermittler

Während eines Besuchs seiner Familie wird Privatermittler Cormoran Strike von zwei Frauen des Ortes angesprochen. Eine von ...

Band 05 einer Reihe – evtl. inhaltliche Spoiler zum Privatleben der Ermittler

Während eines Besuchs seiner Familie wird Privatermittler Cormoran Strike von zwei Frauen des Ortes angesprochen. Eine von ihnen ist die Tochter einer Ärztin, die im Jahre 1974 spurlos verschwand. Ihren Fall wird einem Serienmörder zugeschoben, der zu dieser Zeit in der Gegend viele Frauen und Mädchen entführte und tötete. Doch ob auch die Ärztin Morgot Baborough zu ihnen gehörte, konnte nie richtig geklärt werden. Strike ist zunächst skeptisch, ob man nach so vielen Jahren noch etwas herausfinden kann, doch gemeinsam mit seiner Partnerin Robin Ellacott beginnt er zu ermitteln.
Meine Meinung
Zwar ist mit “Böses Blut” bereits der fünfte Band rund um die Ermittler Cormoran Strike und Robin Ellacott erschienen, aber ich habe ja ein spezielles Händchen dafür, immer mitten in einer Reihe einzusteigen und habe dann hier mit Band 5 begonnen.
Im großen und ganzen hatte ich nur wenig inhaltliche Verständnisprobleme, zwar war mir bewusst, dass man bei einem Buch solchen Umfangs auch mit dem Privatleben der Ermittler konfrontiert wird, doch Robert Galbraith schafft es ganz geschickt, die Charaktere und deren Privatleben mit in ihrer Geschichte zu integrieren, so dass sich all das von ganz alleine fügt.
Der Schreibstil ist sehr weit ausholend und intensives Kopfkino, was mir am Anfang auf den ersten 200 Seiten doch etwas schwer fiel, doch so nach und nach war ich von der gesamten Atmosphäre und den Ereignissen gefesselt und kann sagen, dass hier trotz des gigantischen Umfangs kein Wort zu viel war.
Robert Galbraith nimmt sich Zeit für die Entwicklung sowohl bei dem Fall als auch bei dem Privatleben der im Vordergrund stehenden Strike und Ellacott. Dabei hatte ich aber nach einer Zeit eher das Gefühl, das Geschehen live mitzuerleben und konnte mir alles direkt vors innere Auge holen – also wirklich gelungenes Kopfkino. Auf diesen 1200 Seiten kam keine Langeweile auf und auch wenn ich immer wieder mit Vermutungen aufgestellt habe, hatte ich bis zum Ende überhaupt keine Idee, wer oder was hinter dem Verschwinden der Ärztin steckte. Viele gelungene Ansätze führten zu immer neuen und wirklich interessanten Ansätzen, so dass man sich selbst von dem Opfer, der Ärztin Margot Bamborough, ein gutes Bild machen konnte.
Auch das Gefühl der siebziger Jahre, das hier immer mal wieder mit aufkam, wenn die Befragten erzählten, fand ich richtig gut gelungen und immer wieder überraschend, wie sehr sich doch unser Weltbild in dieser doch recht kurzen Zeit bis heute, geändert hat.
Die Charaktere sind absolut tiefgehend gezeichnet und selbst die Nebencharaktere hinterlassen ein klares Bild in meiner Vorstellung. Cormoran Strike ist ein besonderer Charakter, sehr eigen und doch mochte ich ihn vom ersten Moment an. Ich glaube, wer die Bücher kennt, weiß an dieser Stelle, was ich meine. Robin Ellacott mochte ich ganz genauso gerne und auch wenn ich insgeheim hoffe, dass die beiden zueinander finden, kann ich bei beiden verstehen, was sie davon abhält.
Mein Fazit
Ein, nach kurzer Gewöhnungsphase, spannender Krimi mit einem spannenden Plot, der für den Leser viel Raum lässt, um mitzurätseln und doch immer wieder aufs Neue in die Irre führt. Ein detaillierter Schreibstil lässt das Kopfkino lebendig werden und die Charaktere sind lebendig und authentisch gezeichnet. Für mich zwar der erste Strike/Ellacott Krimi, aber definitiv nicht der letzte.

Veröffentlicht am 10.01.2021

Spannend

Amissa. Die Verlorenen
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Nach einem heftigen Streit mit ihren Eltern läuft die siebzehnjährige Leila davon. Den Umzug aus der Stadt und die Trennung von ihren Freunden hat sie ihnen mehr als übel genommen. Eigentlich wollte sie ...

Nach einem heftigen Streit mit ihren Eltern läuft die siebzehnjährige Leila davon. Den Umzug aus der Stadt und die Trennung von ihren Freunden hat sie ihnen mehr als übel genommen. Eigentlich wollte sie auch nur kurz in dem nahegelegenen Club vorbeschauen, doch stattdessen läuft sie in blinder Panik auf die Autobahn, wo sie ums Leben kommt. Davon werden die Privatermittler Jan Kantzius und seine Frau Rica Zeugen. Mit dem letzten Atemzug flüstert sie dem Ermittler etwas zu und übergibt ihm einen Zettel. Kantzius wird neugierig und beginnt, die Fährte des Mädchens zu verfolgen.
Meine Meinung
Der Klappentext klang unheimlich spannend und aktuell und schon auf den ersten Seiten schafft es der Autor Frank Kodiak den Leser in den Bann des Thrillers zu ziehen.
Mit kurzen und knackigen Kapiteln, die teils in Cliffhangern enden und mit einer klaren und direkten Sprache ist man als Leser nahezu gefesselt und will immer mehr wissen, wie es weitergeht und was da alles hintersteckt.
Aus der Sicht unterschiedlicher Perspektiven, wobei hier die Ermittler, aber auch die Täter recht weit in den Vordergrund rücken, erfährt man so nach und nach, worum es hier wirklich geht. Denn nicht nur die davongelaufene Leila sondern auch viele andere Mädchen, die vor kurzem umgezogen sind und dies den Eltern übel nahmen, scheinen spurlos verschwunden. Alle Spuren führen ins Internet und in die sozialen Netzwerke, was nur einmal mehr zeigt, inwieweit diese für alle Arten von Kriminalität genutzt werden können. Für mich arbeitet der Autor hier ein aktuelles Thema sehr spannend auf.
Richtig gut gefallen haben mir die beiden privaten Ermittler Jan und Rica Kantzius, die beide sehr direkt sind und nicht so schnell klein beigeben. Gemeinsam ergänzen sie sich hervorragend und bilden nicht nur im privaten ein tolles Team. Während Jan als ehemaliger Polizist geschickt in Ermittlungsarbeit vorgeht, beherrscht seine Frau die Computerwelt und ist eine mehr als geschickte Hackerin. Ich fand beide sehr gut dargestellt und sympathisch.
Die Nebencharaktere rücken hier zwar mehr in den Hintergrund, da es hier auch eine Vielzahl an möglichen Verdächtigen oder potentiellen Opfern gibt, trotzdem ist es spannend zu beobachten, wie diese miteinander in Verbindung stehen.
Besonder gelungen fand ich die Umsetzung, wie leicht es den Tätern fällt, das Vertrauen der Mädchen zu erhalten und wie einfach es doch ist, gerade junge, naive Teenager von etwas zu überzeugen. Gerade diese Thematik war erschreckend glaubhaft und überzeugend.
Dadurch, das hier das Ende recht offen gehalten ist, wird man schon sehr neugierig auf die Folgebände gemacht. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt darauf, wie es mit den Ermittlern weitergehen wird und auf welch Spuren sie noch gelangen werden.
Mein Fazit
Mit Amissa – die Verlorenen hat Autor Frank Kodiak einen spannenden und fesselnden Trilogieeinstieg geschrieben, der sich mit einem sehr aktuellem Thema beschäftigt. Authentische Charaktere und eine glaubhafte, teilweise rasante Handlung machten das Buch zu einem Pageturner, den ich in einem Rutsch verschlungen habe. Lesenswert und macht neugierig auf die Fortsetzung.

Veröffentlicht am 29.12.2020

Tolle Grundidee

Tales of Beasts and Magic
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n einer nicht allzu fernen Zukunft ist Magie auf die Erde gekehrt und mit ieser auch die Bestien, die die Menschen bedrohen. An einer Akademie werden Magiebegabte zu Alchemisten, Medien und Kriegern ausgebildet ...

n einer nicht allzu fernen Zukunft ist Magie auf die Erde gekehrt und mit ieser auch die Bestien, die die Menschen bedrohen. An einer Akademie werden Magiebegabte zu Alchemisten, Medien und Kriegern ausgebildet und eine von ihnen ist Liana. Auch wenn sie ihre Berufung als Alchemistin nicht unbedingt mag, ist es doch für sie etwas besonderes, denn sie stammt nicht, wie viele andere, aus einer Begabtenfamilie. Das reibt ihr der arrogante Krieger Kieran auch allzu gerne unter die Nase. Als dann in einer Prophezeiung herauskommt, dass ausgerechnet Liana und Kieran gemeinsam arbeiten müssen, um die neuen, gefährlichen Bestien zu stoppen, ahnt Liana, dass das nicht gut gehen kann. Doch ob sie will oder nicht, es liegt mit in ihrer Hand, ob sie die Bestien bezwingen werden.
Meine Meinung
Schon beim Stöbern in der Vorschau machte mich das Cover neugierig und der Klappentext klang ebenfalls vielversprechend.
Dank des wirklich flüssigen Schreibstils der Autorin wurde ich auch umgehend in die Geschichte gezogen und fand mich von Beginn an an der Seite der Protagonistin Liana. Vanessa Golnik beschreibt bildreich und hat viele spannende Ideen, die mir sehr gut gefallen haben und ich würde mich tatsächlich freuen, auch noch einmal in Lianas und Kierans Welt zurückzukehren, denn da ist auf jeden Fall noch viel Raum für mehr.
Die Handlung an sich liest sich durchaus spannend, allerdings hätte ich mir noch ein bisschen mehr Kampf gegen die Bestien gewünscht und dafür etwas weniger von der Dreiecksbeziehung, die sich im Laufe der Geschichte ergibt. Nichtsdestotrotz habe ich die Geschichte in einem Rutsch gelesen und mich keineswegs gelangweilt.
Das Worlbuilding fand ich gut vorstellbar. Wir befinden uns in unserer eigenen Zukunft und auf der Welt herrschen Magie und Bestien. Diese bedrohen die Menschen, dabei sehen sie meist noch sehr harmlos aus, doch das täuscht. Die Krieger werden an der Akademie ausgebildet, genau diese Bestien zu jagen. Doch dann kommt eine neue Bestienart hinzu und diese lässt sich nicht besiegen, stattdessen werden immer mehr Menschen getötet und die Zeit drängt, etwas gegen sie unternehmen zu können.
Protagonistin Liana führt als Ich-Erzählerin durch die Geschichte und ich fühlte mich schnell mit ihr verbunden. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen, hatte es nicht immer leicht und ihr Talent für die Alchemie nervt sie wohl am meisten. Ich fand sie unheimlich sympathisch und habe durchweg mit ihr mitfühlen können. Kieran hingegen stammt aus einer magiebegabten Familie und sein Vater ist ein General. Zunächst wirkt er arrogant und rücksichtslos, doch je mehr Liana ihn kennenlernt, desto mehr muss auch sie einsehen, dass auch der reiche, verwöhnte Junge Probleme hatte. Andere als ihre eigenen Probleme, doch auch er hat sein Päckchen zu tragen. Beide Protagonisten fand ich glaubwürdig und authentisch und zusammen mochte ich sie wirklich gerne. Mit teils humorvollen, aber auch ernsten Dialogen zogen sie mich in ihren Bann. Ich bin zwar kein Fan von Herzschmerz-Liebesgeschichten, aber an dieser Stelle hätte ich mir tatsächlich mehr zwischen den beiden Protagonisten gewünscht.
Die Nebencharaktere blieben, bis auf eine Ausnahme, recht überschaubar und wirklich nur Nebensache. Die eine Ausnahme hätte es für mich allerdings gar nicht gebraucht, um die Geschichte in Schwung zu halten. Allerdings möchte ich an dieser Stelle gar nicht mehr verraten, da es zu sehr spoilern würde.
Mein Fazit
Mir hat die Geschichte rund um die Bestien und die Magie sehr gut gefallen und ich fühlte mich durchweg gut unterhalten, so dass ich das Buch an einem Tag weggelesen habe. Mit vielen tollen Ideen konnte mich Vanessa Golnik überzeugen und ich würde mich sehr freuen, wieder von Liana und Kieran lesen zu dürfen, denn für mich gibt es aus dieser Welt noch einiges, was mich interessieren würde.

Veröffentlicht am 29.12.2020

Spannender Plot

Geburtstagskind (Ewert Grens ermittelt 1)
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Eigentlich wäre der Fall eines Einbruchs, bei dem nicht einmal etwas entwendet wurde, keine Angelegenheit für Ewert Grens. Allerdings macht ihn die Anschrift sofort stutzig, denn diese hat er nie vergessen. ...

Eigentlich wäre der Fall eines Einbruchs, bei dem nicht einmal etwas entwendet wurde, keine Angelegenheit für Ewert Grens. Allerdings macht ihn die Anschrift sofort stutzig, denn diese hat er nie vergessen. Siebzehn Jahre ist es her, dass er schon einmal genau zu dieser Adresse gerufen wurde und damals war es ein schockierender Fall, den er nie lösen konnte. Damals alarmierten die Nachbarn die Polizei, weil ein merkwürdiger Geruch und laute Musik aus der Wohnung drangen und das Bild in der Wohnung wird er wohl nie vergessen. Eine Geburtstagstorte auf dem Küchentisch mit fünf Kerzen, ein kleines Mädchen für die diese bestimmt war und eine Familie, die hingerichtet wurde. Bis auf die Kleinste, die über mehrere Tage allein mit ihrer getöteten Familie in der Wohnung war. Doch was soll der Einbruch mit dem Fall von damals zu tun haben? Als dann noch einer der Verdächtigen von damals ermordet aufgefunden wird, glaubt Grens nicht mehr an Zufälle und beginnt wieder zu ermitteln.
Meine Meinung
Bei diesem Krimi hat mich der Klappentext gleich neugierig gemacht, gerade auch weil es hier um einen aktuellen Fall geht, der Verbindungen zu einem Cold Case hat.
Schon der Prolog wirkt wie ein Schock, denn Anders Roslund erzählt aus der Sicht des fünfjährigen Mädchens, das allein mit ihren ermordeten Eltern und Geschwistern tagelang in einer Wohnung war. Das wird wirklich so intensiv beschrieben, dass man umgehend Mitleid mit dem Mädchen hat und während des gesamten Thrillers denkt man immer wieder zurück an das kleine Mädchen in der Wohnung.
Anders Roslund erzählt sehr fesselnd und gut vorstellbar. Die Szenarien, die er schildert, erwachen schnell zum Leben. Das Thema, das er hier wählt, ist aktuell und der Krimi wirkt glaubhaft. Der Plot ist durchweg spannend gehalten, auch wenn vieles recht ausführlich geschildert wird. Hier wirkt genau das, denn dabei werden die Bilder erst recht lebendig.
Unterteilt ist der Krimi in acht größeren Abschnitten, bei dem jeder einzelne aus einer anderen Perspektive geschildert wird. Irgendwann in Richtung Ende hatte ich dann doch eine Idee, wer hinter den Morden an den ehemals Verdächtigen steckt, trotzdem fand ich das ganze sehr gut gelöst und glaubhaft.
Neben dem Ermittler Grens stehen hier noch zwei weitere Personen im Vordergrund. Zum einen Piet Hoffmann, ehemaliger Krimineller, der als Informant für Grens gearbeitet hat und der hier Grens um seine Hilfe bittet, als seine eigene Familie in Gefahr gerät. Zum anderen beobachtet der Leser später das Mädchen aus dem Prolog. Während die Perspektiven Grens und Hoffmanns durch einen dritte Person Erzähler dargestellt wird, erfährt man von dem Mädchen in der Ich-Perspektive. Gerade dadurch bekommt man ein noch intensiveres Verständnis für das Mädchen.
Ewert Grens ist ein Ermittler kurz vor der Pension, vor der sich insgeheim fürchtet. Seine Figur fand ich sehr authentisch und glaubwürdig. Piet Hoffmann ist mit allen Wassern gewaschen und mir gleich von Beginn an sympathisch. Insgesamt konnte mich Anders Roslund auch mit seiner Darstellung der Charaktere überzeugen, da er sie absolut vorstellbar zeichnet und ich jedem einzelnen die Handlung abgenommen habe.
Mein Fazit
Mit Geburtstagskind ist Anders Roslund ein sehr spannender Krimi gelungen, dessen Handlung, gerade auch zu Beginn, absolut schockieren und fesseln kann. Gerade dieser Prolog lässt den Leser während der gesamten Ermittlung nicht los und bleibt permanent im Hinterkopf. Ein sehr gelungener Krimi, den ich gerne weiterempfehle.

Veröffentlicht am 27.12.2020

Hätte noch viel mehr vertieft werden können

Cleanland
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Eine große Pandemie hat dazu geführt, dass die Menschen sich zu ihrer eigenen Sicherheit in Cleanland abschotten. Hier gelten die Regeln der GaR – die fünf Gesetze der absoluten Reinheit. Man verlässt ...

Eine große Pandemie hat dazu geführt, dass die Menschen sich zu ihrer eigenen Sicherheit in Cleanland abschotten. Hier gelten die Regeln der GaR – die fünf Gesetze der absoluten Reinheit. Man verlässt seine Wohnung mit einem Protector, einem Anzug, der vor anderen Menschen und deren Viren und Bakterien abschirmen. Zur eigenen Sicherheit hat man nur noch Kontakt zu einer registrierten Kontaktperson, die Wohnung wird jede Nacht von so genannten Cleanern desinfiziert und vieles mehr. In dieser Welt lebt Schilo und sie hält sich an die GaR, alleine schon, weil ihre Mutter beim Ministerium für Reinheit arbeitet. Doch dann lernt sie den Cleaner Toko kennen und ihre registrierte Kontaktperson Samira gerät in Schwierigkeiten und Schilo beginnt nachzudenken.
Meine Meinung
Ich muss mich erst einmal ein wenig sammeln, um meine Gedanken zu diesem Buch zusammenzubekommen, denn im Grunde hat Martin Schäuble hier konsequent weitergedacht, wie es wäre, wenn Menschen für ihre Sicherheit ihre Freitheiten aufgeben würden. Der Autor schreibt sehr mitreißend und spannend und die gesamten Ideen rund um die absolute Reinheit fand ich nicht nur spannend und interessant, sondern auch absolut erschreckend. Ich konnte Cleanland direkt vor mir sehen und hatte bei so manch einer Aussage Gänsehaut, allein der Gruss – Achte die GaR und die Erwiederung: Bleiben sie gesund stimmten mich schon nachdenklich.
Insgesamt fand ich das Thema richtig spannend und auch super umgesetzt, allerdings kratzt Martin Schäuble leider nur an der Oberfläche. Diese wirklich guten Ideen hätten noch in alle möglichen Richtungen ausgeholt und intensiviert werden können. Vor allem was die Charaktere, aber auch das Gegenteil von Cleanland, die Sicklands angeht, hätte ich mir hier viel mehr gewünscht. Hier bleibt auf jeden Fall vieles meiner eigenen Fantasie überlassen und ich hätte gerne vieles mehr noch in Erfahrung gebracht.
Nichtsdestotrotz fand ich die Geschichte rund um Schilo von der ersten Seite an spannend und ich bleibe auch selber, wie so oft in letzter Zeit, mit der Frage zurück, inwieweit der Mensch wirklich in der Lage wäre, seine Freiheit für seine Sicherheit aufzugeben. So ein Leben, wie es hier beschrieben wird, möchte ich mir nicht einmal ansatzweise vorstellen müssen.
Schilo ist die Protagonistin und Ich-Erzählerin der Geschichte und sie war noch ein kleines Kind, bevor die Pandemie die Menschen dazu brachte, sich wie in Cleanland zu verhalten. Für sie ist es völlig normal, vor dem Betreten einer Wohnung desinfiziert zu werden und sich in Quarantäne zu begeben, wenn ihr Sicherheitsanzug, ihr Protector, einen Riss am Knie hat. Ich habe häufig entsetzt den Kopf geschüttelt, wenn ich ihr roboterartiges Leben betrachtet habe, doch für Schilo ist es so richtig, sie kennt es einfach nicht anders. Samira, ihre registrierte Kontaktperson, wächst ein bisschen anders auf, leider bleibt sie hier, wie auch der Rest der Charaktere, zu oberflächlich. Über Samira und ihre Gedanken hätte ich gerne mehr erfahren, genauso über Schilos Oma und über Toko. Sie tauchen als Nebencharaktere auf, bleiben aber sehr farblos und ich konnte mich nicht in sie versetzen.
Mein Fazit
Mit seinem Schreibstil und mit seinen, teilweise wirklich erschreckenden Ideen, konnte mich Martin Schäuble durchaus packen und überzeugen, leider bleibt das gesamte Thema drumherum zu oberflächlich, was ich sehr schade finde. Für mich hätte der Autor auch den Nebencharakteren mehr Leben geben müssen, genauso wie dem Gegenpart zu Cleanland, den Sicklands. So bleibe ich doch mit so einigen Fragen zurück. Sehr kurzweilig und fesselnd und der Autor versetzt einen direkt in die Cleanlands, doch drumherum bleibt mir zu vieles unausgesprochen.