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Veröffentlicht am 07.09.2025

Ein typischer Boyle

No Way Home
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Terrence Tully ist Assistenzarzt in L.A. und Anfang dreißig. Als seine Mutter plötzlich stirbt, bricht er nach Boulder City in Nevada auf, um sich um die Beerdigung und ihr Haus zu kümmern. Kurz nach seiner ...

Terrence Tully ist Assistenzarzt in L.A. und Anfang dreißig. Als seine Mutter plötzlich stirbt, bricht er nach Boulder City in Nevada auf, um sich um die Beerdigung und ihr Haus zu kümmern. Kurz nach seiner Ankunft trifft er in einer Bar die junge Bethany, die ihm dem Kopf verdreht. Er verbringt eine Nacht mit ihr und reist zurück nach Los Angeles. Als Bethany sich kurzerhand im Haus der verstorbenen Mutter einnistet, ist Terrence ist hin- und hergerissen: Einerseits misstraut er ihr und verübelt ihr die unverfrorene Besetzung des Hauses, andererseits ist er ihr vor allem körperlich verfallen. Dann taucht auch noch Bethanys Ex-Freund Jesse auf, der die Beziehung noch längst nicht aufgegeben hat und Terrence und Bethany keine Ruhe lässt.

Die karge Wüstenlandschaft von Boulder City ist eine wunderbare Kulisse für das Setting, das mich an ein archaisches Duell zweier Männer um eine Frau erinnert und mit Klischees spielt: Der gebildete, zurückhaltende, körperlich unterlegene Arzt, gegen den athletischen, attraktiven, aber prolligen Biker Jesse, einen klassischen Macho-Typen. Dazwischen die attraktive Bethany, die sich nicht entscheiden kann, Terrence vor allem als sichere und finanziell interessante Partie ansieht, während sie sich von Jesse weiterhin angezogen fühlt.

Boyle schreibt gewohnt sprachgewaltig, lebendig und voller bissigem, schwarzem Humor. Wie immer enthält auch „No way home“ einiges an Gesellschaftskritik: Er thematisiert unter anderem Armut und Obdachlosigkeit, den allgegenwärtigen Drogenkonsum, der in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und das problematische Gesundheitssystem.

Wie meist bei Boyle fällt es mir schwer, Sympathie für die Protagonisten aufzubringen, was mich jedoch nicht stört, da ich schwierige Charaktere, an denen man sich beim Lesen reiben kann, besonders spannend finde. Am stärksten fühlte ich mit Terrence mit, auch wenn mich seine mangelnde Entschlossenheit und Durchsetzungskraft nervten. Die Geschichte lässt tief in die menschlichen Abgründe blicken: Rache, Lügen, Eifersucht, verletzter Stolz, übersteigerte Männlichkeit, triebgesteuertes Handeln. Sämtliche Figuren, stehen in dysfunktionalen Beziehungen zueinander, und ihre moralischen und charakterlichen Schwächen führen dazu, dass sich eine unheilvolle Eigendynamik entwickelt. Dementsprechend war ich sehr gespannt, wie sich alles weiterentwickeln würde. Der Schluss hat mich leider nicht überzeugt und kam für mich sehr abrupt, so dass ich hierfür einen Stern abziehe.

Abgesehen davon ein lesenswerter, sehr unterhaltsamer Roman in typischer Boyle-Manier, aber nicht sein bestes Werk.

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Veröffentlicht am 03.09.2025

witzig, fantasievoll und dynamisch - ein toller zweiter Band!

Felina Fingerhut und der verflixte Schmetterlingseffekt
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Felina Fingerhut, inzwischen Hexen-Novizin, ist ganz aufgeregt: Sie darf bei Patina Grünspans Versandhandel für Scherzartikel, Glücksbringer und Hexenutensilien aller Art ein eintägiges Praktikum machen! ...

Felina Fingerhut, inzwischen Hexen-Novizin, ist ganz aufgeregt: Sie darf bei Patina Grünspans Versandhandel für Scherzartikel, Glücksbringer und Hexenutensilien aller Art ein eintägiges Praktikum machen! In den einzelnen Abteilungen warten spannende kleine Aufgaben auf sie, die sie mit viel Enthusiasmus angeht. Leider läuft dabei nicht alles glatt, und so verursachen kleine Fehler und Unachtsamkeiten bald ein riesiges Chaos – ausgerechnet an dem Tag, an dem der Versand an die Hexenbörse gehen soll! Nun müssen Felina, der Hexenkater Knopf und die Junghexe Wolke Donnerwetter mit vereinten Kräften alles daransetzen, das Durcheinander in Ordnung zu bringen.

Schon Band 1 hat meinem Sohn und mir richtig gut gefallen, aber der zweite Band toppt diesen sogar noch! Katja Hemkentokrax hat rund um den Versandhandel so viele fantasievolle und kreative Ideen eingebracht (etwa die schlangenhäuptige Medusa im Call-Center, deren Schlangenhaare an den Kristallkugeln den Kundenservice betreuen), dass dieses Buch geradezu sprüht vor unerwarteten, unterhaltsamen und witzigen Szenen. Auch die Dialoge sind wieder herrlich lebendig und humorvoll. Die vielen wunderschönen und detailreichen Zeichnungen ergänzen die Geschichte prima und lockern sie für die Jungleser:innen nochmals zusätzlich auf. Dank der charakteristischen Figuren hat mir als Mama das Lesen mit verteilten Rollen besonders viel Spaß gemacht.

Felina ist eine richtig sympathische Protagonistin, die immer mit viel Herz und Begeisterung dabei ist. Da sie etwas schusselig und übereifrig ist und sich nicht immer an die Regeln hält, verursacht sie zwar ein ziemliches Chaos, aber man kann ihr deswegen nicht böse sein. Zumal sie alles daran setzt, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen, und sich mit Herz und Tatkraft ins Zeug legt. Besonders gerne mögen wir außerdem den sprechenden Kater Knopf und seinen trockenen Humor.

Als Mathematikerin liebe ich an den Büchern zu Felina, dass sie immer einen kleinen naturwissenschaftlichen Bezug haben. Herrlich ist der etwas knurrige Ignatz Stecknadel, Zauberer und Mathemagiker, der zwar gerne herumzetert, aber wenn es eng wird, Felina und Wolke unterstützt. In diesem Band gefällt mir das Kapitel in der „Akademie für Numerisches Abrakadabra, Naturwissenschaften, Astrologie und Simsalabim“ besonders gut, in das die Autorin nicht nur wunderbare Wortspiele, sondern auch eine schöne Hommage an die Mathematikerin Emmy Noether integriert hat.

Uns hat dieses Buch rundum begeistert und wir können es kaum erwarten, den nächsten Band zu lesen!

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Veröffentlicht am 01.09.2025

erfrischend anders

Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry
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A.J. Fikry ist Anfang 40 und betreibt auf Alice Island die einzige Buchhandlung. Seit dem Tod seiner Frau hat er sich völlig zurückgezogen, ertränkt seine Trauer in Alkohol und begegnet seinen Mitmenschen ...

A.J. Fikry ist Anfang 40 und betreibt auf Alice Island die einzige Buchhandlung. Seit dem Tod seiner Frau hat er sich völlig zurückgezogen, ertränkt seine Trauer in Alkohol und begegnet seinen Mitmenschen knurrig und abweisend. Dies bekommt auch Amy zu spüren, die als Verlagsvertreterin arbeitet und ihm die Neuerscheinungen der kommenden Saison vorstellen möchte. A.J.s Leben nimmt eine entscheidende Wendung, als er eines Abends in seiner Buchhandlung etwas Überraschendes entdeckt...

Nach dem großen Erfolg von „Morgen, morgen und wieder morgen“ legt eichborn Gabrielle Zevins älteren Roman „Die Widerspenstigkeit des Glücks“ (Erstveröffentlichung 2015) unter dem Titel „Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry“ neu auf.

Jedes Kapitel wird durch eine von A.J. verfasste kurze Notiz zu einem literarischen Werk eingeleitet, die inhaltlich einen Bezug zu nachfolgenden Text hat. Auch wenn ich kaum eines der Bücher kannte, mochte ich dieses Stilelement, weil es das Kapitel wie eine Textklammer umfängt und mir auch Einblicke in A.J.s Denken und Fühlen gab. Als aufmerksame:r Leser:in wird man allerdings hierin auch auf den einen oder anderen kleinen Spoiler zum Handlungsfortgang stoßen. Mich hat das Prinzip etwas an Ted Mosby erinnert, der die Episoden von „How I met your mother“ als Ich-Erzähler einrahmt.

Ich mochte A.J. von Anfang an sehr, auch trotz – oder gerade wegen – seines oftmals etwas schroffen und eigenwilligen Wesens, da mir Figuren mit Ecken und Kanten am liebsten sind. Gabrielle Zevin schreibt flott und eingängig, die Handlung schreitet schnell voran und überspringt immer wieder einige Jahre. Das hat einen ganz eigenen Charme und treibt den Plot vorwärts, allerdings bleibt manchmal die Charakterentwicklung etwas auf der Strecke. Dies fiel mir besonders bei A.J. auf, dessen Veränderungen für mich nicht immer nachvollziehbar waren. Andere Figuren wie seine Schwägerin Ismay bleiben recht blass, und insbesondere in der zweiten Hälfte hatte ich das Gefühl, dass die Autorin manches zu schnell abhandelt und hoppladihopp über einschneidende Ereignisse hinweggeht.

Ungeachtet dessen habe ich dieses Buch sehr genossen und als erfrischend anders empfunden. Sobald ich angefangen hatte zu lesen, wollte ich es nicht mehr aus der Hand legen und unbedingt wissen, wie es weitergehen würde. Von mir eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Hochspannung bis zum Schluss

Eine falsche Lüge – Wird es ihre letzte sein?
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Sloane ist in armen Verhältnissen aufgewachsen und lügt seit ihrer Kindheit, um sich gegenüber anderen interessanter zu machen. Inzwischen ist ihr das Lügen in Fleisch und Blut übergegangen. So stellt ...

Sloane ist in armen Verhältnissen aufgewachsen und lügt seit ihrer Kindheit, um sich gegenüber anderen interessanter zu machen. Inzwischen ist ihr das Lügen in Fleisch und Blut übergegangen. So stellt sie sich eines Tages dem gutaussehenden Jay im Park als Krankenschwester Caitlin vor, als sie seiner Tochter Harper hilft. Kurz darauf lernt sie Jays Frau Violet kennen, die ihr bald eine Stelle als Kindermädchen für Harper anbietet. Caitlin alias Sloane und Violet freunden sich immer mehr an, kleiden und frisieren sich ähnlich, und Sloane ist überglücklich, mit der reichen und bildhübschen Violet und ihrer Vorzeigefamilie so eng verbunden zu sein. Hierfür ist sie auch bereit, immer weiter zu lügen. Doch ist bei Jay und Violet wirklich alles so, wie es scheint, oder spielt auch hier jemand ein falsches Spiel?

Sloane war für mich von Beginn an psychologisch hervorragend aufgebaut. Sie ist einsam und unsicher, fühlt sich unsichtbar und lügt, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Obwohl sie eine notorische Lügnerin ist, war sie mir nicht unsympathisch, da ich mit ihr mitfühlen konnte. Als sie Violet kennenlernt, verkörpert diese alles, was Sloane nicht hat bzw. ist: Violet sieht toll aus, ist reich, hat eine bezaubernde Tochter, einen sehr attraktiven Ehemann und ein nobles Haus in Bestlage. Und, unglaublich, aber wahr: Violet interessiert sich für Sloane, sucht ihre Nähe. Für Sloane erfüllt hierdurch ein Traum.

Über den Inhalt und auch den Erzählstil möchte ich an dieser Stelle gar nicht mehr schreiben, um nicht zu viel vorwegzunehmen, nur so viel: Beides wartet mit überraschenden Wendungen bzw. Kniffen auf, die mich als Leserin begeistert haben. Ich dachte immer wieder, ich wüsste nun, worauf die Geschichte hinauslaufen würde, und wurde jedes Mal wieder eines Besseren belehrt. Die Autorin Sophie Stava hält die Spannung bis zum Schluss hoch, und ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Das Ende hat mich noch einmal richtig überrascht, wenn auch nicht vollends überzeugt, da mir manches doch etwas unglaubwürdig erschien. Davon abgesehen ist „Eine falsche Lüge“ genau so, wie ich mir einen perfekten Psychothriller wünsche: Hochspannung ohne Blutvergießen, ein packender Schreibstil und psychologisch interessante Charaktere. Eine große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 27.08.2025

Hat meine Erwartungen leider nicht erfüllt

Junge Frau mit Katze
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Daniela Dröscher wurde mir aufgrund ihres Buches „Lügen über meine Mutter“ vielfach empfohlen, und so habe ich voller Vorfreude zu ihrem neuesten autofiktionalen Werk gegriffen. Die Protagonistin Daniela ...

Daniela Dröscher wurde mir aufgrund ihres Buches „Lügen über meine Mutter“ vielfach empfohlen, und so habe ich voller Vorfreude zu ihrem neuesten autofiktionalen Werk gegriffen. Die Protagonistin Daniela steht kurz vor ihrem Rigorosum und hat endlich eine befristete Festanstellung in der Wissenschaft in Aussicht, als ihr Körper streikt und die vielfältigsten Beschwerden auftreten. Es beginnt eine Odyssee von einer Arztpraxis zur nächsten, die Mediziner:innen sind bestenfalls desinteressiert bis unverhohlen genervt von ihrer Patientin mit den unklaren Symptomen. Dieser Part ist mir aus eigener Erfahrung nicht unbekannt, und Dröscher beschreibt die Probleme des Gesundheitssystems treffend.

Als Romanhandlung waren mir die eingehende Beschäftigung mit Krankheiten, Medikamenten, Arztbesuchen und ihr rotierendes Gedankenkarussell aber zu dünn. Dass sich ihr beruflicher Stress und die unsichere Beschäftigungssituation samt prekärer finanzieller Lage im Universitätsbetrieb auf die Gesundheit niederschlagen, ist zwar glaubwürdig, aber wenig originell. Die bemüht wirkende Verbindung zwischen ihren Krankheiten und dem Verhältnis zu Bruder und Mutter erschien mir etwas abwegig. Grundsätzlich ist es auch immer schön, einen Einblick in das Innenleben einer Figur zu bekommen, aber auf die detaillierte und bildliche Beschreibung der Darmspülung hätte ich doch gerne verzichtet.

Leider konnte ich hier auch mit der Intertextualität, die sich durch da gesamte Buch zieht, nichts anfangen, da die Autor:innen und Dichter:innen, auf die sie referenziert, nicht meinen Literaturvorlieben entsprechen.

Hinzu kommen offensichtliche inhaltliche Fehler. So gehören die von Daniela Dröscher genannten Wirkstoffe wie Fentanyl, Codein und Tramadol entgegen ihrer Behauptung nicht zur Gruppe der Nicht-steroidalen Antirheumatika, sondern zu den Opioiden. Selbst als Nicht-Medizinerin wurde ich hier stutzig. Auch wundert mich, dass sie in Bezug auf die Bewertung der Dissertation der Protagonistin immer nur die Stufen „summa“ und „cum“ erwähnt und die dazwischenliegende Note „magna“ unterschlägt.

Insgesamt hat mich „Junge Frau mit Katze“ leider enttäuscht und lässt mich etwas ratlos zurück.

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